Apfelmehltau
Podosphaera leucotrichaApfelmehltau – Kurzüberblick
Der Apfelmehltau ist eine durch Podosphaera leucotricha verursachte Pilzkrankheit an Apfelbäumen und verwandten Kernobstgehölzen. Besonders gefährdet sind junge Blätter, Triebspitzen, Blüten und neu gebildete Knospen. Ein weißer, mehlartiger Belag, eingerollte Blätter und verkümmerte Triebe sind typisch. Früher Rückschnitt befallener Triebe und eine luftige, ausgewogene Kultur begrenzen die Ausbreitung im deutschen Garten.
Typische Bedingungen
Überblick
Der Apfelmehltau wird durch den obligat biotrophen Echten-Mehltaupilz Podosphaera leucotricha verursacht. Im deutschen Garten- und Obstbau ist er besonders an anfälligen Apfelsorten problematisch. Der Pilz besiedelt junge Blätter, Triebspitzen, Blüten, Früchte und die Knospen des Folgejahres. Ältere Blätter werden mit zunehmender Gewebereife meist weniger empfänglich.
Anders als viele Blattfleckenerreger benötigt der Pilz kein dauerhaft nasses Blatt für die Keimung. Warm-feuchte, schwach windige Phasen mit aktivem Neuaustrieb fördern die Krankheit; lang anhaltender, kühler Regen hemmt die Sporenentwicklung eher.
Symptome und Erkennung
- Weißer bis grauweißer, mehl- oder filzartiger Belag auf jungen Blättern und Triebspitzen.
- Blätter stehen steil aufwärts, rollen sich ein, bleiben klein und können vom Rand her vertrocknen.
- Befallene Triebe verkümmern oder verkahlen und behalten mitunter nur ein kleines Blattbüschel an der Spitze.
- Blüten können geschädigt werden; Früchte zeigen bei Befall gelegentlich netzartige Berostung oder oberflächliche Narben.
- Infizierte Knospen sind matt, runzlig und verkümmert und treiben im Frühjahr verspätet, schwach oder gar nicht aus.
Ursachen und Ausbreitung
Die wichtigste Primärquelle sind infizierte End- und Seitenknospen des Vorjahres. Beim Austrieb wächst das überwinterte Myzel in junge Blätter, Triebe und Blüten ein und bildet dort zahlreiche Konidien. Diese werden vor allem durch Wind auf benachbarte, noch junge Gewebe verbreitet. Befallene Triebspitzen können dadurch im selben Jahr weitere Infektionswellen auslösen. Die Anfälligkeit variiert deutlich nach Sorte, Unterlage, Gewebestadium und Pilzpopulation.
Lebenszyklus und Überdauerung
Der Pilz überwintert überwiegend als Myzel in Knospen, die im Sommer zuvor infiziert wurden. Im Frühjahr entstehen daraus Primärinfektionen an austreibenden Trieben und Blättern. Anschließend bilden sich oberflächlich Konidien, die bei etwa 10–25 °C, hoher relativer Luftfeuchte und trockenem bis nur kurz feuchtem Wetter keimen können. Während des Sommers wiederholt sich die Konidienbildung. Neu angelegte Knospen können erneut besiedelt werden und den Erreger in die nächste Saison tragen. Spät im Jahr können sich schwarze Chasmothecien bilden; für die Frühjahrsinfektion sind sie meist weniger bedeutsam als infizierte Knospen.
Behandlung und Bekämpfung
Bei leichtem Befall im Hausgarten ist konsequentes Ausschneiden meist die wichtigste Maßnahme. Befallene Triebe nicht kompostieren, wenn eine sichere Hygienekompostierung nicht gewährleistet ist. Schnittwerkzeuge zwischen auffälligen Bäumen oder stark befallenen Partien reinigen. Bei wiederkehrendem oder starkem Befall muss die Behandlung früh beginnen, weil bereits etablierte Beläge schwerer zu kontrollieren sind. In Erwerbsanlagen werden Überwachung, Sortenanfälligkeit, Wuchsphase und die zugelassene Fungizidstrategie im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes miteinander kombiniert.
Schonende und biologische Bekämpfung
- Befallene Triebspitzen und Knospen konsequent entfernen und aus dem Bestand nehmen.
- Für gute Kronendurchlüftung sorgen und unnötig dicht stehende Wasserschosse reduzieren.
- Übermäßige Stickstoffdüngung vermeiden; Wasser und Nährstoffe bedarfsgerecht zuführen.
- Bei Neupflanzungen robuste Sorten und einen sonnigen, luftigen Standort bevorzugen.
- Bei zugelassenen biologischen oder mineralischen Präparaten nur Produkte verwenden, deren aktuelle deutsche Zulassung ausdrücklich Kultur und Schadorganismus umfasst; auch solche Mittel wirken am zuverlässigsten vorbeugend und bei frühem Befall.
Vorbeugung
- Anfällige Sorten möglichst durch robuste oder weniger anfällige Sorten ersetzen; Sortenangaben sind jedoch nicht unter allen Standorten und Befallsbedingungen zuverlässig.
- Im Winter und zeitigen Frühjahr weiß bemehlte, verkümmerte Triebspitzen bis weit ins gesunde Holz zurückschneiden.
- Auch während der Vegetation befallene Triebe früh entfernen, bevor sie größere Mengen Konidien bilden.
- Die Krone regelmäßig auslichten, ohne übermäßigen Neuaustrieb durch starken Rückschnitt zu provozieren.
- Ausgewogen düngen und insbesondere hohe, späte Stickstoffgaben vermeiden.
- Junge Triebe, Blattbüschel und neu gebildete Knospen ab Austrieb bis in den Frühsommer regelmäßig kontrollieren.
Wissenswertes
- Infizierte Knospen sind oft weniger winterhart und können nach sehr strengen Frösten absterben.
- Der weiße Belag besteht überwiegend aus oberflächlichem Pilzmyzel und Konidien; der Pilz ernährt sich über Haustorien aus lebenden Wirtszellen.
- Junge Blätter sind kurz nach dem Öffnen besonders empfänglich, während ältere Blätter häufig eine altersbedingte Widerstandsfähigkeit entwickeln.
- Neben Kulturapfel und Zieräpfeln sind dokumentierte Befälle auch an Birnen und Quitten bekannt; die Bedeutung und Sortenanfälligkeit ist dort unterschiedlich.
Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland nur entsprechend der aktuellen Zulassung und Gebrauchsanweisung eingesetzt werden. Verwenden Sie ausschließlich für die konkrete Kultur und den Apfelmehltau zugelassene Produkte, beachten Sie Wartezeiten, Auflagen, Anwenderschutz und Resistenzmanagement und prüfen Sie die amtliche BVL-Zulassungsdatenbank beziehungsweise die aktuelle Beratung. Eine pauschale Spritzfolge oder Wirkstoffempfehlung ist ohne Kultur, Anwendungsbereich und aktuelle Zulassung nicht sicher.
Quelle: