Gefurchter DickmaulrüsslerQuelle: Wikimedia CommonsWikimedia Commons közreműködőPublic domain
Schädling

Gefurchter Dickmaulrüssler

Otiorhynchus sulcatus
Kurzüberblick

Gefurchter Dickmaulrüssler – Kurzüberblick

Der Gefurchte Dickmaulrüssler (Otiorhynchus sulcatus) ist ein weit verbreiteter, flugunfähiger Rüsselkäfer an Ziergehölzen, Stauden, Beerenobst und Topfpflanzen. Die nachtaktiven Käfer hinterlassen buchtenförmige Fraßstellen an Blatträndern. Weitaus gefährlicher sind die weißlichen Larven im Boden: Sie fressen Wurzeln und den Wurzelhals, wodurch Pflanzen welken, kümmern oder absterben können.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileBlattränder und Nadeln durch Adultenfraß; Feinwurzeln, stärkere Wurzeln und Wurzelhals durch Larvenfraß.
Begünstigende BedingungenWarme Sommernächte, geschützte feuchte Verstecke, dichter Mulch, lange Standzeiten sowie befallene Topf- und Ballenware fördern Befall und Verschleppung.
Pflanzendoktor

Überblick

Otiorhynchus sulcatus, in Deutschland Gefurchter Dickmaulrüssler genannt, gehört zu den bedeutenden Schädlingen im Zierpflanzenbau, in Baumschulen, an Beerenobst und bei Kübelpflanzen. Er ist etwa 8–12 mm lang, dunkel gefärbt, flugunfähig und überwiegend dämmerungs- sowie nachtaktiv.

Die Käfer sind tagsüber meist in Streu, Mulch, unter Töpfen oder in geschützten Pflanzenteilen verborgen. Der auffällige Blattrandfraß ist diagnostisch hilfreich, der wirtschaftlich schwerwiegendere Schaden entsteht jedoch häufig unauffällig im Boden durch Larvenfraß an Wurzeln.

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Symptome und Erkennung

Typisch sind buchten- oder halbmondförmige Fraßstellen am Rand von Blättern und Nadeln. Die Schäden beginnen häufig an älteren, lederigen Blättern von Rhododendron, Kirschlorbeer, Eibe oder Efeu und fallen nach nächtlicher Kontrolle mit Taschenlampe auf.

Bei Wurzelfraß zeigen Pflanzen zunächst Wachstumsdepression, Welke trotz ausreichender Bodenfeuchte, Blattvergilbung oder rötliche Verfärbungen. Bei starkem Befall sind Wurzeln und Wurzelhals ringförmig angefressen; Topfpflanzen können plötzlich zusammenbrechen und absterben. Im Substrat finden sich cremeweiße, fußlose, C-förmig gekrümmte Larven mit brauner Kopfkapsel.

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Ursachen und Ausbreitung

Die Ausbreitung erfolgt vor allem durch befallene Topf-, Container- und Ballenpflanzen sowie durch anhaftendes Substrat. Die Weibchen vermehren sich in Europa überwiegend ohne Befruchtung und legen im Sommer mehrere hundert Eier in den Boden nahe geeigneter Wirtspflanzen.

Ein dichter Bewuchs mit attraktiven Wirtspflanzen, dauerhafte Bodenfeuchte, geschützte Verstecke unter Mulch sowie eine lange Standzeit von Kübel- und Baumschulware begünstigen die Entwicklung. Adulte Käfer können nicht fliegen, wandern aber nachts und werden durch Pflanzen- und Materialbewegungen verschleppt.

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Lebenszyklus und Überdauerung

In Deutschland erscheinen die ersten Käfer meist ab Ende Mai. Nach einem mehrwöchigen Reifungsfraß legen die Weibchen von Juli bis in den Spätsommer hinein Eier in den Boden. Ab etwa August schlüpfen die Larven und fressen zunächst an Feinwurzeln, später auch am Wurzelhals.

Die Larven überwintern im Boden, häufig als weit entwickelte Larven, und verpuppen sich im folgenden Frühjahr oder Frühsommer. Aus den Puppen entstehen neue adulte Käfer. Unter Gewächshausbedingungen können Entwicklungsverlauf und Generationenzahl abweichen; deshalb ist eine genaue jahreszeitliche Einordnung nicht immer möglich.

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Behandlung und Bekämpfung

Bei sichtbarem Buchtenfraß sollte nicht nur der Käferbestand, sondern vor allem der Wurzelbereich untersucht werden. Pflanzen vorsichtig austopfen oder den oberen Wurzelballen kontrollieren; Welke ohne erkennbare Blattkrankheit ist ein wichtiger Hinweis auf Larvenfraß.

Die wirksamste biologische Maßnahme gegen Larven und Puppen sind geeignete entomopathogene Nematoden. In Deutschland werden je nach Bodentemperatur vor allem Heterorhabditis bacteriophora, Heterorhabditis megidis und gegen überwinternde Larven auch Steinernema kraussei eingesetzt. Typische Anwendungsfenster sind April/Mai sowie August/September. Der Boden muss während und nach der Ausbringung ausreichend feucht bleiben; die konkrete Temperatur- und Anwendungsvorgabe des Produkts ist maßgeblich.

Bei starkem Befall sollten Larvenstadien und adulte Käfer möglichst im selben Bekämpfungsplan berücksichtigt werden. Einzelne Käfer können nachts abgesammelt werden, doch diese Maßnahme allein beseitigt den Befall im Boden meist nicht.

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Schonende und biologische Bekämpfung

  • Entomopathogene Nematoden nach Packungsangabe mit Wasser ausbringen und den Boden anschließend mehrere Tage bis Wochen gleichmäßig feucht halten.
  • Für kältere Frühjahrsbedingungen sind Produkte mit dafür geeigneten Nematodenstämmen vorzuziehen; nicht jede Nematodenart ist bei jeder Bodentemperatur wirksam.
  • Bei Kübelpflanzen ist die Behandlung oft besonders gut steuerbar, weil die Nematoden im begrenzten Wurzelraum bleiben.
  • Adulte Käfer nachts absammeln oder unter ausgelegten Versteckmaterialien kontrollieren und entfernen.
  • Natürliche Gegenspieler wie insektenpathogene Nematoden und bodenbewohnende Räuber durch schonende Bodenpflege, vielfältige Randstrukturen und den Verzicht auf unnötige Breitbandbehandlungen fördern.
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Vorbeugung

  • Neue Pflanzen, besonders Rhododendron, Eibe, Kirschlorbeer, Erdbeeren und Stauden, vor dem Einräumen oder Auspflanzen auf Larven, Fraßspuren und auffällige Wurzelballen kontrollieren.
  • Bei Containerpflanzen Substrat, Topfränder und Stellflächen regelmäßig prüfen; befallene Ware isolieren und nicht weitergeben.
  • Mulch, Laub und Bretter nicht dauerhaft direkt an gefährdeten Pflanzen liegen lassen, da sie als Tagesverstecke dienen können.
  • Ab Ende Mai nachts mit Taschenlampe kontrollieren. Papp- oder Jutestreifen beziehungsweise umgedrehte Bretter können als Verstecke dienen und anschließend auf Käfer überprüft werden.
  • Stark gefährdete Kulturen nicht über Jahre am gleichen Standort stehen lassen und Wurzelballen vor dem Pflanzen sorgfältig prüfen.
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Wissenswertes

  • Die erwachsenen Käfer sind flugunfähig und lassen sich bei Störung häufig fallen, weshalb sie bei Tageslicht leicht übersehen werden.
  • Der Gefurchte Dickmaulrüssler ist stark polyphag; dokumentierte Wirtspflanzen gehören zu zahlreichen Familien, wobei die Empfindlichkeit von Pflanzenart, Entwicklungsstadium und Kulturführung abhängt.
  • Der oberirdische Buchtenfraß wirkt oft kosmetisch, während wenige Larven im Wurzelballen bei jungen oder kübelkultivierten Pflanzen erheblichen Schaden verursachen können.
  • Bei vielen Populationen treten keine Männchen auf; die Weibchen können sich ohne Paarung fortpflanzen.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Pflanzenschutzmittel nur einsetzen, wenn ein Produkt in Deutschland für die konkrete Kultur und den betreffenden Schaderreger beziehungsweise die entsprechende Anwendung aktuell zugelassen ist. Vor jeder Anwendung die aktuelle BVL-Zulassungsdatenbank und das verbindliche Etikett prüfen; Aufwandmenge, Kultur, Anwendungszeitpunkt, Wartezeiten, Abstände zu Gewässern sowie Schutz- und Anwendungsbestimmungen strikt einhalten. Keine pauschale Insektizidempfehlung ersetzt die zugelassene Gebrauchsanleitung.