KirschfruchtfliegeQuelle: Wikimedia CommonsHolger KrispCC BY 4.0
Schädling

Kirschfruchtfliege

Rhagoletis cerasi (Linnaeus)
Kurzüberblick

Kirschfruchtfliege – Kurzüberblick

Die Kirschfruchtfliege (Rhagoletis cerasi) ist ein bedeutender Schädling von Süßkirschen. Ihre Larven entwickeln sich im Fruchtfleisch und machen Kirschen durch Fraß, Weichfäule und Folgeschäden unbrauchbar. Besonders gefährdet sind mittelspäte und späte Sorten. Eine zuverlässige Bekämpfung beruht auf Flugüberwachung, vollständiger Ernte, Entfernung befallener Früchte und gut abgestimmten IPM-Maßnahmen.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileVor allem reifende Früchte von Süßkirschen; Larven im Fruchtfleisch, meist nahe dem Stein. Gelegentlich sind weitere Prunus-Arten und bestimmte Lonicera-Arten betroffen.
Begünstigende BedingungenTrocken-warme Witterung während Flug und Eiablage, mittelspäte bis späte Kirschsorten, nicht abgeerntete Früchte und unbedeckter Boden mit Überwinterungspuppen.
Pflanzendoktor

Überblick

Rhagoletis cerasi, die Kirschfruchtfliege, gehört zur Familie der Bohrfliegen (Tephritidae) und ist in Deutschland heimisch beziehungsweise weit verbreitet. Der wichtigste Wirt im Garten- und Erwerbsobstbau ist die Süßkirsche (Prunus avium). Die erwachsenen Fliegen sind etwa 4–5 mm lang, überwiegend dunkel gefärbt, besitzen ein auffälliges gelbes Schildchen am Thorax und gebänderte Flügel.

Der Schädling wird leicht mit der Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) verwechselt. Die Kirschfruchtfliege befällt vor allem Kirschen während der Reifeentwicklung; die Larven sitzen anschließend im Fruchtfleisch nahe dem Stein.

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Symptome und Erkennung

  • Kleine Einstich- oder Verfärbungsstelle, häufig nahe dem Fruchtstiel.
  • Braune, eingesunkene und später weich werdende Stelle an der heranreifenden Kirsche.
  • Weißliche, beinlose Larve von bis etwa 6 mm Länge im Fruchtfleisch, oft nahe dem Kirschstein.
  • Weiches, faulendes Fruchtfleisch, vorzeitiges Abfallen und nicht vermarktbare Früchte.
  • Sekundärbefall durch Fäulniserreger kann die Zersetzung beschleunigen.

Einzelne Einstiche sind äußerlich nicht immer sicher erkennbar. Zur Kontrolle reife verdächtige Früchte aufschneiden oder in Wasser legen und auf austretende Larven prüfen.

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Ursachen und Ausbreitung

Der Schaden entsteht durch die Eiablage der Weibchen in heranreifende Kirschen und den anschließenden Larvenfraß im Fruchtfleisch. Die Fliegen bewegen sich meist nur über kurze Distanzen; eine Verschleppung über befallene Früchte ist jedoch möglich. Nicht vollständig geerntete oder zu Boden gefallene Kirschen ermöglichen den Larven, die Frucht zu verlassen und sich im Boden zu verpuppen.

Wilde oder verwilderte Kirschbestände in der Umgebung können als zusätzliche Wirtspflanzen dienen. Auch Heckengehölze der Gattung Lonicera, insbesondere bestimmte Heckenkirschen, sind dokumentierte Wirte, ihre Bedeutung kann regional unterschiedlich sein.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Die Art bildet unter deutschen Klimabedingungen normalerweise eine Generation pro Jahr. Die Puppen überwintern in der oberen Bodenschicht unter oder nahe den Wirtspflanzen. Je nach Temperatur schlüpfen die adulten Fliegen meist ab Mitte Mai bis Ende Juni. Nach einem Reifungsfraß paaren sie sich; die Weibchen legen ihre Eier ab, wenn die Kirschen von Grün nach Gelb beziehungsweise in die Reifephase übergehen.

Aus den Eiern schlüpfen Larven, die sich im Fruchtfleisch entwickeln. Nach Abschluss der Larvenentwicklung verlassen sie die Frucht, lassen sich zu Boden fallen und verpuppen sich dort. Die Flug- und Eiablageperiode kann regional, höhenlagen- und witterungsabhängig deutlich schwanken.

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Behandlung und Bekämpfung

Im Hausgarten ist eine Kombination aus Flugüberwachung, Gelbtafeln, vollständiger Ernte und konsequenter Fruchthygiene meist der praktikabelste Ansatz. Gelbtafeln können den Flug anzeigen und einen Teil der adulten Fliegen abfangen, reichen bei starkem Befallsdruck allein jedoch häufig nicht aus.

Bei größeren Beständen sollte der Bekämpfungszeitpunkt anhand regionaler Warndienste, Fallenfänge und der Fruchtentwicklung festgelegt werden. Maßnahmen müssen gegen die adulten Fliegen vor der Eiablage wirken; Larven im Fruchtinneren sind deutlich schwerer zu erreichen. Befallene Früchte sollten aus dem Bestand entfernt werden, um den Entwicklungszyklus zu unterbrechen.

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Schonende und biologische Bekämpfung

  • Gelbe Leimtafeln zur Flugüberwachung und als biotechnische Teilmaßnahme einsetzen; sie ersetzen bei starkem Befall keine Bestandshygiene.
  • Kirschkronen mit einem feinmaschigen Netz, maximal etwa 1 mm Maschenweite, vollständig und ohne Spalten abschirmen.
  • Fallobst und nicht geerntete Früchte konsequent entfernen und sicher entsorgen.
  • Boden unter der Krone möglichst geschlossen halten, beispielsweise mit geeigneter Abdeckung, um das Verlassen der Früchte und die Verpuppung zu erschweren.
  • Ernteintervalle verkürzen und Früchte nach der Ernte rasch kühlen; dies verhindert keinen Befall am Baum, reduziert aber die weitere Qualitätsverschlechterung.

Für Rhagoletis cerasi stehen im Hobbygarten keine verlässlich wirksamen, allgemein einsetzbaren Nützlingsverfahren zur Verfügung. Biologische und verhaltensbasierte Verfahren befinden sich teilweise noch in Entwicklung oder sind stark an Kultur und Zulassung gebunden.

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Vorbeugung

  • Kirschbäume regelmäßig kontrollieren und den Flugbeginn mit gelben Leimtafeln oder geeigneten Monitoringfallen verfolgen.
  • Reifende Kirschen vollständig und engmaschig ernten; überreife Früchte nicht am Baum hängen lassen.
  • Abgefallene und befallene Früchte täglich oder in kurzen Intervallen sammeln und nicht auf dem Kompost ausreifen lassen.
  • Frühe Sorten können in der Regel weniger gefährdet sein; die Sortenwirkung ist jedoch standort- und witterungsabhängig.
  • Bei kleinen Bäumen ein feinmaschiges Insektenschutznetz vor dem erwarteten Flugbeginn vollständig und lückenlos anbringen.
  • Wilde Kirschen und dokumentierte alternative Wirtspflanzen in unmittelbarer Nähe nur entfernen, wenn dies fachlich, rechtlich und naturschutzrechtlich vertretbar ist.
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Wissenswertes

  • Die Kirschfruchtfliege ist nicht dasselbe wie die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii), die zu einer anderen Fliegenfamilie gehört und ein deutlich breiteres Wirtsspektrum besitzt.
  • Die Markttoleranz für madenhaltige Kirschen ist sehr niedrig; bereits geringer Befall kann die Vermarktung beeinträchtigen.
  • Die Larven sind im Fruchtinneren vor vielen Kontaktmaßnahmen geschützt, weshalb die Bekämpfung auf die adulten Fliegen vor der Eiablage ausgerichtet wird.
  • Gelbe Leimtafeln eignen sich sowohl zur Flugkontrolle als auch als Teil einer biotechnischen Bekämpfungsstrategie im Haus- und Kleingarten.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Pflanzenschutzmittel nur verwenden, wenn ein Produkt in Deutschland aktuell für die konkrete Kultur und Kirschfruchtfliege zugelassen oder genehmigt ist. Maßgeblich sind das aktuelle Verzeichnis des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), die zugelassene Anwendung, Wartezeit, Aufwandmenge und Auflagen auf dem Etikett. Keine Anwendung außerhalb der zugelassenen Indikation; regionale Pflanzenschutzwarndienste beachten.