RotpustelkrankheitQuelle: Wikimedia CommonsWikimedia Commons közreműködőCC BY-SA 3.0
Krankheit

Rotpustelkrankheit

Nectria cinnabarina
Kurzüberblick

Rotpustelkrankheit – Kurzüberblick

Die Rotpustelkrankheit wird durch den Schwächeparasiten Nectria cinnabarina verursacht. Typisch sind eingesunkene, abgestorbene Rindenbereiche an Zweigen und Ästen sowie auffällige zinnoberrote bis orange Fruchtkörper. Betroffen sind vor allem geschwächte oder verletzte Laubgehölze. Häufig bleibt der Befall begrenzt, kann einzelne Triebe jedoch zum Absterben bringen.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileRinde, junge Zweige, Äste, Kurztriebe, Fruchtsporen und gelegentlich verletzte Fruchtstiele.
Begünstigende BedingungenGeschwächte oder trockenestresste Gehölze, Rindenverletzungen, falscher Schnitt, Frost- und Hagelschäden, feuchte Witterung sowie liegen gebliebenes befallenes Totholz.
Pflanzendoktor

Überblick

Die Rotpustelkrankheit, auch Zinnoberroter Pustelpilz genannt, tritt überwiegend an Laubgehölzen und Obstgehölzen auf. Der Pilz besiedelt bevorzugt bereits geschädigtes, abgestorbenes oder durch Trockenheit, Frost, Schnittfehler, Transplantationsstress oder andere Krankheiten geschwächtes Holz.

Typisch sind kleine, leuchtend rote bis orange Fruchtkörperpolster, die aus der Rinde hervorbrechen. Ihr Auftreten allein beweist jedoch nicht immer eine aktive Primärinfektion, da Nectria cinnabarina häufig auch totes Holz saprob abbaut.

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Symptome und Erkennung

Am betroffenen Zweig oder Ast entstehen zunächst eingesunkene, dunkelbraune bis graubraune Rindenbereiche. Die Nekrosen können sich ringförmig ausweiten und den Trieb abschnüren; oberhalb davon welken Blätter und Zweige und sterben ab.

  • zinnoberrote, orange-rote oder rosafarbene, punktförmige bis polsterartige Fruchtkörper auf der Rinde
  • rissige, eingesunkene Rindenpartien und abgestorbene Kurztriebe
  • häufig erst im Spätwinter oder Frühjahr deutlich sichtbares Triebsterben
  • bei Obstgehölzen gelegentlich Befall von Fruchtsporen, Fruchtspießen oder Ernteverletzungen

Die roten Pusteln können mit anderen Nectria- oder Neonectria-Arten verwechselt werden. Für eine sichere Bestimmung sind Wirt, Lage des Befalls und gegebenenfalls eine Laboruntersuchung einzubeziehen.

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Ursachen und Ausbreitung

Infektionen erfolgen meist über Schnittstellen, Rindenrisse, Frostschäden, Hagel, Scheuerstellen oder bereits abgestorbenes Gewebe. Der Pilz bildet asexuelle Sporen in Sporodochien sowie sexuelle Fruchtkörper in älteren Befallsstellen. Sporen werden durch Regen, Spritzwasser und teilweise Wind auf neue Wunden oder geschwächte Gewebepartien übertragen.

Besonders riskant sind feuchte Witterungsphasen im Frühjahr und Herbst, Schnittarbeiten bei nasser Witterung sowie schlecht verheilte Verletzungen. In dicht bepflanzten Beständen kann infiziertes Totholz als dauerhafte Inokulumquelle wirken.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Nectria cinnabarina kann als Myzel in befallenem Holz, in Sporodochien und in Fruchtkörpern an abgestorbenen Zweigen überdauern. Im späten Winter und Frühjahr können sich Perithecien entwickeln; bei Reife werden Ascosporen freigesetzt und durch Niederschlag oder Luftbewegung verbreitet.

Vom Spätsommer bis Herbst entstehen häufig asexuelle Sporodochien mit Konidien. Diese besiedeln vor allem frische Schnittwunden, verletzte Triebe, Fruchtsporen oder bereits geschwächtes Holz. Die Entwicklung ist daher eng an Verletzungen und den Vitalitätszustand des Wirts gebunden.

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Behandlung und Bekämpfung

Eine kurative Behandlung bereits besiedelter Holzpartien ist in der Regel nicht möglich. Bei einzelnen befallenen Zweigen sollten die betroffenen Partien bei trockener Witterung großzügig bis in gesund erscheinendes Holz zurückgeschnitten werden. Schnittgut aus dem Befallsbereich ist aus dem Bestand zu entfernen.

Bei größeren Ästen, Stammnekrosen oder wertvollen Bäumen sollte eine fachkundige Baumkontrolle erfolgen. Die roten Fruchtkörper können auch lediglich auf bereits abgestorbenem Holz wachsen; deshalb sollte die Entscheidung über umfangreiche Maßnahmen nicht allein anhand der Pusteln getroffen werden.

Eine regelmäßige Kontrolle im Spätwinter und Herbst hilft, neu abgestorbene Triebe frühzeitig zu erkennen. Bei Obstgehölzen sind zusätzlich Schnitt- und Erntewunden sowie andere Canker-Erreger als mögliche Ursachen abzuklären.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Im Haus- und Kleingarten stehen vorbeugende und hygienische Maßnahmen im Vordergrund: befallene Zweige entfernen, Schnittgut aus dem Bestand bringen, Werkzeuge reinigen und Trockenstress vermeiden. Eine ausgewogene Versorgung mit Wasser und Nährstoffen unterstützt die natürliche Abwehr, beseitigt den Pilz aus bereits infiziertem Holz jedoch nicht.

Biologische Präparate oder Wundbehandlungen sollten nur eingesetzt werden, wenn sie für die konkrete Kultur und Anwendung in Deutschland zugelassen und fachlich begründet sind. Ein pauschaler Einsatz von Hausmitteln, ätherischen Ölen oder nicht geprüften Mikroorganismen ist nicht zuverlässig belegt.

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Vorbeugung

  • Gehölze standortgerecht pflanzen und insbesondere in längeren sommerlichen Trockenperioden in Deutschland bedarfsgerecht wässern.
  • Schnittmaßnahmen möglichst bei trockener Witterung und außerhalb langer Niederschlagsperioden durchführen.
  • Äste fachgerecht am Astring oder an der Seitenastzone schneiden; keine Stummel und unnötig großen Wunden hinterlassen.
  • Abgestorbene und deutlich befallene Zweige bis in gesund erscheinendes Holz zurücknehmen.
  • Schnittwerkzeuge bei einem Wechsel zwischen kranken und gesunden Pflanzen reinigen und desinfizieren.
  • Ernte-, Frost-, Mäh- und Scheuerschäden vermeiden und die Baumvitalität durch geeignete Bodenpflege erhalten.
  • Stark befallenes Schnittgut nicht im Bestand lagern oder als grobes Totholz direkt unter anfälligen Gehölzen belassen.
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Wissenswertes

  • Die auffälligen roten Pusteln sind Fruchtkörper und keine Insekteneier.
  • Nectria cinnabarina lebt häufig als Zersetzer von Totholz und wird erst bei geeigneten Verletzungen oder starkem Wirtsstress zum Krankheitserreger.
  • Die frühere Sammelart umfasst nach molekularbiologischen Untersuchungen mehrere nahe verwandte Linien; ältere Wirt- und Fundangaben sind daher nicht immer direkt vergleichbar.
  • In der deutschsprachigen Gehölzkunde werden die roten Fruchtkörper auch als Rotpustel- oder Zinnoberroter Pustelpilz bezeichnet.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Für Nectria cinnabarina ist eine routinemäßige Fungizidbehandlung meist nicht wirtschaftlich und erreicht den im Holz geschützten Pilz nur unzureichend. Verwenden Sie in Deutschland ausschließlich Pflanzenschutzmittel, die für die konkrete Kultur und das konkrete Schadproblem zugelassen sind, und befolgen Sie stets das aktuelle amtliche Etikett sowie die geltenden Anwendungsbestimmungen. Vor einer Anwendung sind die Datenbanken des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit und die regionale Beratung zu prüfen.

Wirtspflanzen

Betroffene Pflanzen

12 verknüpfte Profile

Die folgenden Pflanzen sind anhand strukturierter Wirtsdaten mit diesem Problem verknüpft. Die Liste wird bei neuen Pflanzenprofilen automatisch aktualisiert.