GewächshausmottenschildlausQuelle: Wikimedia CommonsSchroboe at German WikipediaCC BY-SA 3.0
Schädling

Gewächshausmottenschildlaus

Trialeurodes vaporariorum
Kurzüberblick

Gewächshausmottenschildlaus – Kurzüberblick

Die Gewächshausmottenschildlaus (Trialeurodes vaporariorum), auch Gewächshaus-Weiße Fliege genannt, befällt zahlreiche Gemüse- und Zierpflanzen. Erwachsene Tiere und Nymphen saugen an den Blattunterseiten, wodurch Blätter vergilben, Pflanzen an Vitalität verlieren und bei starkem Befall Honigtau sowie Rußtau auftreten. Besonders rasch vermehrt sich der Schädling in warmen Gewächshäusern und Innenräumen.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileVor allem Blattunterseiten und junge Blätter; bei starkem Befall zusätzlich Triebspitzen, Blüten und Früchte durch Honigtau- und Rußtauablagerungen.
Begünstigende BedingungenWarme, geschützte Bestände mit dichtem Blattwerk, geringer Luftbewegung, kontinuierlichem Pflanzenangebot und unzureichender Kontrolle von Unkräutern oder befallenen Jungpflanzen. Unter günstigen Bedingungen kann eine Generation etwa drei bis vier Wochen benötigen.
Pflanzendoktor

Überblick

Die Gewächshausmottenschildlaus ist ein kleiner, meist 1–2 mm langer Saugschädling. Die gelblichen Erwachsenen tragen vier mehlartig weiß bepuderte Flügel und fliegen beim Berühren der Pflanze auffällig auf. Eier, Nymphen und Puppenstadien befinden sich überwiegend an den Blattunterseiten.

Durch den Saftentzug werden Pflanzen geschwächt; bei hoher Populationsdichte können Wachstum, Blattqualität und Ertrag deutlich zurückgehen. Die zuckerhaltigen Ausscheidungen der Tiere hinterlassen klebrigen Honigtau, auf dem sich Rußtaupilze ansiedeln.

Pflanzendoktor

Symptome und Erkennung

  • Kleine weiße Fliegen steigen bei Erschütterung aus dem Pflanzenbestand auf.
  • Auf den Blattunterseiten sitzen gelbliche, flache Nymphen und puppenähnliche Stadien.
  • Blätter zeigen bei stärkerem Befall gelbliche Sprenkelung, Aufhellungen, Wachstumsdepression oder vorzeitiges Vergilben.
  • Honigtau macht Blätter und Früchte klebrig; anschließend kann schwarzer Rußtau entstehen.
  • Bei der Diagnose stets auch Bemisia tabaci berücksichtigen, da beide Arten ähnliche Schäden verursachen.
Pflanzendoktor

Ursachen und Ausbreitung

Die Verbreitung erfolgt vor allem durch zufliegende oder verschleppte erwachsene Tiere sowie durch befallene Jungpflanzen, Stecklinge und Pflanzenreste. Dichte Bestände, Unkräuter im und am Gewächshaus und ein kontinuierliches Angebot junger Blätter erleichtern die Etablierung.

Beim Einräumen neuer Pflanzen, bei Schnitt- und Pflegearbeiten sowie durch Luftbewegung können Tiere zwischen Kulturen wechseln. Befallene Pflanzenmaterialien sollten deshalb getrennt kontrolliert und nicht ungeprüft in Gewächshaus oder Wintergarten gestellt werden.

Pflanzendoktor

Lebenszyklus und Überdauerung

Die Weibchen legen die kleinen, ovalen Eier meist an der Blattunterseite ab. Nach dem Schlupf folgen mehrere bewegliche beziehungsweise sessile Nymphenstadien; das letzte Stadium wird häufig als Puppe bezeichnet. Die unreifen Stadien saugen Pflanzensaft, während die erwachsenen Tiere vor allem der Ausbreitung und Fortpflanzung dienen.

Die Entwicklungsdauer ist stark temperatur- und kulturabhängig. In beheizten Gewächshäusern können sich überlappende Generationen bilden, sodass gleichzeitig Eier, Nymphen, Puppen und Erwachsene vorhanden sind. Im deutschen Freiland überdauert die Art in der Regel nicht zuverlässig; geschützte, frostfreie Pflanzenbestände ermöglichen jedoch eine Fortsetzung des Befalls.

Pflanzendoktor

Behandlung und Bekämpfung

Zunächst Befall bestätigen und den Schwerpunkt auf den Blattunterseiten lokalisieren. Einzelne Zimmer- oder Kübelpflanzen können isoliert, gründlich abgesucht und wiederholt mit Wasser abgespült werden. Stark befallene Blätter oder ganze Pflanzen sind zu entfernen und in geschlossenen Säcken zu entsorgen, nicht auf dem Kompost.

Im Gewächshaus sollte die Bekämpfung nach dem Prinzip des integrierten Pflanzenschutzes erfolgen: Monitoring, Befallsherde, Kulturhygiene und passende Nützlinge kombinieren. Chemische Maßnahmen sind nur als begründete Ergänzung sinnvoll, da Eier und sessile Nymphen geschützt sitzen und wiederholte, ungezielte Anwendungen Nützlinge schädigen sowie Resistenzselektion fördern können.

Pflanzendoktor

Schonende und biologische Bekämpfung

Im geschützten Anbau ist biologische Kontrolle häufig der wichtigste Baustein. Gegen junge Stadien werden insbesondere Encarsia formosa und je nach Betriebssystem Eretmocerus-Arten eingesetzt. Nützlinge frühzeitig, wiederholt und nach Monitoring auszubringen ist meist wirksamer als eine späte Einzelmaßnahme bei bereits starkem Befall.

  • Gelbe Leimtafeln zur Flugüberwachung einsetzen, nicht als alleinige Bekämpfung betrachten.
  • Befallene Pflanzenpartien vorsichtig entfernen oder stark befallene Pflanzen aus dem Bestand nehmen.
  • Blattunterseiten mit Wasser abspülen; bei empfindlichen Kulturen zunächst an wenigen Pflanzen testen.
  • Nur für die Kultur geeignete Präparate auf Basis zugelassener Seifen oder Öle erwägen und deren Etikett strikt beachten, da wiederholte Anwendungen Blattverbrennungen verursachen können.
  • Nützlinge nicht gleichzeitig mit für sie schädlichen Pflanzenschutzmitteln einsetzen; Herstellerangaben zur Warte- und Verträglichkeitszeit beachten.
Pflanzendoktor

Vorbeugung

  • Neue Pflanzen mindestens mehrere Tage getrennt auf Blattunterseiten, Leimtafeln und typische weiße Fliegen kontrollieren.
  • Bestände regelmäßig mit einer Lupe untersuchen und Befallsherde markieren, bevor die Erwachsenen ausfliegen.
  • Pflanzenreste, abgefallene Blätter und Unkräuter im Gewächshaus sowie unmittelbar angrenzend entfernen.
  • Überbelegung vermeiden, für ausreichende Luftbewegung sorgen und unnötig weiches, stark stickstoffbetontes Wachstum vermeiden.
  • Leimtafeln zur Früherkennung auf Bestandshöhe anbringen und Kontrollen wöchentlich, bei warmem Wetter häufiger durchführen.
  • Bei wiederkehrendem Gewächshausbefall eine vorbeugende Nützlingsstrategie mit Fachberatung planen.
Pflanzendoktor

Wissenswertes

  • Die Art wird im Deutschen auch als Gewächshaus-Weiße Fliege bezeichnet.
  • Sie besitzt einen sehr breiten Wirtspflanzenbereich; dokumentiert sind zahlreiche Gemüse-, Kräuter- und Zierpflanzen sowie Unkräuter.
  • Gelbe Leimtafeln eignen sich besonders zum Nachweis und zur Flugüberwachung der Erwachsenen, erfassen aber nicht zuverlässig Eier und Nymphen.
  • Die Schlupfwespe Encarsia formosa ist ein klassischer Nützling gegen die Gewächshausmottenschildlaus; ihr Einsatz muss an Temperatur, Kultur und Befallsstärke angepasst werden.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland ausschließlich verwendet werden, wenn sie für die konkrete Kultur und das betreffende Schadorganismus- beziehungsweise Anwendungsgebiet aktuell zugelassen sind. Vor jeder Anwendung die BVL-Datenbank und das aktuelle Etikett prüfen; Dosierung, Wartezeit, Anwenderschutz, Auflagen und bienengefährliche Eigenschaften strikt einhalten. Ein pauschales Spritzprogramm ist nicht verlässlich, weil Zulassungen, Kulturgruppen und Resistenzen variieren.

Nachvollziehbarkeit

Quellen

95–98 % für die Art und die Grundbiologie; einzelne Wirtspflanzenangaben und die sichere Abgrenzung zu Bemisia tabaci hängen von Kultur, Region und Bestimmungsmethode ab.