Haferblattlaus (Rhopalosiphum padi)Quelle: Wikimedia Commonshttp://www.ento.csiro.au/aicn/name_s/b_3606.htmPublic domain
Schädling

Haferblattlaus (Rhopalosiphum padi)

Rhopalosiphum padi (Linnaeus, 1758)
Kurzüberblick

Haferblattlaus (Rhopalosiphum padi) – Kurzüberblick

Die Haferblattlaus, auch Traubenkirschenblattlaus genannt, ist ein wichtiger Blattlaus-Schädling an Weizen, Gerste, Hafer und weiteren Süßgräsern. Die kleinen grünlich-oliven Läuse sitzen häufig geschützt in Blattscheiden oder Blattquirlen und saugen Phloemsaft. Neben direkten Saugschäden ist ihre Bedeutung als Überträger von Viren der Gerstengelbverzwergung besonders relevant, vor allem im Herbst in jungen Wintergetreidebeständen.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileBlattscheiden, junge Blätter, Blattunterseiten, Halme und Ähren beziehungsweise Rispen; bei der Überwinterung vor allem Knospen und junge Triebe der Traubenkirsche.
Begünstigende BedingungenMilde Winter, warme und eher trockene Witterungsabschnitte, dichter oder üppig mit Stickstoff versorgter Bestand sowie vorhandene Ausfallgetreide- und Gräserbestände begünstigen Aufbau und Ausbreitung. Frühe Aussaat von Wintergetreide kann die Zeit für Herbstbesiedlung und Virusübertragung verlängern.
Pflanzendoktor

Überblick

Die Haferblattlaus ist eine kleine, meist grünlich-olive bis dunkelgrüne Blattlaus. Häufig befindet sich ein rötlich-brauner Bereich zwischen den dunklen Siphonen am Hinterleib. Die Art ist mit bloßem Auge nicht immer sicher von anderen Getreideblattläusen zu unterscheiden; für eine belastbare Bestimmung sollten Körperfarbe, Siphonen, Fühlermerkmale, Fundort und Wirtspflanze gemeinsam bewertet werden.

In Deutschland tritt sie vor allem an Wintergetreide und Gräsern auf. Sie sitzt bevorzugt geschützt in Blattscheiden, eingerollten Blättern, Blattquirlen oder an Halmen. Neben der direkten Saftentnahme ist die Funktion als Virusvektor entscheidend.

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Symptome und Erkennung

Frühe Befallszeichen sind kleine grüne bis olivfarbene Läuse in Blattscheiden oder im eingerollten Fahnenblatt. Befallene Blätter können sich leicht kräuseln, vergilben oder bei starkem Saugdruck vorzeitig altern. Auf den Blättern findet sich klebriger Honigtau; darauf kann sich sekundär schwarzer Rußtau entwickeln.

Bei dichtem Befall sind kümmerlicher Wuchs, verkürzte Halme, schwächere Bestockung und eine schlechtere Kornfüllung möglich. Eine Virusübertragung kann zusätzlich gelbliche bis rötliche Verfärbungen, gestauchten Wuchs und eine ungleichmäßige Bestandsentwicklung verursachen. Solche Symptome sind nicht spezifisch und müssen von Nährstoffmangel, Trockenstress und anderen Blattlaus- oder Virusproblemen abgegrenzt werden.

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Ursachen und Ausbreitung

Die Ausbreitung erfolgt durch geflügelte Blattläuse, die aus der Traubenkirsche, aus Gräsern, Ausfallgetreide oder benachbarten Beständen zufliegen. Innerhalb eines Bestands nimmt der Befall durch die schnelle ungeschlechtliche Vermehrung zu. Wind unterstützt die Verdriftung geflügelter Tiere.

Für die Virusausbreitung genügt bereits die Aufnahme virushaltiger Pflanzen und anschließende Weitergabe beim Saugen an gesunden Getreidepflanzen. Ausfallgetreide, frühe Wintergetreidebestände und grüne Grasbrücken können als Reservoir oder Zwischenstation dienen.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Rhopalosiphum padi kann in Mitteleuropa einen Wirtswechsel vollziehen. Als primärer Winterwirt gilt vor allem die Traubenkirsche (Prunus padus). Dort überwintern Eier an Knospen und jungen Trieben. Im Frühjahr schlüpfen ungeflügelte Stammmütter und erzeugen parthenogenetisch mehrere Generationen.

Im weiteren Frühjahr und Sommer entstehen geflügelte Formen, die auf Gräser und Getreide übersiedeln. Dort vermehren sich die Weibchen ebenfalls überwiegend ungeschlechtlich und können bei günstigen Bedingungen rasch Kolonien bilden. Im Spätsommer oder Herbst entstehen Rückwanderer, die zur Traubenkirsche fliegen; dort werden Geschlechtstiere gebildet und nach der Paarung Wintereier abgelegt. Unter milden Bedingungen oder in bestimmten Regionen kann der Zyklus teilweise oder vollständig auf Gräsern fortgesetzt werden.

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Behandlung und Bekämpfung

Zunächst Befallsstärke, Entwicklungsstadium und Virusrisiko beurteilen. In Getreide sind amtliche Monitoringdaten und die für Deutschland veröffentlichten Bekämpfungsrichtwerte maßgeblich; eine Behandlung sollte nicht allein aufgrund einzelner Blattläuse erfolgen. Besonders kritisch kann Herbstbefall an jungen Wintergetreidebeständen sein, wenn die Tiere Viren der Gerstengelbverzwergung übertragen.

Bei Überschreitung des regional geltenden Richtwerts ist eine gezielte, möglichst nützlingsschonende Maßnahme nach Beratung durch den zuständigen Pflanzenschutzdienst zu prüfen. Spritzungen müssen eine ausreichende Benetzung der geschützten Befallsstellen erreichen und dürfen nicht schematisch wiederholt werden. Bereits eingetretene Virussymptome lassen sich nicht kurativ beseitigen; betroffenes Pflanzengewebe wird durch die Bekämpfung der Blattläuse nicht wieder gesund.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Natürliche Gegenspieler wie Marienkäferlarven und -käfer, Florfliegenlarven, Schwebfliegenlarven, Ohrwürmer und verschiedene parasitoide Schlupfwespen können Getreideblattläuse deutlich reduzieren. Blühende Saumstrukturen und eine möglichst geringe Störung solcher Rückzugsräume fördern diese Nützlinge.

  • Bestände regelmäßig kontrollieren, bevor sich große Kolonien bilden.
  • Breit wirksame, nicht selektive Insektizide vermeiden, weil sie Nützlinge stark schädigen können.
  • Bei kleinflächigem Befall an Gartengetreide einzelne stark besiedelte Blätter oder Triebe entfernen.
  • Im geschützten Anbau können zugelassene Nützlinge eingesetzt werden; die Eignung hängt von Kultur, Temperatur und Befallsstärke ab.
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Vorbeugung

  • Wintergetreide und gefährdete Gräser ab Auflaufen regelmäßig kontrollieren; im Herbst ist besonders auf Virusvektoren zu achten.
  • Ausfallgetreide und Ungräser konsequent beseitigen, ohne dabei blühende Randstrukturen unnötig zu zerstören.
  • Ausgewogene Stickstoffversorgung sicherstellen und übermäßig üppige Bestände vermeiden.
  • Aussaattermin, Sortenwahl und regionale Warndienstinformationen in die Anbauplanung einbeziehen.
  • Traubenkirschen müssen nicht pauschal entfernt werden; eine Entfernung ist ökologisch abzuwägen und allein meist keine ausreichende Bekämpfungsmaßnahme.
  • Bei Saatgutvermehrung und virusgefährdeten Beständen besonders konsequent auf Zuflug und Befallsherde achten.
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Wissenswertes

  • Der deutsche Name verweist sowohl auf Hafer als auch auf die Traubenkirsche, die als wichtiger Winterwirt dient.
  • Die Art gehört zu den bedeutenden Vektoren von Viren der Gerstengelbverzwergung in Getreide.
  • Geflügelte und ungeflügelte Weibchen können sich im Sommer ohne Befruchtung vermehren; dadurch kann sich eine Kolonie innerhalb kurzer Zeit vergrößern.
  • Die Läuse sitzen häufig nicht offen auf der Blattoberseite, sondern geschützt in Blattscheiden und Blattquirlen.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland ausschließlich verwendet werden, wenn sie für die betreffende Kultur und den konkreten Schaderreger zugelassen sind. Vor einer Anwendung stets die aktuelle Zulassung, Anwendungsbestimmungen, Abstände, Bienenschutzauflagen und das Etikett beziehungsweise die amtliche Datenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit prüfen. Keine pauschale Spritzfolge anwenden; Resistenzmanagement und Schadschwellen beachten.