Saatschnellkäfer (Agriotes lineatus) – Drahtwurm
Schädling

Saatschnellkäfer (Agriotes lineatus) – Drahtwurm

Agriotes lineatus (Linnaeus)
Kurzüberblick

Saatschnellkäfer (Agriotes lineatus) – Drahtwurm – Kurzüberblick

Der Saatschnellkäfer Agriotes lineatus ist vor allem in seinem Larvenstadium als Drahtwurm schädlich. Die mehrere Jahre im Boden lebenden Larven fressen an Keimlingen, Wurzeln, Hypokotyl, Stängelbasen, Knollen und Samen. In Deutschland steigt das Risiko besonders nach Grünlandumbruch, mehrjährigem Feldfutterbau sowie auf feuchten, humusreichen Böden. Eine sichere Artbestimmung ist im Feld jedoch nicht immer möglich, da mehrere Agriotes-Arten ähnliche Schäden verursachen.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileKeimlinge, Hypokotyl, Wurzelhals, Wurzeln, unterirdische Stängel, Samen und Knollen
Begünstigende BedingungenFeuchte, humusreiche und wenig gestörte Böden; Grünlandumbruch, mehrjähriger Feldfutterbau, Dauerbrache, dichte Grasbestände und organische Rückstände fördern das Risiko.
Pflanzendoktor

Überblick

Der Saatschnellkäfer ist ein in Deutschland verbreiteter Schnellkäfer der Familie Elateridae. Die erwachsenen Käfer sind für Kulturpflanzen meist von untergeordneter Bedeutung; das Hauptproblem bilden die im Boden lebenden Larven. Drahtwürmer verursachen zunächst unregelmäßige Fehlstellen, gehemmtes Wachstum und Welke. Bei starkem Befall können junge Pflanzen vollständig ausfallen.

Besonders gefährdet sind Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben und andere Kulturen mit empfindlichen Keimlingen oder unterirdischen Ernteorganen. Das typische Drahtwurmschadbild ist nicht artspezifisch und kann auch durch Agriotes obscurus, A. sputator oder weitere Schnellkäferarten verursacht werden.

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Symptome und Erkennung

  • Unregelmäßige Fehlstellen nach dem Auflaufen, verzögertes Wachstum und Welke.
  • Angefressene Wurzeln, faserige Fraßstellen sowie ring- oder punktförmige Bohrgänge im Wurzelhals.
  • Bei Mais zunächst braune Blätter, Absterben äußerer Blätter oder des Herzblatts und schließlich abgestorbene Pflanzen.
  • Bei Zuckerrüben Fraß am Hypokotyl, Ausfälle vor oder kurz nach dem Auflaufen.
  • Bei Kartoffeln schmale, rundliche Fraßgänge und Löcher in den Knollen, oft ohne deutliche Schäden am Kraut.
  • Die Larven sind gelblich braun, zylindrisch, hart und drahtähnlich; eine sichere Artbestimmung erfordert meist Fachdiagnostik.
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Ursachen und Ausbreitung

Die Eiablage wird durch dichte, feuchte und wenig gestörte Grasbestände begünstigt. Deshalb sind Wiesen, Weiden, mehrjährige Futterpflanzen, Stilllegungen und Flächen mit hohem Humusgehalt typische Risikostandorte. Nach dem Umbruch bleiben die Larven im Boden und können junge Folgekulturen schädigen.

Die Ausbreitung erfolgt vor allem lokal über bereits besiedelte Böden, Grasnarben und Bodenmaterial. Verschleppung mit anhaftender Erde an Maschinen, Geräten oder Pflanzenmaterial ist möglich. Feuchte Böden halten die Larven in der Wurzelzone; starke Austrocknung und ungünstige Bedingungen in der obersten Bodenschicht können ihre Aktivität vermindern.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Die erwachsenen Schnellkäfer erscheinen in Deutschland je nach Witterung meist ab April. Nach der Paarung legen die Weibchen ihre Eier bevorzugt dicht unter der Bodenoberfläche in feuchte, dichte und ungestörte Vegetationsbestände, häufig in Wiesen, Weiden oder grasreichen Flächen.

Die Larven entwickeln sich überwiegend über drei bis fünf Jahre im Boden und durchlaufen mehrere Häutungen. Sie bewegen sich in Abhängigkeit von Bodenfeuchte und Temperatur in für Pflanzen erreichbaren Bodenschichten. Nach der Überwinterung nimmt die Fraßaktivität im Frühjahr zu; die Verpuppung und der Schlupf der Käfer erfolgen nach Abschluss der Larvenentwicklung. Deshalb kann der stärkste Schaden ein bis zwei Jahre nach dem Umbruch von Grünland auftreten.

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Behandlung und Bekämpfung

Bei sichtbarem Befall gibt es meist keine nachträgliche Maßnahme, die bereits zerstörte Wurzeln oder Knollen repariert. Befallene Keimlinge und abgestorbene Pflanzen sollten entfernt und die Schadstellen dokumentiert werden. Bei Kartoffeln kann eine möglichst frühe Ernte das Risiko weiterer Fraßschäden an den Knollen begrenzen.

Für die nächste Kultur sind Bodenprüfung, angepasste Fruchtfolge und eine schnelle Jugendentwicklung entscheidend. Im Erwerbsanbau können zugelassene Saatgut- oder Bodenanwendungen je nach Kultur und aktueller deutscher Zulassung geprüft werden; ihre Wirksamkeit ist bei hohem Drahtwurmbesatz begrenzt und darf nicht als Ersatz für Standort- und Fruchtfolgemanagement betrachtet werden.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Im ökologischen und kleingärtnerischen Anbau stehen vorbeugende und kulturtechnische Maßnahmen im Vordergrund:

  • Vor einer empfindlichen Kultur nach Grünland, Rasen, Brache oder mehrjährigem Feldfutter den Boden im Frühjahr auf Drahtwürmer untersuchen, beispielsweise mit Köderfallen aus Getreide und Mais beziehungsweise standardisierten Bodenproben.
  • Stark gefährdete Flächen nicht unmittelbar nach Grünlandumbruch mit Kartoffeln, Mais oder Zuckerrüben bestellen; wenn möglich zunächst weniger empfindliche Kulturen anbauen.
  • Den Boden zum geeigneten Zeitpunkt flach bearbeiten, um Larven und Eier in oberflächennahen Schichten ungünstigen Bedingungen auszusetzen. Tiefes oder unnötig häufiges Bearbeiten kann Bodenstruktur und Nützlinge schädigen und ist kein alleiniger Bekämpfungsweg.
  • Unkraut- und Grasaufwuchs kontrollieren, besonders in der Vorfrucht und an Feldrändern, ohne unnötige Bodenverdichtung oder Staunässe zu erzeugen.
  • Gesunde, zügig auflaufende Pflanzen fördern: geeignete Bodentemperatur, gute Saatbettbereitung, angepasste Saattiefe und ausgewogene Nährstoffversorgung.
  • Biologische Verfahren wie entomopathogene Pilze oder Nematoden sind stark von Produkt, Boden, Feuchte und Zulassung abhängig und sollten nur nach fachlicher Beratung und entsprechend der jeweiligen Zulassung eingesetzt werden.
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Vorbeugung

Das wichtigste Instrument ist eine standortbezogene Risikobewertung vor der Aussaat oder Pflanzung. Nach mehrjährigem Grünland oder Feldfutter sollten gefährdete Kulturen möglichst vermieden oder erst nach einer Zwischenkultur angebaut werden. Bodenproben und Köderfallen müssen frühzeitig, idealerweise vor der Kulturentscheidung, durchgeführt werden.

  • Fruchtfolge mit weniger drahtwurmempfindlichen Kulturen planen.
  • Grasnarbe und mehrjährige Bestände nicht unmittelbar vor Kartoffeln, Mais oder Rüben umbrechen, wenn eine Alternative besteht.
  • Staunässe, Bodenverdichtung und schlecht abtrocknende Teilflächen vermeiden.
  • Auflauf regelmäßig kontrollieren und Fehlstellen kartieren; nesterförmige Schäden weisen häufig auf ungleichmäßige Larvenverteilung hin.
  • Maschinen und Geräte beim Wechsel zwischen belasteten und unbelasteten Flächen von anhaftender Erde reinigen.
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Wissenswertes

  • „Drahtwurm“ bezeichnet kein einzelnes Tier, sondern die Larven verschiedener Schnellkäferarten.
  • Die Larvenphase dauert wesentlich länger als das erwachsene Käferstadium und bestimmt das wirtschaftliche Schadpotenzial.
  • Das Risiko ist nach der Umwandlung von Grünland oder mehrjährigem Feldfutter nicht immer im ersten Kulturjahr am höchsten.
  • Erwachsene Saatschnellkäfer werden durch artspezifische Pheromone überwacht; solche Fallen erfassen jedoch vor allem die Käfer und ersetzen keine Bodenprüfung auf Larven.
  • Eine Artbestimmung anhand von Fraßlöchern, Pflanzenverlusten oder der allgemeinen Larvenform ist unsicher, weil mehrere Arten sehr ähnliche Schäden verursachen.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Im Haus- und Kleingarten ist eine direkte chemische Bekämpfung von Drahtwürmern in Deutschland in der Regel nicht möglich. Im Erwerbsanbau dürfen ausschließlich Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, die in Deutschland aktuell für die betreffende Kultur und das betreffende Schadorganismus- beziehungsweise Anwendungsgebiet zugelassen sind. Vor jeder Anwendung die aktuelle BVL-Zulassungsdatenbank und das vollständige Etikett prüfen; Aufwandmenge, Anwendungszeitpunkt, Wartezeit, Auflagen und Abstandsregeln sind strikt einzuhalten.