Weißer ChrysanthemenrostQuelle: Wikimedia CommonsNancy Gregory from United States University of DelawareCC BY 3.0 us
Krankheit

Weißer Chrysanthemenrost

Puccinia horiana Hennings
Kurzüberblick

Weißer Chrysanthemenrost – Kurzüberblick

Der Weiße Chrysanthemenrost wird durch den Rostpilz Puccinia horiana verursacht und befällt vor allem Kultur-Chrysanthemen. Charakteristisch sind kleine gelbliche Flecken auf der Blattoberseite und helle, später weißliche Pusteln auf der Blattunterseite. Feuchte Blätter, hohe Luftfeuchte und milde Temperaturen fördern die Ausbreitung besonders in dicht stehenden Beständen und Gewächshäusern.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileVor allem junge grüne Blätter und Blattunterseiten; möglich sind auch Blütenbrakteen, Stängel und andere grüne Pflanzenteile.
Begünstigende BedingungenHohe relative Luftfeuchte, Blattnässe und kühle bis milde Temperaturen; besonders günstig sind etwa 17–20 °C, dicht stehende Pflanzen und schlecht abtrocknende Bestände.
Pflanzendoktor

Überblick

Puccinia horiana ist ein autoeziischer, mikrozyklischer Rostpilz und Erreger des Weißen Chrysanthemenrosts. In Deutschland gilt er nach den verfügbaren pflanzengesundheitlichen Angaben als vorhanden, jedoch mit eingeschränkter Verbreitung. Wirtschaftlich besonders relevant ist der Befall von Topf- und Schnittchrysanthemen.

Die Krankheit ähnelt anderen Rostkrankheiten der Chrysantheme. Eine sichere Bestimmung sollte deshalb bei Handelsware, Vermehrungsmaterial oder unklaren Befunden durch eine geeignete Diagnostik erfolgen; mikroskopische Merkmale der Teliosporen oder molekulare Tests können erforderlich sein.

Pflanzendoktor

Symptome und Erkennung

Auf der Blattoberseite erscheinen zunächst kleine, meist rundliche weißlich-gelbe bis gelbliche Flecken von ungefähr wenigen Millimetern Durchmesser. Die Flecken können leicht eingesunken wirken und später bräunlich werden.

Auf der gegenüberliegenden Blattunterseite bilden sich darunter zunächst hellbraune, gelbliche oder rosafarbene Pusteln, die mit zunehmender Reife weißlich erscheinen. Sie treten häufig an jungen Blättern und Blütenbrakteen auf, können aber jedes grüne Gewebe betreffen. Stärker befallene Blätter vergilben, verkümmern oder sterben ab.

Bei warmer, trockener Witterung kann der Befall äußerlich unauffällig bleiben. Zur Abgrenzung von anderen Chrysanthemenrosten ist die Lage und Ausbildung der Pusteln allein nicht immer ausreichend.

Pflanzendoktor

Ursachen und Ausbreitung

Die wichtigste Ursache ist die Einschleppung mit infizierten Stecklingen, Jungpflanzen, Topfchrysanthemen oder Schnittblumen. Auch symptomloses Material kann den Erreger tragen. Im Bestand verbreiten sich die Basidiosporen mit Luftbewegungen und Spritzwasser nur indirekt, während feuchte Blätter die Infektion ermöglichen.

  • lange Blattnässe und hohe Luftfeuchte
  • dichte Bestände und unzureichende Lüftung
  • kontaminierte Hände, Kleidung, Werkzeuge oder Arbeitsflächen
  • Verbringen infizierter Pflanzen zwischen Gewächshausbereichen
  • Überwinterung oder Weiterkultur infizierter Pflanzen
Pflanzendoktor

Lebenszyklus und Überdauerung

Der Pilz bildet auf der Blattunterseite zweizellige Teliosporen in den Pusteln. Diese keimen direkt an Ort und Stelle und bilden ein Promyzel mit infektiösen Basidiosporen. Ein Wirtswechsel ist nicht bekannt; weitere Sporenformen sind für diesen Erreger nicht dokumentiert.

Basidiosporen werden durch Luftbewegung verbreitet. Unter günstigen Bedingungen können sie mehrere hundert Meter weit verfrachtet werden. Für Keimung und Infektion sind hohe Luftfeuchte und ein Wasserfilm auf dem Blatt wichtig. Bei etwa 17–24 °C kann die Blattpenetration innerhalb weniger Stunden erfolgen; ungefähr fünf Stunden Blattnässe können für eine erfolgreiche Neuinfektion ausreichen.

Erste chlorotische Flecken werden bei günstigen Bedingungen nach etwa 7–10 Tagen sichtbar, neue Pusteln können nach rund 14–18 Tagen entstehen. Temperaturen über 30 °C können die Inkubationszeit deutlich verlängern, beseitigen den Erreger aber nicht zuverlässig.

Pflanzendoktor

Behandlung und Bekämpfung

Bei einem begründeten Verdacht zunächst die betroffene Pflanze separieren und weitere Pflanzenbewegungen stoppen. Stark befallene Pflanzen einschließlich Wurzelballen sollten entfernt und sicher verpackt werden; befallenes Pflanzenmaterial gehört nicht auf den Kompost.

In Erwerbsbeständen ist eine fachliche Bestätigung besonders wichtig, da die Krankheit pflanzengesundheitlich relevant sein kann. Fungizide können die Ausbreitung bremsen, bereits vorhandene Infektionen jedoch nicht rückgängig machen. Sie sind in Deutschland nur entsprechend der aktuellen Zulassung, Indikation und Kennzeichnung einzusetzen. Wirkstoffgruppen sollten nicht unnötig wiederholt werden, um Resistenzentwicklung zu vermeiden.

Nach der Entfernung sind Gewächshausbereiche, Tische, Geräte und Arbeitskleidung hygienisch zu behandeln. Anschließend den Bestand engmaschig weiter kontrollieren, da latente Infektionen später sichtbar werden können.

Pflanzendoktor

Schonende und biologische Bekämpfung

Eine rein biologische oder hausgärtnerische Maßnahme kann einen etablierten Befall nicht sicher ausmerzen. Sinnvoll sind vor allem vorbeugende und hygienische Schritte:

  • Einzelne befallene Blätter oder stark befallene Pflanzen vorsichtig in einen Beutel geben, ohne beim Tragen Sporen aufzuwirbeln.
  • Befallenes Material nicht kompostieren, sondern nach den örtlichen Vorgaben über den Restabfall entsorgen.
  • Werkzeuge, Arbeitsflächen, Töpfe und Transportbehälter nach Kontakt mit befallenen Pflanzen gründlich reinigen und geeignete Hygienemaßnahmen einhalten.
  • Für gute Luftbewegung, größere Pflanzenabstände und rasches Abtrocknen der Blätter sorgen; Überkopfberegnung vermeiden.
  • Gesundes, kontrolliertes Vermehrungsmaterial und möglichst weniger anfällige Sorten verwenden.

Biologische Gegenspieler wie bestimmte hyperparasitische Pilze wurden wissenschaftlich untersucht, sind für die praktische Anwendung im deutschen Haus- und Erwerbsgartenbau jedoch nicht pauschal als zuverlässig verfügbares Standardverfahren anzusehen.

Pflanzendoktor

Vorbeugung

Die wirksamste Strategie ist, den Erreger gar nicht erst einzuschleppen. Pflanzen und Stecklinge sollten aus vertrauenswürdigen Quellen stammen und bei Eingang sowie während der Kultur regelmäßig kontrolliert werden. Blattunterseiten, junge Blätter und Blütenbrakteen besonders sorgfältig prüfen.

  • Neuware zunächst getrennt von bestehenden Chrysanthemenbeständen beobachten.
  • Für niedrige Blattnässe, gute Lüftung und zügige Abtrocknung sorgen.
  • Pflanzen nicht unnötig dicht stellen und Arbeitsabläufe von gesund nach auffällig organisieren.
  • Keine Stecklinge von Beständen mit unklaren Rostsymptomen gewinnen.
  • Bei professioneller Produktion die geltenden Anforderungen für gesundes Vermehrungsmaterial und gegebenenfalls die Melde- oder Beratungspflichten des zuständigen Pflanzenschutzdienstes beachten.
Pflanzendoktor

Wissenswertes

  • Der Erreger ist ein Rostpilz mit engem Wirtsspektrum und befällt vor allem Chrysanthemen sowie einige nahe verwandte Gattungen aus der Familie der Korbblütler.
  • Puccinia horiana kann mit latent infiziertem Vermehrungsmaterial oder Schnittblumen verschleppt werden.
  • Die Krankheit ist von anderen Rostpilzen der Chrysantheme abzugrenzen; glatte, hyaline Teliosporen und ihre Keimung in der Pustel sind wichtige diagnostische Merkmale.
  • Einige Chrysanthemenarten und Sorten zeigen eine geringere Anfälligkeit, doch die Widerstandsfähigkeit ist nicht für jede Sorte gleich gut dokumentiert.
  • Es sind keine tierischen Vektoren bekannt; die lokale Ausbreitung erfolgt vor allem über Sporen, Pflanzenkontakt und verschlepptes Pflanzenmaterial.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland ausschließlich eingesetzt werden, wenn sie für die konkrete Kultur, den Anwendungsbereich und den Schaderreger aktuell zugelassen oder rechtlich zulässig sind. Vor jeder Anwendung die amtliche Zulassungsdatenbank und das aktuelle Etikett prüfen und sämtliche Aufwandmengen, Anwendungsbeschränkungen, Schutzmaßnahmen und Warte- beziehungsweise Wiederbetretungsangaben einhalten. Eine Fungizidbehandlung beseitigt bereits infiziertes Gewebe nicht und sollte nur Bestandteil eines integrierten Vorgehens sein.