BaumwolleuleQuelle: Wikimedia CommonsNir OfirCC BY-SA 2.5
Schädling

Baumwolleule

Spodoptera littoralis (Boisduval, 1833)
Kurzüberblick

Baumwolleule – Kurzüberblick

Die Baumwolleule (Spodoptera littoralis) ist eine wärmeliebende, sehr polyphage Eulenfalterart. Ihre Larven fressen zunächst gruppenweise an den Blattunterseiten und können später Blätter, Triebspitzen, Knospen und Früchte nahezu vollständig entlauben. In Deutschland ist sie gewöhnlich kein dauerhaft etablierter Freilandschädling, kann aber in Gewächshäusern sowie über befallene Pflanzen und Pflanzenprodukte eingeschleppt werden.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileBlätter, Triebspitzen, Knospen, Blüten, junge Früchte und gelegentlich Stängel oder Früchte.
Begünstigende BedingungenHohe Temperaturen, geschützte Kulturen, dicht stehende Wirtspflanzen und kontinuierliches Pflanzenangebot; besonders günstig sind etwa 25–30 °C sowie geringe nächtliche Störung.
Pflanzendoktor

Überblick

Spodoptera littoralis wird im Deutschen als Baumwolleule, teils auch als ägyptische Baumwollraupe bezeichnet. Die Art stammt aus Afrika und ist heute vor allem im Mittelmeerraum, im Nahen Osten und in Teilen Südeuropas verbreitet. In Deutschland wurden Vorkommen bislang vor allem als nicht etablierte oder eingeschleppte Populationen bewertet; unter Glas können die Entwicklungsbedingungen jedoch günstig sein.

Die Larven sind äußerst polyphag und befallen unter anderem Kohlarten, Paprika, Tomate, Gurke, Melone, Bohne, Kartoffel, Salat, Chrysanthemen und Baumwolle. Eine sichere Artbestimmung kann wegen der Ähnlichkeit zu verwandten Spodoptera-Arten, insbesondere S. litura, schwierig sein.

Pflanzendoktor

Symptome und Erkennung

Junge Larven fressen zunächst gesellig an der Blattunterseite und lassen häufig die obere Epidermis stehen. Dadurch entstehen Fensterfraß, Schabstellen und später unregelmäßige Löcher. Ältere Larven verursachen großflächigen Blattfraß bis zur vollständigen Entlaubung.

  • unregelmäßige Fraßlöcher und skelettierte Blätter
  • Fraß an jungen Trieben, Knospen, Blüten und Früchten
  • grüne bis dunkle Kotkrümel auf Blättern und im Pflanzenbestand
  • Larven tagsüber oft verborgen im unteren Pflanzenbereich oder im Boden
  • bei starkem Befall Wachstumsstockung und Qualitätsverlust der Ernte

Die Färbung der Larven ist variabel. Ältere Tiere können braun, graubraun oder grünlich erscheinen und zeigen häufig eine auffällige Y-förmige Zeichnung am Kopf- beziehungsweise Halsschildbereich.

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Ursachen und Ausbreitung

Der Befall entsteht durch Eiablage erwachsener Falter oder durch die Einschleppung von Eiern, Larven und Puppen mit befallenen Pflanzen, Schnittblumen, Gemüse oder Erde. Gewächshäuser mit warmem Klima, fehlender Insektensicherung und dauerhaft vorhandenen Wirtspflanzen begünstigen die Vermehrung.

Die Falter können sich aktiv über mehrere Kilometer ausbreiten. In Deutschland ist jedoch besonders der Warenverkehr und die Verbringung befallenen Pflanzenmaterials zu berücksichtigen. Unkraut und Pflanzenreste im Gewächshaus können als zusätzliche Nahrungsquelle dienen.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Die Weibchen legen meist zwei bis fünf Tage nach dem Schlupf mehrere hundert bis über 3.000 Eier in behaarten Gelegen an der Blattunterseite ab. Je nach Temperatur schlüpfen die Larven nach ungefähr zwei bis neun Tagen.

Die Larven durchlaufen gewöhnlich sechs Stadien. Junge Larven bleiben gruppenweise am Blatt; ältere Stadien zerstreuen sich, fressen vorwiegend nachts und verbergen sich tagsüber unter Pflanzen oder im Boden. Die Verpuppung erfolgt in einer Erdhöhle, meist einige Zentimeter tief, und dauert bei etwa 25 °C ungefähr elf bis 13 Tage. Die Falter leben etwa vier bis zehn Tage. Unter warmen Bedingungen kann eine Generation in rund fünf Wochen abgeschlossen werden; in warmen Regionen sind mehrere Generationen pro Jahr möglich. Eine echte Diapause ist nicht bekannt.

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Behandlung und Bekämpfung

Befallene Bestände zunächst engmaschig kontrollieren und Larvenstadien sowie Befallsherde erfassen. Einzelne Eigelege und Larven können mechanisch entfernt werden. Bei stärkerem Befall sind zugelassene biologische oder chemische Maßnahmen nur nach bestätigter Diagnose und unter Beachtung der deutschen Zulassungssituation sinnvoll.

Da ältere Larven tagsüber im Boden sitzen können, sollten auch die Pflanzenbasis, die Substratoberfläche und benachbarte Pflanzen untersucht werden. Nach einer Maßnahme ist der Bestand erneut zu kontrollieren; wiederholte Anwendungen desselben Wirkmechanismus sind wegen möglicher Resistenzentwicklung zu vermeiden. Bei unbekanntem oder ungewöhnlich starkem Befall sollte der zuständige Pflanzenschutzdienst eingeschaltet werden.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Die biologische und nichtchemische Bekämpfung sollte möglichst gegen junge Larven erfolgen, da ältere Stadien deutlich mehr Blattmasse verbrauchen und schwerer zu erreichen sind.

  • Pflanzen regelmäßig, besonders die Blattunterseiten, auf Eigelege und Junglarven kontrollieren.
  • Eigelege und einzelne Larven abstreifen, absammeln und sicher beseitigen; stark befallene Pflanzenteile aus dem Bestand entfernen.
  • Für die jeweilige Kultur zugelassene Präparate auf Basis von Bacillus thuringiensis können gegen junge Schmetterlingslarven eingesetzt werden, sofern das deutsche Etikett die Anwendung erlaubt.
  • In geschützten Kulturen geeignete Nützlinge und parasitoide Arten nur nach fachlicher Beratung und passend zur Kultur einsetzen.
  • Behandlungen möglichst abends und nach Befallskontrolle durchführen, weil die Larven dann aktiv fressen; blühende Pflanzen und Nichtzielorganismen schützen.

Bt-Präparate wirken nur, wenn die Larven behandelte Pflanzenoberflächen aufnehmen. Eine vollständige Benetzung der gefährdeten Blattbereiche und die Beachtung der Produktvorgaben sind daher entscheidend.

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Vorbeugung

Vorbeugung beruht in Deutschland vor allem auf Ausschluss, Früherkennung und Hygiene:

  • neue Pflanzen, Jungpflanzen und Schnittblumen mindestens mehrere Tage getrennt kontrollieren, einschließlich Blattunterseiten und Topfballen
  • Gewächshausöffnungen mit geeigneten Insektenschutznetzen sichern und Türen möglichst geschlossen halten
  • Pflanzenreste, Falllaub und Unkraut regelmäßig entfernen; nach Kulturende den Bestand gründlich räumen
  • Gelbtafeln oder Pheromonfallen zur Flugüberwachung einsetzen, jedoch nicht als alleinige Bekämpfung betrachten
  • bei Verdacht Larven, Eigelege und beschädigte Pflanzen fotografieren und zur Artbestimmung an den zuständigen Pflanzenschutzdienst geben
  • keine Pflanzen oder Substrate aus verdächtigen Beständen weiterverbringen
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Wissenswertes

  • Die Art kann Pflanzen aus mehr als 40 Familien nutzen; die EPPO-Datenbank führt mindestens 87 wirtschaftlich bedeutsame Wirtspflanzenarten.
  • Die Falter sind nachtaktiv und die Larven wechseln im Alter häufig zwischen Pflanze und Boden.
  • In Nord- und Mitteleuropa ist Freilandbefall meist nicht dauerhaft, während Gewächshauskulturen ein höheres Risiko aufweisen.
  • Spodoptera littoralis wird leicht mit S. litura verwechselt; eine Bestimmung allein nach dem äußeren Erscheinungsbild ist nicht immer zuverlässig.
  • Die Art kann mit Pflanzen, Schnittblumen, Gemüse und anderem Pflanzenmaterial verschleppt werden.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

In Deutschland dürfen ausschließlich Pflanzenschutzmittel verwendet werden, die für die konkrete Kultur und den konkreten Schaderreger zugelassen sind. Vor einer Anwendung sind die aktuelle BVL-Zulassungsdatenbank und das geltende Etikett einschließlich Aufwandmenge, Wartezeit, Anwendungsbestimmungen und Bienenschutzauflagen zu prüfen. Wirkstoffgruppen nicht wiederholt einsetzen, da bei Spodoptera littoralis Resistenzen beschrieben sind.

Wirtspflanzen

Betroffene Pflanzen

8 verknüpfte Profile

Die folgenden Pflanzen sind anhand strukturierter Wirtsdaten mit diesem Problem verknüpft. Die Liste wird bei neuen Pflanzenprofilen automatisch aktualisiert.