Eschentriebsterben
Hymenoscyphus fraxineusEschentriebsterben – Kurzüberblick
Das Eschentriebsterben ist eine schwere Pilzkrankheit der Eschen, verursacht durch das aus Ostasien stammende Eschenstängelbecherchen (Hymenoscyphus fraxineus). Besonders anfällig ist die heimische Gemeine Esche. Typisch sind absterbende Triebe, schwarze Blattnekrosen und längliche, oft rautenförmige Rindennekrosen. Eine Heilung befallener Bäume ist derzeit nicht möglich; entscheidend sind Beobachtung, Verkehrssicherheit und konsequente Hygiene.
Typische Bedingungen
Überblick
Das Eschentriebsterben, auch Eschenwelke genannt, wird durch das Eschenstängelbecherchen (Hymenoscyphus fraxineus) verursacht. Der Pilz stammt aus Ostasien und ist in Europa weit verbreitet. Die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) gilt als besonders anfällig; die Ausprägung reicht jedoch von milden Blattinfektionen bis zum Absterben junger oder stark vorgeschädigter Bäume.
Die Krankheit darf nicht allein anhand einer schütteren Krone diagnostiziert werden. Spättriebigkeit, Trockenstress, Hallimasch, mechanische Schäden und andere Erreger können ähnliche Erscheinungen verursachen. Bei wertvollen Bäumen oder an Verkehrswegen sollte eine fachkundige Untersuchung erfolgen.
Symptome und Erkennung
- Ab Mai bis in den Spätsommer: welke, zunächst oft dunkel gefärbte oder schwarzbraune Blätter und Blattnekrosen.
- Vorzeitiger Blattfall und Absterben diesjähriger Triebe, häufig von den Triebspitzen ausgehend.
- Längliche, braune bis schwarze Rindennekrosen an Trieben, Ästen und Stämmen; an Verzweigungen oft rautenförmig.
- Langfristig: lichte Krone, wiederholter Neuaustrieb, Totäste, Stammschäden und erhöhte Bruchgefahr.
Die Symptome sind im Zeitraum Juli bis September meist am besten erkennbar. Die normale späte Belaubung der Esche im Frühjahr ist dagegen kein sicherer Krankheitsnachweis.
Ursachen und Ausbreitung
Der Pilz überwintert vor allem in abgefallenen, infizierten Eschenblättern. Im folgenden Sommer entstehen an den Blattspindeln kleine, weiße, becherförmige Fruchtkörper. Ihre Sporen werden bei feuchter Witterung freigesetzt und durch den Wind auf frische Eschenblätter verbreitet. Hohe Sporenmengen und wiederholte Infektionen fördern den Krankheitsverlauf.
Eine Ausbreitung über größere Entfernungen kann außerdem durch infiziertes Pflanzgut erfolgen. Schuhe, Fahrzeuge und Werkzeuge gelten im Vergleich zur Windverbreitung als weniger bedeutende, aber hygienisch vermeidbare Verschleppungswege.
Lebenszyklus und Überdauerung
- Infizierte Blätter fallen im Herbst zu Boden und werden vom Pilz besiedelt.
- Im späten Frühjahr und Sommer bilden sich auf den Blattspindeln des Vorjahres weiße Apothezien.
- Die Apothezien setzen bei feuchter Witterung Ascosporen frei, besonders häufig im Sommer.
- Die Sporen infizieren Eschenblätter; der Pilz wächst in Blattstielen und jungen Trieben weiter.
- Rindennekrosen können Äste und Stamm abschnüren. Der Zyklus beginnt erneut mit dem Fall infizierter Blätter.
Feuchte Boden- und Luftbedingungen begünstigen Fruchtkörperbildung und Sporenkeimung. Einzelne Eschen zeigen eine höhere Toleranz, was auf genetische Unterschiede innerhalb der Art hinweist.
Behandlung und Bekämpfung
Eine kurative Behandlung bereits infizierter Bäume ist derzeit nicht verfügbar. Bei leicht bis mäßig geschädigten Eschen steht der Erhalt vitaler, möglicherweise toleranter Individuen im Vordergrund. Schnittmaßnahmen sollten sich auf tatsächlich abgestorbene oder gefährliche Äste beschränken und fachgerecht ausgeführt werden; radikale Rückschnitte beseitigen den Pilz nicht.
Bei stark geschädigten Bäumen sind Stand- und Bruchsicherheit, Standortfunktion sowie mögliche Folgeerreger wie Hallimasch zu beurteilen. Fällungen oder größere Schnittarbeiten an Bäumen in Deutschland sollten entsprechend den örtlichen Vorgaben, dem Artenschutz und gegebenenfalls durch einen qualifizierten Baumpflegebetrieb erfolgen.
Schonende und biologische Bekämpfung
- Infizierte Blattspindeln und Eschenlaub im Herbst aufnehmen, aus dem Bestand entfernen oder unter einer ausreichend starken Abdeckung tief kompostieren.
- Keine Transporte von offensichtlich krankem Pflanzgut oder unaufbereitetem Pflanzenmaterial in gesunde Bestände.
- Standortstress mindern: Jungbäume in längeren Trockenphasen bedarfsgerecht wässern, Bodenverdichtung vermeiden und Wurzelverletzungen verhindern.
- Verschiedene, standortgerechte Baumarten ergänzen, statt ausschließlich neue Eschen zu pflanzen. Tolerante Eschen sollten erhalten und beobachtet, aber nicht vorschnell als dauerhaft resistente Bäume bewertet werden.
Biologische Präparate oder Hausmittel mit sicher nachgewiesener und praxistauglicher Wirkung gegen das Eschentriebsterben stehen für den deutschen Gartenbau nicht als verlässliche Standardmaßnahme zur Verfügung.
Vorbeugung
- Eschen regelmäßig kontrollieren, besonders im Sommer und nach feuchtwarmen Witterungsperioden.
- Nur gesundes, rückverfolgbares Pflanzgut aus geprüften Quellen verwenden; keine Eschen aus unbekannter Herkunft pflanzen.
- Bei Jungbäumen und wertvollen Einzelbäumen unnötige Kronenverletzungen vermeiden und Konkurrenz- sowie Trockenstress reduzieren.
- Abgefallenes Eschenlaub in Garten- und Parkanlagen möglichst vollständig aufnehmen und fachgerecht entsorgen oder tief kompostieren. Eine vollständige Unterbindung der Krankheit ist im Freiland wegen der Windverbreitung nicht realistisch.
- Werkzeuge zwischen Bäumen reinigen; Schuhe, Fahrzeuge und Maschinen vor dem Wechsel in andere Bestände von Erde und Pflanzenresten befreien.
- Abgestorbene Äste an Wegen, Spielplätzen und Aufenthaltsbereichen durch qualifizierte Baumkontrolleure bewerten lassen.
Wissenswertes
- Der frühere Name Chalara fraxinea bezeichnete die asexuelle Phase beziehungsweise wurde in älterer Literatur für den Erreger verwendet.
- Das Eschenstängelbecherchen ist eng mit abgefallenen Eschenblättern als Fruchtkörper- und Infektionsquelle verbunden.
- In Deutschland wurden erste deutliche Beobachtungen des Eschentriebsterbens bereits in den 2000er-Jahren beschrieben; seitdem hat die Krankheit zu starken Schäden in Eschenbeständen geführt.
- Asiatische Eschenarten können den Pilz häufig tolerieren und zeigen vielfach mildere Symptome als die Gemeine Esche.
- Nicht jede geschädigte Esche stirbt unmittelbar ab. Genetisch bedingte Unterschiede in der Toleranz sind für Erhaltungs- und Züchtungsprogramme besonders wichtig.
Für das Eschentriebsterben sollte kein unbestätigtes Spritz- oder Injektionsprogramm empfohlen werden. Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland nur eingesetzt werden, wenn sie für die betreffende Kultur beziehungsweise Anwendung und das konkrete Problem aktuell zugelassen sind. Ausschließlich die aktuelle amtliche Zulassung und Gebrauchsanweisung beachten; Etikett, Aufwandmenge, Anwendungszeitpunkt, Schutzauflagen und Anwenderschutz sind verbindlich.
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