Braunrückige Reiszikade
Nilaparvata lugens (Stål)Braunrückige Reiszikade – Kurzüberblick
Die Braunrückige Reiszikade (Nilaparvata lugens) ist ein bedeutender saugender Schädling von Reis und in den wichtigsten Reisanbaugebieten Asiens verbreitet. Sie sticht bevorzugt an Halmen und Blattscheiden und kann bei starkem Befall den typischen „Hopperburn“ verursachen: Zunächst vergilben die Pflanzen, später welken und vertrocknen ganze Bestandsbereiche. In Deutschland ist die Art nicht etabliert; ein Auftreten wäre vor allem im Zusammenhang mit importiertem Pflanzenmaterial oder warmen, geschützten Reiskul…
Typische Bedingungen
Überblick
Nilaparvata lugens sitzt meist verborgen an der Basis von Reispflanzen, an Halmen und Blattscheiden. Die Tiere entziehen Phloemsaft und scheiden Honigtau aus. Bei geringem Befall bleiben die Schäden oft unauffällig; bei hoher Populationsdichte verfärben sich die Pflanzen zunächst gelblich, welken und sterben schließlich in unregelmäßigen, oft kreisförmigen Bereichen ab. Dieses typische Schadbild wird als „Hopperburn“ bezeichnet.
Die Art ist in tropischen und subtropischen Reisanbaugebieten ein wichtiger Primärschädling. Für Deutschland ist sie vor allem phytosanitär und diagnostisch relevant: Ein dauerhafter Freilandbefall ist wegen des ungeeigneten Winters und der fehlenden ganzjährigen Wirtspflanzen nicht zu erwarten.
Symptome und Erkennung
- Ansammlungen kleiner brauner Zikaden und heller Nymphen an Halmbasis, Blattscheiden und unteren Pflanzenteilen.
- Vergilbung, schlaffes Erscheinungsbild und gehemmtes Wachstum der Reispflanzen.
- Bei starkem Befall rasch braun werdende, vertrocknete Pflanzenbestände („Hopperburn“).
- Honigtau und gegebenenfalls dunkler Rußtau auf stärker besiedelten Pflanzenteilen.
- Reduzierte Bestockung, schlecht entwickelte Rispen und Ertragsausfälle bei Befall in empfindlichen Entwicklungsstadien.
- Bei Virusübertragung zusätzlich Verzwergung, ungewöhnlich dunkelgrüne oder unregelmäßig wachsende Blätter sowie unvollständig austretende Rispen.
Die Diagnose sollte durch Kontrolle der Pflanzenbasis und, wenn möglich, durch fachkundige Bestimmung erfolgen, da Weißrücken-Reiszikade und andere Zikaden ähnliche Schäden verursachen können.
Ursachen und Ausbreitung
Die Schäden entstehen durch das Saugen am Phloem. Besonders problematisch sind dichte, üppig mit Stickstoff versorgte Bestände mit hoher Luftfeuchte und kontinuierlichem Reisangebot. Überhöhte Stickstoffgaben, sehr dichter Pflanzenbestand, fehlende Kulturpausen und ein breiter, unspezifischer Insektizideinsatz können Populationsanstiege begünstigen, unter anderem durch die Schädigung natürlicher Gegenspieler.
Langflügelige Formen können weite Strecken in Luftströmungen zurücklegen und neue Reisfelder besiedeln. In gemäßigten Regionen übersteht die Art den Winter in der Regel nicht dauerhaft. Eine Verschleppung über lebende Pflanzen, Pflanzenteile oder Handelswege ist dennoch ein diagnostischer und phytosanitärer Gesichtspunkt.
Nilaparvata lugens kann als Vektor des Rice grassy stunt virus und des Rice ragged stunt virus auftreten. Die Virussymptome sind nicht mit dem direkten Saugschaden gleichzusetzen.
Lebenszyklus und Überdauerung
Die Weibchen legen ihre Eier in Pflanzenteile, meist in Blattscheiden oder nahe der Mittelrippen von Blättern. Nach dem Schlupf durchlaufen die Tiere mehrere Nymphenstadien, die den erwachsenen Insekten ähneln, jedoch kleiner und flügellos beziehungsweise kurzflügelig sind. Die Entwicklung beschleunigt sich bei warmen Temperaturen und kontinuierlichem Reisangebot.
Erwachsene Tiere treten als kurzflügelige, ortstreue Formen oder als langflügelige Wanderformen auf. Hohe Populationsdichte, ungünstige Nahrungsbedingungen und bestimmte Umweltreize fördern die Bildung der langflügeligen Form. In tropischen Regionen sind zahlreiche Generationen pro Jahr möglich; in gemäßigten Gebieten ist die Art auf Zuwanderung angewiesen und kann sich nicht zuverlässig über den Winter halten.
Behandlung und Bekämpfung
Bei festgestelltem Befall zunächst Befallsstärke, Entwicklungsstadium der Kultur und das Vorhandensein von Nützlingen erfassen. In Reisanbausystemen kann eine zeitlich begrenzte Entwässerung stark befallener Flächen die Anfangspopulation reduzieren, sofern dies mit Boden, Kulturstadium und betrieblichem Wassermanagement vereinbar ist.
Stark befallene Pflanzenreste sollten nach der Ernte nicht als unkontrollierte Quelle für Folgegenerationen im Bestand verbleiben. Eine frühe, wiederholte Kontrolle ist wichtiger als eine pauschale Behandlung, weil geringe frühe Befallszahlen häufig noch durch Pflanzenkompensation und natürliche Gegenspieler reguliert werden.
In Deutschland gibt es für diese tropische Reiszikade keinen üblichen Hausgarten-Bekämpfungsplan. Ein ungewöhnlicher Fund sollte diagnostisch abgeklärt werden, statt ihn ohne Bestimmung mit einem Insektizid zu behandeln.
Schonende und biologische Bekämpfung
Die wichtigste biologische Maßnahme ist die Schonung und Förderung natürlicher Gegenspieler. Dazu gehören unter anderem Spinnen, räuberische Wanzen und parasitoide Erzwespen, die Zikadenstadien oder Eier angreifen können. Blühende Saumstrukturen außerhalb der Kultur können die Versorgung erwachsener Nützlinge verbessern, müssen jedoch so angelegt werden, dass sie keine zusätzliche Konkurrenz oder schwer kontrollierbare Gräserquelle im Bestand bilden.
Breit wirkende oder unnötig frühe Insektizidbehandlungen sollten vermieden werden, da sie natürliche Feinde reduzieren und Sekundärausbrüche begünstigen können. Mechanisches Absammeln ist bei landwirtschaftlichen Reisbeständen nicht praktikabel, kann aber bei einzelnen Pflanzen in Gewächshaus- oder Versuchskulturen zur Befallsreduktion beitragen.
Vorbeugung
- Für die jeweilige Region geeignete, tolerante oder resistente Reissorten verwenden, sofern verfügbar.
- Stickstoff bedarfsgerecht und möglichst geteilt ausbringen; üppige Überversorgung vermeiden.
- Bestände nicht unnötig dicht etablieren und eine gute Durchlüftung fördern.
- Reisfelder und Feldränder regelmäßig kontrollieren, insbesondere die Halmbasis und Blattscheiden.
- Nach der Ernte befallene Pflanzenreste und Ausfallreis beseitigen oder fachgerecht einarbeiten.
- Synchronisierte Aussaat und eine ausreichend lange reisfreie Phase zwischen Kulturen können den Aufbau großer Populationen bremsen.
- Gräser und Ausweichwirtpflanzen im unmittelbaren Feldbereich kontrollieren, ohne wertvolle Rückzugsräume für Nützlinge pauschal zu zerstören.
- Bei einem verdächtigen Fund in Deutschland das zuständige Pflanzenschutz- oder Pflanzengesundheitsamt kontaktieren und Tiere möglichst fotografieren oder sicher bergen.
Wissenswertes
- Der wissenschaftliche Artname wird auch als Nilaparvata lugens (Stål) geführt; die Art gehört zu den Delphacidae innerhalb der Zikadenartigen.
- „Hopperburn“ entsteht nicht durch Fraß an der Blattfläche, sondern vor allem durch intensives Saugen an den Leitgeweben und durch die Belastung der Pflanze bei hoher Populationsdichte.
- Die langflügelige Form ist für die Ausbreitung besonders wichtig, während kurzflügelige Formen stärker an der besiedelten Kultur verbleiben.
- Reis ist der mit Abstand wichtigste dokumentierte Kulturwirt. Angaben zu weiteren Gräsern sind teilweise populations- oder quellenabhängig und sollten nicht automatisch als gleichwertige Wirte bewertet werden.
- Für die Europäische Union wird die Art als nicht etabliert eingestuft; das deutsche Risiko liegt daher vor allem in Einschleppung und vorübergehendem Auftreten unter warmen Bedingungen.
Pflanzenschutzmittel dürfen nur eingesetzt werden, wenn im jeweiligen Land ein Produkt für genau diese Kultur und dieses Schadproblem rechtlich zugelassen ist. In Deutschland sind ausschließlich die aktuelle Zulassung, Kultur, Aufwandmenge, Anwendungsbestimmungen, Wartezeit und Auflagen des amtlichen Pflanzenschutzmittelverzeichnisses und des Produktetiketts maßgeblich. Keine Anwendung auf Verdacht und keine Übertragung ausländischer Reiszulassungen auf deutsche Kulturen.
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