
Schwarze Wurzelfäule (Berkeleyomyces basicola)
Berkeleyomyces basicolaSchwarze Wurzelfäule (Berkeleyomyces basicola) – Kurzüberblick
Berkeleyomyces basicola ist ein bodenbürtiger Pilz und Erreger der schwarzen Wurzelfäule, früher meist unter dem Namen Thielaviopsis basicola geführt. Befallene Wurzeln verfärben sich von rotbraun zu schwarz; oberirdisch folgen Kümmerwuchs, Vergilbung und Welke. Die Diagnose ist wegen ähnlicher Symptome anderer Wurzelfäulen oder Nährstoffmängel nur durch eine genaue Wurzel- und gegebenenfalls Laboruntersuchung sicher.
Typische Bedingungen
Überblick
Berkeleyomyces basicola verursacht die schwarze Wurzelfäule, regional auch Wurzelbräune oder Schwarzbeinigkeit genannt. Der Erreger befällt vor allem unterirdische Gewebe und kann zusätzlich das Hypokotyl, den Wurzelhals oder bei einzelnen Wirtspflanzen Sprosse schädigen. Oberirdische Symptome entstehen meist durch den Verlust funktionsfähiger Wurzeln und sind daher nicht spezifisch.
Die Krankheit tritt an zahlreichen Zierpflanzen sowie an verschiedenen Gemüse-, Feld- und Baumschulkulturen auf. Besonders relevant ist sie bei Viola und Stiefmütterchen, Petunien, Vinca, Calibrachoa, Begonien, Pelargonien, Weihnachtssternen und weiteren Gewächshauskulturen. Eine sichere Artbestimmung erfordert bei wichtigen Beständen eine Laboruntersuchung, da auch andere Wurzelfäuleerreger ähnliche Schäden verursachen.
Symptome und Erkennung
An den Wurzeln beginnen die Läsionen häufig als längliche rotbraune Verfärbungen. Im weiteren Verlauf werden die Gewebe dunkelbraun bis schwarz; bei starkem Befall kann das gesamte Wurzelsystem schwarz erscheinen. Feinwurzeln fehlen oder lösen sich leicht ab. Bei Sämlingen können Wurzelhals und Hypokotyl eingeschnürt oder dunkel verfärbt sein.
Oberirdisch zeigen Pflanzen Kümmerwuchs, blassgrüne bis gelbe Blätter, Blattfall, Welke und bei starkem Befall das Absterben. Die Symptome können einem Stickstoff- oder Eisenmangel, Staunässe, Salzschäden sowie Pythium-, Phytophthora- oder Rhizoctonia-Wurzelfäulen ähneln. Typische dunkle Dauerstrukturen des Erregers sind mit bloßem Auge nicht zuverlässig zu erkennen.
Ursachen und Ausbreitung
Hauptquelle sind infizierte Wurzeln und mit Dauerstrukturen belastete Erde oder Substrate. Der Erreger wird außerdem über wiederverwendete Töpfe, Kisten, Werkzeuge, Schuhe, Gewächshausbänke und Arbeitsflächen verschleppt. Bewässerungs- und Spritzwasser können Sporen oder kontaminierte Partikel zwischen Gefäßen verteilen. Wurzelkontakt, Verletzungen, hohe Bodenfeuchte und geschwächte Pflanzen erleichtern die Infektion.
Trauermücken und Uferfliegen können in Gewächshausbeständen zur mechanischen Verschleppung beitragen, ersetzen aber nicht die Bedeutung von Substrat-, Wasser- und Hygienemanagement. Eine weite Fruchtfolge allein ist bei langlebigen Dauerstrukturen nicht immer ausreichend.
Lebenszyklus und Überdauerung
Der Pilz bildet hyaline Endokonidien sowie dunkel pigmentierte Aleuriosporen beziehungsweise Chlamydosporen. Letztere sind widerstandsfähige Dauerstrukturen und können in Erde, Pflanzenresten, Töpfen, Werkzeugen, Bänken und Gewächshausflächen überdauern. Ihre Keimung wird durch Wurzelausscheidungen und geeignete Feuchte angeregt.
Nach der Keimung dringt der Erreger in junge oder gestresste Wurzeln ein, breitet sich im Rindengewebe aus und bildet neue Sporen. Verschmutztes Wasser, Spritzwasser, Erde, infizierte Jungpflanzen, Arbeitsgeräte und wiederverwendete Behälter fördern die Verschleppung. Eine symptomarme Infektion einzelner Pflanzen ist möglich.
Behandlung und Bekämpfung
Bereits stark geschädigte Pflanzen lassen sich meist nicht zuverlässig retten. Sie sollten mit dem umgebenden Substrat entfernt und entsorgt werden. Bei wertvollen Einzelpflanzen kann man die Wurzeln vorsichtig kontrollieren, faules Gewebe entfernen und in frisches, sauberes, gut drainierendes Substrat umtopfen; das ist nur bei begrenztem Befall und ausreichender Restwurzelmasse sinnvoll.
Bewässerung an den tatsächlichen Bedarf anpassen, Staunässe beseitigen und die Kultur nicht zusätzlich durch Überdüngung oder Wurzelschäden belasten. In professionellen Beständen sind getrennte Partien, diagnostische Proben und eine Sanierung kontaminierter Flächen wichtiger als eine nachträgliche Spritzbehandlung. Wegen der bodenbürtigen Lebensweise ist eine Blattbehandlung in der Regel kein verlässlicher Lösungsweg.
Schonende und biologische Bekämpfung
Im Hausgarten und im ökologisch orientierten Anbau steht die Vorbeugung im Mittelpunkt. Befallene Pflanzen samt möglichst viel anhaftendem Substrat entfernen und nicht kompostieren, wenn eine sichere hygienische Heißkompostierung nicht gewährleistet ist. Töpfe, Werkzeuge, Tische und Mehrwegplatten gründlich von Erde reinigen und anschließend nach Herstellerangabe desinfizieren.
- Nur gesundes, zertifiziertes oder vertrauenswürdig erzeugtes Pflanzgut verwenden.
- Neues, sauberes und gut drainierendes Substrat einsetzen; altes Topfsubstrat nicht wiederverwenden.
- Staunässe vermeiden und zwischen den Bewässerungen die obere Substratschicht angemessen abtrocknen lassen.
- Erde nicht von befallenen zu gesunden Beeten oder Töpfen verschleppen.
- Im Gewächshaus Unkraut, Pflanzenreste und Altwurzeln vollständig entfernen.
- Biologische Präparate nur verwenden, wenn sie in Deutschland für die konkrete Kultur und Anwendung zugelassen beziehungsweise rechtlich verkehrsfähig sind; ihre Wirkung ist kultur- und situationsabhängig.
Vorbeugung
In Deutschland ist die wichtigste Strategie die Vermeidung einer Einschleppung in Gewächshaus, Baumschule und Beet. Anzucht- und Topfsubstrate, Behälter und Bewässerungssysteme sollten sauber sein; Mehrwegmaterial muss vor jeder Kultur gründlich gereinigt und desinfiziert werden. Pflanzenbestände regelmäßig kontrollieren und verdächtige Wurzeln frühzeitig untersuchen.
- Empfindliche Kulturen nicht in bereits belastete Erde setzen.
- Wasserabzug, Gefäßdrainage und luftige Kulturführung verbessern.
- Überwässerung, verdichtete Substrate und lange Blattnässe vermeiden.
- Werkzeuge und Hände zwischen Partien reinigen; zuerst gesunde, zuletzt verdächtige Bestände bearbeiten.
- Befallene Pflanzen und Wurzelreste vollständig aus dem Kulturraum entfernen.
- Bei wiederholtem Auftreten eine Fruchtfolge oder Kulturpause mit nicht empfänglichen Pflanzen prüfen und die Diagnose fachlich bestätigen lassen.
Wissenswertes
- Der heute bevorzugte Name Berkeleyomyces basicola ersetzt in vielen neueren Quellen den früheren Namen Thielaviopsis basicola.
- Die frühere Sammelauffassung wurde in mindestens zwei kryptische Arten aufgeteilt; dadurch müssen ältere Wirtsangaben vorsichtig interpretiert werden.
- Die Krankheit ist nicht auf Zierpflanzen beschränkt und wurde unter anderem an Tabak, Bohne, Karotte, Süßkartoffel, Lisianthus und Himbeere dokumentiert.
- Schwarze Wurzeln allein beweisen den Erreger nicht, weil auch andere Bodenpathogene und Sauerstoffmangel ähnliche Verfärbungen verursachen können.
In Deutschland dürfen ausschließlich Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, die für die betreffende Kultur und das konkrete Problem aktuell zugelassen sind. Vor jeder Anwendung die aktuelle BVL-Zulassungsdatenbank und das vollständige Etikett prüfen; Aufwandmenge, Anwendungszeitpunkt, Wartezeit, Auflagen und Anwenderschutz strikt einhalten. Für Haus- und Kleingärten ist eine pauschale Fungizidempfehlung ohne kulturbezogene Zulassung nicht vertretbar.