BreitmilbeQuelle: Wikimedia CommonsDavid B. LangstonCC BY 3.0 us
Schädling

Breitmilbe

Polyphagotarsonemus latus (Banks)
Kurzüberblick

Breitmilbe – Kurzüberblick

Die Breitmilbe (Polyphagotarsonemus latus) ist eine kaum sichtbare Weichhautmilbe, die vor allem junge Blätter, Triebspitzen, Knospen und Früchte befällt. Typisch sind verkrüppeltes, verdicktes oder bronzefarbenes Wachstum sowie eingerollte Blätter. In Deutschland tritt sie besonders an Gewächshaus-, Zimmer- und Jungpflanzen auf; eine sichere Diagnose erfordert meist eine Lupe oder Laboruntersuchung.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileVor allem junge Blätter, Triebspitzen, Knospen, Blüten und junge Früchte; seltener ältere Blätter oder bereits entwickelte Fruchtbereiche.
Begünstigende BedingungenWarme, feuchte und geschützte Bedingungen, dichter Pflanzenbestand, wenig Luftbewegung sowie eingeschlepptes oder vegetativ vermehrtes Pflanzenmaterial begünstigen den Befall. Gewächshaus- und Innenraumbedingungen sind in Deutschland besonders relevant.
Pflanzendoktor

Überblick

Polyphagotarsonemus latus wird im Deutschen als Breitmilbe oder Gelbe Teemilbe bezeichnet. Die Weibchen sind etwa 0,2 mm lang, blassgelb bis gelbgrün und mit bloßem Auge praktisch nicht sicher erkennbar. Die Tiere sitzen bevorzugt in Triebspitzen, Knospen, eingerollten Blättern und geschützten Fruchtbereichen.

Die Art besitzt ein sehr breites Wirtsspektrum. Besonders problematisch ist sie an Gewächshauskulturen und Jungpflanzen von Paprika, Tomate, Gurke, Kürbisgewächsen, Zitruspflanzen und zahlreichen Zierpflanzen. Das Schadbild kann mit Herbizidschäden, Bor- oder Zinkmangel und physiologischen Wachstumsstörungen verwechselt werden.

Pflanzendoktor

Symptome und Erkennung

  • Junge Blätter bleiben klein, rollen sich ein, verdicken, verhärten oder erscheinen bronzefarben.
  • Triebspitzen und Knospen sind verkrüppelt; der Neuaustrieb kann abbrechen oder absterben.
  • Blüten entwickeln sich unregelmäßig, bleiben deformiert oder öffnen sich nicht normal.
  • An jungen Früchten können Narben, Verkorkungen und später beim Wachstum aufreißende Schalenbereiche entstehen.
  • Das Pflanzenwachstum ist gehemmter; bei frühem Befall können Triebe oder ganze Jungpflanzen stark zurückbleiben.

Die Milben selbst und die charakteristisch punktierten, mit weißen Höckern bedeckten Eier sind meist nur bei mindestens 10- bis 20-facher Vergrößerung zu finden. Für eine belastbare Diagnose sollte junges, noch symptomatisches Gewebe untersucht werden.

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Ursachen und Ausbreitung

Die Schäden entstehen durch das Saugen an jungen Pflanzengeweben und durch phytotoxisch wirkende Speichelstoffe. Der Befall wird häufig mit infizierten Stecklingen, Jungpflanzen oder eingestellten Topfpflanzen eingeschleppt.

  • Verbreitung durch direkten Kontakt benachbarter Pflanzen
  • Verschleppung an Händen, Kleidung, Werkzeugen und Transportkisten
  • Verfrachtung mit Pflanzenmaterial; gelegentlich auch durch andere Gewächshausinsekten wie Weiße Fliegen
  • Überdauerung an befallenen Pflanzen im geschützten Anbau
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Lebenszyklus und Überdauerung

Der Lebenszyklus umfasst Ei, Larve, ruhendes Nymphenstadium und Adulttier. Die Eier werden überwiegend an Blattunterseiten, in Blattfalten, Knospen oder Vertiefungen junger Früchte abgelegt und schlüpfen bei günstigen Bedingungen nach etwa zwei bis drei Tagen.

Die Entwicklung kann temperaturabhängig in ungefähr vier bis zehn Tagen abgeschlossen sein; dadurch sind viele Generationen pro Saison möglich. Männchen tragen ruhende weibliche Nymphen mit den verlängerten Hinterbeinen zu neuen Pflanzenteilen und können so die Ausbreitung fördern. Im deutschen Freiland ist eine dauerhafte Überwinterung meist unwahrscheinlich, im beheizten Gewächshaus oder an Zimmerpflanzen jedoch möglich.

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Behandlung und Bekämpfung

Bei Verdacht sollten befallene Pflanzen zunächst separiert und mit einer Lupe untersucht werden. Da die Milben in Knospen, Blattfalten und deformiertem Gewebe geschützt sitzen können, ist eine Behandlung sichtbarer Blattoberflächen allein oft unzureichend.

  1. Stark befallene Triebspitzen, Knospen und nicht mehr regenerierbare Pflanzen entfernen und sicher entsorgen.
  2. Benachbarte Pflanzen engmaschig kontrollieren; bei bestätigtem Befall die gesamte betroffene Partie bewerten.
  3. Für geeignete Gewächshauskulturen können zugelassene Raubmilben in ein integriertes Programm eingebunden werden.
  4. Kontaktmittel nur mit vollständiger Benetzung der jungen Pflanzenteile und unter Beachtung der Kulturverträglichkeit einsetzen.
  5. Nachkontrollen am Neuaustrieb durchführen, weil das sichtbare Schadbild zeitverzögert erscheinen kann und behandelte Tiere nicht immer sofort auffallen.
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Schonende und biologische Bekämpfung

Im biologischen Pflanzenschutz kommen je nach Kultur und Betriebssystem vor allem geeignete Raubmilben, beispielsweise Arten aus der Gattung Neoseiulus, infrage. Die Nützlinge sollten frühzeitig und nach Beratung durch den Anbieter eingesetzt werden, da sie bei starkem Befall, ungünstigem Klima oder vorheriger Behandlung mit unverträglichen Mitteln unzureichend wirken können.

An Topf- und Jungpflanzen kann eine geprüfte Warmwasserbehandlung in Betracht kommen. Temperaturen von etwa 43 bis 49 °C für ungefähr 15 Minuten werden in Fachquellen beschrieben; die Methode ist jedoch stark kultur-, sorten- und wurzelballenabhängig und muss zuerst an wenigen Pflanzen auf Verträglichkeit geprüft werden. Befallene Pflanzenreste, Hygiene, Isolation sowie insektizidfreie Seifen- oder Ölpräparate sind nur dann sinnvoll, wenn sie für die konkrete Kultur geeignet und entsprechend zugelassen sind.

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Vorbeugung

  • Nur gesundes, rückverfolgbares und möglichst zertifiziertes Vermehrungsmaterial beziehen.
  • Neue Pflanzen mindestens zwei bis drei Wochen getrennt halten und den Neuaustrieb regelmäßig mit einer 10- bis 20-fachen Lupe kontrollieren.
  • Triebspitzen, Blattunterseiten und Knospen gezielt untersuchen; nicht nur nach sichtbaren Milben suchen.
  • Befallene Pflanzen sofort isolieren und stark geschädigte Exemplare samt Pflanzenresten aus dem Bestand entfernen.
  • Werkzeuge, Tische, Kisten und Hände zwischen Partien reinigen; Unkräuter und Pflanzenreste im Gewächshaus beseitigen.
  • Übermäßige Bestandsdichte vermeiden und für angemessene Belüftung sorgen, ohne die Kultur durch Trockenstress zu schwächen.
  • Bei wiederholtem Auftreten Lieferquelle, Pflanzpartien und benachbarte Wirtspflanzen rückverfolgen.
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Wissenswertes

  • Die Breitmilbe ist so klein, dass das Schadbild oft lange vor dem Schaderreger erkannt wird.
  • Ihre Eier besitzen auffällige Reihen weißer Höcker und wirken unter Vergrößerung wie kleine Perlen.
  • Männchen können ruhende weibliche Nymphen tragen und dadurch die Besiedlung neuer Triebspitzen unterstützen.
  • Das Schadbild kann auch Wochen nach dem Fraß sichtbar werden, wenn sich das zuvor geschädigte Gewebe entfaltet.
  • Breitmilben sind keine Insekten, sondern Spinnentiere und gehören zu den Weichhautmilben.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

In Deutschland dürfen ausschließlich Pflanzenschutzmittel verwendet werden, die für die konkrete Kultur und den jeweiligen Schadorganismus in Deutschland zugelassen beziehungsweise anwendbar sind. Zulassung, Anwendungsgebiet, Aufwandmenge, Wartezeit, Anwendungsbestimmungen und mögliche Auswirkungen auf Raubmilben sind vor jeder Anwendung in der aktuellen amtlichen Zulassungsdatenbank und auf dem gültigen Etikett zu prüfen. Die aktuelle Produktkennzeichnung ist verbindlich; keine Anwendung außerhalb der dort genannten Kultur- und Schadenssituation.