
Stängelmarknekrose der Tomate
Pseudomonas corrugataStängelmarknekrose der Tomate – Kurzüberblick
Die Stängelmarknekrose ist eine bakterielle Erkrankung der Tomate, die vor allem unter kühlen Nächten, hoher Luftfeuchte, Staunässe oder übermäßigem Stickstoffangebot in Gewächshäusern und Folientunneln auftritt. Typisch sind gelbe, welkende Blätter, dunkle Stängelstreifen, ein braun verfärbtes oder hohles Mark sowie zahlreiche Adventivwurzeln am Stängel. Eine sichere Diagnose erfordert häufig eine Laboruntersuchung.
Typische Bedingungen
Überblick
Die Stängelmarknekrose der Tomate wird klassisch mit dem bodenbürtigen Bakterium Pseudomonas corrugata in Verbindung gebracht. In der Praxis handelt es sich jedoch um einen Krankheitskomplex, an dem auch andere Pseudomonas-Arten beteiligt sein können.
Die Erkrankung tritt in Deutschland besonders dort auf, wo Tomaten früh im Jahr unter geschützten Bedingungen wachsen: in Gewächshäusern, Folientunneln und dicht bestandsgeführten Kulturen. Einzelne Pflanzen können sich nach einer anfänglich starken Symptomatik stabilisieren; bei einer ausgeprägten Schädigung des unteren Stängels sind jedoch Welke, Ertragsverlust oder Absterben möglich.
Symptome und Erkennung
- Zunächst gelbliche junge Blätter, Chlorosen und Welke, häufig während die ersten Früchte das Grünreifestadium erreichen.
- Dunkelgrüne, graubraune bis schwarze, längliche oder unregelmäßige Läsionen an Stängeln, Blattstielen und Fruchtstielen.
- Beim Längsschnitt: braun verfärbtes, zersetztes, segmentiertes oder hohles Mark; die Verfärbung reicht oft weit nach oben.
- Adventivwurzeln entstehen büschelweise an geschädigten oder eingerissenen Stängelabschnitten.
- Stängel können einschrumpfen, aufreißen oder kollabieren; die Blätter oberhalb der Läsion welken.
- Gelegentlich zeigen Früchte kleine dunkle Flecken, die in Weichfäule übergehen können.
Die Symptome überschneiden sich mit bakteriellem Stängelkrebs, anderen Pseudomonaden, Pectobacterium sowie nichtbiotischen Schäden. Für eine belastbare Diagnose sollten Stängelstücke aus dem Übergangsbereich von gesundem zu krankem Gewebe untersucht werden.
Ursachen und Ausbreitung
Das Bakterium kann mit infiziertem Pflanzenmaterial, Saatgut, Pflanzenresten, Substrat und kontaminierten Arbeitsgeräten eingeschleppt oder verbreitet werden. Es überdauert in befallenen Pflanzenresten und kann an Wurzeln oder im Kulturmedium persistieren.
Die Infektion wird durch Wunden begünstigt, die beim Ausgeizen, Aufleiten, Schneiden, Umsetzen oder durch Risse entstehen. Spritzwasser, nasse Pflanzenbestände, Hände, Scheren und gemeinsam genutzte Töpfe oder Arbeitsflächen fördern die Verschleppung. Eine sichere Aussage über die alleinige Beteiligung von P. corrugata ist ohne Kultivierung oder molekulare Diagnostik nicht möglich.
Lebenszyklus und Überdauerung
Pseudomonas corrugata ist ein gramnegatives, aerobes Bakterium. Es kann in Pflanzenresten, im Boden oder an der Rhizosphäre überdauern und bei geeigneten Bedingungen Wunden oder geschwächtes Gewebe besiedeln.
Nach dem Eindringen breitet sich der Erreger vor allem im Stängelinneren aus. Die Markzellen verfärben sich braun und werden abgebaut; dadurch entstehen Hohlräume, Kammern und Risse. Häufig werden die ersten deutlichen Symptome sichtbar, wenn der erste Fruchtstand nahezu grünreif ist. Ein klar abgegrenzter, immer gleich ablaufender Entwicklungszyklus ist bei diesem Krankheitskomplex nicht vollständig geklärt.
Behandlung und Bekämpfung
Eine kurative Behandlung bereits stark befallener Stängel ist nicht zuverlässig möglich. Einzelne Pflanzen mit begrenzten Symptomen können vorsichtig aus dem Bestand genommen und getrennt beobachtet werden; bei fortschreitender Markzerstörung oder Welke ist die vollständige Entfernung einschließlich Wurzelballen meist die sicherste Maßnahme.
Befallene Stängel nicht im Bestand aufschneiden. Werkzeuge nach jeder Pflanze reinigen und desinfizieren. Bewässerung reduzieren, Blatt- und Stängelnässe vermeiden, für bessere Luftbewegung sorgen und die Stickstoffversorgung überprüfen. Bei wertvollen Kulturen kann ein akkreditiertes Labor klären, ob tatsächlich P. corrugata oder ein anderer Erreger vorliegt.
Schonende und biologische Bekämpfung
Im Hausgarten und im ökologischen Anbau stehen vor allem Hygiene- und Kulturmaßnahmen im Mittelpunkt: krankes Material früh entfernen, sauberes Substrat und saubere Gefäße einsetzen, Werkzeuge desinfizieren, den Bestand luftig führen und nur bodennah bewässern.
Biologische Präparate oder mikrobielle Bodenhilfsstoffe können je nach Produkt und Zulassung die allgemeine Wurzel- und Pflanzenhygiene unterstützen, ersetzen aber keine Sanierung. Für P. corrugata ist keine allgemein verlässlich wirksame biologische Standardbehandlung abzuleiten; Produkte sollten daher nicht als sichere Heilung beworben werden.
Vorbeugung
- Nur gesundes, symptomfreies Saat- und Pflanzgut aus zuverlässiger Herkunft verwenden.
- Gewächshaus und Folientunnel regelmäßig lüften; Taubildung und lange Blattnässe vermeiden.
- Tröpfchenbewässerung bevorzugen und Überbewässerung vermeiden.
- Stickstoff bedarfsgerecht düngen und übermäßig weiches, mastiges Wachstum verhindern.
- Scheren, Messer, Schnüre, Töpfe und Arbeitsflächen regelmäßig reinigen und desinfizieren.
- Beim Ausgeizen und Aufleiten möglichst nur bei trockenen Pflanzen arbeiten und unnötige Verletzungen vermeiden.
- Kranke Pflanzen samt möglichst viel Wurzel- und Substratkontakt aus dem Bestand entfernen; Pflanzenreste nicht im Gewächshaus liegen lassen.
- Bei wiederholtem Auftreten Substrat, Bewässerungshygiene und Herkunft des Pflanzguts prüfen und eine Anbaupause oder einen Kulturwechsel einplanen.
Wissenswertes
- Der deutsche Fachname „Stängelmarknekrose“ beschreibt das auffälligste innere Symptom, nicht zwingend eine alleinige Erregerart.
- Die Bildung zahlreicher Adventivwurzeln am Stängel ist charakteristisch, kann aber auch bei anderen Schäden auftreten.
- Die Erkrankung ist im geschützten Tomatenanbau meist bedeutsamer als im Freiland.
- Ein braunes, hohles Mark kann äußerlich zunächst unauffällig sein; deshalb ist ein vorsichtiger Längsschnitt zur Diagnose hilfreich.
- Auch bei Nachweisen aus anderen Zierpflanzen, etwa Pelargonien, ist die krankheitsauslösende Bedeutung nicht immer eindeutig durch Pathogenitätsversuche bestätigt.
Für diese bakterielle Erkrankung ist kein allgemein verlässliches, kuratives Spritzprogramm etabliert. Pflanzenschutzmittel ausschließlich verwenden, wenn sie in Deutschland aktuell für die konkrete Kultur und das konkrete Problem zugelassen sind; stets das amtliche Zulassungsregister und die aktuelle Gebrauchsanleitung beachten. Keine Anwendung außerhalb der zugelassenen Kultur, Indikation, Aufwandmenge oder Wartezeit.