
Verzweigter Ahorn-Mehltau
Sawadaea bicornis (Wallr.)Verzweigter Ahorn-Mehltau – Kurzüberblick
Der Verzweigte Ahorn-Mehltau wird durch den obligat biotrophen Pilz Sawadaea bicornis verursacht. Typisch sind weißliche, mehlige Beläge und Flecken auf Ahornblättern, häufig zunächst entlang der Blattadern. In Deutschland tritt die Krankheit vor allem an Feldahorn und Bergahorn auf; je nach Ahornart und Pilzform kann das Wirtsspektrum jedoch variieren.
Typische Bedingungen
Überblick
Der Verzweigte Ahorn-Mehltau befällt vor allem Blätter verschiedener Ahornarten (Acer). Die zunächst kleinen, weißen Beläge können sich entlang der Blattadern oder über größere Teile der Blattspreite ausbreiten. Der Befall ist meist auffällig, führt bei etablierten Zier- und Straßenbäumen aber nur selten zu ernsthaften Folgeschäden.
Die Art gehört zu den Echten Mehltaupilzen. Im Gegensatz zu vielen Blattfleckenpilzen wächst ihr Myzel überwiegend oberflächlich auf dem Blatt und entnimmt Nährstoffe über spezielle Haft- und Saugstrukturen aus lebenden Epidermiszellen.
Symptome und Erkennung
- Weißliche bis grauweiße, abwischbare, mehlartige Beläge auf der Blattoberseite, teils auch auf der Blattunterseite.
- Frühe Kolonien liegen häufig an oder entlang der Blattadern.
- Bei stärkerem Befall vergilben, verformen oder vertrocknen einzelne Blätter; vorzeitiger Blattfall ist möglich.
- Im Spätsommer und Herbst können zunächst helle, später dunkelbraune bis schwarze kugelige Fruchtkörper (Chasmothecien) sichtbar werden.
- Das Schadbild allein erlaubt nicht immer eine sichere Unterscheidung von Sawadaea tulasnei oder anderen Ahorn-Mehltaupilzen.
Ursachen und Ausbreitung
Die Ausbreitung erfolgt während der Vegetationszeit vor allem durch asexuell gebildete Konidien, die mit Luftbewegungen auf junge, empfängliche Blätter gelangen. Dichte Kronen, schlecht abtrocknendes Laub, schattige Standorte und ein weiches, stark stickstoffbetontes Triebwachstum begünstigen die Entwicklung. Echter Mehltau benötigt im Allgemeinen keine dauerhaft nasse Blattoberfläche; warme Tage mit höherer Luftfeuchte und trockene Pflanzenoberflächen können die Krankheit fördern.
Im Herbst entstehen Chasmothecien. Befallenes Falllaub und möglicherweise infizierte Triebpartien können zur Erhaltung des Erregers beitragen. Die genaue Bedeutung einzelner Überwinterungsorte hängt von Wirt, Standort und Pilzform ab.
Lebenszyklus und Überdauerung
Sawadaea bicornis wächst als Myzel auf lebendem Ahorngewebe. Im Frühjahr und Sommer werden Konidien gebildet, die mit dem Wind neue Blätter infizieren. Gegen Ende der Vegetationsperiode entstehen sexuelle Fruchtkörper, in denen Asci mit Ascosporen überdauern. Bei geeigneten Bedingungen werden die Sporen im folgenden Frühjahr oder während der frühen Vegetationsperiode freigesetzt. Der Pilz ist auf lebendes Wirtsgewebe angewiesen und kann außerhalb des Wirts nicht dauerhaft saprophytisch weiterleben.
Behandlung und Bekämpfung
An etablierten Ahornbäumen ist eine Behandlung häufig nicht erforderlich, wenn nur einzelne Blätter befallen sind und der Baum vital bleibt. Entfernen Sie stark befallene Einzelblätter oder junge Triebspitzen nur, wenn dies ohne stärkere Schnittmaßnahmen möglich ist. Bei Jungpflanzen, starkem wiederkehrendem Befall oder deutlicher Kronenbeeinträchtigung sollte frühzeitig gehandelt werden, bevor sich zahlreiche Konidien bilden.
Verbessern Sie zunächst Luftbewegung, Wasserversorgung und Wuchsausgleich. Pflanzenschutzmittel sind nur dann sinnvoll, wenn der Befall wirtschaftlich oder gärtnerisch relevant ist und ein für Ahorn sowie die konkrete Anwendung zugelassenes Mittel verfügbar ist. Eine vorbeugende Behandlung großer, gesunder Altbäume ist in der Regel nicht verhältnismäßig.
Schonende und biologische Bekämpfung
Im Haus- und Kleingarten stehen vorbeugende und hygienische Maßnahmen im Vordergrund: Befallsherde früh erkennen, stark befallenes Laub entfernen, Kronen nicht unnötig verdichten und Stickstoffüberschüsse vermeiden. Biologische oder andere im ökologischen Gartenbau zugelassene Präparate können je nach Zulassung und Anwendungsgebiet unterstützend eingesetzt werden; ihre Wirkung ist bei etabliertem Befall oft begrenzt und muss am Etikett sowie an der Kulturverträglichkeit geprüft werden. Hausmittel wie Milch- oder Natronlösungen sind keine verlässlich standardisierte Behandlung für diesen spezifischen Ahorn-Mehltau und können Blattverbrennungen verursachen.
Vorbeugung
- Ahorn am Standort ausreichend luftig pflanzen und dichte Kronen nur fachgerecht auslichten lassen.
- Übermäßige Stickstoffdüngung vermeiden; ausgewogen und bedarfsgerecht düngen.
- Bei Trockenheit den Wurzelbereich gründlich wässern, ohne die Krone regelmäßig zu benetzen.
- Stark befallene Blätter im Garten möglichst entfernen und über den Hausmüll entsorgen, sofern die kommunalen Vorgaben dies verlangen; nicht in den eigenen Kompost geben.
- Beim Nachpflanzen standortgerechte, weniger anfällige Ahornarten oder Sorten bevorzugen, soweit belastbare Sorteninformationen vorliegen.
- Bei wiederkehrendem Befall die Diagnose durch eine Pflanzenschutzberatung oder ein geeignetes Labor bestätigen lassen, da mehrere Sawadaea-Arten ein ähnliches Schadbild verursachen.
Wissenswertes
- Der Artname bicornis bezieht sich auf die typischerweise gegabelten Anhängsel an den Chasmothecien.
- Sawadaea bicornis und S. tulasnei gehören zu den häufigsten Echten Mehltaupilzen an Ahorn in Europa.
- Neuere phylogenetische Arbeiten unterscheiden innerhalb des Artkomplexes Formen mit unterschiedlicher Wirtsspezialisierung. Deshalb können ältere Wirtangaben in Literatur und Bestimmungswerken voneinander abweichen.
- Die weißen Beläge sitzen außen auf dem Blatt und lassen sich anfangs häufig abstreifen; das unterscheidet den Befall von vielen nicht abwischbaren Blattflecken.
Pflanzenschutzmittel in Deutschland ausschließlich verwenden, wenn sie zum Zeitpunkt der Anwendung für die betreffende Kultur, das konkrete Schadbild und den vorgesehenen Anwendungsbereich zugelassen sind. Das aktuelle amtliche Pflanzenschutzmittel-Verzeichnis und die vollständige Gebrauchsanleitung des Produkts sind maßgeblich. Aufwandmenge, Wartezeiten, Anwendungszahl, Abstandsauflagen und Schutzmaßnahmen exakt nach Etikett einhalten; keine Mittel zweckentfremden oder Zulassungen aus anderen Ländern übertragen.
Betroffene Pflanzen
Die folgenden Pflanzen sind anhand strukturierter Wirtsdaten mit diesem Problem verknüpft. Die Liste wird bei neuen Pflanzenprofilen automatisch aktualisiert.
Feldahorn (Acer campestre) – PflegeAcer campestre
Zimt-Ahorn (Acer griseum) – PflegeAcer griseum
Japanischer Ahorn (Acer japonicum) – PflegeAcer japonicum
Eschen-Ahorn (Acer negundo) – PflegeAcer negundo
Fächer-Ahorn (Acer palmatum) – PflegeAcer palmatum
Spitzahorn (Acer platanoides) – PflegeAcer platanoides
Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) – PflegeAcer pseudoplatanus
Rot-Ahorn (Acer rubrum) – PflegeAcer rubrum
Silber-Ahorn (Acer saccharinum) – PflegeAcer saccharinum
Zucker-Ahorn (Acer saccharum) – PflegeAcer saccharum
Tatarischer Steppen-ahorn (Acer tataricum) – PflegeAcer tataricum
Feuer-Ahorn (Acer tataricum ginnala) – PflegeAcer tataricum ginnala