Gelbe StachelbeerblattwespeQuelle: Wikimedia CommonsJonny VatneCC BY-SA 3.0
Schädling

Gelbe Stachelbeerblattwespe

Nematus ribesii (Scopoli, 1763)
Kurzüberblick

Gelbe Stachelbeerblattwespe – Kurzüberblick

Die Gelbe Stachelbeerblattwespe ist ein bedeutender Blattfraßschädling an Stachelbeeren sowie an roten und weißen Johannisbeeren. Ihre grün-gelblichen, schwarz gezeichneten Afterraupen beginnen oft unbemerkt im Inneren des Strauchs zu fressen. Aus kleinen Löchern kann innerhalb weniger Tage Skelettier- oder Kahlfraß werden. Frühzeitiges Absammeln und regelmäßige Kontrollen sind im Hausgarten meist besonders wirksam.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileBlätter und Blattstiele; bei starkem Befall indirekt Fruchtentwicklung und Ausreife.
Begünstigende BedingungenDichte, wenig kontrollierte Ribes-Sträucher und warme Vegetationsperioden mit mehreren Generationen begünstigen eine schnelle Befallszunahme; entscheidend ist das Vorhandensein geeigneter Wirtspflanzen.
Pflanzendoktor

Überblick

Nematus ribesii, im Deutschen Gelbe Stachelbeerblattwespe oder Stachelbeerblattwespe, gehört zu den Echten Blattwespen. Der eigentliche Schaden entsteht durch die raupenähnlichen Larven, nicht durch die erwachsenen Wespen. In Deutschland ist die Art besonders an Stachelbeeren bedeutsam, kann aber auch rote und weiße Johannisbeeren befallen.

Der Befall beginnt häufig im geschützten Inneren und unteren Bereich des Strauchs und wird deshalb spät bemerkt. Bei starkem Fraß können Blätter vollständig verloren gehen; dadurch bleiben Früchte kleiner oder reifen unvollständig aus.

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Symptome und Erkennung

Frühe Larven schaben zunächst an der Blattunterseite und erzeugen schrotschussartige, durchscheinende Löcher. Danach erweitern sich die Fraßstellen zu Loch- und Randfraß. Größere Larven fressen oft nur die Blattadern und den Blattstiel stehen; bei Kahlfraß wirken die Triebe plötzlich nahezu blattlos.

  • grün- bis gelbgrüne, etwa bis 2 cm große Afterraupen
  • schwarzer Kopf und schwarze, beborstete Warzen beziehungsweise Punkte
  • anfangs häufig mehrere Larven gemeinsam an einem Blatt
  • Fraß breitet sich vom Buschinneren nach außen aus
  • bei starkem Befall kleinere Früchte und verzögerte Ausreife möglich

Die Larven sind von echten Schmetterlingsraupen durch die Zahl der Bauchfüße zu unterscheiden: Blattwespenlarven besitzen typischerweise mehr als fünf Bauchfußpaare.

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Ursachen und Ausbreitung

Verursacht wird der Schaden durch den Blattfraß der Larven von Nematus ribesii. Die Weibchen legen ihre Eier direkt an geeignete Ribes-Blätter; nach dem Schlupf können sich die Larven innerhalb des Strauchs schnell ausbreiten. Mehrere Generationen im selben Jahr verstärken den Befall. Die Verpuppung im Boden unter der Wirtspflanze ermöglicht den Fortbestand am Standort.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Die erwachsenen Weibchen erscheinen in Deutschland meist ab Ende April bis Mai und legen die hellen Eier in Reihen entlang der Blattmittelrippen auf der Blattunterseite ab. Temperaturabhängig schlüpfen die Larven nach etwa 5 bis 14 Tagen. Sie fressen zunächst gesellig und später meist einzeln oder zu zweit.

Nach der Larvenentwicklung lassen sie sich in den Boden unter der Wirtspflanze fallen und spinnen dort einen Kokon. Je nach Witterung und Standort sind während der Vegetationszeit etwa drei bis vier Generationen möglich; die Larven der letzten Generation überwintern im Boden. Die Überwinterung erfolgt daher nicht primär an den Blättern.

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Behandlung und Bekämpfung

Bei wenigen Larven genügt meist das tägliche oder zumindest mehrmals wöchentliche Absammeln. Früh entdeckte Larvengruppen können mitsamt dem betroffenen Blatt entfernt werden. Bei stärkerem Befall sind wiederholte Kontrollen erforderlich, weil nach kurzer Zeit weitere Larven schlüpfen können.

Nach starkem Fraß sollte der Strauch ausreichend mit Wasser versorgt, aber nicht mit einer übermäßigen Stickstoffgabe zu weichem Neuaustrieb angeregt werden. Stark geschädigte Pflanzen treiben in der Regel wieder aus; die Fruchtentwicklung kann in der laufenden Saison dennoch beeinträchtigt sein. Chemische Maßnahmen kommen nur nach sicherer Diagnose und unter Beachtung der aktuellen deutschen Zulassung infrage.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Im Haus- und Kleingarten ist eine frühe, nichtchemische Bekämpfung meist ausreichend:

  • Stachelbeer- und Johannisbeersträucher ab dem Austrieb regelmäßig kontrollieren, besonders die Blattunterseiten und das Buschinnere.
  • Larven von Hand abstreifen oder absammeln und in einem geschlossenen Gefäß entsorgen; bei frühem Nestbefall einzelne stark besetzte Triebe abschneiden.
  • Die Larven nicht unter dem Strauch fallen lassen, da sie sich dort zur Verpuppung in den Boden zurückziehen können.
  • Ein kräftiger Wasserstrahl kann Larven von den Blättern lösen; anschließend sollten sie vom Boden entfernt werden.
  • Nützlinge wie Laufkäfer, Spinnen, Vögel und parasitische Insekten durch vielfältige, möglichst pestizidarme Gartenstrukturen fördern.

Pflanzenjauchen, Gesteinsmehl oder Pflanzenstärkungsmittel sind keine zuverlässig belegte Maßnahme gegen einen starken Befall und sollten nicht als Ersatz für Kontrolle und Absammeln betrachtet werden.

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Vorbeugung

Eine vollständig wirksame kulturtechnische Vorbeugung gibt es nicht. Der Befallsdruck lässt sich jedoch durch konsequente Überwachung senken:

  • ab Ende April bis in den August regelmäßig Blätter von Stachel- und Johannisbeeren kontrollieren
  • bei der Kontrolle zuerst die inneren und unteren Blätter sowie die Blattunterseiten prüfen
  • Sträucher durch sachgerechten Auslichtungsschnitt übersichtlich halten, ohne die Pflanzen unnötig zu schwächen
  • stickstoffbetonte Überdüngung vermeiden und für eine ausgewogene Versorgung sorgen
  • befallene Triebe und abgesammelte Larven nicht auf dem Kompost oder unter der Wirtspflanze belassen
  • bei Neupflanzungen möglichst weniger anfällige Sorten wählen, sofern verlässliche regionale Sorteninformationen vorliegen
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Wissenswertes

  • Die Larven sehen Raupen ähnlich, gehören aber zu den Blattwespen und nicht zu den Schmetterlingen.
  • Der Fraß beginnt oft im Inneren des Busches, wo die Tiere zunächst schwer zu entdecken sind.
  • Im Frühjahr treten die Larven häufig nesterweise auf; dadurch kann Absammeln besonders effektiv sein.
  • Die Art ist in Deutschland weit verbreitet und wird vor allem an Stachelbeeren als gefährlicher Schädling eingestuft.
  • Ein vollständiger Blattverlust wird von gesunden Sträuchern oft überstanden, kann aber die Fruchtentwicklung und die Pflanzenreserven beeinträchtigen.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Pflanzenschutzmittel nur verwenden, wenn sie in Deutschland aktuell für die betreffende Kultur und diesen Schaderreger zugelassen sind. Ausschließlich nach der gegenwärtigen Produktzulassung und Gebrauchsanweisung anwenden; Wartezeiten, Auflagen zum Bienenschutz und Abstände zu Gewässern strikt einhalten. Eine vorbeugende Standardbehandlung wird nicht empfohlen.