Ulmensterben (Holländische Ulmenkrankheit)
Ophiostoma novo-ulmiUlmensterben (Holländische Ulmenkrankheit) – Kurzüberblick
Das Ulmensterben ist eine meist tödlich verlaufende Gefäßerkrankung der Ulmen, die durch den aggressiven Schlauchpilz Ophiostoma novo-ulmi verursacht und vor allem durch Ulmensplintkäfer verbreitet wird. Typisch sind plötzlich welkende, gelb- bis braun werdende Blätter an einzelnen Kronenzweigen, später Aststerben und braune Verfärbungen im Splintholz. Eine sichere Diagnose erfordert fachkundige Untersuchung.
Typische Bedingungen
Überblick
Das Ulmensterben ist eine systemische Tracheomykose der Gattung Ulmus. Ophiostoma novo-ulmi gilt als besonders aggressive Form des Erregers; in der Praxis können jedoch auch Ophiostoma ulmi und Misch- beziehungsweise verwandte Populationen beteiligt sein. Der Pilz wächst vom Infektionsort in das Xylem. Pilzliche Stoffwechselprodukte und die Reaktion des Baumes führen zur Verstopfung beziehungsweise Abschottung von Gefäßen, sodass Wasser nicht mehr ausreichend in die Krone gelangt.
Für Deutschland ist die Erkrankung vor allem an Feldulme, Bergulme und Flatterulme von Bedeutung. Die Empfindlichkeit hängt stark von Art, Herkunft, Alter und genetischer Ausstattung ab. Die Diagnose sollte nicht allein anhand der Welke gestellt werden, da auch Wurzelschäden, Trockenstress, andere Gefäßkrankheiten oder Borkenkäferschäden ähnliche Symptome verursachen können.
Symptome und Erkennung
Erste auffällige Symptome sind häufig einzelne „Flaggen“ in der Krone: Blätter an einem oder mehreren Zweigen welken, rollen sich ein, vergilben und verfärben sich anschließend rasch braun. Sie können im Frühjahr oder Sommer vorzeitig abfallen, während andere Kronenteile zunächst noch gesund erscheinen.
- abschnittsweise Welke und Zweigsterben von außen nach innen
- braune, vertrocknete Blätter, oft über Wochen am abgestorbenen Zweig haftend
- Triebspitzen- und Aststerben, später Auslichtung der Krone
- braune bis schwarzbraune Streifen oder ringförmige Verfärbungen im Splintholz frisch welkender Zweige
- bei fortschreitendem Befall Absterben des gesamten Baumes
Bei einer Infektion im Frühjahr kann der Baum noch im selben Jahr sterben; spätere Infektionen können sich bis zum folgenden Frühjahr auswirken.
Ursachen und Ausbreitung
Hauptursache ist die Einschleppung des Pilzes in frische Fraßwunden durch Ulmensplintkäfer. Diese vermehren sich bevorzugt in geschwächten, absterbenden oder toten Ulmen. Unaufgeräumtes Totholz und entrindetes, nicht fachgerecht behandeltes Ulmenholz können daher die lokale Übertragung fördern.
Eine zweite wichtige Route sind Wurzelverwachsungen zwischen dicht stehenden Ulmen. Der Erreger kann dadurch direkt von einem Baum zum nächsten gelangen. Verletzungen durch Bauarbeiten, unsachgemäßen Rückschnitt oder mechanische Schäden erleichtern zudem die Infektion einzelner Zweige. Trockenheit und andere Stressfaktoren erhöhen nicht zwingend die Erregerpräsenz, können aber die Vitalität und Abwehrfähigkeit der Bäume mindern.
Lebenszyklus und Überdauerung
Der Pilz überwintert in infiziertem Holz und insbesondere in Brutgängen befallener oder abgestorbener Ulmen. Ulmensplintkäfer, in Deutschland vor allem Arten der Gattung Scolytus, legen dort ihre Brutgänge an. Beim Ausflug können Käfer Pilzsporen an Körper und im Bereich der Fraßgänge mitführen.
Beim Reifungsfraß an gesunden Ulmen werden Sporen in frische Zweigverletzungen eingebracht. Der Pilz wächst in die Leitungsbahnen, breitet sich im Baum aus und verursacht durch Gefäßblockaden die charakteristische Welke. Zusätzlich kann er über Wurzelverwachsungen von einer erkrankten auf eine benachbarte Ulme übergehen. Die genaue Flugzeit variiert regional und witterungsbedingt; in Deutschland ist die Aktivität der Käfer insbesondere während warmer Perioden der Vegetationszeit relevant.
Behandlung und Bekämpfung
Eine Behandlung ist nur im sehr frühen Stadium und abhängig von Baumart, Befallsumfang, Vitalität und Standort sinnvoll. Einzelne frisch befallene Äste können unter fachlicher Anleitung bis deutlich in gesund erscheinendes Holz zurückgeschnitten werden; das Schnittgut muss aus dem Bestand entfernt und fachgerecht entsorgt werden. Werkzeuge sind anschließend zu reinigen.
Bei weit fortgeschrittener Kronenwelke, umfangreichem Aststerben, Stamm- oder Wurzelkontaktbefall ist eine Rettung meist nicht realistisch. Dann stehen Verkehrssicherheit, fachgerechte Fällung und die Beseitigung potenziellen Käferbrutmaterials im Vordergrund. Bei wertvollen Altbäumen sollte vor einer Fällentscheidung eine qualifizierte Baumkontrolle mit Probenahme erfolgen. Systemische Injektionen sind keine allgemeine Standardlösung; Nutzen, Zeitpunkt, Baumrisiken und rechtliche Zulässigkeit müssen im Einzelfall geprüft werden.
Schonende und biologische Bekämpfung
Eine rein biologische oder organische Behandlung, die einen stark systemisch erkrankten Baum zuverlässig heilt, steht im Haus- und Stadtgrün nicht zur Verfügung. Der Schwerpunkt liegt deshalb auf Hygiene, Befallsüberwachung und dem Unterbrechen des Übertragungsweges:
- abgestorbene, frisch befallene oder als Brutmaterial geeignete Ulmen sowie Schnittgut fachgerecht und möglichst zügig aus dem Bestand entfernen;
- kein Ulmenholz mit Rinde lagern oder als Brennholz in der Nähe gesunder Ulmen verwenden;
- Schnittwerkzeuge zwischen Bäumen reinigen und bei Verdacht nicht von einer Ulme zur nächsten einsetzen;
- verdächtige Bäume früh durch eine sachkundige Baumkontrolle und möglichst durch eine Laboranalyse untersuchen lassen;
- bei Neupflanzungen nachweislich tolerante Sorten und standortgerechte, genetisch vielfältige Herkünfte bevorzugen;
- Wurzelkontakte bei Sanierungs- oder Leitungsarbeiten vermeiden und bei bestätigtem Befall die örtliche Fachberatung zu möglichen Wurzeltrennungen einbeziehen.
„Organische“ Hausmittel wie Essig, Pflanzenjauchen oder ungezielte Fungizide sind gegen eine etablierte Gefäßinfektion nicht verlässlich belegt und können den Baum zusätzlich schädigen.
Vorbeugung
Vorbeugung im deutschen Garten- und Stadtgrün basiert auf früher Erkennung und konsequenter Bestandshygiene. Ulmen regelmäßig während der Vegetationszeit auf einzelne welke Kronenpartien, vorzeitigen Blattfall und abgestorbene Triebe kontrollieren. Verdächtige Zweige nicht ungezielt kompostieren, sondern fachgerecht entsorgen lassen.
- abgestorbene Ulmen und stärkere Äste zeitnah entfernen, bevor sie als Brutraum für Splintkäfer dienen;
- frische Schnitt- und Rindenverletzungen vermeiden und Schnittarbeiten nur mit gereinigtem Werkzeug ausführen;
- bei benachbarten Ulmen auf mögliche Wurzelverwachsungen achten;
- bei Ersatzpflanzungen tolerante Ulmenklone beziehungsweise Sorten aus vertrauenswürdigen Baumschulen auswählen und deren tatsächliche Resistenzangaben prüfen;
- Standorte mit ausreichendem Wurzelraum, guter Bodenstruktur und bedarfsgerechter Wasserversorgung fördern, besonders bei Jungbäumen und während sommerlicher Trockenperioden;
- bei Verdacht eine amtliche oder wissenschaftliche Pflanzenschutz- beziehungsweise Baumdiagnostikstelle einschalten.
Wissenswertes
- Die Bezeichnung Holländische Ulmenkrankheit geht auf die frühe wissenschaftliche Bearbeitung der Krankheit in den Niederlanden zurück, nicht auf eine besondere Bindung an dortige Ulmen.
- Ophiostoma novo-ulmi war an der zweiten, besonders schweren Erkrankungswelle in Europa beteiligt und ist virulenter als viele ältere Populationen von O. ulmi.
- Flatterulmen (Ulmus laevis) überstehen Epidemien in manchen Auenstandorten häufiger als Feld- oder Bergulmen, sind aber nicht grundsätzlich immun.
- Die auffällige Blattwelke entsteht nicht nur durch das Pilzwachstum, sondern wesentlich durch die Kombination aus Pilzstoffen und der Gefäß-Abwehrreaktion des Baumes.
- Resistente oder tolerant gezüchtete Ulmen können für Neupflanzungen geeigneter sein, doch die Widerstandsfähigkeit ist sorten- und standortabhängig und darf nicht pauschal verallgemeinert werden.
Pflanzenschutzmittel oder Injektionsverfahren dürfen nur eingesetzt werden, wenn sie in Deutschland aktuell für die betreffende Kultur und dieses Schadproblem zugelassen sind. Vor jeder Anwendung das amtliche Verzeichnis zugelassener Pflanzenschutzmittel und das aktuelle Etikett prüfen; Dosierung, Anwendungsbedingungen, Abstände und Schutzauflagen des Etiketts sind verbindlich. Bei großen oder wertvollen Bäumen sollte die Entscheidung durch eine qualifizierte Baumkontrolle und gegebenenfalls eine Laboranalyse abgesichert werden.
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