Kohldrehherzmücke
Schädling

Kohldrehherzmücke

Contarinia nasturtii
Kurzüberblick

Kohldrehherzmücke – Kurzüberblick

Die Kohldrehherzmücke, auch Kohldrehherzgallmücke genannt, ist ein nur 1,5 bis 2 Millimeter großer Schädling an Kohlgewächsen. Ihre Larven sitzen verborgen im Vegetationszentrum und verursachen Vernarbungen, verdrehte Herzblätter, abgestorbene Triebspitzen sowie gestörte Kopf-, Blumen- oder Schotenbildung. Besonders gefährdet sind junge Brokkoli-, Blumenkohl-, Kohlrabi- und Kopfkohlbestände. Die Diagnose ist schwierig, weil die Larven meist verschwunden sind, sobald die Schäden sichtbar werden.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileVegetationspunkt, Herzblätter, junge Blattstiele, Blütenanlagen, Knospen und bei Kohlrabi die Blattachseln beziehungsweise Knolle.
Begünstigende BedingungenFeuchte Witterung, feuchte Böden und junge, ungeschützte Kohlbestände begünstigen Entwicklung und Befall. Nähe zu Vorjahres-Kohl- oder Rapsflächen sowie überwinternde Wirtspflanzen erhöhen das Risiko; anhaltende Hitze und trockene, verkrustete Böden hemmen den Schlupf.
Pflanzendoktor

Überblick

Die Kohldrehherzmücke ist ein kleiner Zweiflügler, dessen Larven im geschützten Bereich zwischen den jüngsten Herzblättern leben. Sie schädigen die Innenseite von Blättern und Blattstielen; die Außenseite kann zunächst unauffällig bleiben. Besonders empfindlich sind Brokkoli und Blumenkohl bis zur Blumenbildung, Kopfkohle bis zur Kopfbildung sowie Kohlrabi und Rosenkohl.

Die Art wird häufig mit mechanischen Verletzungen, Kälte- oder Hitzeschäden, Herbizid- und Pflanzenschutzmittelwirkungen oder Molybdänmangel verwechselt. Eine sichere Diagnose sollte deshalb Larven, typische Vernarbungen und das Auftreten zur Flugzeit gemeinsam berücksichtigen.

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Symptome und Erkennung

  • Junge Herzblätter wachsen verdreht, verkrüppelt oder büschelig weiter.
  • An Blattinnenseiten und Blattstielen entstehen korkige Vernarbungen.
  • Der Vegetationspunkt kann absterben; die Pflanze bleibt „herzlos“.
  • Brokkoli und Blumenkohl bilden mehrere kleine oder lockere Blumen beziehungsweise keine vermarktungsfähige Blume.
  • Bei Kopfkohl wird die Kopfbildung gestört; bei Kohlrabi können Knollen platzen und vernarben.
  • An Raps und Samenträgern schwellen Blütenknospen an, während Kelchblätter und Staubgefäße klein bleiben; die Schotenbildung kann ausbleiben.
  • Die Larven sind gelblich-weiß, kopf- und fußlos sowie sehr klein und springen bei Berührung.
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Ursachen und Ausbreitung

Der wichtigste Ausgangspunkt sind Puppen im Boden von Vorjahresbeständen. Nach dem Schlupf fliegen die kleinen Mücken niedrig zu jungen Kohlpflanzen und legen Eier direkt in die geschützten Herzblätter. Befall wird durch räumliche Nähe zu Kohl- oder Rapsflächen, überwinternde Wirtspflanzen, Kohlunkräuter und wiederholten Kohlanbau gefördert. Auch beerntete Kohlstrünke mit Neuaustrieb können die Entwicklung fortsetzen. Die Ausbreitung erfolgt vor allem durch den Flug der erwachsenen Mücken; Pflanzen- und Bodenbewegungen können den Befall zusätzlich verschleppen.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Die Art überwintert überwiegend als Puppe wenige Zentimeter tief im Boden befallener Flächen; ein Teil der Puppen kann länger überliegen. In Deutschland beginnt der Schlupf gewöhnlich ab Mai, unter geschützten Bedingungen früher. Die nur etwa ein bis drei Tage lebenden Mücken suchen geeignete Kohlpflanzen auf, paaren sich und legen Eier tief zwischen die jüngsten Herzblätter.

Nach dem Schlupf fressen die Larven etwa zwei bis drei Wochen am jungen Gewebe. Ihr Speichel verursacht Wachstumsstörungen und Vernarbungen. Anschließend lassen sie sich zu Boden fallen und verpuppen sich nahe der Wirtspflanze. Je nach Witterung entstehen etwa drei bis fünf, teilweise überlappende Generationen pro Jahr.

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Behandlung und Bekämpfung

Bei akutem Befall sind die Larven im Pflanzenherz nur schwer zu erreichen. Zuerst sollten Befallsstärke und Flugzeit über Kontrollen und Fallen ermittelt werden. Stark geschädigte Pflanzen mit abgestorbenem Vegetationspunkt lassen sich meist nicht mehr vollständig regenerieren und sollten aus dem Bestand entfernt werden, sofern dadurch keine zusätzliche Bodenverschleppung entsteht.

Wenn eine direkte Behandlung erforderlich ist, muss sie zeitlich auf die erwachsenen Mücken und die Eiablage abgestimmt werden, bevor die Larven tief im Herz sitzen. Eine gute Benetzung des Vegetationszentrums ist entscheidend. Die Maßnahme ist in ein integriertes Konzept aus Netzschutz, Fruchtfolge, Hygiene und Überwachung einzubetten und darf nur mit aktuell zugelassenen beziehungsweise genehmigten Mitteln erfolgen.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Im ökologischen und kleingärtnerischen Anbau steht die Verhinderung der Eiablage im Vordergrund:

  • Jungpflanzenquartiere und gefährdete Bestände unmittelbar nach der Pflanzung mit feinmaschigem Kulturschutznetz abdecken. Eine Maschenweite von etwa 0,8 Millimetern bietet einen guten Schutz; Ränder müssen dicht am Boden abschließen.
  • Netze nur auf befallsfreien Flächen einsetzen, weil bereits im Boden vorhandene Puppen auch unter der Abdeckung schlüpfen können.
  • Kaolinpräparate beziehungsweise Pflanzenstärkungsmittel nur nach ihrer jeweiligen deutschen Gebrauchsanweisung einsetzen; die Wirkung beruht vor allem auf einer Erschwerung der Eiablage.
  • Entomopathogene Nematoden wie Steinernema- oder Heterorhabditis-Arten können unter geeigneten Bodenfeuchte- und Temperaturbedingungen zur Befallsminderung beitragen. Die Wirksamkeit ist nicht konstant und das konkrete Produkt muss für die vorgesehene Anwendung zulässig sein.
  • Blühende Randstrukturen und ein möglichst selektiver Pflanzenschutz helfen, natürliche Gegenspieler zu erhalten.
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Vorbeugung

  • Eine mindestens zweijährige Anbaupause für Kohl auf derselben Fläche einhalten.
  • Kohl möglichst mehr als 100 Meter, bei starkem regionalem Befall idealerweise deutlich weiter von Vorjahres-Kohlflächen und Rapsbeständen entfernt anbauen.
  • Windoffene, eher trockene Standorte bevorzugen und gefährdete Kulturen zeitlich staffeln.
  • Frühe Pflanztermine für Kopfkohl und eher späte Termine für Brokkoli können das Zusammentreffen mit frühen Flugwellen verringern; dies ist standort- und witterungsabhängig.
  • Flug mit artspezifischen Pheromonfallen überwachen und die Fallen mindestens zweimal wöchentlich kontrollieren. Gelbtafeln allein sind wegen der Verwechslungsgefahr mit anderen Gallmücken nur eingeschränkt geeignet.
  • Nach der Ernte Pflanzenreste und Strünke zügig beseitigen oder mulchen; Ausfallraps und kreuzblütige Unkräuter reduzieren.
  • Bei starkem Vorjahresbefall eine geeignete Bodenbearbeitung und weite Fruchtfolge einplanen.
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Wissenswertes

  • Die erwachsene Mücke ist nur etwa 1,5 bis 2 Millimeter groß und deshalb im Bestand schwer zu entdecken.
  • Die Larven sitzen im Pflanzenherz, sodass sichtbare Schäden oft erst nach Abschluss ihrer Entwicklung auftreten.
  • Die Art fliegt bodennah und kann sich von Befallsflächen aus über mehrere hundert Meter ausbreiten; in günstigen Situationen werden etwa 1 Kilometer genannt.
  • Auch Raps, Senf, Chinakohl, Pak Choi und verschiedene kreuzblütige Wildpflanzen können als Wirte dienen, sind jedoch nicht immer gleich stark gefährdet.
  • Räuberische Tanzfliegen und kleine Spinnen gehören zu den natürlichen Gegenspielern.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

In Deutschland dürfen ausschließlich Pflanzenschutzmittel verwendet werden, die für die jeweilige Kultur und den betreffenden Schaderreger aktuell zugelassen oder genehmigt sind. Zulassungsstand, Kultur, Aufwandmenge, Wartezeit, Anwendungszeitpunkt und Auflagen sind vor jeder Anwendung im amtlichen Pflanzenschutz-Informationsportal zu prüfen. Immer das aktuelle Etikett befolgen; eine pauschale Wirkstoff- oder Spritzfolge wird nicht empfohlen.