
Kupferstecher
Pityogenes chalcographusKupferstecher – Kurzüberblick
Der Kupferstecher, auch sechszähniger Fichtenborkenkäfer genannt, ist ein nur wenige Millimeter großer Borkenkäfer an Nadelgehölzen. In Deutschland betrifft der Befall besonders Fichten, vor allem geschwächte Jungbäume, Äste und Kronenbereiche. Typisch sind feine Einbohrlöcher, braunes Bohrmehl, Harzaustritt und sternförmige Brutgänge unter der Rinde. Bei warmer, trockener Witterung kann sich der Schädling rasch vermehren.
Typische Bedingungen
Überblick
Der Kupferstecher gehört zur Unterfamilie der Borkenkäfer (Scolytinae) und wird etwa 1,6 bis 2,9 mm lang. Die dunklen bis rotbraunen Käfer entwickeln ihre Brutgänge überwiegend in der Rinde und im Bast stärkerer Äste, bei jungen Bäumen auch am Stamm.
Charakteristisch ist ein drei- bis sechsarmiges, sternförmiges Brutbild. Die Art ist in Deutschland besonders an Fichte waldschutzrelevant, kann aber auch andere Nadelgehölze besiedeln. Ein sicherer Nachweis sollte möglichst anhand von Brutbild, Bohrmehl und gegebenenfalls einer fachlichen Käferbestimmung erfolgen, da mehrere kleine Borkenkäfer ähnliche Symptome verursachen.
Symptome und Erkennung
- Feine, runde Einbohrlöcher mit frischem, braunem Bohrmehl in Rindenritzen oder an Astunterseiten.
- Harzaustritt an den Einbohrstellen; bei starkem Befall kann der Harzfluss ausbleiben.
- Sternförmige Muttergänge und kurze, dicht beieinanderliegende Larvengänge unter der Rinde.
- Spechteinschläge, sich lockernde oder abfallende Rinde und Fraßgänge im Bastbereich.
- Zunächst oft unauffällige Kronensymptome; später Nadelrötung, Vergilbung, Kronenverlichtung und Absterben einzelner Äste oder des ganzen Baumes.
Bei älteren Fichten liegt der Befall häufig im Kronenraum und an stärkeren Ästen. Ein fehlender Harzaustritt schließt Befall nicht aus.
Ursachen und Ausbreitung
Der Befall wird durch geeignete Brutmaterialien und eine verminderte Abwehrkraft der Gehölze begünstigt. Besonders attraktiv sind dürre- und hitzegestresste Fichten, Sturm- und Schneebruch, frisch gefälltes Holz, Kronenreste, Stubben sowie liegendes Holz mit noch geeigneter Rinde.
Männliche Käfer bohren sich zunächst ein und locken mit Aggregationspheromonen weitere Käfer an. Die Ausbreitung erfolgt durch den Flug benachbarter Käfer sowie durch nicht rechtzeitig aufgearbeitetes oder entrindetes Befallsholz. Sonnige, warme und trockene Bedingungen beschleunigen Entwicklung und Schwärmflug. Befallenes Brennholz oder Astmaterial kann Käfer in Garten- und Siedlungsbereiche verschleppen.
Lebenszyklus und Überdauerung
In Mitteleuropa überwintert der Kupferstecher als Käfer, Larve oder Puppe unter der Rinde beziehungsweise teilweise in der Bodenstreu. Der erste Schwärmflug beginnt je nach Witterung meist im April oder Mai; eine zweite Generation fliegt häufig im Juli oder August. In warmen Jahren und günstigen Lagen sind zusätzliche Geschwisterbruten oder eine weitere Generation möglich.
Das Männchen legt eine Rammelkammer im Phloem an. Mehrere Weibchen werden angelockt und graben ihre Muttergänge sternförmig vom Zentrum weg. Die Larven fressen kurze, annähernd rechtwinklig anschließende Gänge im Bast, verpuppen sich am Gangende und entwickeln sich zu Jungkäfern. Bei warmem Wetter kann eine Generation innerhalb von etwa sechs bis sieben Wochen entstehen.
Behandlung und Bekämpfung
Bei bestätigtem Befall müssen befallene Äste oder Bäume möglichst frühzeitig aufgearbeitet und aus dem gefährdeten Bereich entfernt werden. Die Rinde ist auf Brutgänge und lebende Entwicklungsstadien zu prüfen. Entrinden kann die weitere Entwicklung unterbrechen, sofern die Käferstadien tatsächlich unter der Rinde erfasst werden. Alternativ sind die jeweils geltenden forstlichen Verfahren zur Abfuhr, Entrindung oder Behandlung des Holzes einzuhalten.
Bei Einzelbäumen im Garten sollte ein qualifizierter Baumpfleger oder eine Forstschutzstelle hinzugezogen werden. Absterbende Fichten können Äste verlieren und stellen ein Verkehrssicherheitsrisiko dar. Abgeschnittenes Material nicht als länger lagernden Reisighaufen oder Brennholz mit Rinde in der Nähe gesunder Fichten belassen.
Bei fortgesetztem Befall sind Ursache und Standorttauglichkeit zu prüfen. Eine reine Behandlung der sichtbaren Käfer ohne Entfernung des Brutmaterials verhindert die weitere Entwicklung meist nicht.
Schonende und biologische Bekämpfung
Die wirksamste nichtchemische Maßnahme ist die konsequente Entfernung oder Entrindung frischen Befallsholzes sowie die Verbesserung der Wasserversorgung und Standortpflege. Natürliche Gegenspieler wie Spechte, räuberische Käfer, räuberische Fliegen und bestimmte parasitoide Wespen kommen vor, reichen bei Massenvermehrungen jedoch in der Regel nicht zur vollständigen Kontrolle aus.
Förderlich sind strukturreiche Bestände, der Erhalt geeigneter Lebensräume für natürliche Feinde und die Vermeidung unnötiger Insektizidbehandlungen. Befallene Äste sollten nicht kompostiert werden, solange lebende Käferstadien unter der Rinde möglich sind.
Vorbeugung
- Fichten nur an geeigneten, ausreichend wasserversorgten Standorten verwenden und bei anhaltender Trockenheit tiefgründig, durchdringend und nicht nur oberflächlich wässern.
- Gehölze regelmäßig auf Bohrmehl, Harz, Bohrlöcher, Spechtaktivität und Kronenverlichtung kontrollieren; gefährdete Bestände während der Schwärmzeiten besonders aufmerksam beobachten.
- Sturm-, Schnee- und Dürreschäden zeitnah aufarbeiten. Befallene Äste und Stämme nicht über längere Zeit mit Rinde lagern.
- Brutmaterial aus dem Bestand entfernen, entrinden oder nach den forstlichen Vorgaben unschädlich machen. Brennholz nicht aus befallenen Fichtenbeständen verschleppen.
- Bei wertvollen Einzelbäumen die Baumvitalität verbessern, Bodenverdichtung vermeiden und Wurzelbereiche vor Verletzungen und Überbauung schützen.
Pheromonfallen dienen vor allem dem Monitoring; sie sind keine zuverlässige Einzelmaßnahme zur Tilgung eines Befalls an einem Baum.
Wissenswertes
- Der deutsche Name „Kupferstecher“ bezieht sich auf das kupferstichähnliche, sternförmige Brutbild unter der Rinde.
- Die Art ist nicht auf Fichte beschränkt, bevorzugt Picea abies jedoch deutlich gegenüber alternativen Nadelbaumgattungen.
- Männchen beginnen die Besiedlung und produzieren wesentliche Bestandteile der Aggregationspheromone.
- In Mitteleuropa sind zwei Generationen häufig; warme Jahre können zusätzliche Geschwisterbruten ermöglichen.
- Der Kupferstecher kann auch junge Fichten und dünnere Äste besiedeln und unterscheidet sich dadurch in der Befallsökologie vom stärker an reifen Stämmen orientierten Buchdrucker.
Für Kupferstecher an Gehölzen ist kein pauschales Spritzprogramm zu empfehlen. Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland ausschließlich verwendet werden, wenn sie für die konkrete Kultur beziehungsweise den Anwendungsbereich und den betreffenden Schaderreger aktuell zugelassen oder genehmigt sind. Vor jeder Anwendung die aktuelle Zulassung, Auflagen, Abstandsregelungen, Bienenschutz- und Gewässerschutzauflagen sowie das Etikett beachten. Im Wald und an größeren Bäumen sind zusätzlich die zuständigen Pflanzenschutz- oder Forstschutzstellen einzubeziehen. Chemische Maßnahmen ersetzen nicht die Entfernung des Brutmaterials.