
Kartoffelschorf durch Streptomyces scabies
Streptomyces scabiesKartoffelschorf durch Streptomyces scabies – Kurzüberblick
Der Kartoffelschorf ist eine bodenbürtige Bakterienkrankheit, die vor allem junge Kartoffelknollen befällt. Typisch sind raue, korkige, bräunliche Läsionen, die oberflächlich erhaben, netzartig oder tief eingesunken sein können. Die Krankheit beeinträchtigt meist weniger den Gesamtertrag als vielmehr Schalenqualität, Vermarktbarkeit und den Speisewert der Knollen.
Typische Bedingungen
Überblick
Der Kartoffelschorf durch Streptomyces scabies tritt weltweit in Kartoffelanbaugebieten auf und ist auch im deutschen Gartenbau möglich. Befallen werden überwiegend die unterirdischen Organe; oberirdisch bleiben die Pflanzen meist unauffällig. Der wirtschaftliche Schaden besteht vor allem in einer schlechteren Schalenqualität, erhöhtem Sortier- und Schälaufwand sowie einer verminderten Vermarktbarkeit.
Die sichtbare Ausprägung hängt von Sorte, Bakterienstamm, Boden, Witterung und Bodenmikrobiom ab. Flache Rostflecken, erhabene Korkstellen und tiefe Gruben können durch denselben Erreger entstehen. Bei unklaren Fällen ist eine Untersuchung durch ein Pflanzenbaulabor sinnvoll.
Symptome und Erkennung
Die ersten Anzeichen sind kleine rötlich-braune bis braune Flecken auf jungen Knollen. Im weiteren Verlauf entstehen:
- flache, raue und korkige Rost- oder Netzflecken;
- warzenartig erhabene Korkpolster;
- leicht eingesunkene bis tief eingeschnittene Gruben;
- zusammenfließende Schorfflächen bei stärkerem Befall.
Die Läsionen sitzen überwiegend auf der Knollenschale. In Einzelfällen können Streptomyces-Arten auch bräunliche Läsionen an Stolonen oder Stängelgrund verursachen. Ein Befall mindert typischerweise die äußere Qualität stärker als den Gesamtertrag.
Ursachen und Ausbreitung
Streptomyces scabies überdauert im Boden und kann mit infizierten Pflanzknollen, Erde, Ernterückständen sowie Geräten verbreitet werden. Das Bakterium lebt teilweise saprophytisch an organischem Material und kann dadurch auch ohne aktuelle Kartoffelkultur im Boden erhalten bleiben.
Die Infektion erfolgt vorwiegend an jungen, sich bildenden Knollen über Lentizellen, natürliche Öffnungen oder Verletzungen. Bodenbewegung, verschmutztes Pflanzgut, Arbeitsgeräte und Wasser können die Verbreitung innerhalb eines Bestandes fördern. Freiliegende oder mechanisch beschädigte junge Knollen sind besonders gefährdet.
Lebenszyklus und Überdauerung
Das Bakterium überdauert zwischen anfälligen Kulturen im Boden, an befallenen Knollen und an organischen Pflanzenresten. Während der Knollenbildung besiedeln Sporen und bakterielle Fäden die Knollenoberfläche und dringen in empfindliche Gewebe ein. Der Erreger bildet das Phytotoxin Thaxtomin, das die Zellwandbildung und das Wachstum junger Pflanzenzellen stört. Darauf reagiert die Knolle mit der Bildung von Korkgewebe.
Die Empfindlichkeit ist kurz nach der Knollenanlage am höchsten, insbesondere in den ersten etwa drei bis vier Wochen. Mit zunehmender Schalenfestigkeit nimmt die Anfälligkeit für neue Infektionen ab; bereits angelegte Läsionen vergrößern sich jedoch mit dem Knollenwachstum.
Behandlung und Bekämpfung
Bereits vernarbte Knollenläsionen lassen sich während der Kultur nicht zurückbilden. Bei laufendem Bestand stehen daher kulturtechnische Maßnahmen im Vordergrund: die Bodenfeuchte während der frühen Knollenbildung möglichst gleichmäßig halten, weitere Verletzungen vermeiden und befallene Durchwuchs- oder Restknollen nach der Ernte entfernen.
Nach der Ernte sollten Knollen sortiert, schonend behandelt und nur trocken abgebürstet oder gewaschen werden, wenn dies für die vorgesehene Nutzung sinnvoll ist. Stark befallene Knollen sind für die Vermarktung weniger geeignet, können aber je nach Ausmaß und Verwendungszweck noch als Schälware oder verarbeitetes Erntegut nutzbar sein. Bei atypischen Symptomen sollte eine Laborabklärung erfolgen, insbesondere zur Abgrenzung von Pulverschorf und Rhizoctonia.
Schonende und biologische Bekämpfung
Für den Haus- und Biogarten sind vorbeugende Maßnahmen wirksamer als eine nachträgliche Behandlung:
- gesundes Pflanzgut aus zuverlässiger Quelle einsetzen;
- eine weite Fruchtfolge mit Getreide oder anderen Nichtwirtspflanzen nutzen;
- den Kartoffeldamm bei trockener Witterung während der Knollenanlage gleichmäßig bewässern;
- Unkraut- und Durchwuchskartoffeln entfernen, soweit sie als mögliche Wirtspflanzen dienen;
- Werkzeuge und Erntemaschinen von anhaftender Erde reinigen;
- Sorten mit guter Schorfverträglichkeit für den jeweiligen Standort bevorzugen.
Komposte, Bodenhilfsstoffe und biologische Präparate sind hinsichtlich ihrer Wirkung standort- und produktabhängig. Sie sollten nur nach belastbarer Versuchslage und entsprechend der deutschen Zulassung beziehungsweise Kennzeichnung eingesetzt werden; sie ersetzen keine Fruchtfolge und kein Feuchtemanagement.
Vorbeugung
Eine vollständige Ausrottung des Erregers aus dem Boden ist in der Praxis nicht realistisch. Ziel ist daher, die Infektionsbedingungen während der empfindlichen Knollenphase zu entschärfen:
- gesundes, möglichst zertifiziertes und schorffreies Pflanzgut verwenden;
- Kartoffeln und andere nachweislich anfällige Wurzel- und Knollenfrüchte nicht eng hintereinander anbauen;
- eine mehrjährige Fruchtfolge mit Nichtwirtspflanzen, beispielsweise Getreide, einhalten;
- den Boden während der Knollenanlage gleichmäßig feucht halten, ohne Staunässe zu erzeugen;
- junge Knollen nicht durch Hacken, Häufeln oder Pflegearbeiten verletzen;
- keine befallenen Knollen oder Erntereste auf dem Beet zurücklassen;
- anfälligere Sorten in schorfgefährdeten Böden vermeiden und standortgeeignete Sorten auswählen;
- Boden- und Bewässerungsmanagement an den deutschen Standort und die jeweilige Kulturführung anpassen.
Eine Bodenreaktion sollte nur nach Bodenuntersuchung verändert werden. Kalkgaben zur pH-Anhebung sind bei Kartoffelanbau auf schorfgefährdeten Flächen in der Regel keine geeignete Vorbeugemaßnahme.
Wissenswertes
Der Name „Kartoffelschorf“ beschreibt ein Symptom und nicht nur einen einzigen Erreger. Neben Streptomyces scabies können weitere phytopathogene Streptomyces-Arten beteiligt sein, deren Verbreitung regional unterschiedlich ist.
Das von virulenten Stämmen gebildete Thaxtomin ist ein wichtiger Krankheitsfaktor. Es stört die Zellulosebildung in wachsenden unterirdischen Pflanzengeweben und löst dadurch die charakteristische Korkbildung aus. Die Form der Läsion hängt jedoch nicht allein vom Bakterium ab, sondern auch von Sorte, Infektionszeitpunkt, Boden und Witterung.
Für Kartoffelschorf durch Streptomyces scabies ist kein pauschales, verlässlich wirksames Pflanzenschutzprogramm abzuleiten. Pflanzenschutzmittel oder Bodenbehandlungen dürfen in Deutschland ausschließlich verwendet werden, wenn das konkrete Produkt für die jeweilige Kultur und das betreffende Problem zugelassen ist. Vor jeder Anwendung das aktuelle deutsche Pflanzenschutzmittelverzeichnis und das vollständige Etikett beachten; Aufwandmenge, Anwendungszeitpunkt, Wartezeit, Anwenderschutz und sonstige Auflagen strikt einhalten. Nicht zugelassene Antibiotika oder off-label Anwendungen nicht einsetzen.