Lauchrost (Puccinia allii)
Puccinia alliiLauchrost (Puccinia allii) – Kurzüberblick
Lauchrost ist eine durch den Rostpilz Puccinia allii verursachte Blattkrankheit an verschiedenen Lauchgewächsen. Typisch sind zunächst helle Flecken, später orange- bis rostrote, aufbrechende Sporenlager auf den Blättern. Besonders häufig und wirtschaftlich relevant ist der Befall an Knoblauch, Porree und Schnittlauch; bei starkem Befall vergilben die Blätter und sterben vorzeitig ab.
Typische Bedingungen
Überblick
Lauchrost tritt in Deutschland vor allem an Knoblauch, Porree, Schnittlauch und Zwiebeln auf. Der Pilz lebt im Pflanzengewebe und entzieht den Blättern Nährstoffe. Bei leichtem Befall bleiben die Schäden oft auf einzelne Blattflecken beschränkt; bei starkem Befall nimmt die Blattfläche ab, die Pflanzen wachsen schwächer und die Blätter vergilben oder trocknen vorzeitig ein.
Die Krankheit ist nicht mit einem Nährstoffmangel zu verwechseln: Die charakteristischen, staubenden Rostpusteln sitzen direkt im Blattgewebe und brechen später durch die Epidermis.
Symptome und Erkennung
Typische Anzeichen sind:
- zunächst kleine, helle bis gelbliche Flecken entlang oder zwischen den Blattadern;
- orange-, ziegel- oder rostrote, runde bis längliche Pusteln;
- aufplatzende Blattoberhaut und leicht abreibbarer Sporenstaub;
- später dunklere braune Sporenlager;
- bei starkem Befall Vergilbung, Blattnekrosen, vorzeitiges Absterben und Kümmerwuchs.
Auf Knoblauch und Porree können die Pusteln deutlich länglich oder rautenförmig erscheinen. Eine sichere Artbestimmung ist anhand des bloßen Auges nicht immer möglich, da mehrere Puccinia-Arten ähnliche Symptome verursachen.
Ursachen und Ausbreitung
Die Infektion erfolgt durch Sporen, die von befallenen Lauchpflanzen, Pflanzenresten oder überwinternden Beständen ausgehen. Urediniosporen werden vor allem durch Luftbewegungen verbreitet. Feuchte Blattoberflächen und eine hohe relative Luftfeuchte begünstigen die Keimung und Infektion; kühle bis milde Witterung fördert die Krankheitsentwicklung.
Dichte Bestände, schlechte Luftzirkulation, lang anhaltende Blattnässe und gestresste Pflanzen erhöhen das Befallsrisiko. Wild wachsende oder ausdauernde Allium-Arten in der näheren Umgebung können als Inokulumquelle dienen.
Lebenszyklus und Überdauerung
Puccinia allii ist ein obligater Pflanzenparasit und bildet je nach Wirt und Population unterschiedliche Sporenstadien aus. Während der Vegetationszeit entstehen vor allem Urediniosporen in den orangefarbenen Pusteln. Sie infizieren weitere Blätter und Pflanzen mehrfach innerhalb einer Saison. Später können dunkle Teliosporen gebildet werden.
Der Rost kann an befallenen lebenden Pflanzen, überwinternden Lauchbeständen und Pflanzenresten überdauern. Für die in Deutschland relevanten Lauchformen wird im Allgemeinen kein notwendiger Wirtswechsel mit einer fremden Pflanzenfamilie angenommen. Die genaue Biologie und Artabgrenzung ist jedoch taxonomisch nicht in allen Fällen einheitlich.
Behandlung und Bekämpfung
Ein leichter Befall kann häufig durch konsequente Hygiene und verbesserte Bestandsführung begrenzt werden. Einzelne stark befallene Blätter werden frühzeitig entfernt und im Hausmüll entsorgt; sie gehören nicht auf den Kompost. Bei stark geschädigten Pflanzen ist ein vollständiges Entfernen nach der Ernte oft sinnvoller als wiederholtes Zurückschneiden.
Bestände sollten regelmäßig kontrolliert werden, besonders ab dem Spätsommer sowie nach feucht-kühler Witterung. Eine Behandlung ist grundsätzlich nur vorbeugend oder beim Auftreten der ersten Symptome erfolgversprechend, da Rostpilze nach erfolgter Infektion im Blattgewebe nur begrenzt zu erreichen sind.
Schonende und biologische Bekämpfung
Im ökologischen und naturnahen Anbau stehen vorbeugende Maßnahmen im Vordergrund: weite Pflanzabstände, gute Durchlüftung, bodennahes Gießen, ausgewogene Düngung und konsequente Entfernung befallener Pflanzenteile. Eine übermäßige Stickstoffversorgung sollte vermieden werden, weil weiches, üppiges Blattwachstum die Krankheitsanfälligkeit erhöhen kann.
Für Hausgärten sind robuste, standortgerechte Sorten, Fruchtwechsel und die Auswahl eines möglichst trockenen, sonnigen Standorts meist wichtiger als Hausmittel. Für biologische Präparate oder Pflanzenstärkungsmittel sind die konkrete Zulassung, Kultur und Indikation in Deutschland zu prüfen; eine verlässlich kurative Wirkung gegen bereits etablierten Lauchrost sollte nicht vorausgesetzt werden.
Vorbeugung
Die wichtigsten Vorbeugungsmaßnahmen im Haus- und Kleingarten sind:
- befallene Blätter und Pflanzenreste nach der Ernte vollständig entfernen und nicht auf dem Beet liegen lassen;
- ausdauernden Schnittlauch und überwinternden Porree regelmäßig kontrollieren;
- mehrjährige oder stark befallene Bestände bei Bedarf aus dem Anbau nehmen;
- eine weite, luftige Pflanzung und sonnige, gut abtrocknende Standorte wählen;
- nicht über die Blätter bewässern, sondern bodennah gießen;
- Allium-Kulturen rotieren und nicht über Jahre am selben Standort anbauen;
- gesundes Pflanz- und Saatgut sowie unauffällige Jungpflanzen verwenden;
- mögliche Infektionsquellen durch verwilderte oder wild wachsende Laucharten in unmittelbarer Nähe reduzieren.
Wissenswertes
Der Name „Lauchrost“ wird im praktischen Gartenbau teils weit gefasst. Puccinia allii steht in einem taxonomisch schwierigen Komplex ähnlicher Rostpilze, zu dem in der Literatur unter anderem Puccinia porri und Puccinia mixta in Beziehung gesetzt werden. Deshalb kann eine sichere Bestimmung bis auf Artniveau eine mikroskopische oder molekulare Untersuchung erfordern.
Die orangefarbenen Pusteln sind keine Schmutzablagerungen, sondern Sporenlager des Pilzes. Schon einzelne überwinternde Schnittlauch- oder Porreepflanzen können im Folgejahr als lokale Sporenquelle wirken.
Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland ausschließlich verwendet werden, wenn sie für die konkrete Kultur und den betreffenden Schadorganismus beziehungsweise die zugelassene Indikation aktuell legal zugelassen sind. Zulassung, Kultur, Anwendungszeitpunkt, Aufwandmenge, Wartezeit, Auflagen und Zulassungsende können sich ändern. Vor jeder Anwendung die aktuelle Datenbank des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sowie das vollständige Produktetikett prüfen und genau befolgen. Nicht zugelassene Anwendungen und pauschale Fungizidprogramme sind zu unterlassen.
Betroffene Pflanzen
Die folgenden Pflanzen sind anhand strukturierter Wirtsdaten mit diesem Problem verknüpft. Die Liste wird bei neuen Pflanzenprofilen automatisch aktualisiert.
Zwiebel (Allium cepa) – PflegeAllium cepa
Sternkugel-Lauch (Allium christophii) – PflegeAllium christophii
Winter-Zwiebel (Allium fistulosum) – PflegeAllium fistulosum
Riesenlauch (Allium giganteum) – PflegeAllium giganteum
Lauch (Allium) – PflegeAllium
Knoblauch (Allium sativum) – PflegeAllium sativum
Schnittlauch (Allium schoenoprasum) – PflegeAllium schoenoprasum
Bärlauch (Allium ursinum) – PflegeAllium ursinum
Quelle: