Hitzestress bei Pflanzen
Umweltstress

Hitzestress bei Pflanzen

Kurzüberblick

Hitzestress bei Pflanzen – Kurzüberblick

Hitzestress ist eine umweltbedingte Schädigung, die bei hohen Temperaturen, intensiver Sonneneinstrahlung, trockenem Boden oder heißem Wind entsteht. Typisch sind Welke, eingerollte oder verbrannte Blätter, Wachstumsstillstand, Blütenfall und Sonnenbrand an Früchten. Besonders gefährdet sind frisch gepflanzte, flach wurzelnde, im Topf kultivierte sowie hitzeempfindliche Gemüse-, Obst- und Zierpflanzen.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileBlätter, Blattränder, junge Triebe, Blüten, Früchte und bei Kübelpflanzen auch der überhitzte Wurzelballen.
Begünstigende BedingungenMehrere heiße, sonnige Tage, trockener Boden, heißer Wind, geringe Luftfeuchte, unbeschattete Süd- oder Südwestlagen, kleine Gefäße, verdichteter Boden und frisch verpflanzte Pflanzen.
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Überblick

Bei Hitzestress geraten Wasserhaushalt, Transpiration, Photosynthese und Zellstoffwechsel aus dem Gleichgewicht. Die Spaltöffnungen schließen sich teilweise, um Wasserverlust zu begrenzen; dadurch sinkt jedoch der Gasaustausch und das Wachstum verlangsamt sich. Temperaturen um oder über 38 °C in Verbindung mit starker Sonne können sichtbare Hitzeschäden und Sonnenbrand auslösen, wobei die tatsächliche Schadensschwelle von Pflanzenart, Sorte, Akklimatisierung, Luftfeuchte, Wind und Wasserversorgung abhängt.

In Deutschland tritt das Problem besonders während sommerlicher Hitzeperioden von Juni bis August auf, bei Kübelpflanzen, Jungpflanzen, Gewächshauskulturen und frisch gesetzten Gehölzen oft früher und stärker. Hitzestress kann Folgeprobleme wie Blütenendfäule, Fruchtaufplatzen oder eine erhöhte Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten begünstigen, ist aber selbst kein Erregerbefall.

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Symptome und Erkennung

  • Schlaffe oder dauerhaft welke Blätter, auch wenn der Boden oberflächlich feucht wirkt.
  • Eingerollte Blattränder oder nach unten hängende Blätter, besonders bei Tomate, Paprika und Kürbisgewächsen.
  • Helle, bleiche, ockerfarbene oder später braune, papierartige Flecken auf der sonnenzugewandten Blatt- oder Fruchtseite.
  • Vertrocknete Blattränder, Blattfall, Triebsterben oder Wachstumsstillstand.
  • Abwurf von Blüten und schlechte Fruchtbildung bei Tomate, Paprika, Gurke und Bohne.
  • Bitterer Geschmack und vorzeitiges Schossen bei Salat und anderem Blattgemüse.
  • Bei Tomaten und Zucchini kann unter Trockenstress Blütenendfäule auftreten; sie ist eine Folge gestörter Calciumaufnahme und nicht direkt ein Sonnenbrand.

Gleichmäßig verteilte Flecken, Beläge, Fraßspuren oder typische Pilzfruchtkörper sprechen eher für eine Krankheit oder einen Schädling und sollten gesondert geprüft werden.

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Ursachen und Ausbreitung

Auslöser sind hohe Luft- und Gewebetemperaturen, intensive direkte Sonne, trockener oder heißer Wind, geringe Bodenfeuchte, niedrige Luftfeuchte sowie eingeschränkter Wurzelraum. Besonders kritisch sind Süd- und Südwestlagen, dunkle Pflanzgefäße, versiegelte Flächen, verdichtete Böden und frisch verpflanzte Pflanzen. Unkrautkonkurrenz, beschädigte Wurzeln und unregelmäßiges Gießen verschärfen den Wasserstress.

Der Schaden breitet sich nicht wie eine Infektion von Pflanze zu Pflanze aus. Er nimmt vielmehr innerhalb einer Kultur oder eines Bestandes zu, wenn dieselben Hitze-, Strahlungs- und Bodenbedingungen vorliegen. Bereits geschädigtes Gewebe kann anschließend leichter von opportunistischen Krankheitserregern besiedelt werden.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Hitzestress entwickelt sich meist innerhalb weniger Stunden bis Tage. Zunächst steigt die Transpiration; die Pflanze reagiert mit vorübergehender Welke und dem Schließen der Spaltöffnungen. Bei anhaltender Belastung folgen eingerollte Blätter, Wachstums- und Fruchtbildungsstörungen sowie Blütenfall. Überhitztes Gewebe bleicht aus, wird braun und stirbt ab. Nach sinkenden Temperaturen und ausreichender Bodenfeuchte können unverletzte Triebe wieder austreiben, verbrannte Blätter und Früchte bleiben jedoch dauerhaft geschädigt.

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Behandlung und Bekämpfung

  1. Bodenfeuchte in mehreren Zentimetern Tiefe prüfen; nicht allein nach einer vorübergehend welken Blattspitze entscheiden.
  2. Trockene Pflanzen langsam und gründlich an der Basis wässern, sodass der gesamte Wurzelraum durchfeuchtet wird. Staunässe vermeiden.
  3. Empfindliche Pflanzen vor der Nachmittagssonne abschirmen und Kübel an einen hellen, aber zeitweise schattigen, windgeschützten Platz stellen.
  4. Früchte mit starkem Sonnenbrand, vollständig abgestorbene Blätter und eindeutig vertrocknete Triebe nach der Hitzeperiode vorsichtig entfernen.
  5. Nach der Erholung nur moderat düngen und zunächst keine starken Schnittmaßnahmen durchführen.
  6. Bei wiederkehrenden Schäden Standort, Bewässerung, Topfgröße, Wurzelzustand und mögliche Krankheiten oder Schädlinge überprüfen.

Überkopfberegnung während der größten Hitze ist wenig effizient und kann bei empfindlichem Laub zusätzliche Blattprobleme fördern. Bei Tomaten, Paprika und Gurken sollte Wasser möglichst direkt auf den Boden gelangen.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Geeignete nichtchemische Maßnahmen sind eine organische Mulchdecke, humusreicher und gut strukturierter Boden, Tröpfchen- oder Perlschlauchbewässerung, gespeichertes Regenwasser im Rahmen örtlicher Vorgaben sowie eine vorübergehende Schattierung. Bei Gemüse kann ein luftdurchlässiges Schattiergewebe helfen; bei Beerenobst schützen ausreichende Blattmasse, ein geeigneter Standort und eine gleichmäßige Wasserversorgung vor direkter Fruchterhitzung.

Biologische Pflanzenschutzmittel sind gegen Hitzestress nicht die passende Hauptmaßnahme. Erst wenn sich zusätzlich ein bestimmter Schaderreger nachweisen lässt, sollte dessen Bekämpfung nach den Grundsätzen des integrierten Pflanzenschutzes erfolgen.

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Vorbeugung

  • Standort und Pflanzenwahl anpassen: hitze- und trockenheitsverträgliche Arten beziehungsweise Sorten für exponierte deutsche Gartenstandorte bevorzugen.
  • Vor einer Hitzeperiode den Boden gründlich durchfeuchten und anschließend bedarfsgerecht im Wurzelbereich bewässern.
  • Morgens oder bei starker Hitze am frühen Abend langsam und tief gießen; Tropfschläuche oder eine bodennahe Bewässerung reduzieren Verdunstungsverluste.
  • Eine etwa 5 cm starke, lockere Mulchschicht aus geeignetem organischem Material aufbringen, ohne den Pflanzenhals zu bedecken.
  • Jungpflanzen, Salat, Beerenobst und Kübelpflanzen während der heißesten Nachmittagsstunden mit luftdurchlässigem Schattiergewebe schützen.
  • Kübel vor aufgeheizten Wänden und dunklen Bodenflächen schützen, größere Gefäße verwenden und die Wurzeln nicht austrocknen lassen.
  • Humusgehalt und Bodenstruktur durch Kompost, organische Substanz und dauerhafte Bodenbedeckung verbessern; Unkraut als Wasserkonkurrenz entfernen.
  • Während akuter Hitze nicht stark zurückschneiden, umtopfen oder übermäßig düngen.
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Wissenswertes

  • Dunkle Früchte wie Brombeeren, Himbeeren, Johannisbeeren, rote Trauben und Pflaumen erwärmen sich in der Sonne besonders stark; Sonnenbrand zeigt sich oft zunächst als helle, später braune Stelle.
  • Bei Äpfeln kann das Gewebe um eine Sonnenbrandstelle schneller reifen als der übrige Fruchtbereich.
  • Tomaten- und Paprikablüten können bei anhaltender Hitze abfallen, ohne dass eine Krankheit vorliegt.
  • Blattrollen sind zunächst eine Schutzreaktion zur Verringerung des Wasserverlusts, werden bei anhaltender Belastung aber von bleibenden Verbrennungen gefolgt.
  • Ein feuchter Boden schließt Hitzestress nicht vollständig aus: starke Strahlung kann Blätter und Früchte direkt überhitzen.
  • Regelmäßiges leichtes Gießen an der Oberfläche fördert nicht zuverlässig ein tiefes Wurzelsystem; gründliches, bedarfsgerechtes Wässern ist meist wirksamer.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Gegen Hitzestress selbst gibt es kein allgemein notwendiges Pflanzenschutzmittel. Verwenden Sie Pflanzenschutzmittel nur, wenn ein zusätzlicher Schaderreger sicher festgestellt wurde, das jeweilige Mittel in Deutschland für die betreffende Kultur und Anwendung aktuell zugelassen ist, und befolgen Sie strikt das aktuelle amtliche Etikett sowie die Anwendungsbestimmungen. Hitze- oder trockenheitsgeschädigte Pflanzen nicht vorsorglich mit Mitteln behandeln.