Großer Rapserdfloh
Psylliodes chrysocephalaGroßer Rapserdfloh – Kurzüberblick
Der Große Rapserdfloh (Psylliodes chrysocephala) ist ein bedeutender Schädling an jungen Rapsbeständen, besonders im deutschen Winterrapsanbau. Die Käfer verursachen zunächst typischen Loch- oder Fensterfraß an Keimblättern und jungen Blättern. Wirtschaftlich oft entscheidender ist später der Minierfraß der Larven in Blattstielen und Stängeln, der Wachstum, Winterhärte und Ertrag beeinträchtigen kann.
Typische Bedingungen
Überblick
Der Große Rapserdfloh gehört zu den Flohkäfern innerhalb der Blattkäfer. In Deutschland ist er vor allem an Winterraps (Brassica napus) relevant. Die erwachsenen Käfer springen bei Störung weit und fressen an Keimblättern sowie jungen Laubblättern. Die Larven bohren sich meist an der Basis eines Blattstiels in die Pflanze ein und minieren zunächst Blattstiele, später Blattnarben und den Stängel.
Ein geringer Blattfraß wird von gut entwickelten Rapspflanzen oft toleriert. Gefährdet sind vor allem schwach aufgelaufene, lückige oder durch Trockenheit, Nährstoffmangel und Bodenverdichtung gestresste Bestände.
Symptome und Erkennung
- Runde bis unregelmäßige Löcher in Keimblättern und ersten Laubblättern, teils als Fensterfraß mit erhaltener Blattober- und -unterhaut.
- Bei starkem Befall siebartig durchlöcherte junge Blätter, gehemmtes Wachstum oder Absterben schwacher Pflanzen.
- Larvenminen und Ein- beziehungsweise Ausbohrlöcher an Blattstielen und Blattnarben.
- Aufgeschnittene Blattstiele zeigen weißliche bis schmutzig-weiße Larven mit dunklem Kopf; später können Stängel geschwächt und Pflanzen anfälliger für Sekundärinfektionen oder Auswinterung werden.
Ursachen und Ausbreitung
Der Befall beginnt meist durch den Zuflug erwachsener Käfer aus Sommerruheplätzen in frisch aufgelaufene Rapsbestände. Begünstigend wirken benachbarte oder eng aufeinanderfolgende Kreuzblütlerbestände, Ausfallraps und geeignete Unkrautwirte. Besonders stark geschädigt werden Bestände, die langsam auflaufen oder durch Trockenheit, Verdichtung und Nährstoffungleichgewichte geschwächt sind. Larvenbefall wird nicht primär durch direkten Kontakt zwischen Pflanzen verbreitet, sondern entsteht durch die Eiablage der eingewanderten Käfer.
Lebenszyklus und Überdauerung
In Mitteleuropa bildet der Große Rapserdfloh gewöhnlich eine Generation pro Jahr. Die Käfer erscheinen nach einer Sommerruhe meist ab Ende August oder Anfang September und wandern in frisch aufgelaufene Rapsbestände ein. Nach einer mehrtägigen bis etwa zweiwöchigen Fraß- und Reifephase beginnt die Eiablage in den Boden nahe der Pflanzenbasis.
Die Larven schlüpfen überwiegend im Herbst und dringen in Blattstiele ein. Sie durchlaufen drei Stadien und können bis in den Winter beziehungsweise in das zeitige Frühjahr minieren. Reife Larven verlassen die Pflanze und verpuppen sich im Boden. Die neue Käfergeneration erscheint im Sommer und hält sich anschließend in geschützten, kühlen Bereichen wie Feldrainen, Hecken oder Waldrändern auf.
Behandlung und Bekämpfung
Zuerst sollte die Diagnose durch Klopfprobe, Gelbschalenkontrolle und die Suche nach Larvenminen abgesichert werden. Bei jungen Pflanzen ist der Blattflächenverlust entscheidend; bei älteren Pflanzen muss zusätzlich der Larvenbefall in Blattstielen und Stängeln bewertet werden. Stark geschädigte, lückige Bestände können sich nur begrenzt regenerieren.
Im professionellen Anbau sind Anwendungen nach den in Deutschland geltenden Bekämpfungsrichtwerten und Warndienstempfehlungen auszurichten. Wegen regional unterschiedlicher Befallsstärken und möglicher Pyrethroid-Resistenzen sind unnötige Wiederholungsbehandlungen zu vermeiden. Im Gartenbau sind befallene Pflanzenreste nach der Kultur zu entfernen, Kreuzblütler in der Fruchtfolge zu entzerren und Jungpflanzen frühzeitig mechanisch zu schützen.
Schonende und biologische Bekämpfung
Im ökologischen Anbau und im Hausgarten stehen vor allem vorbeugende und mechanische Maßnahmen im Vordergrund:
- Junge Kreuzblütler mit feinmaschigem Kulturschutznetz oder Insektenschutzvlies abdecken; die Abdeckung muss vor dem Zuflug dicht schließen und darf die Pflanzen nicht dauerhaft einengen.
- Für einen schnellen, gleichmäßigen Feldaufgang sorgen: geeignetes Saatbett, ausreichende Bodenfeuchte, bedarfsgerechte Nährstoffversorgung und Vermeidung von Verdichtungen.
- Raps und andere anfällige Kreuzblütler nicht zu eng in der Fruchtfolge anbauen; Ausfallraps und relevante Kreuzblütlerunkräuter kontrollieren.
- Gelbschalen oder andere standardisierte Monitoringverfahren nutzen und Pflanzen regelmäßig auf Blattfraß sowie Larvenminen kontrollieren.
- Natürliche Gegenspieler wie parasitoide Wespen und räuberische Bodenorganismen durch strukturreiche, blüten- und rückzugsreiche Feldränder fördern. Ihre Wirkung ist nützlich, aber meist nicht ausreichend für eine alleinige Regulierung bei starkem Befall.
Vorbeugung
- Raps möglichst fristgerecht und unter günstigen Bodenfeuchtebedingungen säen, damit die Pflanzen vor dem Hauptzuflug kräftig auflaufen.
- Bestände im Herbst regelmäßig kontrollieren; zur Erfassung des Zuflugs Gelbschalen nach regionalen Empfehlungen aufstellen und auswerten.
- Ausfallraps, Kreuzblütlerunkräuter und unnötige grüne Brücken zwischen Rapskulturen reduzieren.
- Eine weite Fruchtfolge und ausreichender Abstand zu Vorjahres- oder Nachbarbeständen können den Befallsdruck vermindern; die Wirkung hängt stark von Landschaft und regionalem Zuflug ab.
- Bei der Entscheidung über Pflanzenschutzmaßnahmen sowohl den Blattflächenverlust als auch die Larvenkontrolle berücksichtigen. Nicht jeder sichtbare Käferfraß rechtfertigt eine Behandlung.
Wissenswertes
- Der Name Rapserdfloh bezieht sich auf die sprungkräftigen Hinterbeine, nicht auf eine enge Verwandtschaft mit echten Flöhen.
- Der Käfer ist überwiegend nachtaktiv und kann durch Rapsbestände über mehrere Kilometer verteilt werden.
- Der Larvenfraß ist äußerlich oft weniger auffällig als der Lochfraß, kann aber für die Ertrags- und Überwinterungsleistung wichtiger sein.
- EPPO führt den Schädling im Zusammenhang mit Kreuzblütlern und besonders mit Ölsaaten wie Raps.
In Deutschland dürfen ausschließlich Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, die für die konkrete Kultur, den konkreten Schaderreger und die vorgesehene Anwendung aktuell zugelassen sind. Vor jeder Anwendung ist die geltende BVL-Zulassung einschließlich Aufwandmenge, Anwendungsbestimmungen, Wartezeit, Bienenschutz und Gewässerschutz zu prüfen. Behandlungen sollten nur nach Befallsüberwachung und Überschreiten des regional geltenden Bekämpfungsrichtwerts erfolgen; Resistenzmanagement ist besonders wichtig.
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