
Grüne Apfelblattlaus
Aphis pomi De Geer, 1773Grüne Apfelblattlaus – Kurzüberblick
Die Grüne Apfelblattlaus (Aphis pomi) ist ein saugender Schädling an Apfel und gelegentlich weiteren Rosengewächsen. Kolonien sitzen bevorzugt an jungen Triebspitzen, Wasserreisern und Blattunterseiten. Der Saftentzug kann Blatt- und Triebkräuselungen, vermindertes Wachstum und klebrigen Honigtau verursachen, auf dem sich Rußtaupilze ansiedeln. Eine sichere Bestimmung ist wichtig, da ähnliche grüne Blattlausarten häufig vorkommen.
Typische Bedingungen
Überblick
Aphis pomi bildet häufig dichte, grünliche Kolonien an jungen Triebspitzen, Wasserreisern und an den Blattunterseiten. Der bevorzugte Wirt ist der Apfel (Malus); Birne sowie einzelne weitere Rosengewächse können ebenfalls besiedelt werden.
Die Art ist im Feld nicht immer sicher von der Grünen Pfirsichblattlaus, der Grünen Pflaumenblattlaus oder insbesondere der Grünen Pflaumen- beziehungsweise Spierstrauchblattlaus (Aphis spiraecola) zu unterscheiden. Für eine belastbare Diagnose sollten Wirtspflanze, Körpermerkmale und bei Bedarf eine mikroskopische Bestimmung zusammen betrachtet werden.
Symptome und Erkennung
- Kolonien kleiner gelbgrüner bis dunkelgrüner Läuse an jungen Trieben, Wasserreisern und Blattunterseiten.
- Einrollen, Kräuseln oder Verdrehen junger Blätter und Triebe; bei Aphis pomi meist weniger stark als bei der Mehligen Apfelblattlaus.
- Klebriger Honigtau auf Blättern, Trieben und gelegentlich Früchten.
- Schwarzer Rußtaupilz auf Honigtau-belasteten Oberflächen, wodurch die Assimilationsleistung und der Fruchtwert beeinträchtigt werden können.
- Bei Jungbäumen: gehemmtes Triebwachstum und unregelmäßige Triebentwicklung.
Stark gekräuselte oder rötlich verformte Apfelblätter sprechen eher für andere Blattlausarten und sind kein alleiniger Bestimmungsnachweis für Aphis pomi.
Ursachen und Ausbreitung
Die Läuse stechen mit ihren Mundwerkzeugen in das Phloem und entziehen zuckerreichen Pflanzensaft. Überschüssiger Zucker wird als Honigtau ausgeschieden. Im Frühjahr entstehen aus überwinternden Eiern zunächst ungeflügelte Weibchen; bei dichter Besiedlung oder nachlassender Triebqualität können geflügelte Formen entstehen und benachbarte Triebe oder Bäume besiedeln.
Die Ausbreitung erfolgt vor allem durch geflügelte Blattläuse, verschleppte Jungpflanzen und befallenes Schnittgut. Ein hoher Stickstoffüberschuss, kräftige Wasserschosse und dichter, wenig kontrollierter Neutrieb begünstigen die Vermehrung. Ameisen können Kolonien wegen des Honigtaus schützen und dadurch natürliche Gegenspieler behindern.
Lebenszyklus und Überdauerung
In Mitteleuropa überwintert die Art typischerweise als Ei an glatter Rinde, einjährigen Zweigen, Fruchtspießen oder Wasserreisern. Der Schlupf beginnt im Frühjahr etwa ab Knospenaufbruch und hängt stark von Witterung und Entwicklungsstand des Apfelbaums ab.
Während der Vegetationsperiode vermehren sich die Weibchen überwiegend ungeschlechtlich und bringen lebende Junge zur Welt. Es entstehen geflügelte und ungeflügelte Formen. Aphis pomi gilt überwiegend als einhäusig: Der vollständige Entwicklungszyklus kann am Apfel ablaufen, wobei gelegentliche Besiedlungen von Birne, Weißdorn, Cotoneaster oder Quitte beschrieben sind. Im Spätsommer und Herbst entstehen Geschlechtsformen; nach der Paarung werden die überwinternden Eier abgelegt.
Behandlung und Bekämpfung
Bei kleinen Befallsherden genügt häufig eine mechanische Maßnahme: Kolonien mit einem kräftigen Wasserstrahl von den Triebspitzen und Blattunterseiten abspülen. Stark besiedelte, noch krautige Triebspitzen können entfernt werden. Anschließend nach einigen Tagen erneut kontrollieren, weil Jungläuse in eingerollten Blättern oder an geschützten Stellen verbleiben können.
Eine Behandlung sollte sich an der Befallsstärke, dem Alter des Baumes, dem Anteil besiedelter Triebe und dem Vorkommen natürlicher Gegenspieler orientieren. Bei etablierten Apfelbäumen ist ein begrenzter Befall oft tolerierbar. Besonders schützenswert sind junge Bäume, frisch veredelte Pflanzen und Triebe mit anhaltender Wachstumshemmung.
Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist eine möglichst selektive, zugelassene Anwendung zu wählen und die Wirkung auf Bestäuber und Nützlinge zu berücksichtigen. Eine gute Benetzung der Blattunterseiten ist bei Kontaktmitteln entscheidend; wiederholte Anwendungen ohne Erfolgskontrolle fördern unnötige Belastungen und Resistenzrisiken.
Schonende und biologische Bekämpfung
- Blattlauskolonien mit Wasser abspülen und stark befallene Triebspitzen entfernen.
- Marienkäferlarven und -käfer, Florfliegenlarven, Schwebfliegenlarven und parasitoide Wespen schonen.
- Auf breit wirkende oder unnötig frühe Insektizidbehandlungen verzichten, damit sich Nützlingspopulationen entwickeln können.
- Ameisen, die Blattläuse aktiv betreuen, vom Kronenaufstieg abhalten, ohne die Ameisenkolonie wahllos zu bekämpfen.
- Für den ökologischen Gartenbau nur geeignete und in Deutschland für Kultur und Schadorganismus zugelassene beziehungsweise genehmigte Mittel verwenden; auch Pflanzenöle oder Kaliseifen sind nicht pauschal für jede Anwendung rechtssicher einsetzbar.
Biologische Regulation kann bei mildem bis mittlerem Befall ausreichend sein, wirkt aber nicht immer sofort und hängt stark von Temperatur, Nützlingsvorkommen und Kolonieschutz durch Ameisen ab.
Vorbeugung
- Apfelbäume regelmäßig ab dem Knospenaufbruch bis in den Frühsommer kontrollieren, besonders Triebspitzen und Blattunterseiten.
- Wasserreiser und stark befallene junge Triebe frühzeitig entfernen, sofern dies baumverträglich und außerhalb ungünstiger Schnitttermine erfolgt.
- Übermäßige Stickstoffdüngung vermeiden; bedarfsgerecht und maßvoll düngen.
- Eine luftige, gut aufgebaute Krone erhalten und unnötig starken Neutrieb vermeiden.
- Blühende Begleitpflanzen und strukturreiche Gartenbereiche für Schwebfliegen, Florfliegen, Marienkäfer und parasitoide Wespen fördern.
- Ameisenaufstieg am Stamm beobachten und, wo sinnvoll, den Zugang zu Blattlauskolonien mechanisch begrenzen.
- Junge Obstbäume und neu erworbene Pflanzen vor dem Einsetzen sorgfältig auf Blattlauskolonien prüfen.
Wissenswertes
- Die glänzend schwarzen, länglichen Überwinterungseier ähneln den Eiern anderer Blattlausarten und sind allein kaum sicher zuzuordnen.
- Geflügelte Formen dienen der Ausbreitung; ungeflügelte Weibchen können unter günstigen Bedingungen rasch Kolonien aufbauen.
- Der Rußtau wächst nicht direkt aus dem Blattlausbefall heraus, sondern auf dem ausgeschiedenen Honigtau.
- Aphis pomi wird im deutschsprachigen Gartenbau leicht mit anderen grünen Blattläusen verwechselt. Besonders die ähnliche Aphis spiraecola kann an Obstgehölzen auftreten und eine genaue Bestimmung erschweren.
- Bei älteren, vitalen Apfelbäumen ist der sichtbare Befall häufig auffälliger als der tatsächliche Ertrags- oder Vitalitätsverlust.
Pflanzenschutzmittel nur verwenden, wenn sie in Deutschland zum Zeitpunkt der Anwendung für die betreffende Kultur und den betreffenden Schaderreger zugelassen sind. Ausschließlich die aktuelle Gebrauchsanweisung und das Etikett beachten, Wartezeiten sowie Auflagen zum Schutz von Bestäubern und Gewässern einhalten und niemals Mittel aus einer anderen Kultur oder einem anderen Land übertragen. Vor jeder Anwendung die aktuelle Zulassungssituation beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit beziehungsweise im amtlichen Pflanzenschutzmittel-Verzeichnis prüfen.