Braunrost des WeizensQuelle: Wikimedia CommonsJames KolmerPublic domain
Krankheit

Braunrost des Weizens

Puccinia triticina Erikss.
Kurzüberblick

Braunrost des Weizens – Kurzüberblick

Der Braunrost des Weizens ist eine durch Puccinia triticina verursachte Rostkrankheit an Weizen und verwandten Triticum-Arten. Typisch sind verstreut auftretende, orange- bis rostbraune Sporenlager auf den Blättern, die sich bei günstiger Witterung rasch vermehren können. Starker Befall schwächt besonders die oberen Blätter und kann Kornfüllung und Ertrag beeinträchtigen.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileVor allem Blattspreiten, besonders die oberen Blätter und die Fahnenblätter; gelegentlich Blattscheiden und Halme.
Begünstigende BedingungenWarme Bedingungen während der Vegetation, häufige Taubildung oder andere Blattbenetzung, anfällige Sorten, dichte Bestände, milde Winter sowie vorhandenes Ausfallgetreide.
Pflanzendoktor

Überblick

Der Braunrost des Weizens wird durch den obligat biotrophen Rostpilz Puccinia triticina verursacht. In Deutschland tritt er vor allem an Weizenbeständen in wärmeren Lagen und bei anfälligen Sorten auf. Anders als Gelbrost erscheinen die Pusteln nicht in gelben Streifen, sondern überwiegend einzeln oder unregelmäßig verteilt.

Die Krankheit kann im Bestand zunächst nesterweise beginnen und sich bei geeigneter Witterung innerhalb kurzer Zeit ausbreiten. Die wirtschaftliche Bedeutung hängt vom Befallszeitpunkt, vom Anteil befallener Fahnenblätter und von der Sortenanfälligkeit ab.

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Symptome und Erkennung

  • Auf den Blattoberseiten entstehen kleine bis mittelgroße, rundliche bis ovale, orange- oder rostbraune Pusteln.
  • Die Pusteln sind meist unregelmäßig über die Blattfläche verteilt und können bei starkem Befall auch Blattunterseiten, Blattscheiden oder gelegentlich Halme besiedeln.
  • Beim Aufbrechen geben die Sommersporenlager ein rostbraunes, pulveriges Sporenmaterial ab.
  • Später vergilben betroffene Blattbereiche und können vorzeitig absterben.
  • Gegen die Abreife bilden sich dunkle, teilweise von der Epidermis bedeckte Wintersporenlager.

Eine sichere Abgrenzung von Gelb- und Schwarzrost sollte anhand von Pustelfarbe, Anordnung, Größe und Befallsorgan erfolgen; bei zweifelhaften Fällen ist eine Labor- oder Beratungsdiagnose sinnvoll.

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Ursachen und Ausbreitung

Puccinia triticina verbreitet sich im Weizenbestand hauptsächlich durch windverfrachtete Uredosporen. Infektionen werden durch Blattbenetzung, Tau oder feuchte Witterungsabschnitte ermöglicht. Befallene Ausfallgetreidepflanzen, frühe Winterweizensaaten und anfällige Sorten können als grüne Brücken zwischen Anbauperioden dienen.

Begünstigend wirken in Deutschland milde Winter, warme Anbaulagen, dichte Bestände und eine längere Blattbenetzung. Eine überhöhte Stickstoffversorgung kann durch üppiges, spät abreifendes Pflanzenwachstum die Krankheitsentwicklung indirekt fördern.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Der Erreger ist ein makrozyklischer Rostpilz mit mehreren Sporenstadien. Im Weizen entstehen vor allem Uredinien, die während der Vegetationsperiode wiederholt infektiöse Uredosporen bilden und so Sekundärinfektionen verursachen. Gegen Ende der Saison können sich schwarze Telien mit dickwandigen Teliosporen entwickeln.

Für den vollständigen Entwicklungszyklus werden als mögliche Zwischenwirte bestimmte Arten der Gattungen Thalictrum und Isopyrum beschrieben. Für die praktische Epidemiebewertung im deutschen Weizenanbau ist jedoch meist die Überdauerung und Vermehrung auf lebendem Weizen- oder Ausfallgetreide wichtiger als der Zwischenwirt.

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Behandlung und Bekämpfung

Bei ersten eindeutigen Befallssymptomen sollte die Befallsentwicklung im Bestand engmaschig bewertet werden. Entscheidend sind Befallshäufigkeit, Befallsstärke, Entwicklungsstadium, Sortenanfälligkeit, Witterungsprognose und der Schutzwert der oberen Blätter.

In landwirtschaftlichen Beständen kann bei wirtschaftlicher Gefährdung eine gezielte Fungizidmaßnahme im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes erforderlich sein. Der Einsatz sollte nicht routinemäßig, sondern nach Befallskontrolle, Prognose- beziehungsweise Warndienstinformationen und der jeweils geltenden Zulassung erfolgen. Stark befallene Einzelblätter lassen sich im Kleingarten meist nicht sinnvoll kurativ behandeln; wichtiger sind resistente Sorten, Hygiene und die Entfernung von Ausfallgetreide.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Eine direkte biologische oder hausgartenübliche organische Behandlung mit zuverlässig kurativer Wirkung ist gegen den obligat biotrophen Erreger nicht etabliert. Im ökologischen und kleinteiligen Anbau stehen daher vorbeugende Maßnahmen im Vordergrund: resistente oder wenig anfällige Sorten, ausgewogene Düngung, gute Bestandsdurchlüftung, Entfernung von Ausfallgetreide und regelmäßige Kontrolle.

Befallene Pflanzenreste sollten nicht als lebendes Pflanzenmaterial weitergeführt werden. Nach der Ernte ist eine zügige Unterbrechung des Aufwuchses sinnvoll; Maßnahmen zur Bodenbearbeitung und Fruchtfolge sind an das Anbausystem und die Erosionsgefährdung anzupassen.

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Vorbeugung

  • Für den Standort geeignete, möglichst wenig anfällige und früh abreifende Sorten anbauen.
  • Ausfallgetreide nach der Ernte konsequent beseitigen, damit keine grüne Infektionsbrücke bestehen bleibt.
  • Winterweizen nicht unnötig früh säen; den Saattermin an Standort, Sorte und regionalen Empfehlungen ausrichten.
  • Winter- und Sommerweizen nach Möglichkeit räumlich und zeitlich entzerren.
  • Stickstoff bedarfsgerecht düngen und überhöhte Spätgaben vermeiden.
  • Bestände regelmäßig ab Schossen bis zur Abreife kontrollieren und regionale Warndienste berücksichtigen.
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Wissenswertes

  • Der Braunrost ist auf lebendes Pflanzengewebe angewiesen und kann sich nicht wie ein typischer Lager- oder Fäulniserreger auf abgestorbenem Pflanzenmaterial vermehren.
  • Die orangebraunen Uredosporen ermöglichen während der Saison mehrere Infektionszyklen und erklären die oft schnelle Ausbreitung in anfälligen Beständen.
  • Die wissenschaftliche Bezeichnung wurde historisch teilweise mit Puccinia recondita beziehungsweise Puccinia recondita f. sp. tritici in Verbindung gebracht.
  • Die Anfälligkeit ist stark von der Weizensorte und von der jeweiligen Virulenzpopulation des Erregers abhängig.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Nur Pflanzenschutzmittel verwenden, die in Deutschland zum jeweiligen Zeitpunkt für die betreffende Kultur und Anwendung gegen die betreffende Krankheit zugelassen sind. Zulassung, Kultur, Aufwandmenge, Anwendungszeitpunkt, Wartezeit, Abstandsauflagen und mögliche Resistenzmanagement-Vorgaben sind der aktuellen BVL-Datenbank und dem Produktetikett zu entnehmen. Das Etikett ist verbindlich; keine Anwendung außerhalb der zugelassenen Indikation.