Blattrandvergilbung der Erdbeere
Krankheit

Blattrandvergilbung der Erdbeere

Strawberry mild yellow edge virus
Kurzüberblick

Blattrandvergilbung der Erdbeere – Kurzüberblick

Die Blattrandvergilbung der Erdbeere ist eine Viruskrankheit durch Strawberry mild yellow edge virus (SMYEV). Befallene Pflanzen können schwachwüchsig und gestaucht bleiben; typisch sind chlorotisch aufgehellte, nach oben eingerollte Blattränder. Viele Sorten zeigen jedoch nur geringe oder keine Symptome. Die wichtigste Vorbeugung sind gesundes, zertifiziertes Pflanzgut, konsequente Bestandshygiene und die Kontrolle der Erdbeerblattlaus als Vektor.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileVor allem junge und ausgewachsene Blätter, Blattstiele und die Gesamtpflanze; indirekt auch Fruchtertrag und Pflanzenvitalität.
Begünstigende BedingungenInfiziertes oder latent infiziertes Pflanzgut, Vermehrung über Ausläufer und Mutterpflanzen sowie vorhandene Populationen der Amerikanischen Erdbeerblattlaus; deutlicher sichtbare Symptome bei gutem Pflanzenwachstum.
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Überblick

Die Blattrandvergilbung der Erdbeere ist eine durch SMYEV verursachte Viruskrankheit. In der aktuellen Virus-Taxonomie wird der Erreger der Spezies Potexvirus fragariae in der Familie Alphaflexiviridae zugeordnet. In Deutschland ist der Erreger nach dem JKI als unionsgeregelter Nicht-Quarantäneschädling eingestuft.

Das Krankheitsbild ist stark sorten- und infektionsabhängig. Viele Kultursorten bleiben symptomlos, können aber dennoch infiziert sein und Ertrag verlieren. Besonders deutliche Symptome sind bei anfälligen Sorten sowie bei Mischinfektionen mit weiteren Erdbeerviren möglich.

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Symptome und Erkennung

Typische Symptome an anfälligen Erdbeersorten sind:

  • chlorotische bis gelbliche Aufhellung der Blattränder, teils bis zwischen die Blattadern reichend;
  • nach oben eingerollte Blattränder;
  • verkleinerte Blätter und verkürzte Blattstiele;
  • schwacher, gestauchter oder insgesamt kümmerlicher Wuchs;
  • verringerte Pflanzenvitalität und unter Umständen reduzierte Erträge.

Die Ausprägung kann im Sommer abnehmen. Da auch Nährstoffmangel, Wurzelschäden, Trockenstress und andere Viren ähnliche Veränderungen verursachen können, ist eine sichere Diagnose allein anhand des Erscheinungsbilds nicht möglich.

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Ursachen und Ausbreitung

Die Hauptursachen der Ausbreitung sind infiziertes Vermehrungsmaterial und die persistente Übertragung durch die Amerikanische Erdbeerblattlaus (Chaetosiphon fragaefolii). Besonders problematisch sind latente Infektionen, weil äußerlich gesund wirkende Mutter- oder Frigo-Pflanzen das Virus unbemerkt weitergeben können. Ausläufer und andere vegetative Vermehrungsteile übertragen den Erreger direkt in den neuen Bestand.

Mechanische Übertragung durch Schnittwerkzeuge ist für diesen Erreger im praktischen Erdbeeranbau nicht der zentrale dokumentierte Verbreitungsweg; hygienisches Arbeiten bleibt dennoch sinnvoll, um Viruskomplexe und andere Krankheitserreger nicht zusätzlich zu verschleppen.

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Lebenszyklus und Überdauerung

SMYEV vermehrt sich in lebendem Pflanzengewebe und kann in Erdbeerpflanzen latent überdauern. Die wichtigste lokale und internationale Verbreitung erfolgt über infiziertes Vermehrungsmaterial, einschließlich Frigo- und Ausläuferpflanzen. Die Amerikanische Erdbeerblattlaus (Chaetosiphon fragaefolii) überträgt das Virus persistent; in Deutschland liegt der Entwicklungshöhepunkt dieser Blattlaus nach JKI-Angaben im Herbst. Eine Samenübertragung ist nicht bekannt.

Infizierte Mutterpflanzen können das Virus an vegetativ erzeugte Nachkommen weitergeben. Die genaue Symptomstärke hängt von Sorte, Virusvariante, Wachstumsbedingungen und möglichen Mischinfektionen ab.

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Behandlung und Bekämpfung

Eine kurative Behandlung virusinfizierter Erdbeerpflanzen steht nicht zur Verfügung. Bei begründetem Verdacht sollten Pflanzen getrennt gehalten und durch eine amtliche oder qualifizierte Laboruntersuchung untersucht werden, da ähnliche Symptome auch durch andere Viren oder nichtparasitäre Ursachen entstehen.

  • bestätigt infizierte Pflanzen einschließlich Ausläufer vollständig roden;
  • Pflanzenmaterial sicher entsorgen und nicht zur Vermehrung oder Kompostierung verwenden;
  • Nachpflanzungen ausschließlich mit gesundem, zertifiziertem Pflanzgut durchführen;
  • die Blattlaus als Vektor überwachen und, falls erforderlich, nach den Grundsätzen des integrierten Pflanzenschutzes regulieren;
  • bei stark betroffenem Bestand die weitere Ausläufergewinnung einstellen und die Herkunft des Pflanzguts rückverfolgen.

Eine Vektorkontrolle kann die Sekundärverbreitung begrenzen, beseitigt das Virus aus bereits infizierten Pflanzen jedoch nicht.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Eine biologische oder „organische“ Behandlung, die das Virus aus infizierten Pflanzen entfernt, gibt es nicht. Im integrierten und ökologischen Anbau stehen daher vorbeugende Maßnahmen im Vordergrund:

  • zertifiziertes, virusgetestetes Pflanzgut aus vertrauenswürdiger Quelle verwenden;
  • Bestände regelmäßig auf Blattläuse und verdächtige Wuchssymptome kontrollieren;
  • stark verdächtige Pflanzen mitsamt Ausläufern vollständig entfernen und nicht kompostieren;
  • Unkraut und verwilderte Erdbeerbestände in unmittelbarer Nähe als mögliche Virus- und Vektorreservoire reduzieren;
  • Nützlinge wie Marienkäfer, Florfliegenlarven und Schwebfliegenlarven durch blühende Begleitstrukturen fördern;
  • Blattlausbekämpfung nur im Rahmen eines überwachten IPM-Programms durchführen, da eine Vektorreduktion die Übertragung mindern kann, bereits infizierte Pflanzen aber nicht gesund macht.
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Vorbeugung

Die wirksamste Vorbeugung ist der Anbau von zertifiziertem, virusgetestetem Erdbeerpflanzgut. Neue Pflanzen vor dem Einsetzen kontrollieren und Bestände getrennt nach Herkunft und Sorte führen. Verdächtige Pflanzen markieren, nicht zur Ausläufergewinnung verwenden und bei bestätigtem Befall umgehend aus dem Bestand entfernen.

In Deutschland sind Kontrollen besonders im Frühjahr während der Vegetationsentwicklung sowie im Herbst bei der Entnahme von Frigo-Pflanzgut sinnvoll. Blattlauspopulationen überwachen und die Kultur durch ausgewogene Wasserversorgung, bedarfsgerechte Düngung und gute Bestandsführung vital halten; dies verhindert die Infektion nicht, erleichtert aber die Befundbewertung.

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Wissenswertes

  • Der gebräuchliche deutsche Krankheitsname lautet „Blattrandvergilbung der Erdbeere“.
  • Viele kommerzielle Erdbeersorten zeigen trotz Infektion nur geringe oder keine sichtbaren Symptome.
  • Der Erreger wurde früher auch als Strawberry mild yellow edge-associated potexvirus bezeichnet.
  • Ertragseinbußen können auch bei asymptomatischen Pflanzen auftreten; Mischinfektionen verschärfen die Risiken.
  • Als zuverlässig dokumentierte Wirte beziehungsweise experimentell oder datenbankgestützt erfasste Wirtspflanzen gelten unter anderem Fragaria vesca, Rubus rosifolius und Chenopodium quinoa; für den deutschen Erwerbsanbau ist vor allem die Kulturerdbeere relevant.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Eine direkte Heilung virusinfizierter Pflanzen ist nicht verfügbar. Pflanzenschutzmittel gegen Blattläuse dürfen in Deutschland nur eingesetzt werden, wenn sie für die konkrete Kultur und Anwendung rechtlich zugelassen sind. Ausschließlich das aktuelle amtliche Etikett und die Gebrauchsanweisung beachten; Wartezeiten, Auflagen und Bienenschutz strikt einhalten.

Nachvollziehbarkeit

Quellen

90–95 % für die Erreger- und Krankheitszuordnung; die sichtbaren Symptome sind unspezifisch und sollten durch Laboruntersuchung, vorzugsweise PCR, bestätigt werden.