Grünschimmel der ZitrusfrüchteQuelle: Wikimedia CommonsNicola van BerkelCC BY-SA 4.0
Krankheit

Grünschimmel der Zitrusfrüchte

Penicillium digitatum
Kurzüberblick

Grünschimmel der Zitrusfrüchte – Kurzüberblick

Der Grünschimmel ist eine bedeutende Nacherntekrankheit von Orangen, Zitronen, Mandarinen, Grapefruits und weiteren Zitrusfrüchten. Penicillium digitatum dringt meist durch kleine Verletzungen der Schale ein und verursacht zunächst feuchte, eingesunkene Fäulnisstellen. Anschließend bildet sich ein weißes Pilzgeflecht, das rasch olivgrüne Sporenlager entwickelt. Besonders kritisch ist die Krankheit bei Lagerung, Transport und feucht-warmem Raumklima.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileVor allem die Schale und das darunterliegende Fruchtfleisch geernteter Zitrusfrüchte; selten auch verletzte Früchte am Baum.
Begünstigende BedingungenFrische Verletzungen, feuchte Schalen, Kondenswasser, enge Kisten, schlechte Hygiene und warme Lagerung. Die Entwicklung ist bei mäßig warmen bis warmen Temperaturen besonders schnell; eine genaue Geschwindigkeit hängt von Fruchtart, Reifegrad und Lagerklima ab.
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Überblick

Der Erreger befällt vor allem geerntete Zitrusfrüchte und kann bereits im Obstgarten, besonders aber im Packhaus, während des Transports und im Lager auftreten. Typisch ist eine rasch fortschreitende Weichfäule mit weißem Pilzgeflecht und anschließend olivgrüner Sporenbildung.

Im deutschen Hobbyanbau ist das Problem vor allem bei selbst gezogenen oder überwinterten Zitruspflanzen relevant, wenn Früchte verletzt, feucht gelagert oder bei Raumtemperatur in geschlossenen Behältern aufbewahrt werden. Eine sichere Artbestimmung allein anhand der Farbe ist nicht immer möglich; auch andere Schimmelpilze können ähnlich aussehen.

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Symptome und Erkennung

  • Zunächst entstehen kleine, blass-feuchte, weich werdende und leicht eingesunkene Stellen auf der Fruchtschale.
  • Die Fäulnis breitet sich kreisförmig und meist sehr schnell aus.
  • Auf der Oberfläche erscheint zuerst weißes Myzel; später bildet sich ein charakteristischer olivgrüner bis grünlicher Sporenbelag.
  • Die Frucht verliert an Festigkeit, schrumpft und kann vollständig zerfallen.
  • Befallene Früchte können benachbarte Früchte durch direkten Kontakt und Sporenübertragung anstecken.

Der Grünschimmel ist vom Blauschimmel durch Penicillium italicum oft nur anhand des Sporenfarbtons zu unterscheiden. Bei unklaren Fällen ist eine Laborbestimmung erforderlich.

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Ursachen und Ausbreitung

Der Pilz gelangt durch Konidien auf die Frucht. Für die Infektion benötigt er gewöhnlich eine Eintrittspforte, etwa Risse, Druckstellen, Schürfungen, Insektenfraß, Hagelschäden, beschädigte Stielansätze oder Verletzungen beim Pflücken und Verpacken.

Die Sporen werden durch Luftbewegung, Berührung, Ernte- und Verpackungsgeräte, Hände sowie durch den Kontakt zwischen Früchten verbreitet. Feuchte Oberflächen und Kondenswasser fördern die Keimung. Bereits eine einzelne faulende Frucht kann in einer Kiste als wichtige Sporenquelle dienen.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Konidien überdauern auf befallenen Früchten, Pflanzenresten, Kisten, Werkzeugen und anderen Oberflächen. Treffen sie auf eine feuchte Verletzung der Schale, keimen sie und bilden innerhalb kurzer Zeit ein Myzel im Rindengewebe. Zunächst bleibt der Belag weiß; mit der Reifung entstehen die olivgrünen Konidienträger und massenhaft neue Sporen.

Bei warmen Bedingungen schreitet die Fäulnis besonders schnell voran. Kühlere, trockene und hygienische Lagerbedingungen verlangsamen die Entwicklung, beseitigen den Erreger jedoch nicht aus bereits infizierten Früchten.

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Behandlung und Bekämpfung

Eine bereits deutlich verschimmelte Zitrusfrucht lässt sich nicht sicher wieder genießbar machen. Sie sollte vollständig aus dem Bestand beziehungsweise aus der Lagerkiste entfernt und über den Hausmüll entsorgt werden; nicht kompostieren, wenn eine Verschleppung des Schimmels wahrscheinlich ist.

Benachbarte Früchte sorgfältig kontrollieren und trockene, unbeschädigte Exemplare getrennt lagern. Kisten, Regale und Arbeitsflächen zunächst von Fruchtresten befreien und anschließend gründlich reinigen und trocknen. Das bloße Abwischen oder Abwaschen des grünen Belags stoppt eine bereits ins Gewebe vorgedrungene Fäulnis in der Regel nicht.

Bei professioneller Nacherntebehandlung können je nach Zulassungslage Temperatur-, Heißwasser-, Hygienebehandlungen und biologische Verfahren Bestandteil eines integrierten Programms sein. Für einzelne Früchte im Haushalt steht jedoch vor allem konsequentes Aussortieren und hygienisches, trockenes Lagern im Vordergrund.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Im Hausgarten sind vorbeugende und physikalische Maßnahmen am zuverlässigsten: verletzungsfrei ernten, beschädigte Früchte sofort entfernen, Behälter reinigen und die Früchte trocken sowie luftig lagern. Eine geeignete, fachgerecht durchgeführte Warmwasserbehandlung kann die Sporenkeimung und frühe Infektionen reduzieren, darf aber die jeweilige Zitrusart, Fruchtreife und Temperaturverträglichkeit nicht überfordern.

In professionellen Anlagen wurden außerdem antagonistische Hefen und Bakterien sowie essbare beziehungsweise niedrig toxische Nachernteverfahren untersucht. Ihre Wirksamkeit hängt stark von Stamm, Formulierung, Anwendung und Lagerkette ab; sie sind kein Ersatz für Hygiene und das Aussortieren kranker Früchte.

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Vorbeugung

  • Früchte vorsichtig ernten und nicht werfen, quetschen oder über harte Kistenränder ziehen.
  • Nur unverletzte und möglichst trockene Früchte einlagern; Früchte mit weichen Stellen sofort aussortieren.
  • Erntekisten, Scheren, Ablagen und Hände sauber halten und regelmäßig reinigen.
  • Früchte nicht nass oder mit sichtbarem Kondenswasser in geschlossenen Behältern lagern.
  • Lager kühl, trocken, sauber und gut belüftet halten; starke Temperatursprünge vermeiden.
  • Befallene Früchte unverzüglich entfernen und nicht neben gesunde Früchte legen.
  • Bei Zitruspflanzen im Kübel Verletzungen durch Dornen, Reibung, Schädlingsbefall und unsachgemäße Handhabung vermeiden.
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Wissenswertes

  • Penicillium digitatum gilt als strikter Wundparasit der Zitrusfrucht und nutzt vor allem Verletzungen der Schale als Eintrittspforte.
  • Die ersten Symptome sind häufig unscheinbarer als der spätere grüne Sporenrasen: Eine feuchte, eingesunkene Stelle kann bereits der Beginn der Krankheit sein.
  • Grünschimmel und Blauschimmel treten in Lager- und Transportketten oft gemeinsam auf; die typische Sporenfarbe hilft bei der Orientierung, ist aber keine sichere Laborbestimmung.
  • Die wichtigste Bekämpfungsstrategie ist ein integriertes Nacherntekonzept aus schonender Ernte, Hygiene, Sortierung, geeigneter Temperaturführung und möglichst kurzer Lagerdauer.
  • Schimmelbefallene Früchte sollten nicht verkostet werden, da neben dem sichtbaren Belag auch tieferliegendes befallenes Gewebe vorhanden sein kann.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Keine allgemeine Spritz- oder Tauchbehandlung für den Hausgebrauch ableiten. Pflanzenschutzmittel und Nacherntebehandlungen dürfen in Deutschland nur verwendet werden, wenn das konkrete Produkt für die betreffende Kultur, Anwendung und den jeweiligen Zweck aktuell zugelassen beziehungsweise rechtlich zulässig ist. Ausschließlich das aktuelle deutsche Etikett und die Vorgaben des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit beachten; Aufwandmenge, Wartezeit, Anwenderschutz und Anwendungsbedingungen strikt einhalten.