
Sonnenbrand an Pflanzen
Sonnenbrand an Pflanzen – Kurzüberblick
Sonnenbrand ist keine Infektionskrankheit, sondern eine abiotische Schädigung durch starke direkte Einstrahlung, hohe Gewebetemperaturen und oft gleichzeitig fehlende Blattabschirmung. Besonders auffällig sind helle, flache, später trockene Flecken an Tomaten- und Paprikafrüchten; auch Beeren, Blätter, junge Triebe und die Rinde frisch gepflanzter Bäume können betroffen sein.
Typische Bedingungen
Überblick
Sonnenbrand entsteht, wenn empfindliches Pflanzengewebe einer starken Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist und sich stärker erwärmt, als es durch Verdunstung und die eigene Abschirmung ausgleichen kann. Im Gemüsebau betrifft das häufig freiliegende Tomaten- und Paprikafrüchte; bei Himbeeren können einzelne der Sonne zugewandte Steinfrüchtchen weiß und geschmacklos werden.
Bei Gehölzen bezeichnet Sonnenbrand außerdem häufig winterliche Rindenschäden: An sonnigen, kalten Tagen erwärmt sich die Rinde auf der Süd- oder Südwestseite, während sie bei Schatten oder nach Sonnenuntergang rasch abkühlt. Junge, frisch gepflanzte und dünnrindige Bäume sind besonders gefährdet.
Symptome und Erkennung
- Tomaten und Paprika: zunächst blassgelbe bis weiße, flache Stelle auf der sonnenzugewandten Fruchtseite.
- Mit der Zeit: grauweiße, trockene, papierartige oder leicht eingesunkene Oberfläche; das Gewebe kann schrumpfen.
- Himbeeren: weiße oder farblose, direkt bestrahlte Einzelsteinfrüchtchen, oft ohne typischen Geschmack.
- Blätter: braune, trockene, verbrannt wirkende Flächen oder Blattränder, besonders bei schattenliebenden Pflanzen und nach abrupter Umstellung in volle Sonne.
- Junge Stämme: längliche, eingesunkene, vertrocknete oder aufreißende Rindenpartien, meist einseitig auf der Süd- oder Südwestseite.
- Die Schäden sind auf direkt exponierte Gewebe begrenzt. Sekundäre Pilze und Bakterien können die abgestorbenen Fruchtpartien anschließend besiedeln.
Ursachen und Ausbreitung
Auslöser sind intensive direkte Sonneneinstrahlung und hohe Gewebetemperaturen, häufig verstärkt durch Trockenstress. „Verbreitet“ wird der Primärschaden nicht. Das Risiko steigt jedoch, wenn Blattkrankheiten, Insektenfraß, Sturm, Rückschnitt oder starkes Ausgeizen die schützende Belaubung reduzieren. Beschädigte Früchte werden leicht von Fäulnispilzen und Bakterien besiedelt; diese Sekundärfäule kann sich bei feucht-warmem Wetter weiterentwickeln.
Lebenszyklus und Überdauerung
Sonnenbrand besitzt keinen Erregerlebenszyklus. Der Schaden entwickelt sich während der Exposition: stark bestrahltes Gewebe erwärmt sich, Zellen sterben ab und die Stelle hellt sich zunächst auf. Das endgültige Frucht- oder Blattsymptom kann einige Tage nach dem auslösenden Sonnenereignis deutlicher sichtbar werden. Bei Wintersonnenbrand entstehen wiederholte Erwärmungs- und Abkühlungszyklen an der Rinde; die Wunde kann anschließend überwallt werden, bleibt aber eine Eintrittspforte für Sekundärinfektionen.
Behandlung und Bekämpfung
Bereits abgestorbenes Gewebe wird nicht wieder grün oder gesund. Stark geschädigte Tomaten-, Paprika- und Beerenfrüchte entfernen, besonders wenn die Stelle weich wird oder fault. Gesunde Blätter nicht vorsorglich auslichten; sie helfen, weitere Früchte zu beschatten. Bei Blattschäden die Pflanze vor weiterer praller Mittagssonne schützen und die Wurzelzone gleichmäßig feucht halten.
Bei Rindenschäden an jungen Bäumen die Wunde beobachten, nicht mit Teer, Lack oder Wundverschlussmitteln überstreichen und nicht gesundes Gewebe großflächig ausschneiden. Lose, eindeutig abgestorbene Rinde kann bei fachgerechter Beurteilung sauber entfernt werden. Bei tiefen Stammrissen, ringförmiger Beschädigung oder starkem Rücksterben sollte ein Fachbetrieb oder eine Baumpflegefachkraft hinzugezogen werden.
Schonende und biologische Bekämpfung
Die wirksamsten Maßnahmen sind kulturell und ohne chemische Behandlung:
- Eine ausreichende Blattdecke erhalten; bei Tomaten nicht unnötig stark entblättern und Blattkrankheiten sowie saugende oder fressende Schädlinge früh kontrollieren.
- An sehr heißen Tagen Gemüse und Beeren bei Bedarf mit einem lichtdurchlässigen Schattiergewebe vor der intensiven Mittagssonne schützen. Die Abdeckung so anbringen, dass Luft zirkulieren kann.
- Den Boden mulchen und gleichmäßig wässern, vorzugsweise bodennah. Trockenstress vermeiden, ohne Staunässe zu erzeugen.
- Jungbäume im Herbst mit einem weißen Stammschutz oder einer hellen Baumschutzmanschette versehen; dunkle Materialien, die sich stark aufheizen, vermeiden. Den Schutz im Frühjahr nach den letzten starken Frösten kontrollieren und entfernen bzw. anpassen.
- Stark sonnenverbrannte Früchte ernten und entsorgen, sobald Fäulnis einsetzt; sie nicht längere Zeit im Bestand belassen.
Vorbeugung
Im deutschen Garten sollten empfindliche Kulturen langsam an volle Sonne gewöhnt und nach dem Auspflanzen gleichmäßig mit Wasser versorgt werden. Pflanzen mit ausreichendem Abstand und stabiler Stütze behalten eine funktionierende, schattierende Belaubung. Nur notwendige Blätter entfernen und Blattkrankheiten oder Fraßschäden früh begrenzen. Bei Hitzewellen kann ein atmungsaktives Schattiergewebe besonders über Paprika, Tomaten und Beeren sinnvoll sein. Junge Obst- und Zierbäume in exponierten Lagen im Winter mit einem weißen Stammschutz versehen; helle, geschützte Pflanzplätze und eine gute Bodenfeuchte vermindern das Risiko.
Wissenswertes
- Der Primärschaden ist nicht ansteckend und breitet sich nicht wie eine Krankheit von Pflanze zu Pflanze aus.
- Bei Tomaten und Paprika schützt eine intakte Blattdecke die Früchte; übermäßiges Auslichten kann das Risiko erhöhen.
- Eine zuvor schattige Zimmer- oder Jungpflanze kann bei direkter Mittagssonne innerhalb kurzer Zeit Blattverbrennungen entwickeln.
- Bei Himbeeren sind betroffene Steinfrüchtchen meist ein Qualitätsfehler; nach kühlerem Wetter bildet die Pflanze wieder normal gefärbte Beeren.
- Wintersonnenbrand tritt besonders an jungen, dünnrindigen oder aus schattiger Lage in die Sonne verpflanzten Bäumen auf.
Für Sonnenbrand sind in der Regel keine Pflanzenschutzmittel angezeigt. Verwenden Sie Pflanzenschutzmittel nur, wenn zusätzlich ein sicher bestimmtes, behandelbares Problem vorliegt, ausschließlich mit einem in Deutschland für die betreffende Kultur und Anwendung gesetzlich zugelassenen Produkt und genau nach dem aktuellen Etikett.
Betroffene Pflanzen
Die folgenden Pflanzen sind anhand strukturierter Wirtsdaten mit diesem Problem verknüpft. Die Liste wird bei neuen Pflanzenprofilen automatisch aktualisiert.
Feldahorn (Acer campestre) – PflegeAcer campestre
Zimt-Ahorn (Acer griseum) – PflegeAcer griseum
Japanischer Ahorn (Acer japonicum) – PflegeAcer japonicum
Eschen-Ahorn (Acer negundo) – PflegeAcer negundo
Fächer-Ahorn (Acer palmatum) – PflegeAcer palmatum
Spitzahorn (Acer platanoides) – PflegeAcer platanoides
Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) – PflegeAcer pseudoplatanus
Rot-Ahorn (Acer rubrum) – PflegeAcer rubrum
Silber-Ahorn (Acer saccharinum) – PflegeAcer saccharinum
Zucker-Ahorn (Acer saccharum) – PflegeAcer saccharum
Tatarischer Steppen-ahorn (Acer tataricum) – PflegeAcer tataricum
Feuer-Ahorn (Acer tataricum ginnala) – PflegeAcer tataricum ginnala