Phomopsis-Ruten- und Blattfleckenkrankheit der WeinrebeQuelle: Wikimedia CommonsGarrett TaylorCC BY 4.0
Krankheit

Phomopsis-Ruten- und Blattfleckenkrankheit der Weinrebe

Diaporthe ampelina
Kurzüberblick

Phomopsis-Ruten- und Blattfleckenkrankheit der Weinrebe – Kurzüberblick

Die durch den Pilz Diaporthe ampelina verursachte Phomopsis-Krankheit befällt vor allem Weinreben. Typisch sind kleine dunkle Blattflecken, längliche Nekrosen und rissige, schorfige Bereiche an jungen Trieben sowie Befall an Gescheinen und Beeren. Feuchte Witterung im Frühjahr, infiziertes Rebholz und Schnittwunden begünstigen die Ausbreitung.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileBlätter, junge grüne Triebe, Blattstiele, Ranken, Gescheinstiele, Beeren sowie ein- und mehrjähriges Rebholz.
Begünstigende BedingungenFeuchte bis regnerische Witterung im Frühjahr, lange Blattnässe, dichter Bestand, infiziertes Rebholz, Schnittwunden und anfälliges oder bereits geschwächtes Pflanzgut.
Pflanzendoktor

Überblick

Diaporthe ampelina ist der Erreger der Phomopsis-Ruten- und Blattfleckenkrankheit an Weinreben. In der älteren Fachliteratur findet sich häufig der Name Phomopsis viticola; beide Bezeichnungen werden für diesen Erregerkomplex beziehungsweise diese taxonomische Einheit verwendet.

Die Krankheit tritt besonders an jungen, noch grünen Organen auf. Bei starkem Befall können Triebe verkrüppeln oder ausbrechen, Gescheine geschädigt werden und über Jahre infiziertes Holz als Ausgangspunkt für neue Infektionen dienen. Eine sichere Artbestimmung allein anhand des Schadbildes ist nicht immer möglich, da mehrere holzbesiedelnde Pilze ähnliche Symptome verursachen.

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Symptome und Erkennung

  • Auf Blättern entstehen kleine dunkelbraune bis schwarze Flecken, oft mit gelblichem Rand; stark befallene Basalblätter können sich verformen oder absterben.
  • An jungen Trieben erscheinen zunächst punktförmige dunkle Läsionen, die sich längs ausdehnen. Die Rinde kann aufreißen, und die Triebbasis wirkt schorfig oder nekrotisch.
  • Auch Blattstiele, Ranken, Gescheinstiele und gelegentlich Beeren können fleckig oder nekrotisch werden.
  • An älterem Holz sind Rindennekrosen, eingesunkene Bereiche, abgestorbene Zapfen oder Kordons und ein verzögerter Austrieb möglich.
  • Bei feuchter Witterung können auf abgestorbenem Rebholz kleine schwarze Fruchtkörper sichtbar werden. Diese sind für eine Feldbestimmung jedoch nicht allein beweisend.

Ähnliche Symptome können unter anderem durch Hagel, Frost, andere Holzkrankheiten oder weitere Diaporthe-Arten entstehen. Für eine belastbare Diagnose ist gegebenenfalls eine Laboruntersuchung mit Kultur- und DNA-Methoden erforderlich.

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Ursachen und Ausbreitung

Der Erreger überdauert überwiegend in befallenem, abgestorbenem oder krankem Rebholz. Bei Regen werden Sporen aus den Fruchtkörpern freigesetzt und durch Regentropfen, Spritzwasser sowie möglicherweise durch Schnittwerkzeuge auf junge Triebe und Schnittwunden verteilt.

Infektionen erfolgen vor allem während feuchter Phasen im Frühjahr nach dem Austrieb. Besonders gefährdet sind junge, zarte Triebe, Gescheine und frische Schnittflächen. Infiziertes Pflanzgut oder bereits erkrankte Rebstöcke können den Erreger in eine neue Anlage eintragen. Die genaue Bedeutung einzelner Sporenformen und Überdauerungsstadien kann je nach Standort und Rebkrankheitskomplex variieren.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Diaporthe ampelina bildet auf befallenem Rebholz Sporenlager, aus denen bei ausreichender Feuchtigkeit infektiöse Sporen austreten. Regen aktiviert die Sporenfreisetzung; die Ausbreitung erfolgt überwiegend über kurze Distanzen durch Wasser. Nach der Keimung dringt der Pilz in anfälliges grünes Gewebe oder in Wunden ein.

Nach einer Inkubationszeit entwickeln sich zunächst kleine Nekrosen. Neues infiziertes Gewebe und zurückbleibendes Rebholz können wiederum als Sporenquelle dienen. Die Krankheit ist daher besonders problematisch, wenn befallene Ruten über den Winter an der Rebe oder auf dem Boden verbleiben. Wärme und trockene Sommerbedingungen bremsen häufig die weitere Entwicklung, beseitigen den Erreger im Holz jedoch nicht zuverlässig.

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Behandlung und Bekämpfung

Bei einzelnen befallenen Rebstöcken steht die Sanierung im Vordergrund: befallene Ruten und abgestorbene Zapfen bis in gesund erscheinendes Holz zurückschneiden und das Schnittgut aus dem Bestand entfernen. Stark geschädigte Stöcke sollten ersetzt werden, wenn eine Sanierung keinen ausreichenden gesunden Aufbau mehr erwarten lässt.

Die Entwicklung im deutschen Weinbau lässt sich durch ein Monitoring nach Austrieb und während feuchter Frühjahrsphasen verfolgen. Kulturmaßnahmen sind besonders wirksam, wenn sie vor der Sporenfreisetzung und vor längeren Blattnässeperioden umgesetzt werden. Bei wiederholtem starkem Befall sollte eine Beratung durch Weinbauberatung oder Pflanzenschutzdienst hinzugezogen werden, weil Verwechslungen mit anderen Holzkrankheiten häufig sind.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Für den Haus- und Kleingarten sind konsequente Hygiene, Entfernen befallener Ruten, trockene Schnittbedingungen, luftige Erziehung und die Reduzierung von Blattnässe die wichtigsten nichtchemischen Maßnahmen. Biologische Präparate können je nach Produkt und Zulassung unterstützend eingesetzt werden, ersetzen aber nicht die Entfernung infizierter Holzquellen. Für den ökologischen Weinbau sind ausschließlich im jeweiligen Betrieb und Anwendungsbereich zugelassene Betriebsmittel nach aktueller Öko- und Pflanzenschutzregelung zu verwenden.

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Vorbeugung

  • Nur gesundes, kontrolliertes Pflanzgut und möglichst symptomfreie Veredelungs- und Schnittreben verwenden.
  • Befallene Ruten beim Winterschnitt bis in gesundes Holz zurücknehmen; stark geschädigte Rebstöcke oder Teile vollständig entfernen.
  • Schnittgut nicht im Bestand liegen lassen und nicht unkontrolliert kompostieren, sondern entsprechend den örtlichen Vorgaben aus dem Weinberg entfernen oder fachgerecht entsorgen.
  • Bei trockener Witterung schneiden und wiederkehrende Schnittwunden sowie große Verletzungen vermeiden.
  • Eine lockere, gut durchlüftete Laubwand durch standortgerechten Rebschnitt und moderates Laubmanagement fördern.
  • Werkzeuge besonders beim Wechsel zwischen auffälligen Stöcken reinigen und geeignete Hygienemaßnahmen einhalten.
  • Regelmäßig im Frühjahr die Basalblätter, jungen Triebe, Gescheine und Schnittstellen kontrollieren.
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Wissenswertes

  • Der heute gebräuchliche Name Diaporthe ampelina ersetzt in vielen modernen taxonomischen Arbeiten die ältere Bezeichnung Phomopsis viticola.
  • Die Krankheit wird häufig als Phomopsis-Ruten- und Blattfleckenkrankheit, Phomopsis-Krankheit oder Rutennekrose der Weinrebe bezeichnet.
  • Diaporthe-Arten bilden einen komplexen Formenkreis; deshalb ist die Zuordnung zu einer bestimmten Art anhand von Form und Farbe einer Läsion oft unsicher.
  • Die wichtigste dokumentierte Wirtspflanzengruppe sind Weinreben der Gattung Vitis; einzelne Literaturangaben zu weiteren Vitaceen oder anderen Pflanzen sollten taxonomisch und pathogenitätsbezogen vorsichtig bewertet werden.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Keine pauschale Spritzfolge anwenden. Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland nur eingesetzt werden, wenn sie für die betreffende Kultur, Krankheit und Anwendung aktuell zugelassen sind. Vor jeder Anwendung die aktuelle Zulassung, Auflagen, Wartezeit, Anwendungsbestimmungen und das Etikett beziehungsweise die amtliche Datenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit prüfen und genau befolgen. Im Hausgarten ist die Verfügbarkeit zugelassener Mittel besonders eingeschränkt.