
Rebennematode Xiphinema index
Xiphinema index Thorne & Allen, 1950Rebennematode Xiphinema index – Kurzüberblick
Xiphinema index ist ein bodenlebender, ektoparasitischer Nematode, der vor allem Rebenwurzeln befällt. In Deutschland sind direkte Wurzelschäden meist gering, die größere Bedeutung liegt jedoch in der Übertragung des Grapevine fanleaf virus, des Erregers der Reisigkrankheit. Eine sichere Diagnose erfordert Boden- und gegebenenfalls Virusuntersuchungen durch ein Fachlabor.
Typische Bedingungen
Überblick
Xiphinema index gehört zu den pflanzenparasitischen Langdorn- oder Dolchnematoden. Die Weibchen und Juvenilstadien leben im Boden und stechen mit ihrem langen Mundstachel von außen in junge Wurzelbereiche ein. Im deutschen Weinbau ist die Rebe der wichtigste praktisch relevante Wirt. Direkte Schäden werden unter hiesigen Bedingungen meist nur bei hohen Populationsdichten erwartet; die größere phytopathologische Bedeutung besteht in der Übertragung des GFLV.
Ein Nachweis des Nematoden beweist nicht automatisch eine Virusinfektion. Umgekehrt können Reisigkrankheitssymptome auch andere Ursachen haben. Die Diagnose sollte deshalb eine repräsentative Bodenprobe sowie bei Verdacht eine getrennte Virusdiagnostik umfassen.
Symptome und Erkennung
Die direkten Wurzelsymptome sind unspezifisch: verdickte oder nekrotische Wurzelspitzen, weniger Saugwurzeln und gehemmtes Wurzelwachstum. Oberirdisch können befallene Reben kümmerlich wachsen, auf Trockenheit empfindlicher reagieren und geringere Erträge bilden.
Bei Übertragung von GFLV treten je nach Rebsorte und Umweltbedingungen Fächer- oder Fächerblattdeformationen, unregelmäßige Blattadern, gelbe Mosaikzeichnungen, verkürzte Triebe, abnorme Verzweigung, kleine Gescheine, schlechten Fruchtansatz und ungleichmäßige Reife auf. Die Symptome sind bei weißen Sorten teilweise weniger auffällig.
Ursachen und Ausbreitung
Der Nematode wird hauptsächlich mit befallener Erde, bewurzeltem Pflanzgut und nicht ausreichend gereinigten Maschinen, Geräten oder Schuhwerk verschleppt. Innerhalb eines Weinbergs bewegt er sich langsam im Boden zu Wurzeln; Wasserbewegung und Bodenbearbeitung können die Verteilung unterstützen.
GFLV wird beim Saugen an infizierten Reben aufgenommen und anschließend beim Fressen an gesunden Wurzeln übertragen. Die Viruspartikel sitzen im Bereich des Vorderdarms beziehungsweise Mundstachels, vermehren sich nicht im Nematoden und werden bei der Häutung verloren. Eine Übertragung auf Eier oder Nachkommen findet nicht statt.
Lebenszyklus und Überdauerung
Xiphinema index vermehrt sich überwiegend parthenogenetisch; Männchen sind selten. Weibchen legen Eier in den Boden. Aus ihnen schlüpfen Juvenile, die sich über vier Häutungen zu adulten Tieren entwickeln. Die Entwicklungsdauer hängt stark von Bodentemperatur, Wirtspflanze und Population ab und kann unter verschiedenen Bedingungen von wenigen Monaten bis deutlich länger reichen.
Die Tiere bleiben im Boden und können an Wurzelspitzen fressen, ohne vollständig in die Wurzel einzudringen. In Deutschland begrenzen die vergleichsweise kühlen Bedingungen und häufig niedrigen Populationsdichten die Vermehrung; eine langlebige Restpopulation ist dennoch möglich.
Behandlung und Bekämpfung
Ein bereits mit GFLV infizierter Rebstock kann durch die Bekämpfung des Vektors nicht geheilt werden. Befallene Reben sollten nach bestätigter Diagnose fachgerecht gerodet werden, insbesondere wenn sie als Infektionsquelle für benachbarte Reben dienen.
Bei nachgewiesenem X. index sind standortbezogene Maßnahmen wichtiger als eine kurzfristige Blattbehandlung: belastete Flächen nicht zur Rebenvermehrung nutzen, kontaminierte Erde nicht verschleppen, Wurzeln sorgfältig entfernen und vor einer Neuanlage die Bodenbelastung erneut prüfen. Eine längere Anbaupause kann die Population vermindern, beseitigt sie aber nicht zuverlässig. Resistente oder tolerante Unterlagen sind ein wichtiger Forschungs- und Beratungsansatz, ihre Eignung muss für Sorte, Standort und deutsche Zulassungs- beziehungsweise Anbauempfehlungen geprüft werden.
Schonende und biologische Bekämpfung
Für Deutschland stehen keine zuverlässig wirksamen biologischen Standardverfahren zur Tilgung von X. index im Haus- oder Erwerbsweinbau zur Verfügung. Eine standortangepasste Begrünung oder Gründüngung mit nicht beziehungsweise schlecht geeigneten Wirtspflanzen kann in einem Sanierungsplan sinnvoll sein, muss aber mit Weinbau-, Wasser- und Unkrautmanagement abgestimmt werden. Für X. index wurden unter anderem Ölrettich sowie Gräser und Getreide als geeignete Begrünungsoptionen genannt; die Wirkung ist jedoch populations- und standortabhängig und nicht mit einer sicheren Ausrottung gleichzusetzen.
Kompost, mikrobielle Präparate oder natürliche Gegenspieler sollten nur eingesetzt werden, wenn belastbare Versuchsdaten für den konkreten Standort vorliegen. Sanitation, sauberes Pflanzgut, vollständige Bodenabfuhr von Geräten und eine fachlich geplante Fruchtfolge sind im integrierten Ansatz meist verlässlicher.
Vorbeugung
- Nur zertifiziertes, pflanzengesundheitlich geprüftes Rebenpflanzgut und Unterlagen aus geeigneten Vermehrungsflächen verwenden.
- Vor Neuanlage oder Wiederbepflanzung repräsentative Bodenproben auf virusübertragende Nematoden untersuchen lassen.
- Erde von Traktoren, Bodenbearbeitungsgeräten, Schuhen und Arbeitsmaterial möglichst vollständig entfernen; Geräte beim Wechsel aus problematischen Flächen reinigen.
- Bei Verdacht auf Reisigkrankheit betroffene Rebstöcke markieren und durch Fachlabor untersuchen lassen, statt symptomatische Pflanzen ungezielt zu vermehren.
- Bei Rodung möglichst das Wurzelsystem vollständig entfernen und eine erneute Rebpflanzung auf belasteten Flächen sorgfältig planen.
Wissenswertes
- Die ausgewachsenen Weibchen sind etwa 2,7 bis 3,6 Millimeter lang; ihr sehr langer Mundstachel ermöglicht das Erreichen tiefer Wurzelgewebe.
- Xiphinema index war eines der ersten Beispiele für einen Nematoden als Überträger eines Pflanzenvirus.
- Der GFLV wird nicht über die Eier weitergegeben und geht bei der Häutung verloren; ein einzelnes Tier kann das Virus jedoch über längere Zeit zwischen Saugvorgängen tragen.
- In Deutschland ist die Art für Rebenvermehrungsflächen pflanzengesundheitlich besonders relevant. Nachweise können deshalb zur Sperrung einer Vermehrungsfläche führen.
Nematizide oder Bodenbehandlungen dürfen nur eingesetzt werden, wenn ein Produkt in Deutschland aktuell für die betreffende Kultur und das konkrete Problem gesetzlich zugelassen ist. Ausschließlich die aktuelle Gebrauchsanweisung und die Vorgaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit beachten; keine Anwendung außerhalb der zugelassenen Kultur, Aufwandmenge, Anwendungszeit oder Schutzauflagen. Vor jeder Maßnahme ist eine Beratung durch den amtlichen Pflanzenschutzdienst oder eine qualifizierte Weinbauberatung angezeigt.
Betroffene Pflanzen
Die folgenden Pflanzen sind anhand strukturierter Wirtsdaten mit diesem Problem verknüpft. Die Liste wird bei neuen Pflanzenprofilen automatisch aktualisiert.
