Bakterielle Blatt- und Fruchtfleckenkrankheit der TomateQuelle: Wikimedia CommonsChris Smart, NYSAES, Geneva NYCC0
Krankheit

Bakterielle Blatt- und Fruchtfleckenkrankheit der Tomate

Pseudomonas syringae pv. tomato
Kurzüberblick

Bakterielle Blatt- und Fruchtfleckenkrankheit der Tomate – Kurzüberblick

Die bakterielle Blatt- und Fruchtfleckenkrankheit der Tomate wird durch Pseudomonas syringae pv. tomato verursacht. Typisch sind kleine dunkelbraune bis schwarze Blattflecken mit gelblichem Hof sowie winzige schwarze Sprenkelflecken auf grünen Früchten. Feucht-kühles Wetter, lange Blattnässe, infiziertes Saatgut und erkrankte Jungpflanzen begünstigen die schnelle Ausbreitung besonders im Gewächshaus und in niederschlagsreichen Sommern.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileBlätter, Blattränder, Blattstiele, Stängel, Blüten und vor allem junge grüne Früchte.
Begünstigende BedingungenKühle bis mäßig warme Temperaturen etwa von 13 bis 25 °C, relative Luftfeuchte über längere Zeit, Tau- oder Regenperioden, mehrstündige Blattnässe, Überkopfberegnung, dichter Bestand und Arbeiten an nassen Pflanzen.
Pflanzendoktor

Überblick

Pseudomonas syringae pv. tomato ist ein pflanzenpathogenes Bakterium und der Erreger der bakteriellen Blatt- und Fruchtfleckenkrankheit, auch bakterielle Sprenkelfleckenkrankheit genannt. Befallen werden vor allem Tomaten. Die Krankheit tritt besonders nach kühlen, feuchten Witterungsphasen, bei langer Taunässe oder bei Überkopfbewässerung auf.

Im deutschen Gartenbau sind Ausbrüche vor allem in ungeheizten Gewächshäusern, Folientunneln und während nass-kühler Sommer möglich. Eine sichere Unterscheidung von Xanthomonas-bedingter bakterieller Fleckenkrankheit ist anhand der Blätter oft nicht möglich; die kleinen, oberflächlichen Fruchtflecken sind diagnostisch hilfreicher.

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Symptome und Erkennung

  • Blätter: kleine dunkelbraune bis schwarze, teils leicht erhabene Flecken; häufig mit gelblichem Hof. Bei stärkerem Befall verschmelzen die Flecken, Blattränder sterben ab und Blätter können vergilben oder abfallen.
  • Stängel und Blattstiele: längliche bis ovale dunkle Nekrosen.
  • Grüne Früchte: winzige schwarze bis dunkelbraune, leicht erhabene oder geringfügig eingesunkene Sprenkelflecken, meist oberflächlich; häufig mit dunklerem grünem Hof.
  • Reife Früchte: die Flecken bleiben meist klein und oberflächlich, können aber die Vermarktungsqualität deutlich mindern.

Bei Blattflecken allein ist eine Verwechslung mit bakterieller Blattfleckenkrankheit, Septoria-Blattflecken oder Dürrfleckenkrankheit möglich. Eine Welke mit ausgeprägten Stängelverkorkungen spricht eher für andere Erreger.

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Ursachen und Ausbreitung

Der Erreger gelangt häufig über belastetes Saatgut, infizierte Jungpflanzen oder Pflanzenreste in den Bestand. Er kann sich auf Tomatenresten, Ausfalltomaten, Unkräutern und zeitweise an Oberflächen halten. Von Pflanze zu Pflanze wird er durch Regenspritzer, Sprinklerwasser, nasse Hände, Kleidung, Werkzeuge und Pflegearbeiten verbreitet.

Infektionen erfolgen über natürliche Öffnungen wie Spaltöffnungen sowie über Verletzungen an Blättern, Stängeln und Früchten. Besonders riskant sind Arbeiten im nassen Bestand, dicht stehende Pflanzen, lange Blattnässe und schlecht gereinigte Gewächshausmaterialien.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Das Bakterium kann mit Saatgut oder Jungpflanzen eingeschleppt werden und sich zunächst ohne deutliche Symptome auf Pflanzenoberflächen halten. Bei hoher Luftfeuchte und anhaltender Blattnässe vermehren sich die Populationen; anschließend dringt der Erreger über Spaltöffnungen oder Wunden ein. Erste sichtbare Symptome können nach ungefähr einer bis zwei Wochen auftreten, abhängig von Temperatur, Feuchte und Pflanzenzustand.

Erkrankte Pflanzen und Pflanzenreste dienen als Ausgangspunkt für Sekundärinfektionen. Regentropfen, Überkopfberegnung und Pflegearbeiten verteilen Bakterienzellen im Bestand. Heiße, trockene Perioden bremsen die Krankheitsentwicklung, beseitigen den Erreger jedoch nicht zuverlässig aus Saatgut oder Pflanzenresten.

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Behandlung und Bekämpfung

Eine bereits befallene Tomatenpflanze lässt sich nicht zuverlässig von der Krankheit heilen. Bei wenigen frühen Befallsherden sollten stark betroffene Blätter oder einzelne Pflanzen vorsichtig entfernt und aus dem Bestand gebracht werden. Nicht bei nassem Laub schneiden, da dadurch Bakterien leicht verschleppt werden.

Bewässerung auf Tropf- oder Bodenbewässerung umstellen, Blattnässe verkürzen und die Bestandsdurchlüftung verbessern. Stark erkrankte Pflanzen samt Wurzelballen entfernen. Nach Abschluss der Kultur alle Pflanzenreste beseitigen und wiederverwendbare Materialien gründlich reinigen. Bei wertvollen Kulturen oder unklarer Diagnose kann eine Untersuchung durch ein geeignetes pflanzenpathologisches Labor sinnvoll sein.

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Schonende und biologische Bekämpfung

  • Gesundes Saatgut und gesundes Pflanzgut sind die wichtigste vorbeugende Maßnahme.
  • Eine fachgerecht durchgeführte Heißwasserbehandlung kann bei geeignetem Tomatensaatgut helfen; Temperatur und Dauer müssen exakt nach einem anerkannten Verfahren eingehalten werden, da Keimfähigkeit und Sortenverträglichkeit sonst leiden können.
  • Stroh- oder Kunststoffmulch reduziert das Aufspritzen von belastetem Boden auf die unteren Blätter.
  • Werkzeuge und Hände nach Kontakt mit verdächtigen Pflanzen reinigen und desinfizieren.
  • Regelmäßig kontrollieren und Befallsherde frühzeitig entfernen.
  • Biologische Präparate können je nach Zulassung und Versuchslage unterstützend eingesetzt werden, ersetzen jedoch nicht Saatgut-, Hygiene- und Bewässerungsmaßnahmen.
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Vorbeugung

  • Zertifiziertes beziehungsweise nachweislich gesundes Saatgut und symptomfreie Jungpflanzen verwenden.
  • Jungpflanzen vor dem Auspflanzen sorgfältig kontrollieren und verdächtige Partien absondern.
  • Tomaten möglichst über Tropfschläuche oder bodennah bewässern; Blattbenetzung vermeiden.
  • Für gute Durchlüftung, ausreichende Pflanzabstände und rasches Abtrocknen sorgen.
  • Nur bei trockenen Pflanzen arbeiten; Hände, Messer, Scheren, Anbindematerial, Töpfe und Gewächshausflächen regelmäßig reinigen und desinfizieren.
  • Erkrankte Pflanzen, Ausfalltomaten und Erntereste vollständig entfernen und nicht in den Kompost geben.
  • Tomatenanbauflächen wechseln und eine mehrjährige Anbaupause einplanen, besonders nach starkem Befall.
  • Resistente oder weniger anfällige Sorten bevorzugen, sofern deren Widerstandsfähigkeit für die konkrete Sorte dokumentiert ist.
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Wissenswertes

  • Die Fruchtflecken sind meist nur wenige Millimeter groß und bleiben überwiegend oberflächlich.
  • Blattsymptome können der bakteriellen Fleckenkrankheit durch Xanthomonas stark ähneln; die Fruchtsymptome helfen bei der Abgrenzung.
  • Der Erreger bevorzugt feucht-kühle Bedingungen und wird durch längere Hitze- und Trockenperioden in seiner Entwicklung gebremst.
  • Der Pathovar ist im Vergleich zu vielen anderen Pseudomonas-Pathovaren relativ eng an Tomaten angepasst; belastbare Verknüpfungen sollten deshalb nicht auf spekulative Wirtspflanzen ausgeweitet werden.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Pflanzenschutzmittel nur verwenden, wenn sie in Deutschland aktuell für die Kultur Tomate und das konkrete Schadbild beziehungsweise den Erreger rechtlich zugelassen sind. Vor jeder Anwendung das amtliche Pflanzenschutzmittel-Verzeichnis und das aktuelle Etikett prüfen; Aufwandmenge, Anwendungszeitpunkt, Wartezeit, Anwenderschutz und Auflagen strikt einhalten. Keine Behandlung allein aufgrund einer unsicheren Blattfleckendiagnose beginnen. Kupferhaltige Mittel können je nach Zulassung und Einsatzbedingungen begrenzend wirken, beseitigen einen etablierten Befall aber nicht zuverlässig.