Baumwollmottenschildlaus
Bemisia tabaci (Gennadius)Baumwollmottenschildlaus – Kurzüberblick
Die Baumwollmottenschildlaus, auch Tabak- oder Süßkartoffel-Weiße Fliege genannt, ist ein wärmeliebender Saftsauger und Überträger zahlreicher Pflanzenviren. In Deutschland tritt sie vor allem in Gewächshäusern, Innenräumen und mit befallenen Jungpflanzen auf. Typisch sind kleine weiße Fliegen, Larvenstadien auf Blattunterseiten, Honigtau, Rußtau und eine nachlassende Pflanzenvitalität.
Typische Bedingungen
Überblick
Die Baumwollmottenschildlaus gehört zu den Mottenschildläusen (Aleyrodidae). Die erwachsenen Tiere sind etwa 1–2 mm groß, weiß bestäubt und sitzen häufig auf der Blattunterseite. Die flachen, unbeweglichen Nymphen erscheinen glasig bis gelblich und entwickeln sich ebenfalls überwiegend dort.
Die Bezeichnung Bemisia tabaci umfasst mehrere kryptische Arten beziehungsweise Linien, darunter MEAM1 und MED. Diese können sich in Wirtspflanzen, Schadpotenzial und Insektizidresistenz unterscheiden; eine sichere Linienbestimmung ist meist nur molekular möglich. Verwechslungen mit der Gewächshausmottenschildlaus (Trialeurodes vaporariorum) sind häufig.
Unter deutschen Bedingungen überdauert der Schädling meist in beheizten Gewächshäusern, Innenräumen oder an eingeschlepptem Pflanzenmaterial; im unbeheizten Freiland ist eine dauerhafte Überwinterung in der Regel nicht zu erwarten.
Symptome und Erkennung
- Viele kleine weiße Fliegen steigen beim Berühren befallener Pflanzen auf.
- Auf Blattunterseiten sitzen Eier, Larven und sessile Nymphen; ältere Stadien können gelbliche Körper und auffällige Augenpunkte zeigen.
- Durch Saugen entstehen helle Sprenkel, Chlorosen, Blattvergilbung, Wachstumshemmung und bei starkem Befall Blattfall.
- Honigtau macht Blätter klebrig und begünstigt schwarzen Rußtau.
- Bei virusübertragenden Populationen können zusätzlich mosaikartige Muster, Blattverkrümmungen, Vergilbung und starke Wuchsstörungen auftreten. Solche Symptome sind nicht allein beweisend für B. tabaci.
Ursachen und Ausbreitung
Die Einschleppung erfolgt vor allem über befallene Jungpflanzen, Stecklinge, Zierpflanzen und Blattwerk. Erwachsene Tiere fliegen bei Störung aktiv auf und werden durch Luftbewegung, Arbeitskleidung und Pflanzenbewegungen innerhalb des Gewächshauses verteilt. Viele Gemüse-, Zier- und Unkrautarten können als Zwischenwirte dienen.
Hohe Temperaturen beschleunigen Entwicklung und Vermehrung. Üppiger, stickstoffreicher Weichwuchs, dicht stehende Bestände, unkontrollierte Unkräuter und fehlende Befallsüberwachung fördern den Populationsaufbau. Die Virusübertragung ist besonders kritisch, wenn eine passende Virus-Wirt-Kombination vorliegt.
Lebenszyklus und Überdauerung
Die Weibchen legen winzige Eier einzeln oder gruppenweise an Blattunterseiten ab. Nach dem Schlupf bewegt sich das erste Larvenstadium kurz als sogenannte Wanderlarve, setzt sich fest und durchläuft anschließend mehrere sessile Nymphenstadien. Das letzte Stadium wird umgangssprachlich oft als Puppe bezeichnet, ist biologisch jedoch kein echtes Puppenstadium. Daraus schlüpft das geflügelte erwachsene Tier.
Bei warmen Gewächshausbedingungen können sich Generationen rasch überlappen. Die Entwicklungsdauer hängt stark von Temperatur, Wirtspflanze und Linie des Artenkomplexes ab; deshalb sollten keine starren Kalenderdaten als allgemeingültig verwendet werden.
Behandlung und Bekämpfung
Den Befall zunächst durch Blattunterseitenkontrollen, Leimtafeln und gegebenenfalls eine Lupe bestätigen. Stark befallene Blätter oder Einzelpflanzen entfernen, bevor sich die Tiere verteilen. Bei kleinen Beständen können die Blattunterseiten vorsichtig mit Wasser abgespült oder erwachsene Tiere abgesaugt werden; wiederholte Kontrollen sind erforderlich.
Im Gewächshaus sollte die Bekämpfung als IPM-Programm erfolgen: Befallsherde markieren, Nützlinge früh und passend zur Kultur einsetzen, Anwendungen gegen Larvenstadien terminieren und die Wirkung nach einigen Tagen kontrollieren. Wegen der gestaffelten Stadien sind einzelne Maßnahmen häufig unzureichend. Bei Verdacht auf eine Quarantäne- oder meldepflichtige Einschleppung ist der zuständige Pflanzenschutzdienst einzubeziehen und befallenes Material nicht weiterzugeben.
Schonende und biologische Bekämpfung
Für geschützte Kulturen kommen je nach Kultur, Temperatur und Befallsstadium parasitoide Schlupfwespen wie Encarsia formosa, Eretmocerus eremicus oder artspezifisch geeignete Eretmocerus-Arten infrage. Raubmilben wie Amblyseius swirskii, räuberische Wanzen und entomopathogene Pilze können ergänzen. Die Auswahl muss zur tatsächlich vorhandenen Mottenschildlaus-Art, zur Kultur und zum Klima passen.
Nützlinge wirken am zuverlässigsten bei frühem Befall, regelmäßiger Bestandkontrolle und möglichst geringer Störung durch breit wirkende Pflanzenschutzmittel. Stark befallene Herde, Unkräuter und befallenes Pflanzenmaterial bleiben wichtige Sanierungsziele; biologische Mittel ersetzen keine Hygiene.
Vorbeugung
- Jungpflanzen und Stecklinge vor dem Einräumen sorgfältig kontrollieren, besonders Blattunterseiten; neue Ware zunächst getrennt beobachten.
- Gelbe Leimtafeln zur Früherkennung auf Bestandshöhe einsetzen und regelmäßig auszählen. Sie dienen der Überwachung, nicht als alleinige Bekämpfung.
- Gewächshaus, Tische, Geräte und Transportwege sauber halten; Erntereste und stark befallene Pflanzen unmittelbar aus dem Bestand entfernen und sicher entsorgen.
- Unkräuter im Gewächshaus und im unmittelbaren Umfeld beseitigen, da sie als Reservoir dienen können.
- Insektenschutznetze an Lüftungsöffnungen, geschlossene Türen und ein abgestimmtes Pflanzenhygiene-Konzept nutzen.
- Übermäßige Stickstoffdüngung vermeiden und Bestände luftig sowie nicht unnötig dicht führen.
- Bei virusgefährdeten Kulturen besonders früh handeln, da bereits wenige virustragende Tiere epidemiologisch bedeutsam sein können.
Wissenswertes
- Bemisia tabaci ist kein einheitlicher biologischer Typ, sondern ein Komplex kryptischer Linien mit teils deutlich unterschiedlichen Eigenschaften.
- Die wichtigste wirtschaftliche Wirkung kann indirekt durch die Übertragung von Pflanzenviren entstehen, nicht nur durch den Saftentzug.
- Honigtau und Rußtau verschlechtern die Assimilation und die Vermarktungsqualität, auch wenn die Saugeschäden zunächst gering erscheinen.
- Die Art wird in deutschsprachigen Quellen unter mehreren Namen geführt, darunter Baumwollmottenschildlaus, Tabakmottenschildlaus, Batatenmottenschildlaus und Weiße Fliege.
- Im deutschen Gartenbau ist die Kombination aus Quarantänehygiene, Monitoring, biologischer Kontrolle und zurückhaltendem, zugelassenem Pflanzenschutz meist nachhaltiger als eine alleinige Bekämpfung mit Insektiziden.
Nur Pflanzenschutzmittel verwenden, die in Deutschland zum jeweiligen Zeitpunkt für die konkrete Kultur und den konkreten Schaderreger rechtlich zugelassen oder genehmigt sind. Vor jeder Anwendung die aktuelle Zulassung, Kulturverträglichkeit, Auflagen, Wartezeit und bienengefährdungsrelevanten Hinweise im amtlichen Verzeichnis prüfen und das Etikett genau befolgen. Keine Wirkstoffgruppen wiederholt einsetzen; Resistenzmanagement und die Schonung von Nützlingen sind besonders wichtig. Eine individuelle Spritzfolge wird hier nicht empfohlen.
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