Rothalsiges GetreidehähnchenQuelle: Wikimedia CommonsEmil HochdanzPublic domain
Schädling

Rothalsiges Getreidehähnchen

Oulema melanopus (Linnaeus, 1758)
Kurzüberblick

Rothalsiges Getreidehähnchen – Kurzüberblick

Das Rothalsige Getreidehähnchen (*Oulema melanopus*) ist ein blattfressender Käfer aus der Familie der Blattkäfer und tritt in Deutschland vor allem an Weizen, Gerste, Hafer und Roggen auf. Typisch sind schmale, helle Schabefraßstreifen der Käfer sowie später glasige Fensterfraßstellen der Larven. Größere Ertragseinbußen bleiben meist auf starken Befall der oberen Blätter beschränkt.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileVor allem Blattspreiten, besonders Fahnenblatt und obere Blattetagen; Ähren und Wurzeln werden nicht direkt geschädigt.
Begünstigende BedingungenWarme, trockene Frühjahrs- und Frühsommerwitterung, nahe überwinternde Populationen, getreidereiche Fruchtfolgen und Befallsherde an Feldrändern.
Pflanzendoktor

Überblick

Das Rothalsige Getreidehähnchen ist ein 4–6 mm großer, metallisch blau bis blaugrün glänzender Käfer. Halsschild und Beine sind überwiegend rötlich, während Kopf, Fühler und Teile der Tarsen dunkel gefärbt sind. In Deutschland tritt die Art gemeinsam mit nah verwandten Getreidehähnchen auf; eine sichere Artbestimmung kann deshalb bei einzelnen Käfern schwierig sein.

Besonders häufig werden Weizen und Hafer befallen, außerdem Gerste und Roggen. Starker Befall ist meist unregelmäßig und häufig auf Feldränder oder einzelne Bestandsbereiche konzentriert.

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Symptome und Erkennung

Adulte Käfer hinterlassen schmale, längliche Schabefraßstreifen zwischen den Blattadern. Die gelblichen Larven mit dunkler Kopfkapsel fressen die Blattoberhaut und das darunterliegende Gewebe ab; die Unterhaut bleibt als helle, glasige Fenster stehen. Die Larven sind oft von einer schleimigen Hülle aus Kot und Sekret bedeckt und können dadurch schneckenähnlich wirken.

Bei starkem Befall erscheinen die oberen Blätter silbrig oder streifig ausgedünnt. Besonders kritisch ist ein deutlicher Fraß am Fahnenblatt und an den unmittelbar darunterliegenden Blättern, weil dadurch die Photosyntheseleistung während der Kornfüllung sinken kann.

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Ursachen und Ausbreitung

Der Befall beginnt gewöhnlich im Frühjahr, wenn überwinterte Käfer aus Hecken, Waldrändern und anderen geschützten Bereichen in die Getreidebestände zufliegen. Die Eiablage erfolgt einzeln oder in kurzen Reihen auf den Oberseiten der oberen Blätter.

Warme, trockene Witterung begünstigt Aktivität und Vermehrung. Bestände mit hohem Anteil an Winterweizen sowie angrenzende Getreide- und Grasflächen können die Besiedlung erleichtern. Häufig beginnt der Befall vom Feldrand her. Verwechslungen sind insbesondere mit dem Blauen Getreidehähnchen und regional auch mit Oulema duftschmidi möglich.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Die Käfer erscheinen in Deutschland meist ab Mai und beginnen nach dem Zuflug mit Fraß und Eiablage. Die Eier sind gelblich bis gelborange, glänzend und länglich. Nach dem Schlupf durchlaufen die Larven mehrere Stadien und fressen etwa zwei bis drei Wochen an den Blättern.

Die Verpuppung erfolgt beim Rothalsigen Getreidehähnchen überwiegend in einem Erdkokon im Boden. Die Jungkäfer erscheinen anschließend in später reifenden Getreidebeständen oder an geeigneten Wildgräsern. Zur Überwinterung ziehen sie sich in geschützte Saumbiotope, Hecken und Waldränder zurück.

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Behandlung und Bekämpfung

Die Entscheidung sollte anhand von Feldkontrollen und nicht allein nach dem Auftreten einzelner Käfer getroffen werden. Zu untersuchen sind vor allem Fahnenblätter; bei Gerste sollten die Blätter beziehungsweise Halme systematisch über den Bestand verteilt kontrolliert werden. Als in deutschen Beratungsunterlagen genannte Orientierungswerte gelten je nach Kultur ungefähr 0,5–1,0 Eier oder Larven je Fahnenblatt beziehungsweise Halm bei Weizen und Gerste, 0,75–1,5 bei Hafer und 0,5–1,5 bei Roggen. Die konkrete Entscheidung hängt jedoch von Entwicklungsstadium, Blattverlust, Witterung und regionaler Beratung ab.

Da der Befall häufig vom Rand ausgeht, kann eine Teilflächen- oder Randmaßnahme ausreichen, sofern die Kontrolle dies bestätigt. Nicht behandlungswürdiger Befall sollte geschont werden, damit natürliche Gegenspieler erhalten bleiben.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Eine biologische Regulierung erfolgt durch räuberische Laufkäfer, Wanzen, Spinnen und andere Generalisten sowie durch Parasitoide und insektenpathogene Pilze. Feldraine, Hecken, gestufte Randstrukturen und ein möglichst schonender Umgang mit Nichtzielorganismen fördern diese Gegenspieler.

Im ökologischen Anbau stehen deshalb Bestandsüberwachung, Fruchtfolge, Randkontrolle und die Förderung natürlicher Feinde im Mittelpunkt. Hausmittel wie Pflanzenöle oder selbst angesetzte Spritzbrühen sind wegen uneinheitlicher Wirksamkeit und möglicher Pflanzenschäden keine verlässliche Standardmaßnahme.

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Vorbeugung

  • Getreidefruchtfolgen ausgewogen gestalten und einen hohen Anteil aufeinanderfolgender Winterweizenbestände vermeiden.
  • Feldränder und angrenzende Bestände regelmäßig kontrollieren, da der Zuflug oft randnah beginnt.
  • Ab dem Ährenschieben wöchentlich die oberen Blätter auf Eier und junge Larven prüfen.
  • Eine gute Bestandsführung mit bedarfsgerechter Nährstoffversorgung und gleichmäßigem Pflanzenbestand unterstützt die Regeneration, ersetzt aber keine Befallskontrolle.
  • Bei der Bodenbearbeitung die betriebliche Fruchtfolge und den Bodenschutz berücksichtigen; eine pauschale Bodenbearbeitung zur Bekämpfung ist nicht zuverlässig.
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Wissenswertes

  • Die Larven tragen häufig eine auffällige schleimige Kot- und Sekrethülle, die sie vor Austrocknung und teilweise vor Fressfeinden schützen kann.
  • Der typische Fensterfraß entsteht, weil die Larven Blattgewebe abschaben und die gegenüberliegende Epidermis zunächst stehen lassen.
  • Die Art gehört zu den Blattkäfern (Chrysomelidae) und ist in Europa weit verbreitet.
  • In Deutschland werden Rothalsiges, Blaues und regional weitere Getreidehähnchenarten gemeinsam beobachtet; Feldsymptome allein erlauben daher nicht immer eine sichere Arttrennung.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

In Deutschland dürfen nur Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, die für die betreffende Kultur und den betreffenden Schaderreger aktuell zugelassen beziehungsweise genehmigt sind. Vor jeder Anwendung das amtliche Verzeichnis und das aktuelle Etikett prüfen; Aufwandmenge, Anwendungszeitpunkt, Abstände, Bienenschutz, Gewässerauflagen und alle weiteren Kennzeichnungsauflagen strikt einhalten. Eine pauschale Wirkstoff- oder Spritzfolge wird hier nicht empfohlen. Integrierte Verfahren und eine gezielte Randbehandlung sind vorzuziehen, wenn sie fachlich ausreichen.