KartoffelkäferQuelle: Wikimedia CommonsUlathaarPublic domain
Schädling

Kartoffelkäfer

Leptinotarsa decemlineata
Kurzüberblick

Kartoffelkäfer – Kurzüberblick

Der Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata) ist ein gelb-schwarz gestreifter Blattkäfer und in Deutschland ein verbreiteter Schädling an Kartoffeln. Erwachsene Käfer und besonders ältere Larven verursachen Rand- und Lochfraß bis zum vollständigen Kahlfraß. Regelmäßige Kontrollen ab dem Frühjahr, Fruchtfolge, das Entfernen von Eigelegen und ein abgestimmtes integriertes Pflanzenschutzkonzept begrenzen Schäden meist wirksam.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileVor allem Blätter und junge Triebe; bei starkem Befall das gesamte Kartoffelkraut. Knollen werden normalerweise nicht direkt befressen, können aber durch vorzeitigen Blattverlust indirekt an Ertrag und Größe verlieren.
Begünstigende BedingungenWarme, trockene Witterung, Kartoffelanbau nahe Vorjahresflächen, fehlende Fruchtfolge, Kartoffeldurchwuchs und vorhandene Nachtschatten-Unkräuter begünstigen Befall und Populationsaufbau.
Pflanzendoktor

Überblick

Der Kartoffelkäfer ist in Deutschland weit verbreitet und befällt vor allem Kartoffeln (Solanum tuberosum). Erwachsene Käfer und Larven fressen an den Blättern. Bei starkem Befall bleibt nur das Gerippe der Blätter zurück; dadurch kann die Knollenbildung und damit der Ertrag deutlich zurückgehen.

Der Käfer ist etwa 10–12 mm lang. Die gelben Flügeldecken tragen jeweils fünf schwarze Längsstreifen. Die Larven sind weichhäutig, rötlich bis orangegelb, mit schwarzen Fleckenreihen an den Hinterleibsseiten und schwarzer Kopfkapsel.

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Symptome und Erkennung

Typisch sind zunächst unregelmäßiger Blattrand- und Lochfraß an Kartoffelblättern. Mit zunehmender Larvengröße werden ganze Blattfiedern und später komplette Triebe gefressen. Starker Befall führt zum Kahlfraß, während Blattstiele und Stängel zunächst stehen bleiben können.

  • orangegelbe bis rötliche Eigelege an der Blattunterseite, meist in Gruppen;
  • bewegliche, rötliche Larven mit zwei Reihen schwarzer Flecken;
  • gelb-schwarz gestreifte Käfer auf Blattoberseiten oder im Bestand;
  • bei starkem Befall stark ausgedünntes oder vollständig entlaubtes Kartoffelkraut.

Marienkäferpuppen können oberflächlich ähnlich wirken. Sie sind jedoch unbeweglich, fußlos und mit dem Hinterende am Blatt befestigt.

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Ursachen und Ausbreitung

Der Schädling überwintert als erwachsener Käfer im Boden und erscheint im Frühjahr beziehungsweise Frühsommer, häufig ab der Löwenzahnblüte. Nach einem Reifungsfraß legen die Weibchen ihre Eier an die Blattunterseiten. Die Larven entwickeln sich in vier Stadien und verursachen den größten Fraßschaden meist im dritten und vierten Stadium.

Der Erstbefall ist wahrscheinlicher auf Flächen in der Nähe des Vorjahresanbaus, weil die überwinternden Käfer aus dem Boden oder aus benachbarten Beständen zufliegen. Kartoffeldurchwuchs und wild wachsende Nachtschattengewächse können als Zwischenwirte dienen. Warme, trockene Witterung begünstigt meist eine rasche Entwicklung; in besonders warmen Jahren kann sich an spät reifenden Kartoffeln eine zweite Generation teilweise entwickeln.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Die Käfer überwintern im Boden und wandern im Frühjahr an die Oberfläche. Nach etwa zwei Wochen Reifungsfraß erfolgt die Eiablage. Ein Weibchen kann mehrere hundert Eier ablegen; die Gelege liegen an der Blattunterseite.

Die Eier schlüpfen temperaturabhängig nach wenigen Tagen bis etwa zwei Wochen. Die vier Larvenstadien fressen ungefähr drei bis vier Wochen. Anschließend lassen sich die Larven in den Boden fallen und verpuppen sich meist in geringer Bodentiefe. Nach ungefähr zwei Wochen schlüpfen die Jungkäfer, fressen erneut und suchen später zur Überwinterung den Boden auf.

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Behandlung und Bekämpfung

Bei kleinen Beständen ist das Absammeln von Käfern, Larven und Eigelegen die sicherste Maßnahme. Eigelege sollten vollständig von der Blattunterseite entfernt und nicht im Bestand abgelegt werden. Bei größeren Beständen sollte die Befallsentwicklung systematisch erfasst werden; als Orientierung nennen deutsche Beratungsunterlagen durchschnittlich etwa 15 Larven je Pflanze in Befallsnestern beziehungsweise eine Behandlung vor rund 20 % Blattverlust. Schwellenwerte können je nach Kultur, Entwicklungsstadium, Region und Prognosemodell abweichen.

Behandlungen sollten möglichst gegen junge Larven und nicht erst bei Kahlfraß erfolgen. Wirkstoffgruppen sind wegen der ausgeprägten Resistenzfähigkeit des Kartoffelkäfers nicht wiederholt und einseitig einzusetzen. Pflanzenschutzmaßnahmen sind in ein Gesamtkonzept aus Fruchtfolge, Bestandeskontrolle, mechanischen Maßnahmen und Schonung natürlicher Gegenspieler einzubetten.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Im Haus- und Kleingarten stehen Absammeln, Entfernen der Eigelege und Kulturschutznetze im Vordergrund. Eine lockere Mulchschicht beziehungsweise organischer Transfermulch kann den Zuflug und die Populationsentwicklung unter bestimmten Bedingungen vermindern, ist aber kein sicherer Ersatz für Kontrollen.

Im ökologischen Anbau kommen je nach Zulassung und Anwendungsbereich Präparate auf Neem-Basis oder mit Bacillus thuringiensis subsp. tenebrionis infrage. Sie wirken vor allem gegen junge Larven und müssen rechtzeitig sowie nach Etikett angewendet werden. Natürliche Gegenspieler wie räuberische Wanzen, Laufkäfer und weitere Insekten werden durch Blühstrukturen, reduzierte Breitbandbehandlungen und geeignete Rückzugsräume geschont.

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Vorbeugung

  • Kartoffeln möglichst nicht unmittelbar neben der Vorjahresfläche anbauen; eine weite räumliche Trennung und eine mehrjährige Fruchtfolge erschweren den Zuflug.
  • Kartoffeldurchwuchs sowie geeignete Nachtschatten-Unkräuter im und am Bestand entfernen, soweit dies fachgerecht möglich ist.
  • Frühe Sorten oder vorgekeimte Pflanzkartoffeln können den Bestand vor dem Hauptauftreten des Schädlings kräftiger entwickeln lassen, ersetzen aber keine Kontrollen.
  • Kartoffelbeete im Hausgarten nach dem Auflaufen mit einem geeigneten Kulturschutznetz abdecken; Blütenbestäubung und ausreichende Belüftung berücksichtigen.
  • Ab der Löwenzahnblüte mindestens wöchentlich, bei Befall häufiger, Blattober- und -unterseiten kontrollieren. Eigelege und Larven frühzeitig entfernen.
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Wissenswertes

Der Kartoffelkäfer stammt ursprünglich aus Nordamerika und ist heute in Deutschland weit verbreitet. Sein bevorzugter Wirt ist die Kartoffel, obwohl die Art auch andere Nachtschattengewächse nutzen kann.

Die Entwicklungsgeschwindigkeit ist stark temperaturabhängig. In günstigen Jahren kann der Entwicklungszyklus deutlich verkürzt sein; eine vollständige zweite Generation ist in Deutschland jedoch nicht regelmäßig zu erwarten.

Der Kartoffelkäfer besitzt eine hohe Anpassungsfähigkeit an verschiedene Insektizidwirkstoffe. Deshalb haben vorbeugende und nichtchemische Maßnahmen innerhalb des integrierten Pflanzenschutzes eine besondere Bedeutung.

Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland ausschließlich verwendet werden, wenn sie für die konkrete Kultur und den konkreten Schaderreger beziehungsweise die vorgesehene Anwendung aktuell zugelassen oder genehmigt sind. Vor jeder Anwendung die amtliche BVL-Zulassungsdatenbank und das aktuelle Etikett prüfen; Aufwandmenge, Wartezeit, Abstände, Anwendungszahl, Auflagen und Schutzmaßnahmen strikt einhalten. Wirkstoffgruppen zur Resistenzvermeidung abwechseln und keine pauschalen Spritzpläne übernehmen.