Hopfenblattlaus
Phorodon humuliHopfenblattlaus – Kurzüberblick
Die Hopfenblattlaus (Phorodon humuli) ist ein wirtswechselnder Blattlausschädling des Hopfens. Sie überwintert überwiegend als Ei an Pflaumen, Zwetschgen oder Schlehen und wandert im Frühjahr auf Hopfen über. Dichte Kolonien an Blattunterseiten, Triebspitzen und später an Blütenständen und Dolden saugen Pflanzensaft aus, scheiden Honigtau aus und können Ertrag sowie Doldenqualität deutlich mindern.
Typische Bedingungen
Überblick
Phorodon humuli befällt in Deutschland vor allem Kulturhopfen (Humulus lupulus). Die Tiere sind länglich und meist blassgrün bis glasig grün; sie sitzen häufig in lockeren Kolonien an Blattunterseiten, jungen Trieben und später an Blütenständen und Dolden.
Die Art wechselt im Jahresverlauf typischerweise zwischen Prunus-Arten als Winterwirt und Hopfen als Sommerwirt. Nicht jede Blattlauskolonie an Hopfen gehört jedoch zu dieser Art. Für eine sichere Bestimmung sollten Körperform, Färbung, Wirtspflanze und Befallszeitpunkt gemeinsam bewertet werden.
Symptome und Erkennung
- Blattunterseiten, Triebspitzen und junge Dolden sind mit blassgrünen, länglichen Blattläusen besetzt.
- Junge Hopfenblätter können sich einrollen, verkrüppeln oder im Wachstum zurückbleiben.
- Durch Honigtau kleben Blätter und Dolden; darauf können sich dunkle Rußtaupilze entwickeln.
- Starker Befall kann die Assimilationsleistung, das Triebwachstum, den Doldenansatz und die Doldenqualität beeinträchtigen.
- Bei der Kontrolle sind auch geflügelte Tiere und natürliche Gegenspieler wie Marienkäferlarven, Florfliegenlarven, Schwebfliegenlarven und Schlupfwespen zu beachten.
Ursachen und Ausbreitung
Die Hopfenblattlaus überwintert überwiegend als Ei an geeigneten Prunus-Wirten, insbesondere Pflaume, Zwetschge oder Schlehe. Im Frühjahr entstehen zunächst ungeflügelte Generationen. Später gebildete geflügelte Tiere wandern auf Hopfenbestände über. Die Ausbreitung erfolgt anschließend durch geflügelte Blattläuse, den Kontakt benachbarter Triebe sowie durch Verschleppung mit Pflanzenmaterial.
Auf Hopfen vermehren sich die Blattläuse bei günstiger Witterung rasch ohne Befruchtung. Hohe Befallsdichten werden besonders bei warmen, trockenen Bedingungen und bei fehlender Wirkung natürlicher Gegenspieler beobachtet. Die genaue Bedeutung alternativer Sommerwirte außerhalb von Hopfen ist regional und quellenabhängig; sie sollte nicht pauschal angenommen werden.
Lebenszyklus und Überdauerung
Der typische Jahreszyklus ist heterözisch: Wintereier werden an Prunus-Arten abgelegt. Nach dem Schlupf folgen mehrere ungeflügelte Generationen. Geflügelte Tiere wechseln im Frühjahr oder Frühsommer auf Hopfen. Dort entstehen rasch aufeinanderfolgende Generationen lebend gebärender Weibchen. Gegen Ende der Vegetationsperiode werden wieder geflügelte Formen erzeugt, die zu den Winterwirten zurückkehren; anschließend entstehen Männchen und Weibchen, und die Eiablage erfolgt an verholzten Trieben.
Der zeitliche Ablauf hängt in Deutschland von Temperatur, Entwicklungsstand der Hopfenbestände und dem Zuflug ab. Kontrollen sollten deshalb nicht nur nach Kalender, sondern regelmäßig während des Austriebs, des Längenwachstums und bis zur Blüte erfolgen.
Behandlung und Bekämpfung
Bei ersten Kolonien zunächst Befallsstärke und Nützlingsbesatz erfassen. Einzelne Pflanzen oder kleine Hausgartenbestände können mit einem kräftigen Wasserstrahl, insbesondere an den Blattunterseiten, abgespült werden. Stark befallene Triebspitzen oder einzelne Blätter lassen sich in kleinen Beständen entfernen und entsorgen.
Im Erwerbshopfen sollte die Entscheidung anhand regelmäßiger Bestandskontrollen, Sorte, Entwicklungsstadium und regionaler Beratung getroffen werden. Eine frühe prophylaktische Behandlung ist nicht grundsätzlich sinnvoll; besonders wichtig ist die Beurteilung des Zuflugs und des Befalls vor der Blüte. Behandlungen müssen möglichst nützlingsschonend und zielgerichtet erfolgen, um Resistenzentwicklung und Sekundärprobleme zu vermeiden.
Schonende und biologische Bekämpfung
Die wichtigste biologische Maßnahme ist die Schonung und Förderung natürlicher Gegenspieler. Dazu zählen Marienkäfer, Florfliegen, Schwebfliegenlarven, räuberische Gallmücken, Blumenwanzen, Ohrwürmer und Blattlausparasitoide. Blühende Saumstrukturen sowie ein möglichst vielfältiger Randbewuchs unterstützen deren Bestand.
Im Hausgarten können Blattlauskolonien abgespült und stark befallene Pflanzenteile entfernt werden. Pflanzenstärkungsmittel oder zugelassene Präparate mit Kontaktwirkung können je nach Kultur, Anwendungssituation und Zulassung eine Ergänzung sein, ersetzen aber nicht die Befallskontrolle. Im ökologischen Hopfenbau sind die verfügbaren direkten Bekämpfungsmöglichkeiten besonders begrenzt; deshalb haben Sortenwahl, Monitoring und Nützlingsschutz hohe Bedeutung.
Vorbeugung
- Hopfenbestände ab dem Austrieb regelmäßig kontrollieren, besonders Blattunterseiten, Triebspitzen und später die Dolden.
- Sortenunterschiede in der Anfälligkeit bei Neuanpflanzungen berücksichtigen, soweit Anbauziel und Vermarktung dies erlauben.
- Saumstrukturen, Hecken und blühende Randbereiche erhalten, da sie Nützlingen Nahrung und Überwinterungsmöglichkeiten bieten.
- Übermäßige Stickstoffversorgung vermeiden; sie fördert weiches, für Blattläuse attraktives Pflanzengewebe.
- Befallenes Pflanzenmaterial nicht unnötig zwischen Beständen transportieren und Geräte bei Arbeiten in stark befallenen Bereichen reinigen.
- Einzelne Prunus-Winterwirte im Umfeld nicht allein deshalb roden: Die Entfernung ist keine verlässlich ausreichende Maßnahme und kann ökologisch nachteilig sein.
Wissenswertes
- Die Hopfenblattlaus ist kein echter „Hopfen-only“-Schädling, sondern führt einen Wirtswechsel zwischen Prunus-Arten und Hopfen durch.
- Die Tiere können durch Honigtau nicht nur klebrige Dolden verursachen, sondern auch Rußtaupilze fördern, die die Lichtaufnahme der Blätter beeinträchtigen.
- Hopfensorten unterscheiden sich in ihrer Anfälligkeit; in deutschen Leitlinien werden unter anderem bestimmte Hochalphasorten als stärker gefährdet beschrieben.
- Die geflügelte Generation ist für den Wechsel vom Winterwirt zum Hopfen und für die Ausbreitung innerhalb eines Bestands entscheidend.
Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland nur eingesetzt werden, wenn sie für die betreffende Kultur und den konkreten Schadorganismus aktuell zugelassen oder genehmigt sind. Ausschließlich die aktuelle Zulassung, Gebrauchsanleitung, Wartezeit, Anwendungsbestimmungen und Auflagen des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit beachten; keine Übertragung von Anwendungen aus anderen Ländern, Kulturen oder älteren Empfehlungen.
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