Buchsbaumzünsler
Cydalima perspectalis (Walker)Buchsbaumzünsler – Kurzüberblick
Der Buchsbaumzünsler (Cydalima perspectalis) ist ein aus Ostasien stammender Kleinschmetterling, dessen Raupen ausschließlich beziehungsweise überwiegend Buchsbaumarten (Buxus) befressen. Der Befall beginnt oft unbemerkt im Pflanzeninneren mit Schabefraß, Gespinsten und Kotkrümeln. Bei starkem Auftreten folgen Kahlfraß und Rindenschäden. In Deutschland sind je nach Witterung meist zwei bis drei Generationen möglich.
Typische Bedingungen
Überblick
Der Buchsbaumzünsler ist ein Kleinschmetterling aus der Familie Crambidae. In Deutschland wurde er erstmals 2006 am Oberrhein nachgewiesen und ist inzwischen in vielen Regionen etabliert. Wirtschaftlich und gärtnerisch relevant sind vor allem die Raupen, die Buchsbäume von innen heraus schädigen.
Die Raupen sind meist grün bis gelbgrün, besitzen helle und schwarze Längsstreifen, schwarze Punkte und eine schwarze Kopfkapsel. Sie leben häufig geschützt zwischen zusammengesponnenen Blättern und Trieben.
Symptome und Erkennung
Frühe Symptome sind glasige Fensterfraßstellen an Blättern, besonders im Inneren und unteren Bereich der Pflanze. Später erscheinen zusammengesponnene Blätter, feine Gespinste, grüne Kotkrümel und deutlich ausgedünnte Triebe.
Bei fortschreitendem Befall werden äußere Blätter und ganze Zweige kahlgefressen. Wenn kaum noch Blattmasse vorhanden ist, können die Raupen auch die grüne Rinde befressen. Das führt zum Absterben einzelner Triebe oder ganzer Pflanzen. Trockene, braune Blätter können zusätzlich durch Folgeschäden oder Krankheiten entstehen und sollten diagnostisch nicht allein dem Zünsler zugeschrieben werden.
Ursachen und Ausbreitung
Die Ausbreitung erfolgt durch den aktiven Falterflug sowie durch den Handel und Transport befallener Buchsbaumpflanzen und Pflanzenteile. Eier und junge Raupen sitzen oft unauffällig an Blattunterseiten oder im dichten Kroneninneren.
Mehrere nahe beieinander stehende Buchspflanzen erleichtern die Entwicklung großer Populationen. Unregelmäßige Kontrollen führen dazu, dass der Befall erst beim sichtbaren Kahlfraß erkannt wird. Ein Falterfund allein beweist noch keinen starken Befall; entscheidend ist die Suche nach Eiern, Raupen, Gespinsten und Kotkrümeln am Buchs.
Lebenszyklus und Überdauerung
In Deutschland überwintert der Buchsbaumzünsler gewöhnlich als junge Raupe in einem Gespinst zwischen Buchsblättern. Der Fraß kann bei geeigneten Temperaturen ab etwa Ende März oder Anfang April wieder einsetzen. Danach verpuppen sich die Raupen meist ab Ende Mai oder im Juni; die erste Faltergeneration fliegt überwiegend im Juni und Juli.
Die Weibchen legen ihre Eier in flachen Gelegen an der Blattunterseite ab. Junge Raupen der folgenden Generation erscheinen häufig ab Juli. Je nach Region und Witterung sind zwei bis drei Generationen möglich. Im Spätsommer und Herbst entstehen erneut Jungraupen, die sich zur Überwinterung im Pflanzeninneren einspinnen. Pheromonfallen zeigen den Falterflug an, erfassen aber nicht zuverlässig die gesamte Befallsstärke.
Behandlung und Bekämpfung
Zuerst die Pflanze gründlich auseinanderziehen und das Kroneninnere auf Raupen, Gespinste und Kotkrümel untersuchen. Bei geringem Befall können sichtbare Raupen abgesammelt und befallene Triebe herausgeschnitten werden. Nach der Maßnahme sind Nachkontrollen erforderlich, weil Eier und kleine Raupen übersehen werden können.
Bei stärkerem Befall sollten Maßnahmen an den Entwicklungsstadien ausgerichtet werden. Junge Raupen sind in der Regel leichter zu bekämpfen als ältere, stark geschützte Stadien. Biologische Präparate können bei geeigneter Zulassung und korrekter Anwendung eine wichtige Option sein. Die Pflanze muss dabei von außen und im Inneren ausreichend benetzt werden.
Stark entlaubte Buchsbäume können sich bei intakter grüner Rinde und ausreichender Pflege regenerieren, benötigen aber häufig mehrere Vegetationsperioden. Bei Rindenfraß, weitgehend abgestorbenen Trieben oder wiederholtem Totalfraß ist ein tiefer Rückschnitt beziehungsweise die Entfernung der Pflanze zu prüfen.
Schonende und biologische Bekämpfung
Bei kleinen und überschaubaren Pflanzen können Raupen, Gespinste und stark befallene Triebteile regelmäßig abgesammelt beziehungsweise herausgeschnitten werden. Das Material sollte nicht offen kompostiert, sondern in einem verschlossenen Behälter über den Hausmüll entsorgt werden, sofern die örtlichen Entsorgungsvorgaben nichts anderes bestimmen.
Biologische Präparate auf Basis von Bacillus thuringiensis können gegen junge, freifressende Raupen wirksam sein, wenn sie für den konkreten Einsatz in Deutschland zugelassen sind. Eine gründliche Benetzung auch des Pflanzeninneren und ein passender Behandlungstermin sind entscheidend; ältere Raupen und dicht versponnene Bereiche werden schlechter erfasst.
Naturnahe Gartenstrukturen, Nistmöglichkeiten und ein Verzicht auf unnötige Breitbandbehandlungen fördern natürliche Gegenspieler. Diese Maßnahmen ergänzen die Kontrolle, ersetzen bei starkem Befall aber nicht die regelmäßige Inspektion und gegebenenfalls weitere zugelassene IPM-Schritte.
Vorbeugung
- Buchsbaum ab dem zeitigen Frühjahr regelmäßig kontrollieren, besonders im Inneren der Krone und an Blattunterseiten.
- Bei Neuzukäufen Pflanzen und Wurzelballen mehrere Wochen aufmerksam beobachten und nicht unmittelbar neben bestehenden Buchsbestand stellen.
- Pheromonfallen zur Flugüberwachung einsetzen; sie dienen der Terminierung von Kontrollen und Maßnahmen, nicht als alleinige Bekämpfung.
- Gespinste, Eier und kleine Raupen frühzeitig entfernen und Schnittgut sicher entsorgen.
- Dichte, dauerhaft unbeobachtete Buchsbestände vermeiden oder durch regelmäßigen Formschnitt und Kontrollen übersichtlich halten.
- Bei stark geschädigten Pflanzen prüfen, ob ein vollständiger Rückschnitt oder ein Ersatz durch eine geeignete, standortgerechte Nicht-Buxus-Art wirtschaftlich und ökologisch sinnvoller ist.
Wissenswertes
- Der Buchsbaumzünsler stammt aus Ostasien und wurde vermutlich mit Pflanzenmaterial nach Europa eingeschleppt.
- Die Raupen können bei starkem Befall einen Buchsbestand vollständig entlauben.
- Der Falter tritt in einer hellen Form mit braunem Flügelrand und in einer deutlich dunkleren, melanen Form auf.
- Heimische Vögel, Wespen und andere Räuber nehmen die Raupen in Deutschland zunehmend als Nahrung an; ihre Wirkung reicht allein jedoch meist nicht zur sicheren Befallskontrolle.
- Ein sehr dichter Gespinstschutz erschwert die Benetzung der Raupen und erklärt, warum späte Spritzungen oft unzureichend wirken.
Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland ausschließlich verwendet werden, wenn sie für den jeweiligen Einsatzbereich, die Kultur beziehungsweise Zierpflanze und den Schaderreger aktuell zugelassen oder genehmigt sind. Maßgeblich sind stets das amtliche BVL-Verzeichnis und das aktuelle Etikett. Anwendungsbestimmungen, Bienenschutz, Gewässer- und Naturschutzauflagen sowie die Vorgaben für Haus- und Kleingarten sind vollständig einzuhalten. Keine Anwendung außerhalb der zugelassenen Indikation.
Quelle: