Echter Mehltau durch Golovinomyces cichoracearum
Golovinomyces cichoracearum (DC.) V. P. HelutaEchter Mehltau durch Golovinomyces cichoracearum – Kurzüberblick
Golovinomyces cichoracearum ist ein obligat biotropher Echter-Mehltaupilz, dessen heutiger, enger Artbegriff vor allem Nachweise an Schwarzwurzel (Scorzonera) und Haferwurzel beziehungsweise Bocksbart (Tragopogon) umfasst. Typisch sind weiße, mehlige Beläge auf Blättern und Stängeln, später Vergilbung und Blattwelke. Ältere Literatur fasst ähnliche Mehltaupilze teils weiter zusammen.
Typische Bedingungen
Überblick
Golovinomyces cichoracearum ist ein obligat biotropher Pilz: Er ernährt sich von lebendem Pflanzengewebe und kann außerhalb eines lebenden Wirts nicht dauerhaft wachsen. Das oberflächlich wachsende Myzel bildet den charakteristischen weißen, mehligen Belag; nur Saugorgane dringen zur Nährstoffaufnahme in die Epidermiszellen ein.
In Deutschland ist bei Befall an Schwarzwurzel oder Bocksbart zwischen dem aktuellen Artbegriff und älteren Sammelbezeichnungen zu unterscheiden. Eine sichere Artbestimmung allein anhand des weißen Belags ist meist nicht möglich.
Symptome und Erkennung
Erste Anzeichen sind kleine, weißliche, punktförmige Kolonien auf der Blattober- oder -unterseite. Sie vergrößern sich zu unregelmäßigen, mehlartigen Belägen, die Blattflächen und gelegentlich Blattstiele oder Stängel überziehen.
- weißer, abwischbar wirkender Belag aus Myzel und Konidien
- später gelbliche bis braune Verfärbungen unter den Befallsstellen
- vorzeitiges Vergilben, Austrocknen und Absterben stark befallener Blätter
- bei starkem Befall Kümmerwuchs und geringere Assimilationsleistung
Auf älteren Kolonien können sich bei geeigneter Witterung zunächst gelbliche und später dunkelbraune bis schwarze Fruchtkörper entwickeln. Das ist im Hausgarten jedoch nicht immer zu beobachten.
Ursachen und Ausbreitung
Die Ausbreitung im Bestand erfolgt überwiegend durch luftgetragene Konidien von bereits befallenen Blättern. Besonders schnell geht sie bei warmen Tagen, hoher nächtlicher Luftfeuchte, dichtem Laub und geringer Luftbewegung voran.
Infektionsquellen können überwinternde Pflanzenreste, stehen gebliebene Wirtspflanzen und nahe verwandte Wildkräuter aus der Unterfamilie Scorzonerinae sein. Wasser auf dem Blatt ist für die Sporenkeimung nicht erforderlich. Eine eindeutige Übertragung von Befall auf nicht verwandte Kulturpflanzen sollte ohne Laborbestimmung nicht angenommen werden.
Lebenszyklus und Überdauerung
Der Pilz überwintert je nach Witterung und Wirt als Myzel an lebendem Pflanzengewebe oder in dunklen Fruchtkörpern auf befallenem Pflanzenmaterial. Im Frühjahr und während der Vegetationszeit entstehen massenhaft ungeschlechtliche Konidien.
Diese Sporen werden vor allem durch Luftbewegungen verbreitet und können neue Blätter besiedeln. Im Gegensatz zu vielen Blattfleckenpilzen benötigen sie keinen anhaltenden Wasserfilm zur Keimung; hohe Luftfeuchte genügt häufig. Später können sexuelle Fruchtkörper entstehen, deren Bedeutung für die Überdauerung regional und unter den jeweiligen Wirtsbedingungen variiert.
Behandlung und Bekämpfung
Bei leichtem Befall stehen Kulturmaßnahmen im Vordergrund: stark befallene Blätter entfernen, den Bestand auslichten und die Wasserversorgung stabilisieren. Bereits vollständig überzogene Blätter erholen sich meist nicht; Ziel ist, junge und noch gesunde Blätter zu schützen.
Bei regelmäßigem oder starkem Befall können zugelassene Fungizide erforderlich sein. In Deutschland kommen je nach Kultur und Zulassung unter anderem schwefelhaltige Präparate infrage; die konkrete Zulässigkeit, Kulturverträglichkeit und Anwendung muss jedoch vor jeder Behandlung im aktuellen amtlichen Zulassungsstand und auf dem Etikett geprüft werden.
Schonende und biologische Bekämpfung
Bei frühem Befall einzelne Blätter oder stark befallene Triebteile vorsichtig entfernen und über den Hausmüll entsorgen, nicht kompostieren. Werkzeuge danach reinigen.
- Bestand regelmäßig kontrollieren und erste Kolonien frühzeitig beseitigen
- ausreichende Reihen- und Pflanzenabstände für gute Durchlüftung einhalten
- übermäßige Stickstoffgaben vermeiden und für gleichmäßige Wasserversorgung sorgen
- befallene Erntereste und freiwillig auflaufende Wirtspflanzen aus dem Bestand entfernen
- vorbeugend nur in Deutschland zulässige Pflanzenstärkungsmittel oder biologische Präparate nach Etikett einsetzen
Hausmittel wie Milch- oder Natronlösungen können eine Wirkung zeigen, sind aber nicht automatisch für jede Kultur pflanzenverträglich oder rechtlich als Pflanzenschutzanwendung abgesichert. Zunächst an wenigen Pflanzen testen.
Vorbeugung
- robuste oder tolerante Sorten wählen, soweit für Schwarzwurzel oder Bocksbart verfügbar
- nicht zu dicht pflanzen und zwischen den Reihen eine gute Luftzirkulation ermöglichen
- Blätter möglichst bodennah bewässern und lang anhaltende Blattnässe vermeiden, ohne Trockenstress entstehen zu lassen
- Stickstoff bedarfsgerecht und nicht übermäßig ausbringen
- Bestände ab dem Frühsommer regelmäßig kontrollieren
- befallene Pflanzenreste nach der Kultur zügig entfernen und freiwillige Wirtspflanzen im unmittelbaren Umfeld reduzieren
Eine mehrjährige Anbaupause mit nicht verwandten Kulturen kann den Befallsdruck senken, ersetzt aber nicht die Entfernung lebender Wirtspflanzen, da der Pilz auf lebendem Gewebe weiterbestehen kann.
Wissenswertes
- Der Name Erysiphe cichoracearum ist ein älteres Synonym beziehungsweise eine frühere Sammelbezeichnung, die in älteren Pflanzenschutzangaben häufig noch erscheint.
- Die heutige Systematik hat viele frühere, sehr breite Wirtsangaben auf mehrere spezialisierte Golovinomyces-Arten aufgeteilt.
- G. cichoracearum sensu stricto wird besonders mit Scorzonera hispanica und mehreren Tragopogon-Arten in Verbindung gebracht.
- Der weiße Belag sitzt überwiegend auf der Pflanzenoberfläche; die eigentliche Nährstoffaufnahme erfolgt über Haustorien in den Epidermiszellen.
Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland ausschließlich eingesetzt werden, wenn sie für die konkrete Kultur und das konkrete Schadproblem aktuell zugelassen sind. Vor jeder Anwendung das amtliche Verzeichnis und das aktuelle Etikett prüfen; Aufwandmenge, Anwendungszeitpunkt, Wartezeit, Anwenderschutz und Bienenschutz strikt einhalten. Keine Anwendung außerhalb der zugelassenen Indikation.
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