
Himbeerrutengallmücke
Resseliella theobaldiHimbeerrutengallmücke – Kurzüberblick
Die Himbeerrutengallmücke ist ein kleiner Gallmücken-Schädling der Himbeere. Ihre rötlichen Larven fressen geschützt unter der Rinde junger Ruten, meist im unteren Rutenbereich. Dadurch entstehen eingesunkene, grauviolette bis dunkelbraune Schadstellen, die zugleich Eintrittspforten für Erreger der Himbeerrutenkrankheit bilden können. Besonders gefährdet sind Bestände mit Rindenrissen und hoher Rutenfeuchte.
Typische Bedingungen
Überblick
Der erwachsene Schädling ist eine unscheinbare, kleine Gallmücke; im Garten wird meist nicht das Insekt, sondern der Larvenbefall an den Ruten entdeckt. Befallsstellen liegen häufig im bodennahen Bereich einjähriger Himbeerruten, etwa 10 bis 40 cm über dem Boden.
Die Art ist besonders problematisch, weil der Larvenfraß und nachfolgende Pilzinfektionen zusammenwirken können. Ein Rutensterben ist daher nicht immer ausschließlich der Gallmücke zuzuschreiben. Eine sichere Diagnose erfordert die Kontrolle der Schadstelle auf rötliche Larven unter der Rinde.
Symptome und Erkennung
Typische Anzeichen sind:
- verbräunte, eingesunkene oder rissige Stellen an jungen Himbeerruten, vor allem im unteren Bereich;
- dunkelgraue bis violette Verfärbung des Gewebes an der Fraßstelle;
- mehrere etwa 2–3 mm große, rötliche Larven unter der äußeren Rindenschicht;
- später schwache, schlecht entwickelte oder im Folgejahr absterbende Tragruten;
- zusätzliche Rutenkrankheit, wenn Pilze durch die beschädigte Rinde eindringen.
Ähnliche Symptome können durch mechanische Verletzungen, andere Rutenschädlinge oder pilzliche Rutenkrankheiten entstehen.
Ursachen und Ausbreitung
Die Weibchen legen ihre Eier bevorzugt in natürliche Rindenrisse, Wunden oder andere verletzte Stellen einjähriger Himbeerruten. Verletzungen durch Schnecken, andere Schädlinge, Schnittarbeiten oder stark aufreißende Sorten können die Eiablage begünstigen.
Die Larven fressen geschützt unter der Rinde. Befallene Ruten sowie eine dichte, schlecht durchlüftete Anlage fördern indirekt die Ausbreitung von Rutenkrankheiten. Der Schädling kann sich innerhalb eines Bestandes über mehrere Generationen entwickeln.
Lebenszyklus und Überdauerung
Die überwinterten Larven verlassen die Rute und verpuppen sich in Kokons im Boden. Der temperaturabhängige Flug beginnt in Deutschland meist ab etwa Mitte Mai, kann je nach Witterung und Region jedoch früher oder später einsetzen.
Nach der Eiablage in Rindenrisse schlüpfen die Larven und fressen unter der Rinde. Voll entwickelte Larven fallen in den Boden zurück. In Mitteleuropa sind typischerweise drei sich überschneidende Generationen möglich; in günstigen Jahren können weitere Teilgenerationen auftreten. Die Flug- und Eiablagezeiten erstrecken sich dadurch vom Frühjahr bis in den Sommer beziehungsweise frühen Herbst.
Behandlung und Bekämpfung
Befallene Ruten sollten bei trockenem Wetter möglichst vollständig herausgeschnitten und aus dem Garten entfernt werden. Bei wenigen Pflanzen ist die Kontrolle der unteren Rutenabschnitte auf Larven meist wirksamer als eine pauschale Behandlung.
In größeren Anlagen kann die Flugüberwachung mit geeigneten Pheromonfallen den Beginn der Aktivität anzeigen. Da die Larven unter der Rinde geschützt leben, ist eine Behandlung nach dem sichtbaren Fraß oft wenig erfolgversprechend. Pflanzenschutzmaßnahmen müssen deshalb in ein integriertes Konzept aus Monitoring, Sanitation, Bestandsregulierung und gegebenenfalls gezielter Anwendung zugelassener Mittel eingebunden werden.
Schonende und biologische Bekämpfung
Für den Haus- und Kleingarten stehen vor allem nichtchemische Maßnahmen im Vordergrund: befallene Ruten frühzeitig ausschneiden, Schnittgut sofort entfernen, Verletzungen vermeiden und den Bestand luftig halten. Eine gleichmäßige Bewässerung ohne Staunässe unterstützt widerstandsfähige Ruten.
In professionellen Beständen können Pheromonfallen zur Flugüberwachung und, abhängig von der betrieblichen Zulassungssituation, biologische Verfahren Gegenstand eines IPM-Konzepts sein. Ein sicher belegtes, allgemein anwendbares Nützlingsverfahren für jede deutsche Himbeersituation lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
Vorbeugung
Vorbeugend sind Maßnahmen wichtig, die Rindenrisse und Überwinterungsquellen vermindern:
- Himbeeren regelmäßig auslichten und je nach Erziehungssystem nur ausreichend viele kräftige Ruten stehen lassen;
- für eine gleichmäßige Wasserversorgung sorgen und starke Trockenstress- beziehungsweise Wachstumsschwankungen vermeiden;
- Ruten beim Binden, Hacken und Ernten möglichst nicht verletzen;
- abgetragene Ruten unmittelbar nach der Ernte bodennah entfernen, sofern sie nicht für Herbsthimbeeren weiter genutzt werden;
- befallene oder abgestorbene Ruten aus dem Bestand nehmen und nicht auf dem Kompost lagern;
- die Himbeerreihe luftig halten und Staunässe vermeiden.
Wissenswertes
Die Himbeerrutengallmücke verursacht nicht immer allein das Rutensterben. Ihre Fraßstellen zerstören die schützenden Rindengewebe und können dadurch den Eintritt verschiedener Pilzerreger ermöglichen. Das bekannte Schadbild der sogenannten Himbeerrutenkrankheit ist deshalb häufig ein Krankheitskomplex.
Die Larven sind im geschützten Rindengewebe schwer zu erreichen. Das erklärt, warum vorbeugende Maßnahmen, die Rindenrisse und befallene Ruten reduzieren, oft wichtiger sind als eine späte Bekämpfung. Die Eiablage ist an geeignete Risse oder Wunden gebunden; entsprechend unterscheiden sich Sorten und Bestände in ihrer Anfälligkeit.
Verwenden Sie ausschließlich Pflanzenschutzmittel, die in Deutschland aktuell für Himbeeren und genau diesen Schaderreger beziehungsweise diese Anwendung gesetzlich zugelassen sind. Maßgeblich sind das amtliche Zulassungsregister, die aktuelle Gebrauchsanleitung, Kultur, Anwendungszeitpunkt, Aufwandmenge, Wartezeit und Auflagen. Keine Anwendung außerhalb der zugelassenen Indikation; im Zweifel die zuständige Pflanzenschutzberatung konsultieren.