Platanenkrebs durch Ceratocystis plataniQuelle: Wikimedia Commonshttps://www.flickr.com/photos/le-mauvais-oeil/CC BY-SA 2.0
Krankheit

Platanenkrebs durch Ceratocystis platani

Ceratocystis platani
Kurzüberblick

Platanenkrebs durch Ceratocystis platani – Kurzüberblick

Der Platanenkrebs ist eine seltene, aber außerordentlich gefährliche Gefäßerkrankung von Platanen. Der Pilz Ceratocystis platani dringt vor allem über Verletzungen ein, verfärbt Splintholz und Rinde dunkel und führt zu Welke, Kronenverlust und meist zum Absterben des Baumes. Eine kurative Behandlung gilt nicht als zuverlässig; entscheidend sind Früherkennung, Meldung und strenge Hygiene bei Schnitt- und Fällarbeiten.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileRinde, Kambium, Splintholz, Xylem, Stamm, Äste, Wurzeln und schließlich die gesamte Krone.
Begünstigende BedingungenFrische Verletzungen, nicht desinfizierte Schnitt- und Fällwerkzeuge, infiziertes Holz oder Sägemehl, Wurzelkontakte, verschleppter Boden sowie warme Wachstumsbedingungen.
Pflanzendoktor

Überblick

Der Erreger besiedelt Rinde, Kambium und Xylem nach dem Eindringen durch Wunden. Im Holz entstehen charakteristische graue bis braune, teils blaurote oder rötliche Verfärbungen. Die Wasserleitung wird zunehmend beeinträchtigt; zunächst können einzelne Äste, später ganze Kronenpartien welken. Erkrankte Bäume sterben häufig innerhalb weniger Jahre, der Verlauf kann jedoch je nach Baum, Infektionsort und Umweltbedingungen variieren.

Eine sichere Diagnose ist anhand äußerer Symptome allein nicht möglich. Verwechslungen mit Anthraknose, Phytophthora-Erkrankungen, Massaria, anderen Rindennekrosen oder Trockenstress sind möglich. Die Bestätigung sollte durch eine geeignete Laboruntersuchung, vorzugsweise nach einem anerkannten pflanzengesundheitlichen Diagnoseverfahren, erfolgen.

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Symptome und Erkennung

  • Einzelne Äste oder Kronenteile welken und bilden weniger, kleinere oder chlorotische Blätter.
  • Die Krone wird zunehmend lückig; später können größere Bereiche oder der gesamte Baum absterben.
  • An jungen, glatten Stamm- und Astpartien erscheinen längliche, eingesunkene dunkelbraune bis schwarze Rindenbereiche.
  • Unter der Rinde und im Splintholz finden sich graue, braune, rötliche oder blaurote Verfärbungen, oft streifen- oder keilförmig.
  • Die Symptome können nach einer Verletzung zunächst lokal bleiben und sich anschließend längs im Stamm oder Ast ausbreiten.

Ein einzelnes Welke- oder Rindenbild beweist den Befall nicht. Für eine belastbare Diagnose sind Proben aus dem Übergangsbereich gesunden zu verfärbtem Holz sowie eine fachkundige Untersuchung erforderlich.

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Ursachen und Ausbreitung

Der Pilz gelangt überwiegend durch frische Verletzungen in den Baum. Besonders riskant sind nicht desinfizierte Schnittwerkzeuge, Motorsägen, Bohrungen, Bau- und Bodenarbeiten sowie Verletzungen an Wurzeln und Stammfuß. Infiziertes Holz, Hackschnitzel, Sägemehl, Brennholz, Pflanzgut und anhaftender Boden können den Erreger verschleppen.

Benachbarte Platanen können sich über Wurzelkontakte beziehungsweise Wurzelverwachsungen infizieren. Wasserläufe können infiziertes Sägemehl oder Bodenmaterial lokal weitertransportieren. Eine weiträumige Verbreitung über frei fliegende Sporen gilt dagegen nicht als der typische Hauptweg. Insekten- oder Frasskanalübertragung wird diskutiert, ist aber als Ausbreitungsweg weniger eindeutig belegt.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Nach dem Eindringen über eine Wunde wächst der Pilz in innerer Rinde, Kambium und Splintholz. Im Xylem kann er sich bei Platanen rasch längs ausbreiten und die Leitgefäße blockieren; gleichzeitig entstehen dunkle Verfärbungen im inneren Rinden- und Holzbereich. Infiziertes Holz und Sägemehl bleiben eine wichtige Infektionsquelle. Der Erreger kann auch in Boden- und Pflanzenresten überdauern, weshalb Fällung, Schnitt und Erdarbeiten ohne Hygienevorkehrungen besonders gefährlich sind.

Die Entwicklung wird durch warme Bedingungen begünstigt; Wachstum ist in einem breiten Temperaturbereich möglich, mit einem Optimum um etwa 25 °C. Der konkrete Krankheitsverlauf in Deutschland lässt sich daraus nicht sicher vorhersagen.

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Behandlung und Bekämpfung

Eine zuverlässige heilende Behandlung bereits befallener Bäume ist nicht etabliert. Rückschnitte einzelner erkrankter Äste beseitigen den Erreger nicht sicher, weil er sich im Holz und möglicherweise im Wurzelbereich weiter ausgebreitet hat. Maßnahmen sollten daher nur nach fachlicher Diagnose und unter Einbindung des zuständigen Pflanzenschutzdienstes sowie einer qualifizierten Baumpflege erfolgen.

  • Bestätigte oder stark verdächtige Bäume und gegebenenfalls gefährdete Nachbarbäume fachlich bewerten und überwachen.
  • Sanitärfällungen nur mit einem abgestimmten Hygienekonzept durchführen.
  • Infiziertes Holz, Sägemehl, Rinde und kontaminiertes Bodenmaterial sicher behandeln und nicht weiterverbreiten.
  • Arbeitsgeräte, Fahrzeuge und Schutzkleidung nach den Arbeiten reinigen und desinfizieren.
  • Neue Platanen erst nach einer pflanzengesundheitlichen Bewertung und mit geeignetem, gesundem Pflanzgut setzen.
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Schonende und biologische Bekämpfung

Im ökologischen und biologischen Pflanzenschutz stehen derzeit vor allem vorbeugende und hygienische Maßnahmen im Vordergrund. Dazu gehören gesundes Pflanzgut, verletzungsarmes Arbeiten, konsequente Werkzeugdesinfektion, die Vermeidung von Boden- und Holzverschleppung sowie die Entfernung bestätigter Infektionsquellen nach behördlicher oder fachlicher Abstimmung. Für eine verlässlich wirksame biologische Bekämpfung im Freiland liegen keine ausreichend abgesicherten Standardverfahren vor.

Kompost, Pflanzenstärkungsmittel oder Bodenhilfsstoffe können eine bestätigte Infektion nicht beseitigen und sollten nicht als Ersatz für Diagnose, Meldung und Sanitärrmaßnahmen eingesetzt werden.

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Vorbeugung

  • Platanen-Pflanzgut nur aus nachweislich gesundem, kontrolliertem und pflanzengesundheitlich geeignetem Bestand beziehen.
  • Platanen nicht bei feuchter Witterung oder unmittelbar nach Regen schneiden; unnötige Schnittmaßnahmen und große Wunden vermeiden.
  • Werkzeuge, Sägen und Maschinen vor dem Wechsel zu einem gesunden Baum reinigen und fachgerecht desinfizieren.
  • Bei Arbeiten im Wurzelbereich Verletzungen vermeiden und kein Erdreich, Holz, Sägemehl oder Häckselgut von verdächtigen Bäumen verschleppen.
  • Verdächtige Bäume nicht selbst zerlegen oder als Brennholz beziehungsweise Hackschnitzel weiterverwenden.
  • Bei auffälligen Symptomen den zuständigen Pflanzenschutzdienst in Deutschland einschalten und eine Laboruntersuchung veranlassen.

Für gewerbliches Verbringen von Platanen gelten besondere pflanzengesundheitliche Anforderungen. Vor Kauf, Import oder innergemeinschaftlicher Verbringung sind die aktuell geltenden Vorgaben, Pflanzenpass- und Herkunftsbestimmungen zu prüfen.

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Wissenswertes

  • Bekannte natürliche Wirte gehören nach derzeitigem Kenntnisstand ausschließlich zur Gattung Platanus.
  • Die in Europa häufig gepflanzte Hybridplatane Platanus × hispanica beziehungsweise P. × acerifolia und die Orientalische Platane P. orientalis gelten als besonders gefährdet.
  • Der Erreger zählt in der Europäischen Union zu den regulierten beziehungsweise quarantänerelevanten Pflanzenschadorganismen.
  • Der häufigste praktische Ausbreitungsfaktor ist der Mensch: Schnitt, Fällung, Bodenarbeiten und der Transport infizierten Holzes können neue Infektionsherde begründen.
  • Die äußerlich ähnlichen Schäden anderer Platanenkrankheiten machen eine Laborbestätigung besonders wichtig.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Für Ceratocystis platani ist kein allgemein verlässliches kuratives Spritz- oder Injektionsprogramm für befallene Platanen abgesichert. Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland nur eingesetzt werden, wenn sie für die konkrete Kultur, Anwendung und das Problem aktuell zugelassen beziehungsweise genehmigt sind. Ausschließlich die amtliche Zulassung und das aktuelle Etikett beachten; im Zweifel den zuständigen Pflanzenschutzdienst oder eine sachkundige Baumpflege hinzuziehen.