ApfelblütenstecherQuelle: Wikimedia CommonsSanja565658CC BY-SA 3.0
Schädling

Apfelblütenstecher

Anthonomus pomorum
Kurzüberblick

Apfelblütenstecher – Kurzüberblick

Der Apfelblütenstecher (Anthonomus pomorum) ist ein kleiner Rüsselkäfer, dessen Larven sich in Apfelblütenknospen entwickeln. Befallene Knospen bleiben im Ballonstadium geschlossen, verfärben sich rötlich braun und vertrocknen. Meist verursacht der Schädling nur eine natürliche Ausdünnung; bei starkem Befall, schwachem Blütenansatz oder kühler Blüte können jedoch deutliche Ertragseinbußen entstehen.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileVor allem Blütenknospen und Blüten von Apfelbäumen; bei starkem Befall auch junge Blätter und gelegentlich junge Früchte im Kelchbereich.
Begünstigende BedingungenHohe Käferdichte, Apfelbestände in Waldnähe, schwacher Blütenansatz und kühle Witterung während der Blüte erhöhen das Risiko wirtschaftlicher Schäden.
Pflanzendoktor

Überblick

Der Apfelblütenstecher (Anthonomus pomorum) befällt vor allem Apfelbäume (Malus). Die etwa 3,5–6 mm langen Käfer sind braun bis schwarzbraun, behaart und tragen eine helle, oft V-förmige Zeichnung auf den Flügeldecken. Der wichtigste Schaden entsteht nicht durch den erwachsenen Käfer, sondern durch die Larve in der Blütenknospe.

Einzelne befallene Knospen führen meist zu einer unproblematischen natürlichen Fruchtausdünnung. Kritisch wird der Befall bei geringem Blütenansatz, kühler Witterung während der Blüte oder sehr hoher Käferdichte. Besonders gefährdet können Apfelanlagen in Waldnähe sein.

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Symptome und Erkennung

Frühe Fraß- und Einstichstellen an den noch geschlossenen Apfelknospen können von austretendem Zellsaft begleitet sein. Später bleiben befallene Blüten kuppelförmig im Ballonstadium stehen; die Blütenblätter verfärben sich rötlich braun, vertrocknen und bleiben oft bis in den Frühsommer am Baum.

  • Im Inneren findet sich zunächst eine beinlose, gelblich-weiße Larve mit dunkler Kopfkapsel.
  • Danach kann dort eine hellgelbe Puppe mit erkennbaren Käferumrissen liegen.
  • Bei starkem Befall treten zusätzlich Fraßstellen an jungen Blättern oder Einstiche und Einbuchtungen im Kelchbereich junger Früchte auf.

Das Schadbild kann mit Frostschäden verwechselt werden. Für die Diagnose sollten mehrere geschlossene, vertrocknete Blüten geöffnet und auf Larven oder Puppen untersucht werden.

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Ursachen und Ausbreitung

Die erwachsenen Käfer führen im Frühjahr zunächst einen Reifungsfraß an den Knospen durch. Zur Eiablage bohrt das Weibchen die Knospe an und legt ein Ei hinein. Die Larve entwickelt sich geschützt im Blüteninneren und zerstört Staubblätter, Griffel und weitere Blütenteile.

Nach der Blüte verlassen die Jungkäfer die Knospen, fressen vorübergehend an Blättern und suchen anschließend Überwinterungsplätze auf. Die Ausbreitung erfolgt vor allem durch zufliegende oder aus der unmittelbaren Umgebung einwandernde Käfer. Waldnahe Lagen sowie eine langsam verlaufende, kühle Blüte können den Befall begünstigen.

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Lebenszyklus und Überdauerung

In Deutschland tritt gewöhnlich eine Generation pro Jahr auf. Die Käfer überwintern in Rindenritzen, im Boden oder in geschützten Bereichen nahe der Obstbäume. Bei ansteigenden Temperaturen im zeitigen Frühjahr werden sie aktiv und wandern zu den Apfelbäumen.

  1. Frühjahrsaktivität und Reifungsfraß an geschwollenen Knospen
  2. Eiablage in einzelne Blütenknospen kurz vor dem Aufbrechen
  3. Larvenentwicklung im Blüteninneren während des Ballon- und Blühstadiums
  4. Verpuppung in der Knospe
  5. Schlupf der Jungkäfer nach der Blüte, anschließender Blattfraß und Überwinterung
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Behandlung und Bekämpfung

Im Haus- und Kleingarten steht die Überwachung im Vordergrund. Bei geringem Befall genügt meist das Entfernen einzelner befallener Knospen, da der Schädling häufig nur eine begrenzte Ausdünnung verursacht.

Bei wiederholt starkem Befall sollten Maßnahmen sehr früh ansetzen, bevor die Weibchen ihre Eier in die Knospen legen. In Erwerbsanlagen kann eine gezielte Behandlung der besonders gefährdeten, beispielsweise waldrandnahen Teilbereiche die Nützlingsbelastung verringern. Der genaue Termin richtet sich nach Käferaktivität, Knospenentwicklung und regionalem Warndienst.

Während der Blüte sind Bestäuber besonders zu schützen. Nicht in offene Blüten spritzen und jede Maßnahme nur nach einer aktuellen, kultur- und schaderregerspezifischen Beratung durchführen.

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Schonende und biologische Bekämpfung

  • Erwachsene Käfer mit Klopfproben überwachen und bei niedriger Befallsstärke mechanisch ablesen oder absammeln.
  • Befallene Blütenknospen frühzeitig ausbrechen und sicher entsorgen.
  • Meisen und andere insektivore Singvögel durch geeignete Nistmöglichkeiten fördern.
  • Die parasitische Schlupfwespe Scambus pomorum und weitere natürliche Gegenspieler durch einen möglichst nützlingsschonenden, vielfältigen Garten fördern.
  • Teilflächen- und Randbehandlungen sind, sofern rechtlich und fachlich angezeigt, einer pauschalen Behandlung der gesamten Anlage vorzuziehen.

Im ökologischen Anbau werden je nach Zulassung und Kultur unter anderem Präparate auf Basis von Pyrethrinen oder Rapsöl genannt. Ihre Wirksamkeit hängt stark vom exakten Termin und den Anwendungsbedingungen ab; die aktuelle deutsche Zulassung ist vor jeder Anwendung zu prüfen.

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Vorbeugung

  • Apfelbäume regelmäßig ab dem Knospenschwellen kontrollieren und gefährdete Randbereiche besonders beobachten.
  • Bei warmer, trockener Witterung eine Klopfprobe durchführen: ein Tuch oder eine Schale unter einen Ast halten und den Ast kräftig abklopfen.
  • Einzelne eindeutig befallene, vertrocknete Blüten vorsichtig ausbrechen und über den Hausmüll entsorgen; nicht auf dem Kompost belassen.
  • Winterliche Stammpflege und das Beseitigen loser Rindenpartien können Überwinterungsverstecke reduzieren, ersetzen aber keine Befallskontrolle.
  • Blütenreiche, naturnahe Strukturen und Nistkästen für Meisen fördern allgemeine Gegenspieler. Eine ausgewogene Kronenpflege unterstützt zudem einen ausreichenden Blütenansatz.

Als Richtwerte werden je nach Beratungssystem etwa 10–15 Fraßstellen je 100 Knospen oder 20–30 Käfer je 100 Klopfschläge genannt. Diese Schwellen müssen mit Blütenansatz, Baumalter, Sorte und regionaler Beratung eingeordnet werden.

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Wissenswertes

  • Der Apfelblütenstecher ist kein Krankheitserreger, sondern ein Rüsselkäfer; die Larve entwickelt sich vollständig geschützt in der Blütenknospe.
  • Die charakteristische V-Zeichnung auf den Flügeldecken unterstützt die Bestimmung, ist aber nicht bei jedem Tier gleich deutlich.
  • Ein gewisser Befall kann eine natürliche Fruchtausdünnung bewirken und muss nicht automatisch bekämpft werden.
  • Bei geringem Blütenansatz können dieselben Knospenschäden jedoch einen überproportionalen Ertragsverlust verursachen.
  • Der Apfelblütenstecher ist überwiegend an Malus gebunden; Angaben zu gelegentlichen weiteren Kernobstwirten sind regional und taxonomisch nicht immer einheitlich belegt.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Verwenden Sie ausschließlich Pflanzenschutzmittel, die in Deutschland aktuell für die konkrete Kultur und den Apfelblütenstecher zugelassen sind. Zulassungen, Anwendungsgebiete, Auflagen, Bienenschutz, Abstände und Abverkaufs- oder Aufbrauchfristen können sich ändern. Maßgeblich ist stets das aktuelle amtliche Pflanzenschutzmittelverzeichnis sowie das aktuelle Etikett. Die Gebrauchsanweisung ist vollständig einzuhalten; während der Blüte und bei Bienenflug gelten besondere Vorsichtsmaßnahmen.