Entomosporium-Blattbräune
Krankheit

Entomosporium-Blattbräune

Diplocarpon mespili (syn. Entomosporium mespili; weitere historische Synonyme umfassen Entomosporium maculatum und Fabraea maculata)
Kurzüberblick

Entomosporium-Blattbräune – Kurzüberblick

Die Entomosporium-Blattbräune ist eine pilzliche Blattfleckenkrankheit an Gehölzen der Rosengewächse. Typisch sind zunächst kleine rötlich-violette Flecken, später dunkle Fruchtkörper, zusammenfließende Nekrosen und bei starkem Befall vorzeitiger Laubfall. In Deutschland fällt sie besonders an Quitte, Weiß- und Rotdorn, Birne sowie Glanzmispel auf; feuchte Blätter fördern die Ausbreitung.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileVor allem junge und ausgewachsene Blätter; gelegentlich grüne Triebe, Blattstiele und Früchte.
Begünstigende BedingungenKühl-feuchte Witterung, lange Blattnässe von etwa 9–12 Stunden, dichter Pflanzenbestand, schlechte Luftbewegung, nasse Blätter durch Überkopfberegnung und liegengebliebenes infiziertes Falllaub.
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Überblick

Die Entomosporium-Blattbräune befällt vor allem Gehölze aus der Unterfamilie der apfelfrüchtigen Rosengewächse. In Deutschland wird sie unter anderem an Quitten, Weiß- und Rotdorn, Birnen, Mispeln und Glanzmispeln beobachtet. Besonders anfällig können bestimmte Sorten und Hybriden sein, während die Empfindlichkeit zwischen Arten und Kultivaren deutlich variiert.

Die Krankheit beginnt meist an jungen, sich entfaltenden Blättern und kann sich von den unteren Kronenpartien nach oben ausbreiten. Bei starkem Befall vergilben die Blätter und fallen bereits im Sommer oder Spätsommer ab. Die Symptome können dem Feuerbrand ähneln; typische Blattflecken und Fruchtkörper sprechen jedoch eher für die Entomosporium-Blattbräune. Bei Verdacht auf Feuerbrand sollte eine amtliche oder fachkundige Diagnose eingeholt werden.

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Symptome und Erkennung

Anfangs entstehen zahlreiche kleine, runde, rötliche bis violette Flecken, häufig mit dunklerem Rand. Später werden die Zentren braun, grau oder schwärzlich; die Flecken können zusammenfließen und größere Nekrosen bilden. In den Flecken erscheinen punktförmige bis körnige Fruchtkörper, teils mit hellen Sporenmassen, die unter einer Lupe erkennbar sein können.

Starker Befall führt zu vorzeitigem Vergilben und Laubfall. An Weiß- und Rotdorn kann die Entlaubung bereits im Spätsommer auffällig sein. An Quitten können zusätzlich Früchte fleckig werden. Abgestorbene Triebe oder ein verbrannt wirkendes Gesamtbild sind dagegen nicht beweisend und erfordern die Abgrenzung insbesondere zu Feuerbrand.

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Ursachen und Ausbreitung

Die Ausbreitung erfolgt überwiegend durch Sporen, die aus infizierten Blättern, Trieben und Fruchtkörpern durch Regentropfen oder Überkopfberegnung auf gesundes Gewebe gelangen. Besonders kritisch sind lange Blattnässeperioden im Frühjahr und bei feucht-kühlem Sommerwetter. Dichte Kronen, schlecht durchlüftete Hecken und liegengebliebenes Falllaub erhöhen den Infektionsdruck.

Die Krankheit wird nicht durch einen Nährstoffmangel verursacht. Ähnliche Flecken können jedoch auch durch andere Pilze, Spritzschäden, abiotische Blattflecken oder Feuerbrand hervorgerufen werden; deshalb sollte eine Diagnose nicht allein anhand eines einzelnen Fotos gestellt werden.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Der Erreger überwintert an infizierten Blättern und kann auch in befallenen grünen Trieben überdauern. Bei sommergrünen Gehölzen ist Falllaub eine wichtige Infektionsquelle; bei immergrünen Wirten können befallene Blätter am Strauch verbleiben.

Im Frühjahr werden Sporen aus Fruchtkörpern durch Regen oder Beregnungswasser auf frisch austreibende Blätter gespritzt. Nach ausreichender Blattnässe keimen sie und dringen in das Gewebe ein. In den entstehenden Flecken bilden sich neue Fruchtkörper und Konidien, wodurch sich die Krankheit während feuchter Perioden mehrfach wiederholen kann. Die Sporen werden hauptsächlich durch Spritzwasser verbreitet, nicht durch Insekten.

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Behandlung und Bekämpfung

Bei leichtem Befall reicht häufig eine Kombination aus Falllaubhygiene, Entfernung stark befallener Blätter und Verbesserung der Kronendurchlüftung. Stark befallene, noch junge Triebe können bis ins gesunde Holz zurückgeschnitten werden; Schnittgut nicht unter der Pflanze liegen lassen.

Bei wiederkehrendem starkem Befall kann eine fachlich begründete Fungizidstrategie im zeitigen Frühjahr erforderlich sein, bevor längere Infektionsperioden einsetzen. Präparate schützen vor allem neues Gewebe und wirken nicht zuverlässig auf bereits abgestorbene Blattflecken. In Deutschland dürfen ausschließlich aktuell zugelassene Mittel entsprechend Kultur, Schadorganismus und Etikett verwendet werden.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Im Hausgarten steht die Verringerung der Sporenmenge und der Blattnässe im Vordergrund:

  • Infiziertes Falllaub im Herbst vollständig entfernen und über den Hausmüll entsorgen oder nur über eine sicher heiß arbeitende Kompostierung verwerten.
  • Bei kleinen Gehölzen stark befallene Blätter und, sofern sinnvoll, erkrankte junge Triebe ausschneiden.
  • Werkzeuge nach jedem Schnitt reinigen und desinfizieren, besonders wenn mehrere Gehölze der Rosengewächse bearbeitet werden.
  • Kronen auslichten, ohne die Pflanze durch radikalen Schnitt zu schwächen, damit Blätter rascher abtrocknen.
  • Tröpfchenbewässerung oder bodennahe Bewässerung bevorzugen; nicht über das Laub beregnen.
  • Bei Neupflanzungen weniger anfällige Arten oder Sorten aus zuverlässiger regionaler Beratung auswählen und enge, dauerhaft feuchte Hecken vermeiden.
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Vorbeugung

Vorbeugung beginnt mit möglichst trockenem Laub und geringer Sporenmenge. Falllaub unter anfälligen Gehölzen im Herbst gründlich aufnehmen. Dichte Zweige fachgerecht auslichten und Pflanzen mit ausreichendem Abstand setzen, damit Luft und Licht die Blätter schneller abtrocknen.

Bei der Bewässerung den Wurzelbereich statt die Krone benetzen und möglichst morgens gießen. Übermäßige Stickstoffdüngung vermeiden, weil sehr weiches, üppiges Neuwachstum besonders anfällig sein kann. In wiederholt stark betroffenen Anlagen sind weniger anfällige Wirtspflanzen eine langfristig wirksame Lösung.

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Wissenswertes

  • Der Name Entomosporium bedeutet sinngemäß „insektenähnlich“ und bezieht sich auf die auffällige Form der mehrzelligen Konidien mit Anhängseln.
  • In der aktuellen Nomenklatur wird der Erreger meist als Diplocarpon mespili geführt; ältere Gartenbau- und Pflanzenschutzinformationen nennen häufig Entomosporium mespili.
  • Die Anfälligkeit ist nicht nur artspezifisch, sondern kann sich auch zwischen Sorten und Hybriden stark unterscheiden. Glanzmispel-Hybriden wie Photinia × fraseri gelten in vielen Anbau- und Landschaftssituationen als besonders gefährdet.
  • Starker wiederholter Laubverlust schwächt Gehölze, führt aber bei etablierten Pflanzen meist nicht unmittelbar zum Absterben.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Pflanzenschutzmittel nur verwenden, wenn sie in Deutschland aktuell für die betreffende Kultur und das betreffende Schadproblem zugelassen sind. Ausschließlich nach dem gültigen Etikett und den dort festgelegten Aufwandmengen, Abständen, Anwendungsbedingungen und Schutzbestimmungen vorgehen. Eine pauschale Fungizidempfehlung ist wegen kultur- und zulassungsabhängiger Unterschiede nicht seriös.