Kleine Kohlfliege
Delia radicumKleine Kohlfliege – Kurzüberblick
Die Kleine Kohlfliege (Delia radicum) ist ein wichtiger Bodenschädling an Kohlgewächsen sowie Radieschen und verwandten Kulturen. Ihre weißen, beinlosen Larven fressen an Wurzeln und Wurzelhals, wodurch Jungpflanzen welken, kümmern oder absterben. Bei Rettich und Radieschen entstehen Fraßgänge in der Rübe. Schutznetze, Kohlkragen, Hygiene und ein integriertes Vorgehen sind im deutschen Gartenbau besonders wichtig.
Typische Bedingungen
Überblick
Die Kleine Kohlfliege ist eine graue, etwa 5–7 mm große Fliege aus der Familie Anthomyiidae. Die erwachsenen Weibchen legen ihre länglichen, weißen Eier in Bodenspalten nahe dem Wurzelhals geeigneter Kreuzblütler. Nach dem Schlupf wandern die Larven in den Wurzelbereich ein und fressen an Feinwurzeln sowie an der Hauptwurzel.
Besonders gefährdet sind frisch gepflanzte oder aufgelaufene Kohlbestände. Bei Kopfkohl, Brokkoli, Blumenkohl und Rosenkohl zeigt sich der Befall vor allem durch Welke und Wachstumsstockungen. Bei Radieschen und Rettich wird die Speicherwurzel direkt durch Fraßgänge entwertet. Ähnliche Fliegenarten können äußerlich nur schwer unterschieden werden; die Diagnose sollte deshalb über Wirtspflanze, Schadbild und Larven im Wurzelbereich abgesichert werden.
Symptome und Erkennung
- Welke, schlaffe oder bläulich-graue Blätter trotz ausreichender Bodenfeuchte
- Verlangsamtes Wachstum, Kümmerwuchs und bei Jungpflanzen Absterben
- Weißliche, beinlose Larven bis ungefähr 1 cm Länge im Wurzelbereich
- Fraßgänge, Rindenverletzungen und braune Fäulnisstellen an Wurzeln
- Bei Radieschen und Rettich sichtbare Tunnel und Fraßstellen in der Speicherwurzel
- Bei stärkerem Schaden erhöhte Anfälligkeit für sekundäre Fäulniserreger
Ursachen und Ausbreitung
Der Befall beginnt meist mit der Eiablage erwachsener Weibchen im Boden direkt am Stängelgrund. Gefördert wird die Ausbreitung durch ungeschützte Kohlpflanzen, benachbarte Kreuzblütler, Erntereste mit Puppen sowie wiederholten Anbau derselben Wirtspflanzen auf engem Raum. Die erwachsenen Fliegen können aus benachbarten Beständen einwandern; Fruchtfolge allein verhindert den Befall daher nicht zuverlässig.
Feuchte, kühle Bedingungen begünstigen insbesondere das Überleben von Eiern und jungen Larven. Verletzte oder durch Staunässe geschwächte Wurzeln können außerdem leichter von sekundären Fäulniserregern besiedelt werden.
Lebenszyklus und Überdauerung
Die Art überwintert überwiegend als tonnenförmige Puppe im Boden, meist in der Nähe früher befallener Wurzeln. In Deutschland beginnt der erste Flug gewöhnlich im Frühjahr; der genaue Zeitpunkt hängt von Witterung, Region und Bodenentwicklung ab. Weibchen suchen geeignete Kreuzblütler auf und legen die Eier in unmittelbarer Nähe des Stängelgrundes ab.
Die Larven schlüpfen nach kurzer Entwicklungszeit, dringen in den Wurzelbereich ein und durchlaufen mehrere Larvenstadien. Anschließend verlassen sie die Wurzel und verpuppen sich im Boden. Je nach Jahreswitterung können mehrere Generationen auftreten; eine weitere Aktivitäts- und Schadensphase ist häufig im Spätsommer möglich. Die Flug- und Eiablagezeiten sind regional nicht starr und sollten im Bestand beobachtet werden.
Behandlung und Bekämpfung
Bei ersten Welkeerscheinungen die Pflanzen vorsichtig ausheben und Wurzeln sowie Wurzelhals auf weiße Larven, Fraßgänge und Fäulnis prüfen. Stark geschädigte Jungpflanzen werden in der Regel entfernt. Bei noch vitalen Pflanzen kann eine konsequente Abdeckung den weiteren Eiablagebefall begrenzen; bereits zerstörtes Wurzelgewebe regeneriert sich jedoch nicht.
Bei Rettich und Radieschen ist eine Behandlung nach dem Eindringen der Larven in die Speicherwurzel meist wenig wirksam. Befallene Ware sollte aussortiert werden. Für Erwerbsbetriebe sind regionale Warndienste, Bestandskontrollen und zugelassene integrierte Verfahren maßgeblich. Chemische Maßnahmen dürfen nur nach aktueller deutscher Zulassung und Etikett erfolgen; eine pauschale Spritzfolge ist nicht empfehlenswert.
Schonende und biologische Bekämpfung
Im Haus- und Kleingarten ist ein feinmaschiges Kulturschutznetz die wichtigste nichtchemische Maßnahme. Es muss unmittelbar nach Aussaat oder Pflanzung aufgelegt, an allen Rändern dicht am Boden befestigt und bis zum Ende der gefährdeten Kulturphase geschlossen gehalten werden. Das Netz darf nicht bereits befallene Pflanzen samt Fliegen einschließen.
- Kohlkragen aus geeignetem Karton, Vliesmaterial oder einer stabilen, eng anliegenden Scheibe um den Wurzelhals legen; sie erschweren die Eiablage im Boden.
- Befallene Jungpflanzen samt möglichst vielen Wurzelresten entfernen und nicht auf dem Beet liegen lassen.
- Nach der Ernte Kohlstrünke, Wurzeln und nicht benötigte Kreuzblütler sorgfältig beseitigen.
- Natürliche Gegenspieler durch vielfältige, blütenreiche Randstrukturen und eine schonende Bodenpflege fördern.
- Biologische Präparate oder Nützlinge nur einsetzen, wenn sie für die konkrete Kultur, Anwendung und das deutsche Anwendungsgebiet nachweislich geeignet und verfügbar sind.
Vorbeugung
- Junge Kohl-, Rettich- und Radieschenbestände unmittelbar nach Aussaat oder Pflanzung mit einem dicht schließenden Kulturschutznetz abdecken.
- Netzränder vollständig abdichten; bei Pflegearbeiten nur kurz öffnen und anschließend wieder verschließen.
- Kohlkragen direkt bei der Pflanzung anbringen, sodass keine offene Bodenfuge am Stängelgrund bleibt.
- Alle befallenen Pflanzen und Wurzelreste entfernen; Ernterückstände nicht oberflächlich liegen lassen.
- Kreuzblütige Unkräuter und Ausfallpflanzen im Bestand und in unmittelbarer Umgebung beseitigen.
- Wirtspflanzen räumlich und zeitlich entzerren. Eine weite Fruchtfolge reduziert den lokalen Puppenvorrat, ersetzt wegen der Flugfähigkeit der Fliegen aber keine Abdeckung.
- Jungpflanzen kräftig und ohne Staunässe kultivieren, damit sie Fraß teilweise kompensieren können.
Wissenswertes
- Die erwachsenen Fliegen ähneln mehreren anderen kleinen grauen Anthomyiiden; eine Bestimmung nur nach einem flüchtigen Blick ist unsicher.
- Die Weibchen orientieren sich unter anderem an flüchtigen Senfö闔öl-Verbindungen, die von Kreuzblütlern abgegeben werden.
- Die Larven sitzen oft verborgen an oder in der Wurzel, weshalb ein oberirdisch zunächst unauffälliger Befall möglich ist.
- Bei Rettich und Radieschen kann bereits geringer Innenfraß die Vermarktungsqualität deutlich beeinträchtigen.
- Zu den natürlichen Gegenspielern gehören räuberische Kurzflügelkäfer, insbesondere Arten der Gattung Aleochara, sowie parasitoide Schlupfwespen.
Pflanzenschutzmittel nur verwenden, wenn sie in Deutschland aktuell für die betreffende Kultur und den betreffenden Schaderreger zugelassen sind. Ausschließlich nach dem aktuellen amtlichen Etikett anwenden; Kultur, Aufwandmenge, Anwendungszeitpunkt, Wartezeit, Auflagen und bienenschutzrelevante Vorgaben beachten. Im Haus- und Kleingarten sind vorbeugende Barrieren und Kulturmaßnahmen meist die tragenden Maßnahmen.
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