Braunfäule und Wurzelhalsfäule der Zitruspflanzen
Krankheit

Braunfäule und Wurzelhalsfäule der Zitruspflanzen

Phytophthora citrophthora
Kurzüberblick

Braunfäule und Wurzelhalsfäule der Zitruspflanzen – Kurzüberblick

Phytophthora citrophthora ist ein wasserliebender Eipilz, der vor allem Zitruspflanzen befällt. Er verursacht Wurzel- und Wurzelhalsfäulen, Rindennekrosen mit Gummifluss sowie die typische Braunfäule an Früchten. Besonders riskant sind staunasse Substrate, schlechte Drainage und Spritzwasser. Eine sichere Bestimmung erfordert meist eine Laboruntersuchung, da ähnliche Symptome auch durch Übernässe, Salz oder andere Phytophthora-Arten entstehen.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileFeinwurzeln, Wurzelhals, Stamm- und Astbasis, Früchte; gelegentlich Triebe und Blätter infolge von Wurzelschäden.
Begünstigende BedingungenWassergesättigtes oder verdichtetes Substrat, schlechte Drainage, stehendes Wasser am Wurzelhals, häufiges Spritzwasser, kühle-feuchte Perioden und infiziertes Pflanzgut.
Pflanzendoktor

Überblick

Die Erkrankung kommt vor allem an Zitruspflanzen vor und kann sowohl im Freiland als auch in Kübeln auftreten. Befallene Feinwurzeln werden weich, braun und lösen sich teilweise vom Zentralzylinder. Dadurch nimmt die Pflanze weniger Wasser und Nährstoffe auf; oberirdisch folgen schwaches Wachstum, Blattaufhellung, Blattfall, Welke und Triebsterben.

Am Wurzelhals oder Stamm entstehen dunkelbraune, wassergetränkte Rindenbereiche. Häufig tritt klebriger, bernsteinfarbener Gummifluss auf. An Früchten entwickelt sich unter feucht-kühlen Bedingungen eine weiche, braune Fäule, oft an Kontaktstellen oder nach Regen. Das Erscheinungsbild allein reicht nicht für eine sichere Artbestimmung.

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Symptome und Erkennung

  • Nachlassendes Wachstum, hellgrüne bis gelbliche Blätter und vorzeitiger Blattfall.
  • Welke trotz feuchter Erde, besonders bei stark geschädigten Feinwurzeln.
  • Weiche, braune oder schwarzbraune Feinwurzeln mit ablösbarer Rinde.
  • Dunkle, wassergetränkte Rindenläsionen am Wurzelhals oder unteren Stamm.
  • Bernsteinfarbener Gummifluss, Rindenrisse und bei fortschreitendem Befall Ast- oder Triebsterben.
  • Weiche braune Fruchtfäule an Zitrusfrüchten; unter hoher Luftfeuchte können sich helle Sporangienträger bilden.

Ähnliche Symptome verursachen Staunässe, Salzstress, Wurzelnematoden, andere Phytophthora-Arten und verschiedene Rindenkrankheiten. Für eine belastbare Diagnose sind Wurzelhals- oder Wurzelproben durch ein Pflanzendiagnostiklabor sinnvoll.

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Ursachen und Ausbreitung

Der Erreger überdauert in Boden, Substrat, befallenen Pflanzenresten und abgestorbenen Wurzeln. Bei freiem Wasser oder wassergesättigten Poren entstehen Sporangien und bewegliche Zoosporen. Diese werden mit Gieß- und Regenwasser, Spritzwasser, anhaftender Erde, Werkzeugen, Töpfen und infiziertem Pflanzgut verbreitet.

Neue Infektionen entstehen besonders dort, wo Wasser länger am Wurzelhals steht, Töpfe keinen freien Ablauf besitzen oder Pflanzen zu tief gesetzt wurden. Fruchtinfektionen werden durch Regen, Boden- und Kronenspritzwasser begünstigt. Eine Übertragung zwischen Pflanzen ist möglich, aber der Nachweis einer bestimmten Phytophthora-Art sollte nicht allein aus dem Standort oder dem Symptom abgeleitet werden.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Phytophthora citrophthora kann ungünstige Zeiten als widerstandsfähige Dauerstrukturen und in infiziertem Pflanzenmaterial überstehen. Bei ausreichender Feuchtigkeit keimen diese Strukturen beziehungsweise bilden Sporangien. Daraus freigesetzte Zoosporen schwimmen kurze Strecken im Wasserfilm und dringen in verletzte oder physiologisch geschwächte Wurzel- und Rindengewebe ein.

Im deutschen Kübelpflanzenbereich ist das Risiko vor allem bei wiederholter Überbewässerung, schlechter Drainage und feuchter Überwinterung erhöht. Im Freiland sind längere Niederschlagsperioden, verdichtete Böden und stehende Nässe entscheidend. Die Art gilt bei Zitrus als besonders relevant in kühleren, feuchten Phasen, während andere Phytophthora-Arten bei warmem Wetter dominieren können.

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Behandlung und Bekämpfung

Bei Verdacht zunächst die Ursache der Übernässe beseitigen und die Pflanze vorsichtig aus dem Topf nehmen. Wurzeln kontrollieren, eindeutig faules Gewebe mit sauberem Werkzeug entfernen und die Pflanze in frisches, gut drainiertes Substrat umsetzen. Der Wurzelhals muss oberhalb der Substratoberfläche bleiben. Stark geschädigte Pflanzen mit weitreichender Stammfäule sind häufig nicht mehr zu retten.

Bei Rindenbefall kann loses, abgestorbenes Gewebe bis an gesund erscheinende Rinde entfernt werden; das Werkzeug danach gründlich reinigen und desinfizieren. Befallene Früchte abnehmen und vernichten. Eine Behandlung sollte möglichst erst nach fachlicher Diagnose erfolgen, weil Symptome von P. citrophthora, anderen Phytophthora-Arten und nichtinfektiösen Wurzelproblemen überlappen.

Im Erwerbsanbau gehören Drainage, Bewässerungssteuerung, gesundes Pflanzgut, tolerante Unterlagen und eine regelmäßige Kontrolle der Feinwurzeln zu einem integrierten Vorgehen. Bereits abgestorbene Wurzeln oder Stammgewebe werden durch Pflanzenschutzmittel nicht wieder gesund.

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Schonende und biologische Bekämpfung

  • Drainage und Bewässerungsmanagement haben im ökologischen und hausgärtnerischen Bereich die größte Bedeutung.
  • Befallene Pflanzen isolieren, damit kein Gieß- oder Abflusswasser gesunde Zitruspflanzen erreicht.
  • Frisches, hygienisch einwandfreies Substrat und saubere Gefäße verwenden; kein Wasser aus Sammeluntersetzern zwischen Pflanzen verteilen.
  • Wurzelhals trocken und luftig halten, Pflanzen nicht zu dicht stellen und die Überwinterung möglichst hell sowie mäßig trocken gestalten.
  • Bei Neupflanzung geeignete tolerantere Unterlagen und gesundes zertifiziertes Pflanzgut bevorzugen.

Für Hausgärten und Kübelpflanzen sind vorbeugende Kulturmaßnahmen in der Regel verlässlicher als vermeintliche Hausmittel. Eine allgemein wirksame biologische Behandlung für jede Zitruspflanze und jede Situation kann nicht zugesichert werden.

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Vorbeugung

  • Zitruspflanzen nur in Gefäße mit ausreichend großen Abzugslöchern und strukturstabilem, luftreichem Substrat setzen.
  • Staunässe vermeiden: Untersetzer nach dem Gießen leeren und erst gießen, wenn die obere Substratschicht abgetrocknet ist.
  • Den Wurzelhals nicht mit Erde bedecken; Stamm und Veredlungsstelle trocken halten.
  • Im Freiland verdichtete oder schlecht drainierte Bereiche meiden, Hochbeete oder erhöhte Pflanzstellen nutzen und Wasser gezielt in den Wurzelbereich geben.
  • Nur gesundes, hygienisch produziertes Pflanzgut verwenden; gebrauchte Töpfe, Messer und Scheren vor der Weiterverwendung reinigen und desinfizieren.
  • Befallene Früchte, Wurzeln und Schnittreste nicht kompostieren, wenn eine sichere Rotte nicht gewährleistet ist.
  • Bei wiederholtem Befall robuste beziehungsweise tolerantere Unterlagen nach regionaler Verfügbarkeit auswählen; ihre Eignung für Klima, Sorte und weitere Krankheiten berücksichtigen.
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Wissenswertes

  • Phytophthora ist kein echter Pilz, sondern gehört zu den Oomyceten, den sogenannten Eipilzen.
  • Die beweglichen Zoosporen benötigen Wasserfilme und können sich dadurch mit Bewässerungs- oder Regenwasser ausbreiten.
  • Bei Zitrus kann dieselbe Erregerart sowohl Wurzeln und Wurzelhals als auch Früchte befallen.
  • Die Frucht-Braunfäule wird häufig erst nach feuchten Witterungsperioden sichtbar und kann an Kontaktstellen mit nassem Boden beginnen.
  • EPPO führt neben Citrus auch einzelne dokumentierte Wirte wie Lavandula angustifolia, Paulownia und Prunus dulcis; daraus darf jedoch nicht geschlossen werden, dass jede Pflanze am Standort gleichermaßen gefährdet ist.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

In Deutschland dürfen ausschließlich Pflanzenschutzmittel verwendet werden, die für die betreffende Kultur, Anwendung und Krankheit aktuell zugelassen sind. Vor jeder Anwendung die aktuelle BVL-Zulassungsdatenbank beziehungsweise die amtlichen Pflanzenschutzinformationen prüfen und das Etikett vollständig befolgen. Keine Wirkstoff-, Dosierungs- oder Spritzfolge aus ausländischen Empfehlungen übernehmen; Zulassungen, Kulturen, Anwendungsbereiche und Auflagen können abweichen. Pflanzenschutzmittel können etablierte Wurzel- oder Stammfäulen nicht zuverlässig rückgängig machen und ersetzen niemals Drainage, Hygiene und Bewässerungsmanagement.