Zwiebelthrips (Thrips tabaci)
Thrips tabaci LindemanZwiebelthrips (Thrips tabaci) – Kurzüberblick
Der Zwiebelthrips, auch Tabakthrips oder Tabakblasenfuß genannt, ist ein sehr kleiner Fransenflügler und ein wichtiger Schädling an Zwiebeln, Porree, Knoblauch und weiteren Gemüse- und Zierpflanzen. Larven und erwachsene Tiere saugen Pflanzenzellen aus. Typisch sind silbrig-weiße Blattflecken, schwarze Kottröpfchen, Blattdeformationen und bei starkem Befall Ertrags- und Qualitätseinbußen.
Typische Bedingungen
Überblick
Thrips tabaci wird im Deutschen meist Zwiebelthrips, Tabakthrips oder Tabakblasenfuß genannt. Die etwa 1 mm kleinen Larven und erwachsenen Tiere saugen Pflanzenzellen aus, bevorzugt in Blattscheiden, im Pflanzenherz, an Blattunterseiten und teilweise in Blüten.
In Deutschland ist der Schädling vor allem an Zwiebel, Porree, Knoblauch, Schalotte und Schnittlauch relevant. Die Befallsstärke nimmt häufig während warmer, trockener Sommerperioden zu. Eine sichere Artbestimmung erfordert bei schwierigen Fällen die Untersuchung unter dem Mikroskop, da mehrere Thripsarten ein ähnliches Schadbild verursachen.
Symptome und Erkennung
Typisch sind zunächst kleine, hellgelbe bis weißlich-silbrige Punkte, Flecken oder längliche Streifen auf den Blättern. Bei genauer Betrachtung finden sich häufig kleine schwarze Kottröpfchen.
- silbrig glänzende oder grau gesprenkelte Blätter
- Aufhellungen und Nekrosen an Blattspitzen und Blatträndern
- Verdrehung, Verkrüppelung oder Verkorkung junger Blätter
- Wuchshemmung sowie Qualitäts- und Ertragseinbußen
- bei Blüten- und Fruchtgemüse: aufgehellte Blüten, deformierte Blüten oder Früchte
Bei Zwiebeln und Porree sitzen die Tiere oft geschützt im Herzbereich und zwischen den Blattscheiden. Virussymptome, beispielsweise nach einer Übertragung von Tospoviren, können zusätzlich auftreten, sind aber nicht allein beweisend für einen Zwiebelthripsbefall.
Ursachen und Ausbreitung
Die Schäden entstehen durch die Saugtätigkeit von Larven und Adulten. Beim Anstechen und Aussaugen der obersten Zellschichten sterben Pflanzenzellen ab und erscheinen durch Lufteinschlüsse silbrig. Die Tiere können sich aus benachbarten Kulturen, Unkräutern, Pflanzenresten und älteren Beständen ausbreiten. Verschleppung ist außerdem über befallenes Pflanzenmaterial möglich.
Warme, trockene Witterung begünstigt die Populationsentwicklung und die Ausbreitung im Freiland. Im geschützten Anbau können kontinuierliche Kulturfolgen, dichter Pflanzenbestand und unzureichende Hygiene den Befall verstärken.
Lebenszyklus und Überdauerung
Die Weibchen legen nierenförmige Eier in das Pflanzengewebe. Nach dem Schlupf fressen zunächst zwei Larvenstadien an den oberirdischen Pflanzenteilen. Anschließend folgen Vorpuppen- und Puppenstadien, die überwiegend im Boden, Substrat oder in geschützten Pflanzenbereichen vorkommen.
Aus den Puppen schlüpfen die geflügelten Adulten. Bei günstigen Temperaturen können sich mehrere Generationen pro Jahr entwickeln; die genaue Dauer hängt von Temperatur, Wirtspflanze und Kulturbedingungen ab. In Deutschland überdauert die Art vor allem als erwachsenes Tier oder in geschützten Stadien an Pflanzenresten und im Boden. Die Art kann sich häufig parthenogenetisch vermehren.
Behandlung und Bekämpfung
Die Behandlung sollte nach einer Kontrolle und einer Befallsbewertung erfolgen. Einzelne Thripse rechtfertigen nicht automatisch eine Pflanzenschutzmaßnahme. Bei Zwiebeln und Porree ist eine vollständige Benetzung schwierig, weil sich die Tiere im Herz und in den Blattscheiden verstecken.
- Befallene Pflanzenbereiche und stark geschädigte Blätter bei kleineren Beständen entfernen und über den Hausmüll entsorgen, nicht kompostieren.
- Bestände gleichmäßig mit Wasser versorgen und ausgeprägten Trockenstress vermeiden; dies reduziert den Witterungsvorteil des Schädlings, ersetzt aber keine Kontrolle.
- Leimtafeln zur Überwachung weiterführen und Behandlungen nur anhand von Befund, Kulturstadium und Bekämpfungsziel entscheiden.
- Im geschützten Anbau frühzeitig mit passenden Gegenspielern beginnen, bevor sich große Populationen in Blüten, Herz und Blattscheiden aufgebaut haben.
Schonende und biologische Bekämpfung
Im biologischen und integrierten Anbau kommen je nach Kultur und Umgebung räuberische Nützlinge zum Einsatz. Raubmilben der Gattungen Amblyseius beziehungsweise Neoseiulus können Eier und junge Larven auf den oberirdischen Pflanzenteilen erfassen. Raubwanzen wie Orius laevigatus und Orius majusculus fressen bewegliche Thripse, während bodenlebende Raubmilben wie Stratiolaelaps scimitus und Gaeolaelaps aculeifer Puppenstadien im Substrat angreifen können.
Unter geeigneten Bedingungen kann Steinernema feltiae gegen boden- und pflanzennahe Entwicklungsstadien eingesetzt werden. Die Wirkung hängt stark von Feuchtigkeit, Temperatur, Ausbringung, Kultur und Befallsstadium ab. Nützlinge müssen deshalb kultur- und klimabezogen ausgewählt und nach Anbieterangaben eingesetzt werden. Netzabdeckung, Hygiene, Unkrautkontrolle und Monitoring bleiben wichtige Ergänzungen.
Vorbeugung
Vorbeugung ist ein zentraler Bestandteil der Bekämpfung, weil Thripse in den Blattscheiden schwer zu erreichen sind.
- Zwiebel-, Porree-, Knoblauch- und Schalottenbestände regelmäßig kontrollieren, besonders ab Juni bis August.
- Blattscheiden und Herzbereich auf bewegliche Larven, silbrige Saugstellen und schwarze Kottröpfchen prüfen.
- Blaue oder gelbe Leimtafeln zur Flugüberwachung einsetzen; sie dienen dem Monitoring, beseitigen den Befall aber nicht vollständig.
- Unkräuter und Ausfallpflanzen in und unmittelbar neben den Beständen entfernen.
- Erntereste zügig beseitigen oder fachgerecht einarbeiten und keine alten Allium-Bestände über längere Zeit stehen lassen.
- Fruchtfolge einhalten und benachbarte, zeitgleich wachsende Allium-Bestände möglichst räumlich entzerren.
- Jungpflanzen und empfindliche Freilandkulturen frühzeitig mit einem geeigneten Kulturschutznetz schützen; das Netz muss vor dem Zuflug aufgelegt werden.
- Im Gewächshaus Unkraut, Pflanzenreste und nicht benötigte Wirtspflanzen entfernen sowie Geräte und Arbeitsbereiche sauber halten.
Wissenswertes
- Der Zwiebelthrips wird im Alltag auch Tabakthrips oder Tabakblasenfuß genannt.
- Die Art ist sehr klein und lebt häufig verborgen zwischen Blattscheiden, wodurch ein Befall spät auffällt und Spritzmaßnahmen erschwert werden.
- Silbrige Flecken entstehen nicht durch eine typische Pilzinfektion, sondern durch abgestorbene, ausgesaugte Pflanzenzellen.
- Thrips tabaci kann unter geeigneten Bedingungen Pflanzenviren übertragen; der Nachweis eines Thripses beweist jedoch nicht automatisch eine Virusinfektion.
- Die Art ist polyphag, ihre wirtschaftliche Bedeutung und die tatsächlich besiedelten Wirtspflanzen variieren jedoch nach Region, Kultur und Jahreszeit.
Nur Pflanzenschutzmittel verwenden, die in Deutschland zum jeweiligen Zeitpunkt für die konkrete Kultur und das entsprechende Schadorganismus-Problem legal zugelassen oder genehmigt sind. Zulassungen, Auflagen, Wartezeiten, Anwendungsbestimmungen und Bienenschutzauflagen können sich ändern. Vor jeder Anwendung das aktuelle amtliche Zulassungsregister und die aktuelle Produktkennzeichnung prüfen und das Etikett strikt befolgen. Keine pauschale Spritzfolge anwenden; Wirkstoffgruppen zur Resistenzvermeidung nur nach zugelassener Beratung und Kennzeichnung einsetzen.
Betroffene Pflanzen
Die folgenden Pflanzen sind anhand strukturierter Wirtsdaten mit diesem Problem verknüpft. Die Liste wird bei neuen Pflanzenprofilen automatisch aktualisiert.
Zwiebel (Allium cepa) – PflegeAllium cepa
Sternkugel-Lauch (Allium christophii) – PflegeAllium christophii
Winter-Zwiebel (Allium fistulosum) – PflegeAllium fistulosum
Riesenlauch (Allium giganteum) – PflegeAllium giganteum
Lauch (Allium) – PflegeAllium
Knoblauch (Allium sativum) – PflegeAllium sativum
Schnittlauch (Allium schoenoprasum) – PflegeAllium schoenoprasum
Bärlauch (Allium ursinum) – PflegeAllium ursinum
Quelle: