
Scleroderris-Krankheit der Koniferen
Gremmeniella abietina (Lagerberg) MoreletScleroderris-Krankheit der Koniferen – Kurzüberblick
Die Scleroderris-Krankheit ist ein durch den Schlauchpilz Gremmeniella abietina verursachtes Trieb- und Nadelsterben an Kiefern und weiteren Nadelgehölzen. In Deutschland tritt sie vor allem an Schwarzkiefer, Waldkiefer und gelegentlich an Fichte, Zirbe, Douglasie oder Tanne auf. Verharzte Knospen, rötlich-braune Nadeln, abgestorbene Triebe und Rindennekrosen sind typische Hinweise.
Typische Bedingungen
Überblick
Gremmeniella abietina befällt vor allem junge Triebe und Knospen von Kiefern. Je nach Wirt, genetischem Typ des Erregers und Standort kann die Krankheit auf einzelne Triebe begrenzt bleiben oder zu Kronenverlichtung, Krebsstellen und zum Absterben junger Bäume führen. In Deutschland ist der Erreger nach EPPO-Angaben vorhanden, jedoch nur mit eingeschränkter Verbreitung dokumentiert.
Die Diagnose ist im Feld nicht immer eindeutig, da Frostschäden, andere Triebsterben, Nadelkrankheiten und abiotische Schäden ein ähnliches Bild erzeugen können. Bei wirtschaftlich wichtigen Beständen oder unklaren Fällen ist eine Untersuchung durch eine forstliche oder pflanzengesundheitliche Fachstelle sinnvoll.
Symptome und Erkennung
- Knospen treiben im Frühjahr nicht aus, sind deformiert oder zeigen Harzaustritt.
- Die Nadeln des Vorjahres verfärben sich von der Basis her rötlich, später braun, vertrocknen und fallen ab.
- End- und Seitentriebe sterben zurück; Ersatztriebe können zu einer auffälligen Verbuschung oder Krümmung führen.
- Die Rinde befallener Triebe wirkt eingesunken, schrumpelig und trocken. An älteren Trieben oder Ästen können längliche Nekrosen und Krebsstellen entstehen.
- Bei starkem Befall sterben Kronenteile oder junge Bäume vollständig ab.
Kleine dunkle Fruchtkörper können auf abgestorbenen Trieben erscheinen. Ihr Auftreten ist jedoch witterungs- und biotypsabhängig und nicht bei jedem Befall leicht sichtbar.
Ursachen und Ausbreitung
Verursacher ist der Schlauchpilz Gremmeniella abietina. Die Erstinfektion erfolgt typischerweise an sich entwickelnden Trieben und Knospen im Frühjahr. Sporen werden durch Regen und feuchte Witterung verbreitet; infiziertes Pflanzgut und möglicherweise Weihnachtsbaum- oder Pflanzenmaterial können den Erreger über größere Entfernungen verschleppen.
Hohe Luftfeuchte, niederschlagsreiche und kühle Vegetationsperioden, dichte Bestände sowie geschwächte oder standortbedingt belastete Bäume fördern die Krankheitsentwicklung. Die Empfindlichkeit unterscheidet sich zwischen Wirtsarten, Herkünften und den beschriebenen europäischen Biotypen deutlich.
Lebenszyklus und Überdauerung
Der Krankheitszyklus kann sich über etwa zwei Jahre erstrecken. Nach der Infektion während des Frühjahrsaustriebs bleibt der Befall zunächst häufig unauffällig. Im Winterhalbjahr schreitet die Gewebenekrose in Knospe und Trieb fort; Harzaustritt und das Absterben der Knospe werden sichtbar. Im folgenden Frühjahr treiben befallene Knospen nicht oder nur verkümmert aus, während die zugehörigen Nadeln rötlich-braun werden.
Auf abgestorbenem Gewebe können zunächst Pyknidien mit Konidien und später, abhängig von Erregertyp und Standort, Apothecien mit Ascosporen entstehen. Diese Fruchtkörper setzen bei feuchter Witterung Sporen frei und ermöglichen neue Infektionen.
Behandlung und Bekämpfung
Eine kurative Heilung bereits abgestorbener Triebe ist nicht möglich. Bei Einzelbäumen oder kleineren Pflanzungen können befallene Triebe bis in sichtbar gesundes Holz zurückgeschnitten und aus dem Bestand entfernt werden. Der Schnitt sollte bei trockener Witterung erfolgen; Schnittgut ist nicht zu kompostieren, wenn eine weitere Sporenbildung möglich ist.
Bei starkem oder wiederkehrendem Befall sind befallene Jungpflanzen auszusortieren und die Standort-, Herkunfts- und Bestandesbedingungen zu überprüfen. In Forstbeständen sollte die Entscheidung über Eingriffe gemeinsam mit der zuständigen Forstberatung getroffen werden. Eine sichere Bestätigung kann eine Laboruntersuchung erfordern.
Schonende und biologische Bekämpfung
- Befallene Triebe und stark erkrankte Jungpflanzen konsequent entfernen und hygienisch entsorgen.
- Bestände lockern beziehungsweise bei Neuanlagen ausreichende Pflanzabstände und gute Luftzirkulation einplanen.
- Standortgerechte, weniger anfällige Herkünfte und Mischbestände bevorzugen, soweit dies forstlich und ökologisch passend ist.
- Übermäßige Stickstoffversorgung vermeiden und die allgemeine Vitalität der Bäume durch passende Boden- und Wasserversorgung erhalten.
- Biologische Präparate sind für diesen Erreger im Haus- und Forstgarten nicht pauschal als wirksam anzusehen; nur nachweislich zugelassene und für die konkrete Anwendung geprüfte Produkte verwenden.
Vorbeugung
- Für Aufforstungen und Baumschulen nur gesundes, kontrolliertes und möglichst zertifiziertes Pflanzgut verwenden.
- Jungpflanzen bei Eingang und vor dem Auspflanzen auf verharzte Knospen, abgestorbene Triebe und rötlich-braune Nadeln kontrollieren.
- Anfällige Baumarten oder Herkünfte nicht an Standorten anbauen, an denen sie dauerhaft unter hoher Feuchte, Spätfrost oder sonstigem Standortstress leiden.
- Zu dichte Bestände vermeiden und eine standortgerechte Mischung sowie ausreichende Durchlüftung anstreben.
- Befallene Pflanzen und Schnittreste nicht zur Vermehrung oder als Pflanzgut weiterverwenden; Schnittwerkzeuge zwischen erkrankten und gesunden Pflanzen reinigen und desinfizieren.
- In Baumschulen und jungen Kulturen regelmäßige Kontrollen besonders nach kühlen, niederschlagsreichen Frühjahren durchführen.
Wissenswertes
- Die Art wird in Europa traditionell mit dem Brunchorstia-Triebsterben und in Nordamerika mit dem Scleroderris-Krebs der Koniferen in Verbindung gebracht.
- Die Wirtspflanzen reichen überwiegend innerhalb der Kieferngewächse von verschiedenen Pinus-Arten bis zu Picea, Abies, Larix und Pseudotsuga; die Bedeutung einzelner Wirte hängt vom Erregertyp und der Region ab.
- Infektionen können im Frühjahr zunächst verborgen bleiben und erst im Winter oder im darauffolgenden Austrieb deutlich sichtbar werden.
- In Mitteleuropa gilt die Schwarzkiefer als besonders wichtiger betroffener Wirt, während die Krankheit an anderen Nadelgehölzen regional und standortabhängig auftritt.
- Die auffällige Bildung von Ersatztrieben unterhalb abgestorbener Triebabschnitte kann zu einer buschigen oder deformierten Kronenstruktur führen.
Für Deutschland dürfen ausschließlich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel verwendet werden, deren Zulassung die betreffende Kultur beziehungsweise den konkreten Schadorganismus und die Anwendungssituation abdeckt. Vor jeder Anwendung die aktuelle Zulassung, Auflage und Gebrauchsanweisung des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) prüfen und das Etikett genau befolgen. Ein allgemeines Fungizidprogramm wird hier nicht empfohlen.