Honiggelber Hallimasch
Armillaria melleaHoniggelber Hallimasch – Kurzüberblick
Der Honiggelbe Hallimasch (Armillaria mellea) ist ein bodenbürtiger Holz- und Wurzelzerstörer, der geschwächte Bäume, Sträucher, Reben und Obstgehölze befallen kann. Typisch sind schleichender Kronenrückgang, Fäulnis an Wurzeln und Stammgrund, weißes Fächermyzel unter der Rinde sowie dunkle Rhizomorphen. Eine erfolgreiche Bekämpfung beruht vor allem auf Entfernung befallener Wurzeln und konsequenter Vorbeugung.
Typische Bedingungen
Überblick
Der Honiggelbe Hallimasch ist in Deutschland ein häufiger Vertreter der Gattung Armillaria. Als Krankheitserreger verursacht er vor allem eine Weißfäule im Wurzel- und unteren Stammbereich. Die Art besitzt ein breites Wirtsspektrum; die genaue Zuordnung zu A. mellea ist anhand von Fruchtkörpern allein jedoch nicht immer sicher, weil mehrere Hallimasch-Arten in Deutschland vorkommen und sich äußerlich überschneiden.
Ein Befall kann über längere Zeit unauffällig bleiben. Mit fortschreitender Wurzelschädigung nimmt die Wasser- und Nährstoffversorgung der Krone ab; befallene Gehölze können schließlich absterben.
Symptome und Erkennung
Oberirdisch zeigen sich zunächst unspezifische Symptome: nachlassender Austrieb, hellgrüne bis gelbliche Blätter, kleinere Blätter, schüttere Kronen und einzelne absterbende Äste. Bei Obstgehölzen und Reben können Ertrag und Fruchtqualität zurückgehen. Der Verlauf reicht von langsamem Siechtum bis zu raschem Absterben, besonders nach Trockenstress, Staunässe oder Pflanzschock.
Diagnostisch wichtig sind unter der Rinde des Wurzelhalses oder Stammgrunds ein weißer, fächerförmiger Myzelrasen sowie dunkelbraune bis schwarze, strangartige Rhizomorphen an Wurzeln und im Boden. Büschelige, gelblich-honigfarbene Fruchtkörper mit Ringzone erscheinen in Deutschland meist von September bis November an befallenem Holz oder am Stammfuß. Fruchtkörper allein beweisen die Art nicht.
Ursachen und Ausbreitung
Die wichtigste Infektionsquelle sind befallene Wurzeln, Stubben und abgestorbenes Holz im Boden. Rhizomorphen wachsen von diesen Reservoiren zu benachbarten Wurzeln und können den Erreger auch ohne sichtbare Verletzung in gesundes Gewebe einführen. Bodenbewegungen mit Wurzelholz, Rodungsreste und das Pflanzen anfälliger Gehölze an einem alten Wald- oder Obstbaumstandort fördern die Verschleppung.
Stress erhöht das Erkrankungsrisiko: längere Trockenperioden, Staunässe, verdichtete Böden, Wurzelschäden, Frost, Pflanzschock und wiederholte Entlaubung schwächen die Abwehr. In Deutschland ist besonders bei geschädigten Gehölzen in Gärten, Streuobstwiesen, Weinbergen und ehemaligen Waldstandorten mit Befall zu rechnen.
Lebenszyklus und Überdauerung
Armillaria mellea überdauert vor allem als Myzel in lebenden oder abgestorbenen Wurzeln, Stubben und anderem Holz. Dunkle Rhizomorphen können im Boden von einem Wurzelbereich zum nächsten wachsen und benachbarte Gehölze infizieren. Nach der Besiedlung dringt der Pilz vom Wurzelbereich in den Stammgrund vor und baut Holz als Weißfäule ab.
Die Fruchtkörper bilden Basidiosporen. Diese spielen bei der direkten Infektion gesunder Gehölze meist eine geringere Rolle als der unterirdische Kontakt über Rhizomorphen und infizierte Holzreste. In Restwurzeln kann der Erreger über viele Jahre bis Jahrzehnte lebensfähig bleiben.
Behandlung und Bekämpfung
Bereits stark geschädigte Gehölze lassen sich in der Regel nicht kurativ retten. Entfernen Sie sie möglichst vollständig einschließlich Stubben und größerer Wurzeln. Je mehr infiziertes Holz im Boden verbleibt, desto länger kann der Befallsherd bestehen bleiben.
Bei noch vitalen, nur leicht beeinträchtigten Gehölzen können Stressfaktoren reduziert werden: bedarfsgerecht wässern, Bodenverdichtung vermeiden, den Wurzelbereich nicht verletzen und keine starken Düngergaben ohne Bodenanalyse ausbringen. Diese Maßnahmen können die Standzeit verlängern, beseitigen den Pilz aber nicht. Bäume mit deutlicher Stand- oder Bruchsicherheitsgefährdung sollten von einer qualifizierten Fachperson beurteilt und gegebenenfalls fachgerecht entfernt werden.
Schonende und biologische Bekämpfung
Eine biologische oder organische Maßnahme kann einen etablierten Befall im Boden nicht zuverlässig heilen. Sinnvoll sind deshalb integrierte, nichtchemische Schritte:
- Befallene Bäume und Sträucher möglichst vollständig roden und so viele Grob- und Feinwurzeln wie praktisch möglich entfernen.
- Stubben, größere Wurzelstücke und befallenes Holz nicht im Pflanzloch oder Kompost belassen; Material fachgerecht entsorgen.
- Bei einer Nachpflanzung den Standort gründlich von Wurzelresten säubern, die Bodenstruktur verbessern und Staunässe vermeiden.
- Benachbarte Gehölze durch bedarfsgerechte Bewässerung, schonende Bodenpflege und Vermeidung von Stamm- und Wurzelverletzungen vital halten.
- Biologische Präparate, etwa auf Basis von Trichoderma, nur als ergänzende, für die jeweilige Kultur zugelassene beziehungsweise passende Maßnahme betrachten; eine sichere Sanierungswirkung gegen etablierte Armillaria-Herde ist nicht allgemein belegt.
Vorbeugung
Vor einer Neupflanzung alte Stubben und möglichst viele Wurzeln vollständig entfernen. In befallenen Bereichen keine empfindlichen Gehölze unmittelbar in dieselbe Pflanzgrube setzen; wenn möglich einen nicht befallenen Standort wählen. Bei Obst- und Ziergehölzen auf durchlässige, nicht verdichtete Böden, eine passende Pflanztiefe und gleichmäßige Wasserversorgung achten.
- Keine frischen Rodungs- oder Häckselreste von befallenen Gehölzen einarbeiten.
- Wurzeln und Stammgrund vor Schnitt-, Bau- und Mähschäden schützen.
- Staunässe durch Bodenverbesserung oder Drainageprobleme beseitigen, ohne den Standort unnötig zu vernässen.
- Neue Pflanzen nur aus gesundem, kontrolliertem Pflanzgut beziehen und Wurzeln vor dem Pflanzen auf auffällige Fäulnis prüfen.
- Bei Verdacht Wurzelhals und Rinde vorsichtig untersuchen; für eine sichere Art- und Krankheitsbestimmung eine fachkundige Untersuchung beauftragen.
Wissenswertes
- Der wissenschaftliche Name bezeichnet eine einzelne Art, während ältere Literatur zahlreiche Hallimasch-Funde pauschal als Armillaria mellea geführt hat.
- Der Pilz ist zugleich Parasit lebender Gehölze und Saprophyt abgestorbenen Holzes.
- Hallimasch-Fruchtkörper am Stammfuß sind ein auffälliges Warnsignal, erscheinen aber nur zeitweise und nicht bei jedem Befall.
- Die unterirdische Ausbreitung über Rhizomorphen und Wurzelreste ist für die Krankheitsausbreitung meist wichtiger als Sporenflug.
Für Armillaria-Wurzelfäule gibt es im Haus- und Kleingarten keinen allgemein verlässlichen chemischen Sanierungsplan. Verwenden Sie Pflanzenschutzmittel ausschließlich, wenn sie in Deutschland für die konkrete Kultur und das konkrete Problem zugelassen sind, und halten Sie sich strikt an das aktuelle amtliche Etikett. Eine Boden- oder Stubbenbehandlung ersetzt die Entfernung infizierten Holzes nicht.
Betroffene Pflanzen
Die folgenden Pflanzen sind anhand strukturierter Wirtsdaten mit diesem Problem verknüpft. Die Liste wird bei neuen Pflanzenprofilen automatisch aktualisiert.
Feldahorn (Acer campestre) – PflegeAcer campestre
Zimt-Ahorn (Acer griseum) – PflegeAcer griseum
Japanischer Ahorn (Acer japonicum) – PflegeAcer japonicum
Eschen-Ahorn (Acer negundo) – PflegeAcer negundo
Fächer-Ahorn (Acer palmatum) – PflegeAcer palmatum
Spitzahorn (Acer platanoides) – PflegeAcer platanoides
Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) – PflegeAcer pseudoplatanus
Rot-Ahorn (Acer rubrum) – PflegeAcer rubrum
Silber-Ahorn (Acer saccharinum) – PflegeAcer saccharinum
Zucker-Ahorn (Acer saccharum) – PflegeAcer saccharum
Tatarischer Steppen-ahorn (Acer tataricum) – PflegeAcer tataricum
Feuer-Ahorn (Acer tataricum ginnala) – PflegeAcer tataricum ginnala
Quelle: