EichenprozessionsspinnerQuelle: Wikimedia CommonsDaniel Ullrich, ThreedotsCC BY-SA 3.0
Schädling

Eichenprozessionsspinner

Thaumetopoea processionea (Linnaeus)
Kurzüberblick

Eichenprozessionsspinner – Kurzüberblick

Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist ein wärmeliebender Schmetterlingsschädling an Eichen. Die Raupen verursachen Blattfraß und bilden ab dem dritten Larvenstadium gesundheitlich problematische Brennhaare. Besonders relevant ist der Befall an Straßen-, Park- und Alleebäumen, weil Gespinste und alte Raupenhaare Menschen und Tiere gefährden können. Befallene Nester niemals selbst berühren oder mit Wasser entfernen.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileBlätter, junge Zweige und Kronen von Eichen; Gespinste an Stamm, Starkästen und Astgabeln.
Begünstigende BedingungenWarme, trockene Frühjahre und Sommer, wärmebegünstigte offene Lagen, Straßen- und Parkbäume sowie Eichenbestände mit hoher Sonneneinstrahlung fördern hohe Dichten. Milde Winter und frühes Austreiben können die Entwicklung begünstigen; entscheidend sind zusätzlich natürliche Feinde, Witterungsverlauf und Nahrungskonkurrenz.
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Überblick

Der Eichenprozessionsspinner befällt in Deutschland vor allem Eichen im Offenland, an Straßen, in Parks, auf Spiel- und Freizeitflächen sowie an Waldrändern. Einzelne Raupen verursachen meist keinen bestandsbedrohenden Schaden. Wiederholter starker Fraß oder das gemeinsame Auftreten mit weiteren Eichenfraßschädlingen kann Bäume jedoch schwächen.

Typisch sind gesellige Raupen, die nachts zur Nahrungssuche in langen Prozessionen an Stamm und Ästen entlangwandern. Tagsüber sitzen sie in dicht gesponnenen Nestern an Stamm, Starkästen oder in Astgabeln. Eine sichere Artbestimmung sollte wegen der Verwechslungsgefahr mit anderen behaarten Raupen fachkundig erfolgen.

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Symptome und Erkennung

Die Raupen fressen zunächst Loch- und Randfraß an jungen Eichenblättern, später können sie ganze Triebe entlauben. Bei Massenvermehrungen entstehen lichte bis stark ausgedünnte Kronen; wiederholter Kahlfraß kann die Vitalität der Eiche beeinträchtigen.

Charakteristisch sind weiße bis graubraune Gespinste und kompakte, oft größere Nester an Stamm, Starkästen oder in Astgabeln. Die Raupen erscheinen häufig in Reihen oder Prozessionen. Brennhaare können auch ohne sichtbare Raupen durch Wind verbreitet werden und an Kleidung, Boden oder Vegetation haften.

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Ursachen und Ausbreitung

Die Ausbreitung erfolgt durch den natürlichen Flug der Falter; eine Verschleppung ist außerdem mit Raupen, Gespinsten, Brennhaaren, Schnittgut oder kontaminierter Arbeits- und Schutzkleidung möglich. Hohe Dichten treten besonders an wärmebegünstigten Eichen im Offenland und im öffentlichen Grün auf.

Warme, trockene Witterungsperioden können Populationsanstiege fördern. Die Populationsentwicklung hängt jedoch nicht allein vom Klima ab, sondern auch von Eichenangebot, Baumvitalität, Konkurrenz durch andere Blattfresser, Krankheiten und natürlichen Gegenspielern.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Die Falter fliegen überwiegend im Juli und August. Nach der Paarung legt das Weibchen seine Eier meist in der Krone an dünnen Zweigen und Zweigspitzen ab; die Eier überwintern. Im folgenden Frühjahr schlüpfen die Larven etwa zum Zeitpunkt des Eichenblattaustriebs.

Die Raupen durchlaufen mehrere Larvenstadien. Ab dem dritten Stadium bilden sie die typischen Brennhaare und beginnen mit dem Bau auffälliger Gespinste. Die Nahrungssuche findet vorwiegend nachts statt, häufig in Prozessionen. Im Juni oder Juli verpuppen sich die Larven im Nest; pro Jahr entsteht normalerweise eine Generation.

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Behandlung und Bekämpfung

Bei Verdacht im öffentlichen Raum, an Spielplätzen, Schulen, Wegen oder auf größeren Privatgrundstücken sollte der Bereich zunächst abgesperrt und ein qualifizierter Fachbetrieb oder die zuständige Behörde eingeschaltet werden. Die sicherste kurative Maßnahme gegen Nester ist die fachgerechte Absaugung mit geeigneter Schutz- und Filtertechnik. Das Entfernen sollte möglichst vor dem Ausflug der Falter und nach fachlicher Beurteilung erfolgen.

Bei starkem Blattfraß im Wald ist nicht jeder Befall behandlungsbedürftig. Maßnahmen werden nach Monitoring, Baumgefährdung, Zugänglichkeit und Gesundheitsrisiko abgewogen. In besonders schützenswerten oder frequentierten Bereichen können zugelassene biologische oder chemische Verfahren fachlich geprüft werden; Zeitpunkt, Gerät und Abstandsauflagen sind entscheidend.

Bei Haut-, Augen- oder Atemwegsbeschwerden nach Kontakt: kontaminierte Kleidung vorsichtig ausziehen, Haut und Haare reinigen, Augen mit Wasser spülen und bei stärkeren oder anhaltenden Beschwerden medizinischen Rat einholen. Raupen und Nester nicht anfassen.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Biologische Regulation beginnt mit dem Schutz natürlicher Gegenspieler. Strukturreiche Eichenbestände, blütenreiche Saumbereiche und der Verzicht auf unnötige Breitbandinsektizide fördern parasitoide Raupenfliegen, Schlupfwespen, räuberische Wanzen und insektenfressende Vögel. Nistkästen können lokal die Aktivität von Meisen und anderen Höhlenbrütern unterstützen, ersetzen aber keine Befalls- und Sicherheitsmaßnahmen.

Bei kleinen, gut zugänglichen Befallsstellen ist eine mechanische Entfernung durch einen spezialisierten Fachbetrieb meist die zielgenaueste Maßnahme. Das Nest muss fachgerecht abgesaugt und sicher entsorgt werden. Wegen der Brennhaare sind Selbsthilfe, Abflammen, Abwaschen mit Hochdruck oder das Abspritzen mit Wasser zu vermeiden.

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Vorbeugung

  • Eichen an stark frequentierten Orten im Frühjahr und Frühsommer regelmäßig aus sicherer Entfernung kontrollieren lassen.
  • Auf Prozessionen, Gespinste, Fraßschäden und alte Nester achten; nicht eigenständig berühren, öffnen oder entfernen.
  • Befallsstellen absperren und die zuständige Gemeinde, das Grünflächenamt oder den Eigentümer informieren, wenn Wege, Spielplätze oder Aufenthaltsbereiche betroffen sind.
  • Arbeitsgeräte, Kleidung und Fahrzeuge nach Arbeiten an befallenen Bäumen fachgerecht reinigen; kontaminiertes Material nicht in den Hausgarten verbringen.
  • Bei Neupflanzungen standortgerechte, vielfältige Baumstrukturen fördern; eine einzelne Baumart in stark frequentierten Bereichen erhöht das Managementrisiko.
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Wissenswertes

  • Der deutsche Name bezieht sich auf die auffällige Fortbewegung der Raupen in langen Prozessionen.
  • Die Brennhaare enthalten das Nesselgift Thaumetopoein und werden leicht durch Wind, Tiere oder Kleidung verbreitet.
  • Die Haare bleiben in alten Nestern und an befallenen Stellen lange problematisch; ein verlassenes Nest ist daher nicht automatisch ungefährlich.
  • Natürliche Gegenspieler wie Raupenfliegen, Schlupfwespen, Vögel und räuberische Insekten tragen zum Zusammenbruch von Massenvermehrungen bei, verhindern deren Aufbau aber nicht zuverlässig.
  • Im deutschen Siedlungsbereich ist der Schädling zugleich ein Pflanzenschutz- und ein Gesundheitsvorsorgeproblem.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland nur eingesetzt werden, wenn das konkrete Mittel für die betreffende Kultur, Situation und Anwendung zugelassen beziehungsweise genehmigt ist. Die aktuelle Zulassung und Auflagen sind vor jeder Anwendung in der BVL-Datenbank zu prüfen; maßgeblich ist stets das aktuelle Etikett. Anwendungen an öffentlichen Flächen, im Wald oder in Baumkronen gehören in die Hände qualifizierter Fachstellen und müssen Natur-, Gewässer- und Gesundheitsschutz berücksichtigen.