Roter Brenner der Weinrebe
Krankheit

Roter Brenner der Weinrebe

Pseudopezicula tracheiphila (Müll.-Thurg.) Korf & W.Y. Zhuang
Kurzüberblick

Roter Brenner der Weinrebe – Kurzüberblick

Der Rote Brenner ist eine pilzliche Blattkrankheit der Weinrebe, die vor allem im Frühjahr und Frühsommer auftritt. Gelbliche Flecken bei weißen, rötliche Flecken bei roten Rebsorten werden scharf durch die Blattadern begrenzt und verbräunen später. Starker Befall kann vorzeitigen Blattfall, geringere Mostgewichte und erhebliche Ertragseinbußen verursachen.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileVor allem basale Blätter; bei starkem Befall auch junge Blätter, Gescheine, Traubenstiele und selten Beeren.
Begünstigende BedingungenInfiziertes Reblaub am Boden, feuchte Perioden im Frühjahr, wiederholte Niederschläge zur Zeit des Austriebs sowie warme, sich rasch erwärmende, leichte und trockene Lagen. Auch schlecht verrottendes Laub und ungünstige Bodenverhältnisse können den Befallsdruck erhöhen.
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Überblick

Der Rote Brenner tritt in Deutschland vor allem in Weinbaulagen auf und kann bei günstigen Bedingungen erhebliche Blattverluste verursachen. Betroffen sind überwiegend basale Blätter. Bei weißen Rebsorten erscheinen zunächst gelbliche, bei roten Rebsorten rötliche bis rubinrote Flecken. Später verbräunen die Flecken und das betroffene Gewebe vertrocknet.

Die Krankheit kann mit Falschem Mehltau verwechselt werden. Typisch für den Roten Brenner sind jedoch die sehr scharfe Begrenzung der Flecken durch die großen Blattadern und das Fehlen des für Falschen Mehltau charakteristischen weißen Sporenrasens auf der Blattunterseite.

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Symptome und Erkennung

  • Auf Blättern entstehen im Frühsommer gelbliche Flecken bei weißen und rötliche Flecken bei roten Rebsorten.
  • Die Flecken werden meist deutlich durch Haupt- und Seitenadern begrenzt.
  • Das Zentrum verfärbt sich rotbraun bis braun und trocknet später ein.
  • Bei fortschreitendem Befall verdorren vor allem ältere, basale Blätter und fallen vorzeitig ab.
  • Bei hohem Infektionsdruck können auch Gescheine, Traubenstiele und junge Trauben betroffen sein; dies ist deutlich seltener als der Blattbefall.
  • Starker Blattverlust vermindert die Photosynthese, kann die Reife verzögern und das Mostgewicht reduzieren.

Zur Absicherung sollten Blattunterseiten, Befallsverteilung in der Anlage und mögliche Alternativerreger wie Falscher Mehltau, Schwarzfleckenkrankheit oder abiotische Schäden mitbeurteilt werden.

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Ursachen und Ausbreitung

Der Erreger überwintert überwiegend als Myzel in abgefallenem, befallenem Reblaub am Boden. Im Frühjahr bildet er dort Apothezien, aus denen bei ausreichender Feuchtigkeit Ascosporen freigesetzt werden. Diese gelangen auf junge Rebblätter und dringen in das Gewebe ein.

Regen und anhaltende Boden- beziehungsweise Laubfeuchte fördern die Sporenfreisetzung. Nach der Infektion vergehen meist etwa zwei bis drei Wochen bis zu den ersten sichtbaren Symptomen. Die Krankheit wird nicht durch Insekten übertragen. Befallenes Laub unter den Reben ist deshalb die wichtigste Ausgangsquelle für neue Infektionen.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Im Herbst fällt infiziertes Reblaub zu Boden. Der Pilz kann dort mehrere Jahre saprophytisch überdauern, besonders wenn das Laub nur langsam verrottet. Im Frühjahr entstehen auf dem alten Laub die Fruchtkörper. Bei feuchter Witterung werden Ascosporen ausgeschleudert und durch Luftbewegung auf austreibende beziehungsweise junge Blätter verteilt.

Nach dem Eindringen entwickelt sich der Pilz zunächst im Blattgewebe und besiedelt anschließend die Leitbündel und angrenzenden Bereiche. Die Schädigung des Wasser- und Nährstofftransports erklärt das sektorartige Vertrocknen. Auf abgestorbenem Reblaub kann der Entwicklungszyklus erneut beginnen.

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Behandlung und Bekämpfung

Bereits sichtbare Blattflecken lassen sich nicht rückgängig machen. Das Ziel einer Behandlung ist daher, Neuinfektionen und die Ausbreitung auf noch gesundes Laub zu begrenzen. In gefährdeten deutschen Weinbaulagen sollte der Rebschutzdienst beziehungsweise Warndienst berücksichtigt werden. Besonders wichtig ist ein rechtzeitiger Schutz ab dem frühen Laubstadium bis vor beziehungsweise um die Blüte, wenn Infektionsgefahr besteht.

Bei starkem Befall sind befallene Blätter nicht als alleinige Maßnahme abzupflücken, da die Hauptinfektionsquelle im überwinternden Laub am Boden liegt. Behandlung, Laubhygiene, gute Bestandsführung und regelmäßige Kontrolle sollten als integriertes Verfahren kombiniert werden.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Im ökologischen Weinbau stehen vorbeugende Maßnahmen im Vordergrund: befallenes Reblaub entfernen oder zügig verrotten lassen, die Laubzone luftig halten und Infektionsperioden mithilfe regionaler Warndienste beobachten. Zugelassene Kupferpräparate können je nach aktueller deutscher Zulassung und Anwendungsbestimmung in gefährdeten Beständen eingesetzt werden; sie ersetzen jedoch keine Laubhygiene.

Bei der Anwendung kupferhaltiger Mittel sind die gesetzlichen Aufwandmengen, die jährlichen beziehungsweise mehrjährigen Kupferhöchstmengen und die Vorgaben des ökologischen Anbauverbands zu beachten. Eine sichere Wirkung ist stark vom Anwendungstermin und einer vollständigen Benetzung des gefährdeten jungen Laubs abhängig.

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Vorbeugung

  • Abgefallenes Reblaub nach dem Blattfall möglichst vollständig entfernen, tief einarbeiten oder so fördern, dass es rasch verrottet.
  • Bei hohem Vorjahresbefall die Anlage im Frühjahr besonders früh und regelmäßig kontrollieren.
  • Eine ausgewogene Bodenpflege sicherstellen; Verdichtungen, Staunässe und gleichzeitig ausgeprägten Trockenstress vermeiden.
  • Durch fachgerechten Rebschnitt und Laubarbeiten eine zügige Abtrocknung der Blätter unterstützen.
  • Nur gesundes Pflanzgut und hygienisch saubere Arbeitsgeräte verwenden.
  • Die Anfälligkeit einzelner Rebsorten berücksichtigen; eine vollständige Resistenz der üblichen Edlen Weinrebe ist nicht vorauszusetzen.
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Wissenswertes

  • Der deutsche Name „Roter Brenner“ bezieht sich auf das verbrannt wirkende Blattbild; bei weißen Rebsorten sind die ersten Flecken häufig gelblich und nicht rot.
  • Der Artname tracheiphila verweist auf die enge Beziehung des Erregers zu den Leitbahnen.
  • Die wichtigste Infektionsquelle ist nicht ein Überträger, sondern infiziertes Reblaub, das am Boden überwintert.
  • Die sichere Diagnose ist bei atypischen Symptomen schwierig, weil Flecken durch Falschen Mehltau, Nährstoffprobleme, Trockenstress oder andere Blattkrankheiten ähnlich aussehen können.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland nur verwendet werden, wenn sie für Weinrebe und Roten Brenner beziehungsweise die konkrete Anwendung aktuell zugelassen oder genehmigt sind. Ausschließlich die aktuelle Gebrauchsanleitung, das amtliche Zulassungsverzeichnis und regionale Warndienstempfehlungen beachten; keine Mittel, Dosierungen oder Behandlungstermine aus älteren Broschüren oder anderen Ländern übertragen. Haus- und Kleingartenanwendungen können von Erwerbsanwendungen abweichen.