Roter PalmrüsslerQuelle: Wikimedia Commonshttps://web.archive.org/web/20210921080908/http://www.ces.csiro.au/aicn/name_s/b_3609.htmPublic domain
Schädling

Roter Palmrüssler

Rhynchophorus ferrugineus
Kurzüberblick

Roter Palmrüssler – Kurzüberblick

Der Rote Palmrüssler (Rhynchophorus ferrugineus) befällt vor allem Dattel- und Zierpalmen. Seine Larven entwickeln sich verborgen im Stamm, in Wedelbasen und im Vegetationskegel, sodass der Befall oft erst bei Welke, Faser-Auswurf oder einem kollabierenden Herztrieb auffällt. In Deutschland ist besonders bei importierten oder überwinterten Palmen eine sorgfältige Kontrolle wichtig.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileStamm, Wedelbasen, Blattscheiden, Vegetationskegel und junge, zentrale Wedel.
Begünstigende BedingungenWarme Temperaturen, geschädigtes oder frisch geschnittenes Palmengewebe, unzureichende Wundhygiene, dichter Palmenbestand und das Verbringen befallener Pflanzen oder Pflanzenteile.
Pflanzendoktor

Überblick

Der Rote Palmrüssler befällt zahlreiche Palmenarten, besonders Phoenix canariensis, Phoenix dactylifera und Cocos nucifera. In Mitteleuropa ist ein Befall im Freiland deutlich weniger wahrscheinlich als in warmen Mittelmeerregionen, kann aber durch importierte Pflanzen, Gewächshauskulturen und geschützte Überwinterungsplätze eingeschleppt werden.

Die erwachsenen Käfer legen Eier in Wunden, Schnittstellen oder weiches Gewebe. Die Larven fressen zunächst verborgen und hinterlassen Fraßgänge, Fasern und Kot. Sichtbare Kronenschäden erscheinen häufig erst, wenn der zentrale Vegetationspunkt bereits erheblich geschädigt ist.

Pflanzendoktor

Symptome und Erkennung

  • Welke, Abknicken oder asymmetrisches Herausfallen junger Wedel.
  • Schlaffer oder kollabierender Herztrieb und schließlich Zusammenbrechen der Krone.
  • Runde bis unregelmäßige Bohrlöcher an Stamm, Wedelbasen oder im Kronenbereich.
  • Auswurf zerkaute, feuchte Pflanzenfasern und manchmal braune, zähflüssige Flüssigkeit.
  • Fraßgänge und Larven im Inneren; bei ruhiger Umgebung kann ein knirschendes Fraßgeräusch hörbar sein.
  • Erwachsene Käfer sind etwa, kräftig gebaut und meist rotbraun bis dunkel gefärbt; die Färbung allein ist jedoch kein sicheres Diagnosemerkmal.
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Ursachen und Ausbreitung

Die wichtigste Einschleppungsroute ist das Verbringen befallener Palmen oder unzureichend kontrollierter Pflanzenteile. Weibchen nutzen außerdem frische Schnittstellen, Verletzungen und bereits geschwächtes Gewebe zur Eiablage. Erwachsene Käfer können zwischen Palmen fliegen. Unbehandeltes Schnittgut, Faserreste und das Umsetzen befallener Containerpflanzen fördern die weitere Verbreitung.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Die Weibchen legen einzelne, cremeweiße Eier in kleine Vertiefungen oder Wunden der Palme und verschließen diese teilweise mit einem Sekret. Nach dem Schlupf bohren sich die Larven in das Gewebe. Die weißlichen Larven mit brauner Kopfkapsel durchlaufen mehrere Stadien und können mehrere Zentimeter lang werden.

Zur Verpuppung fertigen sie einen länglichen Kokon aus Palmfasern, meist im geschädigten Gewebe oder in dessen Nähe. Danach schlüpfen die erwachsenen Käfer. Unter warmen Bedingungen kann sich der Zyklus innerhalb weniger Monate vollenden; in kühleren deutschen Haltungsbedingungen ist eine langsamere Entwicklung zu erwarten. Die Käfer können neue Palmen aktiv auffinden und Befall über Pflanzenmaterial verbreiten.

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Behandlung und Bekämpfung

Bei Verdacht die Palme sofort separieren und nicht bewegen, bevor die weitere Vorgehensweise geklärt ist. Krone, Wedelbasen und Stamm sollten durch eine sachkundige Person untersucht werden; Larven, Kokons und Bohrgänge können zur Bestätigung entnommen werden.

Früh erkannte Befälle können je nach Palmenart, Befallsort und Zustand der Pflanze gegebenenfalls saniert werden. Dazu kommen in der Praxis mechanische Entfernung befallenen Gewebes, fachgerechte Entsorgung, Fallenmonitoring und – sofern rechtlich zugelassen und fachlich angezeigt – eine gezielte Behandlung infrage. Stark geschädigte oder abgestorbene Palmen müssen häufig vollständig entfernt werden. Das Pflanzenmaterial ist so zu sichern, dass keine Käfer entweichen können.

Bei Palmen im deutschen Gartenbau sollte die Behandlung wegen der schwierigen Diagnose, der verborgenen Larven und der rechtlichen Vorgaben durch einen Fachbetrieb sowie in Abstimmung mit dem zuständigen Pflanzenschutzdienst erfolgen.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Biologische und nichtchemische Maßnahmen sollten Bestandteil eines integrierten Vorgehens sein:

  • Pheromonfallen mit geeigneten Lockstoffen zur Überwachung und – in abgestimmten Beständen – zum Massenfang einsetzen; Fallen regelmäßig kontrollieren und warten.
  • Palmen regelmäßig an Krone, Wedelbasen und Stamm kontrollieren, besonders nach dem Zukauf oder während der warmen Vegetationsperiode.
  • Nur bei trockenem Wetter und mit scharfem, sauberem Werkzeug schneiden; frische Schnitt- und Verletzungsstellen möglichst vermeiden beziehungsweise fachgerecht schützen.
  • Abgestorbene oder befallene Pflanzenteile nicht kompostieren, sondern sicher verpacken und nach örtlichen Vorgaben entsorgen.
  • Biologische Verfahren wie entomopathogene Nematoden oder Pilzpräparate sind fach- und anwendungsabhängig; ihre Eignung, Zulassung und praktische Wirksamkeit muss für Deutschland und die jeweilige Kultur geprüft werden.
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Vorbeugung

  • Palmen nur aus kontrollierten, rückverfolgbaren Quellen beziehen und bei Eingang gründlich auf Bohrlöcher, Faser-Auswurf, Kronenwelke und verdächtige Geräusche prüfen.
  • Neue Palmen zunächst getrennt von vorhandenen Beständen beobachten.
  • Keine befallenen Pflanzen, Wedel, Stämme oder Erde weitergeben oder transportieren.
  • Schnittmaßnahmen auf das Notwendige beschränken und keine großflächigen Wunden am Stamm oder an Wedelbasen erzeugen.
  • In gefährdeten Regionen oder bei wertvollen Palmen ein dokumentiertes Kontroll- und Fallenmonitoring einrichten.
  • Bei Verdacht Fotos, Fundort und Pflanzendaten sichern und die zuständige deutsche Pflanzenschutzdienststelle kontaktieren.
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Wissenswertes

  • Der Hauptschaden entsteht durch die Larven, während erwachsene Käfer vor allem der Ausbreitung und Eiablage dienen.
  • Ein Befall bleibt lange verborgen, weil sich die Larven im Inneren der Palme entwickeln.
  • Pheromonfallen sind für Überwachung und Massenfang nützlich, reichen allein aber nicht zuverlässig zur Tilgung aus.
  • Besonders gefährdet sind vorgeschädigte Palmen und Pflanzen nach Schnittmaßnahmen.
  • Bei schwerem Befall kann die Entfernung der gesamten Palme notwendig sein, um weitere Ausbreitung zu verhindern.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland nur eingesetzt werden, wenn sie für die betreffende Kultur und das konkrete Problem aktuell zugelassen sind. Ausschließlich die geltende Gebrauchsanleitung und die Vorgaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit beachten. Keine routinemäßigen Spritz- oder Injektionsprogramme ohne fachkundige Befallsdiagnose; bei wertvollen Palmen sollte ein zugelassener Fachbetrieb oder die zuständige Pflanzenschutzdienststelle einbezogen werden.