Sprühfleckenkrankheit der Kirsche
Blumeriella jaapiiSprühfleckenkrankheit der Kirsche – Kurzüberblick
Die Sprühfleckenkrankheit der Kirsche ist eine durch den Pilz Blumeriella jaapii verursachte Blattkrankheit an Süß- und Sauerkirschen. Kleine rotviolette Flecken auf den Blättern, helle Sporenbeläge auf deren Unterseite, Vergilbung und vorzeitiger Blattfall sind typisch. In feuchtwarmen Sommern kann wiederholter Befall die Fruchtbildung, Winterhärte und Vitalität der Bäume deutlich beeinträchtigen.
Typische Bedingungen
Überblick
Die Sprühfleckenkrankheit, auch Kirschblattfleckenkrankheit genannt, wird durch den Schlauchpilz Blumeriella jaapii verursacht. In Deutschland tritt sie vor allem an Sauerkirschen (Prunus cerasus) und Süßkirschen (Prunus avium) auf. Pflaumen und weitere Prunus-Arten können ebenfalls anfällig sein, die Empfindlichkeit variiert jedoch nach Art und Sorte.
Starker, wiederholter Blattfall schwächt den Baum, vermindert die Assimilationsleistung und kann Ertrag, Fruchtreife sowie die Winterfestigkeit beeinträchtigen.
Symptome und Erkennung
- Ab Ende Mai oder im Frühsommer erscheinen auf der Blattoberseite kleine, rundliche rotviolette bis braune Flecken.
- Auf der Blattunterseite entstehen bei feuchter Witterung blassrote bis bräunliche Flecken mit schleimigem weißlichem, rosafarbenem oder gelblichem Sporenbelag.
- Flecken können zusammenfließen; das Blatt vergilbt und fällt vorzeitig ab.
- Bei manchen Prunus-Arten fällt abgestorbenes Gewebe heraus, wodurch ein Schrotschuss-ähnliches Schadbild entsteht.
- Früchte werden selten befallen; bei starkem Krankheitsdruck können sie fleckig oder weich werden.
Eine sichere Diagnose sollte Blattober- und -unterseite sowie den Zeitpunkt des Blattfalls berücksichtigen, da ähnliche Flecken auch durch andere Pilze, Bakterien oder Spritzschäden entstehen können.
Ursachen und Ausbreitung
Der Erreger überdauert überwiegend in abgefallenem, infiziertem Laub. Im Frühjahr werden bei Regen und feuchter Witterung Primärsporen freigesetzt. Sie gelangen durch Regenspritzer und Luftbewegung auf junge Blätter und dringen vor allem über Spaltöffnungen ein. Bei anhaltender Blattnässe und feuchtwarmen Sommerbedingungen bilden sich weitere Sporen, wodurch sich die Krankheit über Sekundärinfektionen rasch im Baum ausbreiten kann.
Dichte Kronen, schattige Standorte, häufige Niederschläge und schlecht abtrocknendes Laub begünstigen den Befall.
Lebenszyklus und Überdauerung
- Infiziertes Falllaub bleibt über Winter unter dem Baum liegen.
- Im Frühjahr reifen darin Fruchtkörper und bilden bei Regen Primärsporen.
- Die Sporen infizieren nasse, austreibende oder bereits entwickelte Blätter.
- Auf Blattunterseiten entstehen neue Sporenlager.
- Sommerliche Sekundärsporen verursachen bei wiederholter Blattnässe weitere Infektionen.
- Das befallene Laub vergilbt, fällt ab und bildet die Überwinterungsquelle für die nächste Saison.
Behandlung und Bekämpfung
Bei leichtem Befall genügt häufig eine konsequente Reduzierung der Infektionsquelle durch Entfernen des Falllaubs und Verbesserung der Kronendurchlüftung. Stark befallene Blätter sollten nicht im Baum belassen werden, eine Entfernung großer Mengen grüner Blätter ist jedoch zu vermeiden, weil sie den Baum zusätzlich schwächt.
Bei wiederkehrendem, erheblichem Befall kann eine vorbeugende Behandlung im frühen Infektionszeitraum fachlich geprüft werden. Sie muss sich an Kultur, Befallsdruck, Witterung, Anwendungszeitpunkt und der aktuellen Zulassung in Deutschland orientieren. Bereits deutlich vergilbte oder abgefallene Blätter lassen sich durch eine Behandlung nicht wieder gesund machen.
Schonende und biologische Bekämpfung
Die wirksamsten nichtchemischen Maßnahmen sind Hygiene und Bestandsklima: Falllaub vollständig aufnehmen, die Krone locker halten, Schatten reduzieren und unnötige Blattnässe vermeiden. Eine rasche Rotte des Laubs kann die Sporenquelle vermindern, wenn das Material sicher abgedeckt oder fachgerecht kompostiert wird. Für den Hausgarten stehen bei dieser Krankheit keine verlässlich kurativen biologischen Maßnahmen zur Verfügung; Pflanzenstärkungsmittel können eine gute Kulturführung ergänzen, ersetzen aber keine Sanitation.
Vorbeugung
- Abgefallenes Laub im Herbst und möglichst auch während der Saison gründlich entfernen.
- Bei geeigneter Witterung kompostieren; krankes Laub dabei vollständig mit anderem Material abdecken, damit keine Sporen austreten.
- Für luftige, gut abtrocknende Kronen sorgen und übermäßige Beschattung vermeiden.
- Beim Schnitt auf einen ausgewogenen Kronenaufbau achten; nicht unnötig stark düngen, insbesondere nicht mit überschüssigem Stickstoff.
- Standort- und Sortenwahl berücksichtigen, da die Anfälligkeit zwischen Kirschsorten unterschiedlich ist.
- Blätter möglichst nicht regelmäßig durch Beregnung benetzen.
Wissenswertes
- Sauerkirschen sind im Allgemeinen stärker gefährdet als Süßkirschen.
- Der weiße bis rosafarbene Sporenbelag auf der Blattunterseite ist bei feuchtem Wetter ein besonders nützliches Diagnosemerkmal.
- Früher wurde der Erreger häufig unter dem Namen Coccomyces hiemalis geführt; die Nebenfruchtform wurde als Phloeosporella padi bezeichnet.
- Früher Blattfall über mehrere Jahre kann die Winterhärte und die Blüten- und Fruchtbildung der folgenden Jahre beeinträchtigen.
In Deutschland ausschließlich Pflanzenschutzmittel verwenden, die für die betreffende Kultur und dieses Schadproblem aktuell zugelassen sind. Zulassung, Anwendungsgebiet, Aufwandmenge, Wartezeit, Auflagen und Abstandsbestimmungen vor jeder Anwendung im amtlichen Pflanzenschutzmittelverzeichnis beziehungsweise auf dem aktuellen Produktetikett prüfen. Keine Mittel aus ausländischen Empfehlungen oder für andere Kulturen übertragen.
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